WiWo-Top-Steuerberater: In die Zukunft steuern: Diese Steuerkanzleien helfen Unternehmen weiter
Schluss mit schmutzig: Für grüne Investitionen gibt es bald Prämien vom Staat – und Hilfe vom Steuerberater.
Foto: imago imagesUnternehmer haben in Kürze die Chance, die grüne Transformation voranzutreiben – und gleichzeitig Steuern zu sparen. Denn Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat im Juli, kurz vor der parlamentarischen Sommerpause, ein umfangreiches Entlastungspaket auf den Weg gebracht.
Die Wirtschaft brauche jetzt dringend Impulse, argumentierte Lindner und präsentierte dazu das „Wachstumschancengesetz“. Der Entwurf enthält zahlreiche Reformvorschläge, darunter eine Prämie für Investitionen in grüne Technologien und eine großzügigere Forschungsförderung.
Ein Kabinettsbeschluss über das Gesetz kam jüngst aber vorerst nicht zustande. Aber klar ist schon jetzt: In den nächsten Monaten kommt es noch mehr als sonst auf Steuerberater an, die Veränderungen antizipieren und kluge Strategien entwickeln. Doch auf wen können Entscheider vertrauen? Welche Kanzleien gelten in der Szene als besonders versiert – und welche Veränderungen treiben sie voran, um in Zukunft noch besser zu beraten?
Berater setzen auf Legal-Tech-Lösungen
Antworten liefert eine exklusive Auswertung des Handelsblatt Research Instituts (HRI) im Auftrag der WirtschaftsWoche. Die HRI-Experten haben die Top-Beratungsgesellschaften in sechs Kategorien ermittelt (siehe Ergebnisse unten) und dies mit einer Umfrage über den Wandel in der Branche verknüpft. Sie liefert interessante Einblicke, etwa wenn es um den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) geht.
So setzen vier von fünf Steuerberatungsgesellschaften bereits KI-Tools ein. Dabei ist die „Erstellung von Text-Vorlagen“ das häufigste Einsatzgebiet: 23,6 Prozent der Befragten vertrauen hier auf KI. Mit je rund 16 Prozent folgen die Analyse und Aufbereitung großer Datensätze. Großes Potenzial sehen Berater zudem, wenn es darum geht, die Datenerfassung zu automatisieren.
Ein starker Treiber dieser Entwicklung sei der Fachkräftemangel, der sich nach Einschätzung von Markus Reithwiesner weiter zuspitzen wird. „Die Digitalisierung und der Einsatz künstlicher Intelligenz sind wichtige Hebel, um Berater von Routineaufgaben zu entlasten und die Produktivität zu erhöhen“, sagt der Sprecher des Vorstands der ETL-Gruppe, zu der in Deutschland mehr als 900 Kanzleien gehören.
Die ETL-Berater vertrauen zum Beispiel auf KI-Tools, die Belege automatisch auswerten – und zwar nicht nur steuerlich, sondern auch betriebswirtschaftlich. Dank dieser und weiterer sogenannter Legal-Tech-Lösungen erhielten Mittelständler wichtige Daten, „auf deren Basis sie bessere unternehmerische Entscheidungen fällen können“, sagt Reithwiesner. Besonders wichtig sind aus seiner Sicht einfache Lösungen, in die auch Kleinunternehmer ohne teure IT-Systeme problemlos Daten einspeisen können.
Reithwiesner beobachtet, dass Mitarbeiter offener für Legal-Tech-Lösungen sind als noch vor einigen Jahren. „Früher haben viele Angst um ihre Jobs gehabt“, sagt er. „Infolge des Fachkräftemangels ist die Akzeptanz gestiegen, weil Berater und Mitarbeiter die Chance auf Entlastung sehen.“ Darüber hinaus setzt ETL auf finanzielle Anreize: „Wer dank Automatisierung mehr Mandanten betreut, hat bei uns auch höhere Verdienstmöglichkeiten.“
Ob die Automatisierung die Beratung verbessert, können Kanzleien in den nächsten Wochen zeigen. Denn der Branche steht ein heißer Herbst bevor: Es gilt, Unternehmer bestmöglich auf das Wachstumschancengesetz vorzubereiten. Die Experten haben die Lindner-Vorschläge deshalb über den Sommer intensiv analysiert. Besonders im Fokus steht die Innovationsprämie: Unternehmen sollen künftig eine 15-prozentige Zulage erhalten, wenn sie in grüne Technologien investieren. Was genau der Staat bezuschusst, ist allerdings offen. Zudem soll es nur dann fiskalischen Support geben, wenn Unternehmen zwischen dem Tag der Verkündung des Gesetzes und Ende 2029 investieren.
Damit könnte das Gesetz zunächst für Verzögerungen sorgen – also das Gegenteil von dem, was die Ampel-Koalitionäre wollen. „Unternehmen, die größere Investitionen in naher Zukunft planen, sollten sich hierfür nicht zu viel Zeit lassen, aber dennoch abwarten, was das neue Gesetz nach der endgültigen Verabschiedung tatsächlich bringt“, rät die Kanzlei Ecovis. Steuerberater hoffen nun, dass möglichst schnell Klarheit herrscht.
Die Mindeststeuer kommt – jetzt wirklich
Das gilt auch für weitere anstehende Neuregelungen. So will die Bundesregierung das Außensteuerrecht an mehreren Stellen verschärfen. Zudem wirft die globale Mindeststeuer ihre Schatten voraus: Sie soll laut einem aktuellen Gesetzentwurf hierzulande zum Jahreswechsel in Kraft treten. Steueroasen werden dann weniger attraktiv, Experten für internationales Steuerrecht sprechen von einer „neuen Ära“. So sieht es auch Finanzminister Lindner. „Gewinne in Deutschland zu machen und dann irgendwo anders fast keine Steuern zu zahlen – dieses Geschäftsmodell kommt zum Ende“, kündigte er im Juli an. Konzerne, die hierzulande Gewinne machen, müssten sich auch „an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen“.
Die Mindeststeuer wurde 2021 im Rahmen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von rund 140 Ländern beschlossen. Sie wird nun in der Europäischen Union, aber auch von Staaten wie Großbritannien, Japan oder Australien eingeführt. In der EU müssen die Vorgaben bis Jahresende in nationales Recht umgesetzt werden. Die neue 15-prozentige Mindeststeuer zielt auf international tätige Unternehmen mit über 750 Millionen Euro Jahresumsatz. In diese Kategorie fallen Hunderte deutsche Unternehmen; wie viele bisher durch Gewinnverlagerungen unter der Schwelle liegen, ist unklar. Wird die 15-Prozent-Steuerrate unterschritten, sollen betroffene Unternehmen auf Ebene der obersten Muttergesellschaft die Differenz als Zusatzsteuer zahlen müssen. Deutschland möchte bei multinationalen Konzernen aber auch für die hiesigen Unternehmensteile wenigstens eine 15-prozentige Besteuerung sicherstellen.
Lindner und seine Ministerialbeamten hoffen jedenfalls auf üppige Zusatzeinnahmen. Irgendwo muss das Geld für die Entlastungen im Wachstumschancengesetz schließlich herkommen.
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