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DIHK-UmfrageHälfte der Firmen sieht Standortbedingungen als Geschäftsrisiko

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer sieht großen Frust bei den Unternehmen im Land. Vor allem an der Attraktivität des Standortes müsse die Politik dringend arbeiten. 26.10.2023 - 13:40 Uhr

Größtes Geschäftsrisiko für Unternehmen bleiben die hohen Energie- und Rohstoffpreise, allerdings mit abnehmender Tendenz.

Foto: imago images/agefotostock

Die Ampel-Regierung muss nach einer großangelegten Umfrage in der Wirtschaft dringend Maßnahmen ergreifen, um den Standort Deutschland attraktiver zu machen. „Es wird nicht von alleine besser“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Martin Wansleben, am Donnerstag in Berlin. „Es ist jetzt schnell zu handeln.“

Die Koalition aus SPD, Grünen und FDP müsse für niedrigere Strompreise sorgen, mit einer abgesenkten Stromsteuer und wegfallenden Netzentgelten. Zudem brauche es neue Handelsabkommen und die überbordende Bürokratie müsse reduziert werden. „Der Frust ist riesig.“ Es gebe immer neue Vorschriften für Unternehmen, was zulasten der Produktivität gehe. Außerdem sei der Strompreis fast drei Mal so hoch wie 2020.

Die Handelskammer hat von Mitte September bis Anfang Oktober 24.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen befragt. Bessere Daten sind in Deutschland kaum verfügbar. Auf Basis der Antworten senkte der Verband seine Konjunkturprognose für dieses Jahr auf minus 0,5 Prozent. Im Frühjahr hatte die DIHK noch mit einer Stagnation gerechnet. Diese wird nun für 2024 vorausgesagt, womit der Verband deutlich pessimistischer ist als andere Experten. „Wir sehen bislang keine Anzeichen für einen sich selbst tragenden Aufschwung“, so Wansleben.

Energiepreise bleiben Hauptsorge

Unternehmen schätzen die Rahmenbedingungen in Deutschland als immer größeres Geschäftsrisiko für sich ein. 51 Prozent klagen derzeit über die wirtschaftspolitischen Standortfaktoren, nach zuvor 43 Prozent. „Als Hemmschuh dominiert hier die Bürokratie“, erläuterte Wansleben. Es brauche ein Umdenken. „Es gibt eine klare Investitionszurückhaltung.“ Vor allem in der Industrie zögerten zahlreiche Firmen, auch mit Einstellungen.

Überregulierung

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Der zuletzt wiederaufgeflammte Nahost-Konflikt kann laut DIHK die ohnehin schon schwierige Weltlage noch verschlechtern. Israel sei bislang als kleinere Volkswirtschaft kein größeres Thema für die meisten Unternehmen gewesen. Das könne sich aber ändern, wenn sich der Konflikt zu einem Flächenbrand ausweite und beispielsweise starke Auswirkungen auf Öllieferungen habe. Das würde die aktuelle Krise noch verschärfen.

Größtes Geschäftsrisiko bleiben die hohen Energie- und Rohstoffpreise, allerdings mit abnehmender Tendenz. Diese nennen noch 61 Prozent nach 65 Prozent im Frühjahr. Auch der Fachkräftemangel behindert weiterhin viele Betriebe, die maue Inlandsnachfrage wird wichtiger.

Positive Rückmeldungen verzeichnete die DIHK unter anderem aus der Pharma- und Energiebranche sowie von IT-Dienstleistern. Insgesamt schätzen 30 (Frühjahr: 34) Prozent der befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“ ein, 21 (Frühjahr: 15) Prozent als „schlecht“. „Die Unternehmen blicken aber sorgevoll in die Zukunft“, sagte Wansleben. Bei den Geschäftsaussichten für die nächsten zwölf Monate überwögen in fast allen Branchen die negativen Erwartungen. Insgesamt rechnen 35 (23) Prozent der Betriebe mit einer Verschlechterung, nur 13 (18) Prozent mit einer Verbesserung.

„Unternehmen brauchen Verlässlichkeit für mindestens zehn Jahre, besser mehr“, warnte Wansleben. Nur noch 24 (28) Prozent planen aber mit zusätzlichen Investitionen. 31 (24) Prozent gaben an, Investitionen reduzieren zu wollen. In der Industrie sei der Wert noch höher.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte diese Woche der Industrie massive Hilfen in Aussicht gestellt. Der Grünen-Politiker präsentierte eine 60-seitige Industriestrategie, die allerdings nicht mit den Koalitionspartnern abgestimmt ist. Differenzen gibt es weiterhin bei der von Habeck geplanten Subventionierung des Strompreises für besonders energieintensive Industriebetriebe sowie Investitionen über die Schuldenbremse hinaus.

Lesen Sie auch: Habeck hat eine Strategie – aber keinen Plan

rtr
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