Immobilien: Wohnen wird 2024 zum Armutsrisiko
Wie teuer wird Wohnen im nächsten Jahr?
Foto: Getty ImagesDie Wohnungskrise in Deutschland wird sich 2024 weiter zuspitzen. Bereits 2023 fehlen mehr als 700.000 Wohnungen, vor allem Sozialwohnungen und bezahlbare Mietwohnungen. Daran wird sich auch 2024 nicht viel ändern, im Gegenteil: Die angespannte Situation wird sich noch verschärfen. Nach Baukostensteigerungen von 15 Prozent in den letzten 12 Monaten und mehr als 40 Prozent seit 2019 ist Bauen so teuer wie noch nie.
Bei einem Zinssatz von vier Prozent ergibt sich im Neubau ein Mietniveau von 18,10 Euro pro Monat netto kalt – unbezahlbar für die absolute Mehrheit der Bevölkerung. Bei einer 80-Quadratmeter-Wohnung würde sich die Monatskaltmiete auf rund 1450 Euro belaufen, samt Heiz- und Nebenkosten könnten es schnell 1800 Euro und mehr sein. Damit das nur ein Drittel des Nettoeinkommens darstellt, wären wenigstens 5400 Euro Haushaltsnettoeinkommen nötig. Das ist ein Wert weit über dem bundesweiten Durchschnitt.
Die Bauträger ziehen aus dieser Lage ihre Schlüsse. In der Folge ist zuletzt die Zahl der Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2023 bei Mehrfamilienhäusern um fast ein Drittel eingebrochen. Unglaublich vor dem Hintergrund, dass bis 2027 laut aktuellen Zahlen aus der Immobilienbranche bis zu 830.000 Wohnungen fehlen – das entspricht fast 1,7 Millionen Menschen, die auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung sind.
Der Zinsanstieg macht den Immobilienerwerb für Selbstnutzer zudem enorm unattraktiv. Der Druck auf den angespannten Mietwohnungsmarkt wird dadurch noch größer.
Jeder dritte Mieterhaushalt ist überlastet
Nicht nur die Angebotsmieten bei Neu- und Wiedervermietung sind 2023 zum Beispiel in Berlin mit 27 Prozent zweistellig gestiegen, sondern auch die Mietspiegel – also Bestandsmieten, zuletzt in München um historische 21 Prozent. Vom Mietenanstieg sind neben den Metropolen besonders auch die Angebotsmieten in ländlichen Wohnungsmärkten wie im Saarland (plus 7,9 Prozent), in Brandenburg (plus 9,1 Prozent) und in Mecklenburg-Vorpommern (plus 10,3 Prozent) betroffen.
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Ein Ende der Mietpreisspirale ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil: Ein löchriges Mietrecht und hohe Kosten für Heizung und Energie lassen die Wohnkosten von immer mehr Mieterinnen und Mietern dramatisch ansteigen. Bereits heute ist jeder dritte Mieterhaushalt und damit über sieben Millionen Haushalte in Deutschland durch seine Wohnkosten überlastet. 3,1 Millionen Haushalte geben für ihre Kaltmiete inklusive Heizkosten sogar mehr als 40 Prozent ihres Einkommens aus. Für immer mehr Menschen wird Wohnen 2024 zum Armutsrisiko werden.
Die Bundesregierung muss endlich aufwachen und die im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen für Mieterinnen und Mieter umsetzen. Zudem muss der Abschwung der Baubranche dringend gestoppt und der Fokus auf den Bau von bezahlbaren Wohnungen gelegt werden. Es braucht Wohnungen, die sich Menschen auch leisten können. Denn ein Großteil der Neubauwohnungen ist für die meisten Mieterinnen nicht bezahlbar. Von den 2022 rund 295.000 neu gebauten Wohnungen sind weniger als ein Drittel klassische Mietwohnungen und weniger als ein Zehntel bezahlbare Sozialwohnungen.
Statt über teure und ineffektive Steuergeschenke den Bau von Dachaufstockungen zu finanzieren, müssen die Mittel für den sozialen Wohnungsbau erhöht und die Anzahl öffentlicher Wohnungen vergrößert werden. Wohnungsunternehmen sollten durch Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen beim Bau von bezahlbaren Mietwohnungen unterstützt werden. So müssten die Mieten im Neubau zumindest wieder auf das Vorkrisenniveau fallen.
Die Bundesregierung muss endlich die lähmende Heizungsdebatte hinter sich lassen und die Krise auf dem Wohnungsmarkt mit den richtigen Maßnahmen bekämpfen. Die sozialen Folgen sind ansonsten dramatisch.
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