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TelekommunikationVodafone ringt in Deutschland weiterhin um Kunden

Zwar konnte der Anbieter im vergangenen Quartal fast 100.000 neue Mobilfunkkunden zu sich ziehen, zahlte dafür aber einen hohen Preis. Jetzt geht es für Vodafone um die TV-Kunden.Nele Husmann 05.02.2024 - 20:30 Uhr

Vodafone hat in Deutschland weiter Probleme.

Foto: REUTERS

Sein einziges positives Ergebnis erzielte der Telekommunikationskonzern Vodafone in Deutschland in den vergangenen drei Monaten im Mobilfunk. 95.000 neue Kunden gewann der drittgrößte Anbieter im vergangenen Quartal. Gemessen daran, dass sich im gleichen Zeitraum vor einem Jahr nur 11.000 neue Kunden sich für Vodafone entschieden hatten, ist das ein großer Erfolg. Damit liegt der Konzern aber noch immer deutlich hinter den Zuwachszahlen der Mitbewerber Deutsche Telekom und O2 zurück, die in den Vorquartalen 300.000 bis 400.000 neue Kunden gewinnen konnten.

Der Mobilfunkmarkt bietet den einzigen Lichtblick für Vodafone. Alle übrigen Segmente – sei es Kabelanschlüsse, TV oder Geschäftskunden – wiesen sinkende Kundenzahlen aus. Seit 2019 kämpft der Anbieter mit schwachem, wenn nicht sogar negativem Wachstum. Weil auch das Kabelgeschäft des Anbieters seit vielen Quartalen in Folge Kunden blutet und im TV-Geschäft im Sommer wegen des Wegfalls der Nebenkostenpauschale ein noch deutlicherer Knick bevorsteht, ist dieser deutliche Zuwachs bei den Mobilfunk-Nettoneukunden ein besonders wichtiger Etappensieg.

Allerdings zahlte Vodafone für diesen Kundenzuwachs einen Preis: Der Mobilfunkumsatz fiel um 0,5 Prozent. Offenbar hat der Konzern die neuen Kunden mit sehr aggressiven Weihnachts-Angeboten zu sich gelockt, sonst hätte sich das verbesserte Neukundengeschäft auch im Umsatz gezeigt. Zum Beispiel gab es im Dezember eine Aktion, bei der Kunden 500 Gigabyte zusätzliches Datenvolumen geschenkt bekamen, wenn sie die Läden frequentierten. Das schuf eine gute Gelegenheit für Anschlussgeschäfte. Kunden, die einen neuen Vertrag abschlossen, erhielten gratis zwei weitere Sim-Karten dazu. Statt eines Vertrags mit unlimitierter Internetgeschwindigkeit erhielt der Kunde so für weniger Geld als zuvor drei Sim-Karten mit drei Rufnummern.

Die Konkurrenten Deutsche Telekom und O2 waren bei diesen Kampfangeboten nicht bereit, mitzuziehen. Aktuell macht Vodafone mit einem subventionierten Niedrigpreis von einem Euro auf ein neues Premium-Samsung-Handy im Wert von 1300 Euro auf sich aufmerksam. Vodafone erklärt das Mobilfunk-Umsatzminus mit Einmaleffekten in der Regulierung und einer Zeitverzögerung, dass manche Abschlüsse erst im folgenden Quartal auf den Umsatz einzahlen.

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Auch die Gesamt-Umsatzerholung bei Vodafone in Deutschland hat sich wieder abgeschwächt. In den letzten drei Monaten 2023 stieg der Umsatz nurmehr um noch 0,3 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro, während er im Vorquartal immerhin um 1,1 Prozent gewachsen war. Für Vodafone war das zweite Wachstumsquartal in Folge, nachdem es davor fünf Quartale lang Umsatzeinbußen hinnehmen musste.

Giga-Angebote wirken sich aus

„Wir stabilisieren unser Geschäft“, sagte Deutschlandchef Philippe Rogge. „Wir haben unseren Kundenservice verbessert, unsere Netze ausgebaut und wieder mehr Menschen mit attraktiven Angeboten überzeugt.“ Er hatte beim Amtsantritt vor einem Jahr mehr Ehrlichkeit und solidere Leistungen versprochen. Sein Vorgänger, Hannes Ametsreiter, hatte Vodafone vom Mobilfunkanbieter hin zur Giga-Company entwickeln wollen – denn im Festnetz lassen sich deutlich bessere Margen verdienen als im Mobilfunk. Doch in der Coronakrise wurden die Schwächen der Kabeltechnologie deutlich – seither verlassen Kunden, die eine Alternative haben, den Anbieter in Scharen.  Over-The-Top-Angebote wie Magenta-TV, Waipu oder Zattoo, die ein höherwertiges Fernseh-Produkt übers Internet liefern, greifen das Kabel-TV-Geschäft empfindlich an.

Vodafone war zuletzt mit besonders hohen Beschwerdequoten seiner Kunden bei den Verbraucherzentralen aufgefallen. Die Wirtschaftswoche berichtete von betrügerischen Machenschaften im Vodafone-Händlernetzwerk. Mit dem Filialbetreiber Compramos beendete Vodafone aufgrund der WiWo-Berichterstattung die Zusammenarbeit. Der war in der Vergangenheit mit seinen neun Shops immer ein besonders berechenbarer Lieferant von bis zu 12.000 Neukunden im Jahr gewesen. Auch umsatzstarken Fachhändlern wurde die Vertriebserlaubnis entzogen.

Im Festnetz ist die Kundenzahl bei Vodafone weiter rückläufig. Mit 76.000 Kunden verlor Vodafone in den letzten drei Monaten von 2023 beinahe doppelt so viele Kunden wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Immerhin konnte der Anbieter den Rückgang gegenüber den Vorquartalen, als 133.000 und 121.000 Menschen ihren Kabelanschluss kündigten, deutlich eindämmen. Wegen einer Preiserhöhung stieg der Umsatz in diesem Segment um ein Prozent.

Problemkind Kabelfernsehen

In den nächsten Monaten kommt die große Belastungsprobe erst noch auf Vodafone zu. Ab Ende 2024 ist Schluss mit dem Nebenkostenprivileg, wo Mietshausbesitzer die Kabelgebühren pauschal in den Nebenkosten abrechnen durften. Jetzt muss Vodafone ihre 8,5 Millionen Kabel-TV-Kunden, die in Mietshäusern wohnen und insgesamt 800 Millionen Euro Umsatz mit Basis-Kabel-TV-Gebühren ausmachen, für Einzelabschlüsse gewinnen. In den letzten drei Monaten 2023 verlor Vodafone allein 136.000 TV-Kunden. Der Konzern gibt an, dass seine Systeme und Kampagnen startklar sind. In Probeläufen habe er zwischen 35 und 65 Prozent der Kunden für den Abschluss eines Einzelvertrags gewinnen können.

Finanzchef Luka Mucic war höchstpersönlich einen Tag lang mit den Rangers in deutschen Mietshäusern unterwegs und besuchte dabei 20 Kabel-TV-Kunden: „Es handelt sich in der Masse nicht um ein Publikum, dass sich für OTT-Angebote begeistert, sondern eher um ältere Menschen, die gern beim Status-Quo bleiben“, berichtete er Finanzanalysten.

Vodafone erwartet, dass in zwei Jahren, im Fiskaljahr 2026, der neue Roaming-Vertrag mit 1&1 greifen wird und sie dann Umsatzverluste auffangen können. Erst einmal aber müsse in die technischen Prozesse für die Kundenmigration von 1&1 investiert werden. „Im Fiskaljahr 2026 wird Deutschland zurück sein mit anständigem Wachstum“, sagte Finanzchef Mucic. Er wechselte im vergangenen Frühjahr von SAP zur Vodafone-Zentrale nach London.

Geschäftskundensparte rückläufig

Eine neue Kooperation mit Microsoft, bei der Vodafone aus eigenen Rechenzentren auf die Azure-Server des amerikanischen IT-Konzerns umzieht, macht sich jetzt auch im deutschen Filialnetz bemerkbar: Hier bieten die Mitarbeiter in den roten Poloshirts ihren Geschäftskunden zugleich auch Microsoft-365-Abonnements an. Früher bot Vodafone hier noch ein eigenes Angebot mit E-Mail-Adressen und weiteren digitalen Services. Die Geschäftskunden scheint das neue Angebot bislang nicht zu Vodafone  zu locken: Der Umsatz im Business-Geschäft in Deutschland fiel im jüngsten Quartal um 1,9 Prozent, obwohl der Konzern 1,8 Millionen neue Mobilfunkdatenkarten etwa an die Autoindustrie verkaufen konnte.

Für den britischen Konzern Vodafone ist der deutsche Markt wegen seiner Größe und der guten Margen hierzulande  entscheidend. Die Aktie fiel nach Bekanntgabe der Zahlen um ein Prozent auf 80 Cent.

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