Frühere Allianz-Beteiligung: Gebrauchtwagenportal Instamotion ist insolvent
Die Online-Gebrauchtwagen-Plattform Instamotion hat Insolvenz angemeldet.
Foto: imago images, ScreenshotEin weißer Tesla Model 3 mit 31.000 Kilometern für 39.350 Euro? Ein Mercedes-Sprinter mit Erstzulassung 2020 für 32.078 Euro? Oder doch der schwarze Smart EQ fortwo für 9.194 Euro? Auf der Onlineplattform Instamotion.com gibt es reichlich Auswahl an Gebrauchtwagen. „Das Unternehmen verfügt mit mehr als 30.000 Angeboten deutschlandweit über den größten Bestand an Fahrzeugen, die online gekauft oder finanziert werden können und bis zum gewünschten Standort geliefert werden“, heißt es auf der Unternehmenshomepage.
Ob das so bleibt, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden: Nach Informationen der WirtschaftsWoche hat die Instamotion Retail GmbH beim Amtsgericht München Insolvenzantrag gestellt. Als vorläufigen Insolvenzverwalter setzte das Gericht den Juristen Henrik Brandenburg, Partner der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen, ein. PwC Legal hatte das Unternehmen im Vorfeld beraten.
Der Geschäftsbetrieb von Instamotion gehe uneingeschränkt weiter, sagte Brandenburg der WirtschaftsWoche. Er habe bereits mit wichtigen Geschäftspartnern Kontakt aufgenommen, um Details zu klären, und könne die Kunden beruhigen: Da bei jedem Fahrzeugkauf eine Garantieversicherung abgeschlossen wird, hätten sie die Sicherheit, dass ihnen auch im Gewährleistungsfall nun keine Probleme oder Nachteile entstünden. Die 74 Mitarbeiter des Münchner Unternehmens sollen in den kommenden Monaten Insolvenzgeld erhalten.
Als Hoffnungsträger gestartet
Mit dem Konzept, neben Gebrauchtwagen auch weitere Dienstleistungen wie Finanzierung und Lieferung der Autos anzubieten, galt Instamotion lange Zeit als eines der vielversprechendsten deutschen Start-ups im Autohandel. Der frühere Ferrari-Vorstand Darius Ahrabian hatte die Plattform einst gegründet. 2019 kam dann der heutigen CEO, Nikolas Deskovic, damals Geschäftsführer von AutoScout24, an Bord. Risikokapital-Investoren wie Earlybird, ACT Ventures, THI Holdings und G+J Digital Ventures steckten Millionenbeträge in das Unternehmen. Allein bei einer Finanzierungsrunde 2021 sammelte Instamotion 24 Millionen Euro ein.
Direkt nach der Gründung hatte sich auch der Versicherungskonzern Allianz als Teil seiner Digitalisierungsstrategie an dem Unternehmen beteiligt. Das digitale Geschäftsmodell „trifft genau den Zeitgeist und passt ideal zu unserer Strategie der konsequenten Kundenorientierung“, hieß es damals in einer Pressemitteilung der Allianz. Den Käufern wurde beim Autokauf fortan eine Kfz-Versicherung der Allianz angeboten. Doch 2023 zog sich der Versicherungskonzern zurück: „Die Allianz hat sich 2023 von ihrer Beteiligung an Instamotion gelöst“, teilt ein Sprecher mit. Bis Ende 2023 konnten über Instamotion noch Kfz-Versicherungen der Allianz abgeschlossen werden. „Diese Endkundenverträge sind mit der Allianz Versicherungs-AG geschlossen und werden selbstverständlich so lange weitergeführt, bis uns ein gegenteiliger Kundenwunsch erreicht“, so der Sprecher.
Schon 2021 – aktuellere Geschäftsberichte sind nicht verfügbar – wies das Unternehmen einen Jahresfehlbetrag von 17,6 Millionen Euro aus. Allerdings waren Verluste angesichts der Wachstumsstrategie auch eingeplant. So stieg der Umsatz 2021 um stolze 86,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf rund 52 Millionen Euro. Und so sollte es weitergehen: Für 2022 erwartete die Geschäftsleitung eine Gesamtleistung von 84 Millionen Euro und 12 Millionen Euro Verlust. „Im Jahr 2024 wird der Break-Even avisiert, sodass das Unternehmen sich durch den eigenen Cashflow finanzieren kann“, heißt es im Geschäftsbericht. Das Management ging demnach davon aus, dass „die Investoren, wie auch in der Vergangenheit seit Unternehmensgründung, den Cash-Bedarf bis zum Break-Even im Jahr 2024 finanziert werden.“ Schließlich würde man schon „seit vielen Jahren von finanzstarken Investoren unterstützt, welche kontinuierlich den Cash-Bedarf des Unternehmens decken“.
Die gemeinsame Vision stehe im Vordergrund, hieß es. Es bestünden zwar „Risiken hinsichtlich der Finanzierung des geplanten Verlustes“. Diese „Risiken, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden könnten, werden durch sehr enge Zusammenarbeit mit den Investoren auf ein Minimum“ reduziert.
Das Wachstum stimmte also. Doch den in Aussicht gestellten Gewinn hat Instamotion dem Vernehmen nach nicht erreicht – und die Bindung der Investoren womöglich überschätzt.
Klar ist, das Unternehmen braucht nun rasch neue finanzielle Unterstützung. Offenbar erfolgte der Insolvenzantrag, nachdem eine Finanzierungsrunde scheiterte und damit die positive Fortführungsprognose entfiel. Nun will der vorläufige Insolvenzverwalter Investoren von einem Engagement überzeugen. Der Bieterprozess werde zügig gestartet, kündigte Brandenburg gegenüber der WirtschaftsWoche an. Er sei bislang zuversichtlich, dass eine Rettung gelingt.
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