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Carsten Maschmeyer„Ich würde nicht meine Anteile verkaufen, nur weil Blacklane in China Menschen zum Hotel fährt“

Carsten Maschmeyer investiert seit zwölf Jahren in Start-ups. Unter einer Prämisse: Nach China soll trotz der Vielzahl an Tech-Hoffnungen kein Geld fließen. Wieso es aber auch in Deutschland nicht rosig aussieht.Lisa Ksienrzyk 05.06.2024 - 10:50 Uhr

Carsten Maschmeyer, 65, investiert über mehrere Fonds in Start-ups. Sein Vermögen wird auf über eine Milliarde Euro geschätzt.

Foto: imago images

WirtschaftsWoche: Herr Maschmeyer, Ihr Investmentfokus liegt auf Nordamerika und Europa. In China gibt es ebenso vielversprechende Start-ups mit Milliardenbewertungen. Wieso investieren Sie dort nicht?
Carsten Maschmeyer: China ist speziell. Ein andauerndes Problem ist der Schutz geistigen Eigentums. Wenn man einmal investiert, kriegt man sein Geld aus dem Land wahrscheinlich nur schwer wieder raus, muss sich mit einem Politbüro gut stellen oder irgendwelche Lobbyisten mit Bargeld versorgen. Das will ich alles nicht, deswegen investieren wir nur in der westlichen Welt, wo es klare Besitzverhältnisse gibt, klare Menschenrechte und Pressefreiheit. Ich bin nicht einverstanden damit, wie man mit den Menschen dort umgeht. Genauso in Russland.

Wie ist es damit?
Wir investieren weder in russische Start-ups oder Fonds, noch nehmen wir selber Gelder von russischen Investoren für unsere eigenen Fonds. Ja, wahrscheinlich ist es im Einzelfall ungerecht, wenn in Moskau zwei tolle, regimekritische Gründer sitzen und kein Geld bekommen. Aber wir müssen da eine klare Linie ziehen.

Zur Person
Carsten Maschmeyer gründete einst den umstrittenen Finanzvertrieb AWD und verkaufte das Unternehmen 2007 für 1,2 Milliarden Euro in die Schweiz. Nach seinem Ausstieg aus dem Geschäft wurde er Start-up-Investor und bündelt seine Fonds unter der Maschmeyer Group. Seit 2016 ist er auch Juror in der TV-Show "Die Höhle der Löwen".

Wie sehen Sie es, wenn eine Ihrer Portfoliofirmen selbst in China aktiv ist?
Davon gibt es ganz wenig. Teilweise sind von früher noch Verwebungen vorhanden, aber die meisten unserer Start-ups machen in der westlichen Welt ihre Umsätze und sind dort auch beheimatet. Der Limousinendienst Blacklane war eines meiner ersten Investments vor zwölf Jahren. Jetzt ist das Unternehmen in 50 Ländern vertreten, auch in Peking und Shanghai. Ich würde natürlich nicht über Nacht meine Anteile verkaufen, nur weil Blacklane in China Menschen vom Flughafen zum Hotel oder zum Kongress fährt.

Im weltweiten Wettbewerb hinkt Deutschland bei vielen Punkten gerade hinterher. In Sachen Konjunktur beispielsweise ist Deutschland seit einiger Zeit Schlusslicht. Bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz liegt die Bundesrepublik auf Platz vier.
Es gab zuletzt sehr viele Berichte, wie abgeschlagen Deutschland ist – bei manchen Studien sind wir auf dem letzten Platz. Kein Wunder: Das geht schon los, wenn ich in München von einem Kongress zum Flughafen fahre. Ich kann genau die drei Stellen auf der Strecke nennen, wo das Netz zusammenbricht. In Griechenland oder Italien passiert das nicht. Es ist eine Katastrophe, dass Deutschland infrastrukturmäßig so schlecht ist.

Wie meinen Sie das?
In unserem Portfolio sind Start-ups aus dem Finanz- oder Versicherungsbereich, die teilweise acht Monate keine Antwort von der Bankenaufsicht BaFin bekommen. Ohne diese Lizenz können sie nicht anfangen zu arbeiten. Es ist traurig, wie Deutschland mit Überbürokratie notwendige Innovationen und Erfindungen blockiert. Solche, die Arbeitsplätze sichern würden, die bestehenden Unternehmen eine bessere Zukunft ermöglichen, die die Hidden Champions von morgen werden können.

Ein aktueller Fall sind die Flugtaxibauer Lilium und Volocopter: Sie hatten auf staatliche Hilfen aus Deutschland gehofft und schlussendlich eine Abfuhr bekommen. Nun lockt Frankreich die beiden Start-ups mit Subventionen. Was macht Frankreich besser?
Es hilft sicher, dass Präsident Emmanuel Macron vorher in der Finanzbranche tätig war. Frankreich fördert seine Start-ups. Der Staat gibt viel mehr Geld und ist offener darin, Start-ups Aufgaben zu übertragen. In Deutschland fragen sich die Behörden eher, was passiert, falls das Start-up pleitegeht. Lieber nehmen die noch immer ihren Faltordner, den Locher und die Kopiermaschine als digitale Lösungen. Bund, Städte und Länder sind zusammen der größte Auftraggeber in Deutschland und die halten sich bei der Nutzung von Start-up-Lösungen leider sehr zurück, weil sie kein Zutrauen in die eigenen Gründerinnen und Gründer haben.

Lesen Sie auch: Wer gewinnt vor Gericht? Carsten Maschmeyer gegen Syntellix-Großaktionär Utz Claassen

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