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Europawahl 2024Der Green Crash wird ausbleiben

Nach dem Rechtsruck in Europa droht ein Ende der Subventionen für Klimaschutzprojekte. Ein Crash bei grünen Aktien wird aber ausbleiben. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Martin Gerth 11.06.2024 - 18:40 Uhr
Foto: imago images

Nach der Wahl rückt Europa nach rechts. Das Ende der Green Deals ist nahe. Gelder für Solar- und Windparks werden gekürzt, Heizungsgesetze gestoppt. Das erwarten viele politische Beobachter. Grüne Aktien müssten demnach brutal abstürzen. So wäre es, wenn Börse so funktioniert wie Politik. Tut sie aber nicht. Ein Beispiel unter vielen: Die Aktie des schwedischen Wärmepumpenherstellers Nibe hat sich nach dem Wahlsonntag wenig bewegt. Der Crash blieb aus.  

Das heißt nicht, dass die Finanzmärkte politische Veränderungen ignorieren. Sie schauen jedoch genau hin, was sich unter dem Strich wirtschaftlich ändert. Investoren lassen das politische Getöse beiseite und kalkulieren nüchtern. Sie analysieren, wie groß der Einfluss rechter Regierungen auf bestimmte Geschäftsmodelle ist. Genau das passiert gerade auch bei Unternehmen, die ihr Geld mit grünen Technologien verdienen. 

Es gibt bereits Erfahrungen mit Szenarien wie nach der Europawahl. In Polen beispielsweise regierte von 2015 bis 2023 die rechtspopulistische PiS-Partei. Eigentlich müsste diese Phase schlecht für grüne Technologien gewesen sein. Stattdessen hat sich die Zahl der in Polen verkauften Wärmepumpen von 2021 auf 2022 mehr als verdoppelt. Zudem hat sich Polen zu einem der wichtigsten europäischen Produktionsstandorte für Wärmepumpen entwickelt. 

Wenn es um Jobs geht, ist die Ideologie in der Regel zweitrangig. Ähnliches ist auch in den USA zu beobachten. Dass Donald Trump, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, die Wahlen im November gewinnt, ist durchaus möglich. Dass mit Trump als Präsident den grünen Industrien in den USA der Niedergang droht, ist eine weit verbreitete Meinung. Stimmt das aber auch?

Bisher fördert die US-Regierung von Präsident Joe Biden grüne Unternehmen mit milliardenschweren Steuergutschriften aus dem Inflation Reduction Act (IRA). Trump könnte nach einem Wahlsieg die Klimaschutzagenda des IRA kippen. Davor warnen vor allem Unternehmen, die bisher vom IRA profitiert haben. Ob dieses Szenario so eintritt, ist keinesfalls sicher. 

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von Martin Gerth

Denn vom IRA hat auch die Wirtschaft in republikanisch regierten US-Bundesstaaten profitiert. NextEra Energy beispielsweise, weltgrößter Ökostromerzeuger, sitzt in Florida. Und dort ist der Republikaner Ron de Santis Gouverneur. John Ketchum, Vorstandschef von NextEra Energy, befürchtet nicht, dass Trumps Politik sein Geschäftsmodell beeinträchtigen würde. In den 21 Jahren, in denen er beim Energieversorger arbeite, habe er viele Regierungswechsel erlebt, die aber wenig an dem System der Steuergutschriften für Unternehmen geändert hätten.      

Überbewertungen abgebaut

Sind damit grüne Aktien trotz des politischen Rechtsrucks in Europa automatisch ein Kauf? Nicht unbedingt. Denn die Unternehmen, die mit erneuerbaren Energien oder klimafreundlicher Technologie ihr Geld verdienen, haben durchaus Probleme. Mit der Politik haben diese Schwierigkeiten allerdings wenig zu tun. Viel mehr geht es um fundamentale Faktoren.  

Ganz oben auf der Problemliste steht der hohe Zins. Wind- und Solarprojekte litten zuletzt unter den gestiegenen Finanzierungskosten. In den USA wurden deswegen einige Offshore-Windparks gestoppt. Zwar hat die Europäische Zentralbank (EZB) zuletzt den Leitzins leicht gesenkt. Dennoch lassen sich viele der bisher geplanten Projekte nach wie vor nicht wirtschaftlich finanzieren. Entsprechend mau laufen derzeit Wind- und Solaraktien. 

Momentan fehlt auch der Rückenwind vom Energiemarkt. Nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine im Februar 2022 stieg der Gaspreis exorbitant an. Heizen mit Gas verteuerte sich extrem. Das hat den Herstellern von Wärmepumpen, die mit Strom betrieben werden, vorübergehend Auftrieb gegeben. Dieses Momentum fehlt jetzt, weil Gas inzwischen wieder deutlicher günstiger geworden ist.  

Zudem leiden viele der grünen Unternehmen immer noch unter den übertriebenen Erwartungen aus einer Phase, als nachhaltige Investments noch populärer waren. Dieser Zeitraum hielt teilweise bis 2022 an. Seitdem baut die Börse diese Überbewertungen sukzessive ab. Der Wärmepumpenhersteller Nibe beispielsweise verlor seit dem Hoch im Jahr 2022 rund zwei Drittel seines Werts. 

Kurzfristig bedeutet diese schwierige Phase eher durchwachsene Aussichten für grüne Aktien. Allerdings macht die Kurskorrektur nachhaltige Investments mittelfristig wieder für Anleger interessant. Denn: Wenn die Börse bereits alle schlechten Nachrichten antizipiert hat, sollte es irgendwann aufwärts gehen – sofern die grünen Geschäftsmodelle auch ohne staatliche Subventionen profitabel sind. Davon gibt es inzwischen eine ganze Reihe. 

Lesen Sie auch: Warum grüne Themen nach der Europawahl an Bedeutung verlieren werden  

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