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KryptowährungenDarum feiern Krypto-Anhänger Donald Trump

Der US-Wahlkampf hat den Bitcoin erreicht. Krypto-Fans feiern Donald Trump – und schmähen die Demokratin Kamala Harris als Bitcoin-Feindin. Zu Recht?Philipp Frohn 29.07.2024 - 15:30 Uhr

Viele Bitcoin-Anhänger sehen in Donald Trump den nächsten "Krypto-Präsidenten".

Foto: AP

Einfache Sätze, markige Töne, große Versprechen: Das ist Donald Trump. Als der republikanische Präsidentschaftskandidat am Wochenende vor Tausenden Menschen spricht, bleibt er seiner gewohnten Rhetorik treu. In Nashville im US-Bundesstaat Tennessee steht er auf der Bühne der „Bitcoin 2024“, einer der größten Krypto-Konferenzen der Welt. Knapp 50 Minuten lang schimpft er über den Krypto-Kurs der derzeitigen Regierung, erklärt seine Positionen und spart nicht an Superlativen.

Krypto-ABC: Die wichtigsten Begriffe verständlich erklärt
Der Fokus am Kryptomarkt liegt klar auf dem Bitcoin. Unter Altcoins versteht man Kryptowährungen, die nach der ältesten Digitalwährung erfunden wurden und eine Alternative zum Bitcoin darstellen. Beispiele dafür sind Ethereum, Cardano oder Solana.
Der Bitcoin ist nicht nur die dem Volumen nach größte, sondern auch die älteste Kryptowährung der Welt. Schon im Oktober 2008 skizzierte Satoshi Nakamoto, das Pseudonym des Bitcoin-Erfinders, in einem Whitepaper mit dem Titel „A Peer-to-Peer Electronic Cash System“, wie so eine virtuelle Währung aussehen könnte. Kurz darauf, im Januar 2009, wurden die ersten Bitcoin geschürft. Weil Nakamoto unter einem Pseudonym agierte, ist bis heute unklar, wer genau den Bitcoin ins Leben gerufen hat.
Transaktionen von Kryptowährungen werden auf der Blockchain dokumentiert. Die Blockchain ist eine öffentliche, dezentrale Datenbank. Die Informationen werden nicht auf einem einzelnen Server, sondern auf vielen tausenden Rechnern gespeichert. „Chain“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Kette“.Jede Transaktion wird in einem Block gespeichert und an eine Kette der bereits vorhandenen Datensätze angehängt. Deshalb wird die Blockchain auch digitales Kassenbuch genannt. Die gespeicherten Daten können im Nachgang nicht mehr oder nur mit Zustimmung des Netzwerkes geändert werden. So soll ein fälschungssicheres Protokoll entstehen.
Ether ist hinter dem Bitcoin die zweitgrößte Kryptowährung und basiert auf der Ethereum-Blockchain. Im Vergleich zur Bitcoin-Blockchain gilt diese als moderner und leistungsfähiger und soll in Kürze auf das energiesparendere Proof-of-Stake-Verfahren umgestellt werden. Auch Smart Contracts können über Ethereum gehandelt werden. Beliebt ist die Kryptowährung auch, weil NFTs (non fungible Token) oft auf Ethereum basieren und deshalb mit Ether bezahlt werden.
Mining ist das Erzeugen (Schürfen) neuer Coins. Bei diesem Prozess stellen Miner im Fall des Bitcoin die Rechenleistung ihrer Computer zur Verfügung, um komplexe mathematische Aufgaben zu lösen. So werden Transaktionen verifiziert und auf der Blockchain gespeichert. Die Miner werden fürs Bereitstellen der Rechenleistung mit neu generierten Bitcoin belohnt.Bei einigen anderen Kryptowährungen basiert das Mining dagegen nicht auf Rechenleistung, sondern auf den Anteilen der Netzwerk-Teilnehmer an der jeweiligen Kryptowährung (siehe Proof of Stake). In diesem Fall wird das Mining deshalb auch oft als Staking bezeichnet. Auch dafür bekommen Teilnehmer eine Prämie, also quasi eine Art Verzinsung für ihren Anteil.
Minten bezeichnet das Erstellen eines NFTs (non fungible Token). Mit dem „Prägen“ des Bildes ist in diesem Fall das Hochladen in die Blockchain gemeint.
Die Abkürzung NFT steht für non-fungible Token, also nicht austauschbare Wertmarken. NFTs sind virtuelle Güter, die über die Blockchain gehandelt werden. Oft sind es etwa digitale Bilder oder Sammelkarten. Jeder NFT ist einzigartig. Wer einen kauft, wird in der Blockchain als Eigentümer registriert und kann so beispielsweise ein Echtheitszertifikat für ein virtuelles Bild oder ein digitales Kunstwerk vorweisen.
Mit dem Proof-of-Work-Verfahren werden neue Münzen einiger Kryptowährungen wie dem Bitcoin geschaffen. Dafür stellen die Miner die Rechenleistung des Systems zur Verfügung, um komplexe Aufgaben zu lösen. Wer es zuerst schafft, die Aufgabe zu lösen, darf den Block an die Blockchain anhängen und erhält eine Belohnung in Form digitaler Münzen. Der Proof-of-Work-Ansatz gilt als besonders energieintensiv.
Einige Blockchains basieren auf dem Proof of Stake-Verfahren. Anders als bei Proof of Work werden dabei fürs Mining keine umfangreiche Hardware und große Mengen an Rechenleistung benötigt. Proof of Stake gilt daher als wesentlich energieschonender.Statt dessen dürfen diejenigen Transaktionen und neue Coins freigeben, die einen besonders hohen Anteil an einer Kryptowährung halten. Sie werden dann Validatoren genannt. Der Prozess beruht auf einem Konsensmechanismus. Je höher der Preis, desto höher die Anzahl der Coins, um am Prozess teilzunehmen.
Smart Contracts sind virtuelle Verträge, die über die Blockchain getauscht werden. Diese treten unter bestimmten zuvor festgelegten Bedingungen selbstständig in Kraft. Insbesondere Banken und andere Finanzinstitute sehen in Smart Contracts einen großen Nutzen. Sie könnten zum Beispiel beim Börsenhandel Intermediäre – also zwischengeschaltete Stellen wie Wertpapierbroker– überflüssig machen.
Die Wallet ist eine Art digitale Geldbörse für Kryptowährungen. Sie ermöglicht es Nutzern, Kryptoguthaben zu kaufen und zu verschicken. Es gibt mehrere Arten von Wallets. Die Hardware-Wallet ist quasi ein USB-Stick, auf dem das Kryptovermögen und die Zugänge eines Nutzers gespeichert sind. Eine Paper-Wallet wird auf Papier ausgedruckt.Dafür wird ein QR-Code generiert, den man einscannen muss, um Transaktionen zu tätigen. Eine Software-Wallet kommt ohne externe Geräte oder Papierausdrucke aus. Hier werden die Daten in einem Computerprogramm gespeichert. Nutzer dürfen ihre Zugangsdaten nicht vergessen: Sonst bliebe ihnen der Zugriff auf ihr Kryptovermögen verwehrt.
Dieses Krypto-ABC entstammt dem großen Krypto-1x1 der WirtschaftsWoche: Das vollständige Dossier finden Sie hier zum Download

Der Ex-und-vielleicht-bald-wieder-Präsident will einen Bitcoin- und Kryptobeirat ins Leben rufen, der Regeln für Kryptowährungen in den USA entwerfen soll. Er will eine strategische Bitcoin-Reserve etablieren. Und er will „am ersten Tag“ seiner eventuellen neuen Amtszeit den Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Gery Gensler, feuern. Der gilt als kryptoskeptisch und hatte im vergangenen Jahr Kryptounternehmen mit einer Klagewelle überzogen. Als Trump Genslers Entlassung in Aussicht stellt, tobt das Publikum.

„Der Bitcoin hat sich zusehends zum Wahlkampfthema in den USA entwickelt“, erklärt Timo Emden vom Analysehaus Emden Research. „Anleger hoffen, dass ein kryptofreundlicher Präsident in Zukunft die größte Volkswirtschaft der Welt regiert und unter anderem die regulatorischen Daumenschrauben lockert.“ Krypto-Anhänger sehen in dieser Rolle: Donald Trump. Seit dem Attentat auf den Republikaner ist der Bitcoin-Kurs um gut 18 Prozent auf zuletzt 69.800 Dollar gestiegen und damit nur noch wenige Prozentpunkte von seinem Rekordhoch im März entfernt.

In den sozialen Netzwerken feiern Fans der Kryptowährung Trump als Heilsbringer, vor allem auf X (ehemals Twitter). Auf jener Plattform also, die inzwischen dem Krypto-Liebhaber und Trump-Unterstützer Elon Musk gehört. „Bullish für Trump und Bitcoin“, schreibt ein Nutzer. „Wenn du Bitcoin hast und nicht dumm bist, dann solltest du Trump wählen“, rät ein anderer. Trump, der Krypto-Präsident.

Fünf reiche Großspender von Donald Trump
Der 81-jährige ist Erbe der in Pittsburgh ansässigen Bankiersfamilie Mellon. Er hat dem als MAGA Inc bekannten Pro-Trump-Super-Pac seit 2022 mindestens 16,5 Millionen Dollar gespendet. Pac steht für "Political Action Comittee". Diese Organisationen sammeln Spenden ein. Bereits während der Präsidentschaftswahlen 2020 spendete Mellon mindestens 20 Millionen Dollar an einen Trump-nahen Super-Pac namens America First Action. Der Hobbypilot Mellon lebt in Wyoming, es gibt kaum Fotos von ihm. Forbes schätzt das Vermögen der Familie Mellon auf rund 14,1 Milliarden Dollar.Mellon ist auch der größte Spender, der den unabhängigen Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy Jr. unterstützt. Dessen Super-Pac American Values hat er mindestens 20 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Umfragen zufolge könnte Kennedy sowohl Biden als auch Trump bei der Wahl am 5. November Stimmen abnehmen.Geld hat Mellon zudem für einwanderungsfeindliche Maßnahmen gespendet - etwa an einen Fonds zum Bau einer Mauer an der Südgrenze zu Mexiko. Reuters konnte Mellon weder über einen Verleger noch über eine Familienstiftung, mit der er früher verbunden war, erreichen.
Isaac "Ike" Perlmutter, der ehemalige Vorsitzende von Marvel Entertainment, hat mit seiner Frau Laura mehr als zehn Millionen Dollar an einen neuen Trump-Super-Pac namens Right for America gespendet. Perlmutter ist regelmäßiger Gast in Trumps Mar-a-Lago-Residenz in Florida. Die Perlmutters haben der America First Action Inc. bereits 2020 mindestens 21 Millionen Dollar gespendet.Letztes Jahr entließ der Unterhaltungskonzern Walt Disney Perlmutter im Rahmen eines Sparprogramms als Vorsitzenden von Marvel Entertainment. Diese kleinere Sparte innerhalb des Unternehmens ist unter anderem für die Veröffentlichung von Comics zuständig.Der in Israel geborene Perlmutter, der laut Forbes 81 Jahre alt und rund 4,4 Milliarden Dollar schwer ist, lebt sehr zurückgezogen. Auch er lässt sich nur selten fotografieren. Seine Frau Laura, die sich ebenfalls bedeckt hält, ist Direktorin der Laura and Isaac Perlmutter Foundation. Diese konzentriert sich nach eigenen Angaben auf Gesundheitsfürsorge und Gemeinschaftsinitiativen.Der Anwalt von Isaac Perlmutter, John Turitzin, sagte am Telefon, er wolle nicht mit den Medien sprechen und legte auf.
Die ehemalige Wrestling-Unternehmerin ist eine langjährige Spenderin Trumps. Sie leitete in der Trump-Regierung die Small Business Administration. Im laufenden Wahlkampf hat sie mehr als zehn Millionen Dollar an MAGA Inc. gespendet. McMahon hat 2019 und 2020 mehr als 15 Millionen Dollar an America First Action gespendet, deren Vorsitz sie vor der Wahl 2020 innehatte.Bis 2009 leitete sie World Wrestling Entertainment (WWE) zusammen mit ihrem Ehemann Vince McMahon, der das Unternehmen in den 1980er Jahren von seinem Vater gekauft hatte. Anfang dieses Jahres trat Vince McMahon vom Wrestling-Giganten TKO und der von ihm gegründeten Tochtergesellschaft WWE zurück. Zuvor war er in einem Gerichtsverfahren der sexuellen Nötigung und des Menschenhandels beschuldigt worden. Er bestreitet die Vorwürfe. Forbes schätzt sein Nettovermögen auf rund 2,7 Milliarden Dollar.Die 75-jährige Linda McMahon kandidierte zweimal erfolglos für einen Sitz im US-Senat in Connecticut. Heute ist sie Vorsitzende des Trump-freundlichen America First Policy Institute in Washington. Dieses will nach eigenen Angaben für "freies Unternehmertum, nationale Größe, amerikanische militärische Überlegenheit ... und die Vorrangstellung amerikanischer Arbeiter, Familien und Gemeinden" eintreten. Das Institut reagierte nicht auf Bitten um eine Stellungnahme.
Der 79-jährige Hotelmagnat aus Nevada hat MAGA Inc. in diesem Wahlkampf über neun Millionen Dollar gespendet. Bigelow sagte Reuters im Januar, er habe der Pro-Trump-Gruppe insgesamt 20 Millionen Dollar zugesagt. Bigelow, der eine Faszination für Ufos und den Weltraum hegt und verschiedene Forschungsprojekte finanziert, hat bereits mit Trump in Mar-a-Lago zu Abend gegessen. Er hat eigenen Angaben zufolge eine Million Dollar an Trumps Fonds für Justiz-Angelegenheiten gespendet. 2011 schätzte Forbes den Wert von Bigelows Immobilienbesitz auf rund 700 Millionen Dollar.
Die Großspenderin der umstrittenen Scientology-Kirche hat MAGA Inc. in diesem Wahlzyklus mehr als fünf Millionen Dollar gespendet. Ihr Ex-Ehemann Robert Duggan ist ein Investor und Unternehmer, dessen Vermögen durch den Verkauf des Krebsmedikamenten-Herstellers Pharmacyclics an AbbVie im Jahr 2015 für 21 Milliarden Dollar beträchtlich gestiegen ist. Forbes schätzt sein Nettovermögen auf etwa 3,3 Milliarden Dollar.Die Duggans, die sich an der University of California in Santa Barbara kennenlernten und acht Kinder haben, ließen sich 2017 scheiden. Sie spendeten America First Action bereits 2020 jeweils mindestens vier Millionen Dollar. Patricia Duggans persönliche Website beschreibt sie als Künstlerin mit einer Leidenschaft für Glaskunst. Sie lebt in Clearwater, Florida. Sie reagierte nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme.

„Bitcoin ist Geld für Kriminelle“

Doch manche Beiträge erwecken den Anschein, dass die Bitcoin-Jünger hier nicht immer fair spielen. Ein Twitter-Account einer Bitcoin-Webseite postete ein mittlerweile tausendfach geteiltes Bild von der möglichen demokratischen Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris mit der Überschrift: „Kamala Harris sagt: ‚Bitcoin ist Geld für Kriminelle‘.“ In den Kommentaren stimmen viele Nutzer zu, bezeichnen Harris selbst als Kriminelle.

Nur: Ob Harris diese Aussage tatsächlich getätigt hat, ist fraglich. Der Chef eines Branchenmediums und Organisator der Bitcoin-Konferenz erklärt in einem X-Beitrag, er habe von einem „wichtigen Spender der Demokraten gehört“, dass Harris diesen Satz in einer privaten Unterhaltung gesagt hätte. Verifizieren lässt sich das nicht. Es gibt – abgesehen von der anonymen Stimme – keine Quellen, die die Aussage bestätigt. Stille Post in Krypto-Land.

Unter Joe Biden hatte es die Kryptoindustrie schwer. Harris aber hat sich bislang kaum zu Kryptowährungen geäußert. Klar ist nur: Um Trump zu schlagen, darf sie es sich nicht mit zu vielen Wählergruppen verscherzen. Und immerhin 17 Prozent der Amerikaner besitzen Kryptowährungen.

Tatsächlich gibt es Anzeichen dafür, dass Harris auf einen kryptofreundlichen Kurs einschwenkt. Laut „Financial Times“ ist sie zu einem „Neustart“ mit der Branche bereit. Ihr Team führt demnach gerade Gespräche, unter anderem mit der Kryptobörse Coinbase und dem Bezahldienst Ripple. Würde Harris eine kryptofreundliche Politik ausloten, wenn sie im Bitcoin doch nur Geld für Kriminelle sieht?

Trump übrigens erklärte noch vor wenigen Jahren in einem Internetbeitrag: „Ich bin kein Fan von Bitcoin und anderen Kryptowährungen, die [...] auf dünner Luft basieren.“

Lesen Sie auch: Warum Anleger auf einen weiteren Bitcoin-Boom spekulieren

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