Fortnite: Epic Games greift Apple und Google mit eigenem App-Store an
Epic Games im Clinch mit Apple und Google.
Foto: REUTERSTim Sweeney, Chef und Gründer des Spieleentwicklers Epic Games, hat große Ziele. Für die legt er sich mit den ganz Großen der Digitalszene an: Wenige Tage vor dem Beginn der Spielemesse Gamescom in der kommenden Woche in Köln, startet Epic – unter anderem Entwickler der kultigen Computerspiele Fortnite, Rocket League Sideswipe und Fall Guys – seinen eigenen App-Store für Computerspiele. Dabei können Apple-Nutzer den Epic Games Store in der Europäischen Union auf iOS-Geräte laden. Besitzer von Android-Handys können den digitalen Spiele-Shop weltweit auf ihren Smartphones installieren.
Mit dem Schritt geht Sweeney erneut auf Konfliktkurs mit Apple und Google, die Epic 2020 aus ihren App-Stores geworfen hatten. Mit Apple streitet Epic seither um die Frage, ob Anbieter von iOS-Apps auch andere Zahlungswege nutzen dürfen als Apples Store, in dem der IT-Konzern für jeden kommerziellen Verkauf von Spielen oder zugehörigen Inhalten eine 30-Prozent-Provision erhebt. Nachdem Epic damals auch alternative Zahlungsoptionen angeboten hatte, verbannte Apple den Spieleanbieter aus dem Store. Wenige Tage später folgte der gleiche Schritt bei Google, mit der Begründung, Epic habe Fortnite unzulässigerweise auch über App-Stores zur Installation angeboten, die mit Google konkurrierten.
Seither lagen die Unternehmen im Clinch und überzogen sich wechselseitig mit Klagen. Epic warf den beiden führenden Entwicklern von Smartphone-Plattformen vor, sie nutzten ihre Monopolmacht aus, beziehungsweise würden mit unlauteren Mitteln zu unterbinden versuchen, dass Software-Entwickler ihre Anwendungen über alternative Vertriebswege, neben denen von Apple oder Google, unters Volk bringen.
Im Dezember 2023 urteilte ein US-Gericht zugunsten von Epic Games, dass der Play Store ein illegales Monopol darstelle, wogegen Google Berufung eingelegt hat. Im Fall von Apple entschied ein Gericht 2021, dass der App-Store zwar keine wettbewerbswidrigen Praktiken anwende, Apple aber nichtsdestotrotz alternative Zahlungsmethoden zulassen müsse. Inzwischen liegt der Fall vor dem Obersten Gerichtshof der USA, den beide Kontrahenten nach dem Urteil angerufen haben.
Zudem reichten die US-Regierung und mehrere US-Bundesstaaten gerade erst eine weitere Wettbewerbsklage vor Gericht ein. Der iPhone-Konzern habe Konkurrenten Zugang zu Hardware- und Software-Funktionen seiner Geräte verweigert und eigene Angebote bevorzugt, heißt unter anderem in der Klage. In den App-Stores war Fortnite seither trotzdem nicht verfügbar.
Fortnite wieder verfügbar über Epic-Store
Das soll sich nun ändern. Epic hatte kürzlich sowohl den Epic-Game-Store als auch Fortnite und Rocket League Sideswipe bei Apple zur Prüfung auf Konformität und technische Qualität eingereicht, damit diese wieder im App-Store für iOS verfügbar werden. Allerdings habe sich die Prüfung über Wochen hingezogen, monierte Epic-Chef Sweeney kurz vor dem Start der eigenen Spiele-Plattform. Die können iOS- und Android-Nutzer nun zunächst über die Webseite epic.download auf ihre Mobilgeräte installieren.
Möglich machen das im Fall von Apple die neuen Digitalgesetze der EU, mit denen die Union marktdominierende Digitalkonzerne seit Jahresbeginn unter anderem verpflichtet, auch konkurrierende App-Stores anderer Anbieter auf ihren Geräten zuzulassen. Da der DSA nur in der Europäischen Union gültig ist, bleiben Installation und Nutzung des neuen Epic-Stores iPhone-Anwendern außerhalb der EU bis auf Weiteres verwehrt. „Wir hoffen, dass zumindest Großbritannien und Japan 2025 ähnlich wettbewerbsfreundliche Vorgaben verabschieden, wie die EU das schon getan hat“, sagt Sweeney.
Google ist bei der Zulassung konkurrierender App-Stores inzwischen weniger rigide, hat vor der Installation fremder Stores auf seinen Telefonen aber weiterhin ebenso hohe Hürden in seine Software eingebaut, wie es sie für den Download von Apps aus anderen Quellen als Googles Play Store gibt. Das soll Smartphone-Nutzer vor der versehentlichen Installation beispielsweise mit Viren verseuchter Schadprogramme schützen.
Eine Hürde, die in der Szene als grundsätzlich begründet angesehen ist, die Sweeney aber im Fall seines Spiele-Shops dennoch in Rage bringt: „Google weiß genau, dass wir als renommierter und vertrauenswürdiger Entwickler hinter dem Angebot stehen, blendet Menschen, die unseren Games-Store installieren wollen, aber wider besseres Wissen trotzdem zig Warnungen auf dem Handydisplay ein, wie etwa, dass sie gerade Software aus einer ‚unbekannten Quelle‘ installieren wollen“, zürnt der Epic-Chef. „Alles mit dem Ziel uns als Konkurrenten den Weg zum Kunden zu erschweren.“
Dass Fortnite, Rocket League Sideswipe oder Fall Guys dennoch nach dem Start der eigenen Smartphone-Shops millionenfach ihren Weg zurück auf iPhones und Android-Handys finden, davon gibt sich Sweeney überzeugt: „Bis Ende 2024 rechne ich mit bis zu 100 Millionen zusätzlicher Installationen der Spiele“, sagt er und will es dabei nicht belassen: „Künftig sollen auch andere Spieleentwickler unseren Store nutzen können – zu deutlich günstigeren Konditionen als bei Apple oder Google.“
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