World Liberty Financial: Warum Donald Trump ins Krypto-Geschäft einsteigt
Im Juli sprach Donald Trump bereits auf der Bitcoin-Konferenz in Nashville.
Foto: APWenn Donald Trump etwas auf dem Kurznachrichtendienst X (vormals Twitter) postet, ist ihm Aufmerksamkeit gewiss. Als er sich am Montagabend dort in einem Livestream aus seinem Feriendomizil Mar-A-Lago in Florida an seine Follower wendete, erreichte er rund eine Million Menschen. Nur kurz nach einem zweiten vereitelten Attentat wandte sich der republikanische Präsidentschaftskandidat an die Öffentlichkeit, um sein nächstes Projekt vorzustellen: ein eigenes Krypto-Unternehmen.
Es wird wohl ein Familienunternehmen der besonderen Art, das Trump gemeinsam mit seinen Söhnen ins Leben rufen will. Der Name: World Liberty Financial. Schon seit einem Monat machen vor allem Trumps Söhne Eric und Donald Jr. in sozialen Netzwerken Werbung für ihr Krypto-Abenteuer und geben Interviews dazu. Bislang blieben die Pläne indes vage. „Wir umarmen die Zukunft mit Krypto und lassen die langsamen und veralteten Großbanken hinter uns“, sagte Trump selbst kürzlich in einem Video zu dem Projekt.
Nun gibt es Details dazu, wie diese Umarmung aussehen soll. Die Mission sei – natürlich –, „Krypto und Amerika großartig zu machen“. Dabei wollen sich Trump und seine Söhne vor allem auf die Einführung von Stablecoins und DeFi-Anwendungen konzentrieren. Stablecoins sind Kryptowährungen, deren Wert durch das Koppeln an andere Währungen oder Vermögenswerte stabil bleiben soll. Unter DeFi versteht man ein dezentrales Finanzwesen, eine Welt, in der Geldgeschäfte ohne Intermediäre wie Banken möglich sind.
Die Trumps und die Krypto-Kredite
Wenig überraschend gab es im Livestream Fragen zu Details des neuen Krypto-Projekts. Wer konkrete Angaben dazu erwartete, wie Anleger World Liberty Financial nutzen können, dürfte den Stream allerdings mit Fragezeichen verlassen haben. Fest steht nur: Die Trumps planen wohl so etwas wie eine kryptobasierte Bank-Plattform, über die Nutzer Kredite aufnehmen und vergeben können.
Für ihr neues Projekt bringen die Trumps einen eigenen Token namens WLFI auf den Markt. Es handelt sich um einen sogenannten Governance-Token, der nicht übertragbar ist und keine Rendite abwirft. Inhaber haben ein Mitspracherecht bei Entscheidungen zu dem Projekt. Ein Großteil der Token (63 Prozent) wird an Investoren verkauft, 20 Prozent gehen an das Projektteam rund um die Trumps. Der Rest (17 Prozent) wird für Belohnungen zurückgelegt.
Ob und inwiefern Nutzer beispielsweise über Gebühren entlohnt werden, wurde nicht ausdrücklich kommuniziert. Die Einführung von WLFI als Token ohne Gewinnabsicht dürfte vor allem regulatorische Gründe haben. Wer bestimmte Bedingungen erfüllt, braucht für die Emission eines Token zur Kapitalbeschaffung nämlich keine Erlaubnis der US-Börsenaufsicht SEC.
Den Livestream nutze Trump auch, um erneut zu betonen, dass er mit der harten Politik von SEC-Chef Gary Gensler nicht einverstanden ist. Gensler sind Kryptowährungen ein Dorn im Auge, im vergangenen Jahr überzog er große Kryptobörsen mit einer Klagewelle. Vor einigen Monaten sagte Trump, dass er Gensler entlasse, wenn er erneut ins Weiße Haus einziehen sollte.
Wahlkampf mit Bitcoin
Es überrascht nicht, dass Trump knapp zwei Monate vor der US-Wahl ein eigenes Krypto-Projekt vorstellt. Er hat offenbar erkannt, dass Kryptowährungen als Wahlkampfthema taugen. In den vergangenen Monaten sprach er sich immer wieder dafür aus, das Umfeld für Bitcoin und Co. verbessern zu wollen.
„Krypto ist eines dieser Dinge, die wir tun müssen“, sagte Trump, ehe er im Stream das Wort an seine Söhne übergab, die das neue Familienprojekt vorstellten. „Ob es uns gefällt oder nicht, wir müssen es tun.“ Die USA müssten zum Hotspot für Kryptowährungen werden. Andernfalls würde womöglich China die Vormachtstellung in der Kryptowelt übernehmen. Trumps Positionen zu Krypto kommen bei Anlegern gut an. In den vergangenen Monaten reagierte der Bitcoin-Kurs positiv auf Äußerungen des Präsidentschaftskandidaten. Von der jüngsten Rede allerdings zeigte sich die Digitalwährung unbeeindruckt. Zuletzt notierte sie bei etwa 58.700 Dollar.
Trump hat in Sachen Krypto eine 180-Grad-Wende hingelegt. „Ich bin kein Fan von Bitcoin und anderen Kryptowährungen, die […] auf dünner Luft basieren“, schrieb er noch vor fünf Jahren auf Twitter. Seine Meinung änderte sich, als er eine eigene NFT-Kollektion herausbrachte. NFTs sind nicht-austauschbare Wertmarken, quasi digitale Echtheitszertifikate. In Krypto-Fragen hört Trump nun offenbar vor allem auf seine Söhne: „Ich glaube, meine Kinder haben mir mehr als alles andere die Augen geöffnet“, sagte er.
Lesen Sie auch: El Salvador und der Traum vom Bitcoin-Wunder