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Biden-BesuchJoe Biden nennt Deutschland „engsten und wichtigsten Verbündeten“

US-Präsident Joe Biden verlässt Deutschland mit einem Bundesverdienstorden und neuen Freundschaften. Er lobte die Bundesregierung für ihre Weisheit. 18.10.2024 - 14:58 Uhr aktualisiert Quelle: dpa

US-Präsident Joe Biden lobte in seiner Rede unter anderem die deutsche Außenpolitik.

Foto: AP

US-Präsident Joe Biden hat Deutschland bei seinem Besuch als „engsten und wichtigsten Verbündeten“ der Vereinigten Staaten gewürdigt. Er dankte der Bundesregierung für die Unterstützung der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland, aber auch für den Kampf gegen Antisemitismus und für eine klare Haltung gegenüber dem Iran. An Bundeskanzler Olaf Scholz gerichtet sagte er: „Ich will Dir für Deine Freundschaft danken.“

Biden und Scholz versicherten der Ukraine in ihren kurzen Statements vor ihrem Gespräch gemeinsam ihre Solidarität. „Wir stehen an der Seite der Ukraine, solange wie das nötig ist“, sagte Scholz. Putin habe sich verrechnet, er könne diesen Krieg nicht aussitzen.

Biden betonte: „Amerika und Deutschland sind die beiden größten Unterstützer der Ukraine.“ Das Land steuere nun auf einen harten Winter zu. Die Verbündeten müssten daher ihre Anstrengungen und Hilfen dringend aufrechterhalten.

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Kein Wort zum „Siegesplan“ Selenskyjs

Auf den „Siegesplan“ des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gingen die beiden aber nicht ein. Den zentralen Forderungen Selenskyjs – bedingungslose Einladung in die Nato und Krieg auch auf russischem Territorium und mit weitreichenden westlichen Waffen – stehen beide ablehnend gegenüber. Scholz hatte beim EU-Gipfel in Brüssel am Donnerstag sehr klar gesagt, dass sich seine Haltung nicht ändern werde.

Bei seiner Begegnung mit Biden betonte er, dass die Nato nicht in den Krieg hineingezogen werden dürfe. „Unsere Haltung ist klar: Wir unterstützen die Ukraine so kraftvoll wie möglich. Gleichzeitig tragen wir Sorge dafür, dass die Nato nicht zur Kriegspartei wird, damit dieser Krieg nicht in eine noch viel größere Katastrophe mündet“, sagte er. „Diese Verantwortung ist uns sehr bewusst und niemand kann sie uns abnehmen.“

Nahost: Hoffnung auf Waffenstillstand

Das Thema Nahost rückte bei dem Treffen der beiden höher auf die Agenda, nachdem Israel am Vortag verkündet hatte, der Anführer der Hamas, Jihia al-Sinwar, sei im Gazastreifen getötet worden. Biden rief einmal mehr dazu auf, diese Entwicklung zum Anlass nehmen, einen Weg zum Frieden und zu einer besseren Zukunft in Gaza zu suchen.

Auch Scholz sagte, mit Sinwars Tod eröffne „sich jetzt hoffentlich die konkrete Aussicht auf einen Waffenstillstand in Gaza, auf ein Abkommen zur Freilassung der Geiseln der Hamas“. Ob sich die Hoffnungen auf eine Deeskalation nach Monaten des Kriegs mit der Hamas in Gaza und der mit ihr verbündeten Hisbollah im Libanon wirklich erfüllen, ist aber fraglich.

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Stippvisite statt Staatsbesuch: 19 Stunden Berlin

Gut drei Monate vor dem Ende seiner Amtszeit war es der erste und zugleich letzte bilaterale Besuch Bidens in Deutschland. Zuvor war er nur 2022 beim G7-Gipfel im bayerischen Elmau und mit seiner Air Force One zum Tanken auf dem US-Stützpunkt Ramstein gewesen.

Der 81-Jährige wollte ursprünglich schon eine Woche zuvor nach Berlin reisen, sagte den Trip aber kurzfristig ab – wegen eines Hurrikans, der zu der Zeit auf die Südostküste der USA zusteuerte. Im zweiten Versuch hat es nun geklappt, aber in abgespeckter Form. Aus dem Staatsbesuch mit allen protokollarischen Ehren und einem Ukraine-Solidaritätsgipfel im rheinland-pfälzischen Ramstein wurde eine Stippvisite von nur 19 Stunden in Berlin.

Militärische Ehren mit Verspätung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßte Biden gegen 10.30 Uhr mit einer halben Stunde Verspätung am Schloss Bellevue. Gemeinsam schritten die beiden die Ehrenformation der Bundeswehr ab. Anschließend verlieh Steinmeier ihm im Schloss den höchsten Orden, den Deutschland zu vergeben hat – die „Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik“. Von den 14 US-Präsidenten, die seit Bestehen der Bundesrepublik regiert haben, wurde bisher sonst nur George Bush senior damit geehrt.

Scholz und Habeck können nicht zum Empfang

Unter den etwa 70 Gästen beim Empfang waren Ministerpräsidenten, Wirtschaftsbosse und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Kanzler Scholz, Vizekanzler Robert Habeck und andere Kabinettsmitglieder, die dem Bundestag angehören, fehlten. Sie mussten stattdessen zur namentlichen Abstimmung über das Sicherheitspaket in den Bundestag.

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Dafür traf Biden im Bellevue auf die 102 Jahre alte Holocaust-Überlebende Margot Friedländer – ein besonderer Moment des Besuches. Ursprünglich wollte der Präsident auch das Holocaust-Mahnmal neben der US-Botschaft am Brandenburger Tor besuchen. Durch die Verkürzung der Visite entfiel aber auch dieser Termin.

Bei der Ordensverleihung würdigte Steinmeier Bidens „jahrzehntelange Leidenschaft für das transatlantische Bündnis“, seine „herausragende politische Führung in diesem gefährlichen Moment Europas“, seine Aufrichtigkeit und seinen Anstand.

Schneller schlau: Nato
Der Kurzname Nato steht für North Atlantic Treaty Organization – auf Deutsch: Organisation des Nordatlantikvertrags.
Die Nato ist eine Allianz von europäischen und nordamerikanischen Ländern. Grundsätzlich heißt es bei der Nato, eine Nato-Mitgliedschaft sei offen für „jeden anderen europäischen Staat, der in der Lage ist, die Grundsätze dieses Vertrags zu fördern und zur Sicherheit des nordatlantischen Gebiets beizutragen.“
Um Mitglied zu werden, muss man den sogenannten „Membership Action Plan“ der Nato erfüllen. Zu diesem Plan wird man von der Nato eingeladen.
Mit Schwedens Beitritt als neuestes Mitglied im März 2024 hat die Nato aktuell insgesamt 32 Mitgliedstaaten. Schon seit 1949 sind Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA dabei. Sie gelten als Gründungsmitglieder.

Stand: Januar 2026
Die Nato und all ihre Mitglieder haben sich dazu verpflichtet, dass ein Angriff gegen eines oder mehrere ihrer Mitglieder einen Angriff gegen alle darstellt. Dies ist das sogenannte Prinzip der kollektiven Selbstverteidigung. Es ist in Artikel 5 des Washingtoner Vertrags festgeschrieben und fand in der Geschichte der Nato erst einmal Anwendung: als Antwort auf die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 in den USA.
Laut Angaben der Nato beraten sich die Mitglieder täglich zu Sicherheitsfragen. Demnach kommen hunderte Beamte sowie zivile und militärische Experten jeden Tag zusammen. Ein Nato-Beschluss ist „der Ausdruck des kollektiven Willens aller Mitgliedsstaaten“, schreibt die Nato fest. Alle Entscheidungen werden konsensbasiert getroffen, also nach Diskussion und Konsultation zwischen den Mitgliedsländern. Bei der Nato gibt es keine Abstimmungen. Ein Beschluss ist immer das Ergebnis von Beratungen, bis eine für alle akzeptable Entscheidung getroffen ist.
Der Nato-Generalsekretär ist der höchste internationale Beamte im Bündnis. Er ist das öffentliche Gesicht der Nato, leitet den Internationalen Stab der Organisation und verantwortet die Steuerung der Beratungen und die Entscheidungsfindung in der Allianz.
Die Nato hat sich dazu verpflichtet, nach friedlichen Lösungen von Konflikten zu suchen. „Doch wenn diplomatische Anstrengungen scheitern, hat sie die militärische Macht, Operationen des Krisenmanagements durchzuführen“, heißt es bei der Nato. Diese müssen den eigenen Auflagen zufolge „im Rahmen der Beistandsklausel im Gründungsvertrag der Nato – Artikel 5 des Washingtoner Vertrags – oder mit einem Mandat der Vereinten Nationen erfolgen, entweder allein oder in Zusammenarbeit mit anderen Ländern und internationalen Organisationen.“

Biden bedankte sich anschließend nicht nur beim Bundespräsidenten, sondern auch bei der Bundesregierung. „Die deutsche Führung hatte die Weisheit, einen Wendepunkt in der Geschichte zu erkennen“, sagte er mit Blick auf die massiven deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine.

Später beim Termin mit Scholz hob er dessen Einsatz für die Ukraine noch mal besonders heraus. Unter Scholz' Führung sei Deutschland aufgestanden und habe sich dem Augenblick gestellt. An den Kanzler gerichtet sagte der US-Präsident: „Sie haben die Entschlossenheit aufgebracht, die deutsche Außenpolitik auf die neuen Realitäten einzustellen und der Ukraine stark und unerschütterlich zur Seite zu stehen.“

Scholz verliert wichtigsten internationalen Verbündeten

Für den innenpolitisch unter Druck stehenden Kanzler, von dem selbst die eigenen Leute in der SPD mehr Führung erwarten, ist das eine Genugtuung. Biden war für ihn in den vergangenen Jahren der engste Verbündete auf dem internationalen Parkett – während es mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron nicht so richtig funktionierte. Der Kanzler würdigte Biden auf Englisch als „Freund Deutschlands, als Freund Europas und vor allem als meinen Freund“.

Die Freundschaft wird vielleicht bleiben. Auf der internationalen Bühne verliert Scholz im Januar aber seinen wichtigsten Verbündeten. Dann scheidet Biden aus dem Amt. Und was danach kommt, steht noch in den Sternen.

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dpa
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