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  4. Dax-Jahresendrally: Donald Trump, US-Aktien und Börse aktuell - der Startschuss zur Jahresendrally ist gefallen

Donald Trump ist auf einem Monitor eines Händlers im Handelssaal der Deutschen Börse zu sehen.

Foto: Boris Roessler/dpa

Riedls Dax-RadarDer Startschuss zur Jahresendrally ist gefallen

Starke US-Börsen und die Hoffnung auf ein Ende der politischen Querelen hierzulande stützen den Dax. Vor allem Favoriten wie Rheinmetall oder Heidelberg Materials sind für Kursgewinne gut. Eine Kolumne.Anton Riedl 10.11.2024 - 09:38 Uhr

Mit kräftigen Aufschlägen quittieren die US-Börsen die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der von etablierten Unternehmen geprägte Börsenindex Dow Jones zog schon im Laufe des Wahltages deutlich an und erreichte mit 43.730 Punkte ein neues Rekordhoch. Der marktbreite S&P 500 kommt mit 5975 Punkten fast an die Sechstausendermarke heran – die Marke von 5000 hatte er erstmals im Februar dieses Jahres erreicht. Der Technologieindex Nasdaq 100 schließlich, der in den vergangenen Wochen den traditionellen Kurven etwas hinterher hing, hat nun mit 21.100 Punkten ebenfalls ein neues Allzeithoch erreicht.

Der Gleichlauf der führenden Aktienindizes ist für die Gesamttendenz ein gutes Zeichen, weil er die Marktbreite des aktuellen Aufschwungs belegt. 

Für die Kursgewinne seit der US-Wahl gibt es vor allem drei Gründe: 

  • Erstens ist mit dem überraschend deutlichen Ergebnis in den USA die politische Wackelpartie der vergangenen Wochen vom Tisch. Mehr Planungssicherheit ist an den Börsen ein typischer Kaufgrund.
  • Zweitens dürfte der von Trump verkündete Mix aus Steuersenkungen und Förderung der eigenen, amerikanischen Wirtschaft bei vielen Unternehmen zu höheren Gewinnen führen. Im Schnitt rechnen Bankanalysten im S&P 500 mit einem positiven Gewinneffekt von rund fünf Prozent.
  • Drittens dürfte die Investorengemeinde dabei vor allem die erste Präsidentschaft von Trump vor Augen haben. Hier kam es nach dem überraschenden Wahlergebnis an den US-Börsen zu einer schnellen Rally, die den Dow Jones von November bis Dezember 2016 in der ersten Phase gleich um mehr als zehn Prozent klettern ließ. Danach setzte sich die Trump-Hausse bis Januar 2018 fort. Insgesamt entstanden fast 50 Prozent Kursplus in 14 Monaten. Käme es jetzt wieder zu einem solchen Boom, ergäbe dies bis Anfang 2026 rechnerisch einen Anstieg des Dow Jones auf über 60.000 Punkte.

Zu diesen Gründen, die direkt mit dem Wahlergebnis verbunden sind, kommen die bisher schon positiven Basistrends: Zunächst die US-Konjunktur, die insgesamt in diesem Jahr mit rund drei Prozent wächst und zunehmend Anzeichen für eine Beschleunigung zeigt. Dann die weitgehend gedämpfte Inflation, die es den Notenbanken ermöglicht, seit einigen Monaten die Zinsen wieder schrittweise nach unten zu drücken. So geschehen gerade in der jüngsten Sitzung vom 7. November, in der die Fed den Leitzins nach 0,5 Prozentpunkten im September nun um 0,25 Prozentpunkte herabsetzte

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Genau hier allerdings hat der Trump-Trade, wie der Anstieg nach der Wahl an der Börse genannt wird, seine offene Flanke. Niedrigere Steuern und höhere Zölle dürften mit großer Wahrscheinlichkeit zu mehr Schulden, wieder anziehender Inflation – und dann eben auch womöglich wieder höheren Zinsen führen. Aus diesem Grund drängen auch die beiden wichtigsten langfristigen Kurven der internationalen Finanzwelt – die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen und der Dollarindex DXY (in dem der Greenback gegenüber den wichtigsten Weltwährungen verrechnet ist) – derzeit tendenziell nach oben. 

Schneller schlau: Inflation
Wenn die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein steigen – und nicht nur einzelne Produktpreise – so bezeichnet man dies als Inflation. Es bedeutet, dass Verbraucher sich heute für zehn Euro weniger kaufen können. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes sinkt mit der Zeit.
Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt, gibt Auskunft darüber, wie hoch oder niedrig die Inflation derzeit ist. Um die Inflationsrate zu bestimmen, werden sämtliche Waren und Dienstleistungen herangezogen, die von privaten Haushalten konsumiert bzw. genutzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das wie folgt: „Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Dieser Warenkorb enthält alle Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte während eines Jahres konsumieren bzw. in Anspruch nehmen. Jedes Produkt in diesem Warenkorb hat einen Preis. Dieser kann sich mit der Zeit ändern. Die jährliche Inflationsrate ist der Preis des gesamten Warenkorbs in einem bestimmten Monat im Vergleich zum Preis des Warenkorbs im selben Monat des Vorjahrs.“
Eine Inflationsrate von unter zwei Prozent gilt vielen Experten als „schlecht“, da sie ein Zeichen für schwaches Wirtschaftswachstum sein kann. Auch für Sparer sind diese niedrigen Zinsen ein Problem. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.
Deutlich gestiegene Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie können sich für ihr Geld weniger leisten. Der Privatkonsum ist jedoch eine wichtige Stütze der Konjunktur. Sinken die Konsumausgaben, schwächelt auch die Konjunkturentwicklung.
Von Disinflation spricht man, wenn die Geschwindigkeit der Preissteigerungen abnimmt – gemeint ist also eine Verminderung der Inflation, nicht aber ein sinkendes Preis-Niveau.

Höhere Marktzinsen machen dabei nicht nur langfristige Finanzierungen teurer. Sie könnten auch die Notenbank dazu bewegen, bei ihren weiteren Zinssenkungen nun doch zurückhaltender zu sein. Damit aber könnte, wie schon in der ersten Amtszeit von Trump, wieder ein Konflikt zwischen der Notenbank und dem Präsidenten entstehen. Eine Brisanz, die sich schon nach der jüngsten Fed-Sitzung in den knappen Statements von Notenbankchef Jerome Powell spiegelte. Für einen nachhaltigen Börsenaufschwung ist ein angespanntes Verhältnis zwischen einem mächtigen Präsidenten und dem Chef der Geldpolitik kein gutes Umfeld. 

Gemischte Gefühle bei Dax-Investoren nach der Trump-Wahl

Während an den US-Börsen die Reaktion auf Trump insgesamt deutlich positiv ausfällt, reagieren die Investoren in Europa und besonders hierzulande mit gemischten Gefühlen. Im Dax kommt es zunächst zu einem Anstieg, dann zu einem Rücksetzer und dann wieder zu einer Erholung. Schon dieser hektische Indexverlauf zeigt, dass sich die Börse an die neue atlantische Großwetterlage erst anpassen muss. 

Dieser Mix setzt sich bei Einzelwerten fort. Auffallend stark sind in dieser Wahlwoche die Aktien von Rheinmetall. Auslöser sind hervorragende Geschäftszahlen und die Aussicht auf weitere, umfangreiche Aufträge. Die Wahl Trumps wird eher als Vorteil gewertet. Zwar zeichnen sich gerade durch Trump mögliche Gespräche über eine Beendigung des Ukrainekriegs ab – was Rüstungsunternehmen eigentlich den Wind aus den Segeln nehmen könnte. Andererseits aber macht gerade Trumps brüske Haltung gegenüber Europa und Deutschland die eigene Aufrüstung umso wichtiger. Wachstum, Bewertung und Kursverlauf sprechen dafür, dass Rheinmetall-Aktien ihren 2022 einsetzenden Aufwärtstrend noch nicht beendet haben. Das wäre wahrscheinlich erst der Fall, wenn die Kurse das Niveau um 450 Euro nicht mehr halten sollten. 

Auch bei Heidelberg Materials steht hinter der auffallenden Stärke sowohl ein erfolgreicher Geschäftsverlauf als auch die Aussicht auf zusätzliche Trump-Gewinne. Seit 1977 sind die Heidelberger mit ihrem zugekauften Ableger Lehigh Cement in den USA aktiv, danach folgten weitere Übernahmen in Kanada. Nordamerika ist für Heidelberg Materials ein zentraler Markt, auf dem sie vor Ort mit eigenen Unternehmen aktiv sind. Im S&P-Index Global 1200 Construction Materials ist die Aktie schon vertreten; über ein direktes Listing an US-Börsen wird seit längerem nachgedacht. Der jüngste, deutliche Anstieg über 100 Euro hinaus ist ein prozyklisches Kaufsignal. 

Weniger Kursveränderungen gibt es bei Fresenius, der Münchener Rück und der Commerzbank, die in dieser Woche Zahlen vorlegten. Fresenius hat mit der Ausgliederung des Dialysegeschäfts von FMC gleichzeitig einen Teilrückzug vom schwierigen US-Markt vorgenommen. Zuletzt trug das Nordamerikageschäft nur noch 13 Prozent zum Umsatz bei. Aktien von Fresenius Medical Care, die nicht mehr im Dax notieren, wurden zuletzt von guten Zahlen und einer heraufgesetzten Prognose beflügelt. Ein besonderer Trump-Effekt zeigt sich bei der seit einem Jahr seitwärts schwankenden Aktie nicht. Ein Anstieg über 40 Euro sollte eine weitere Erholung einleiten. 

Die Münchener Rück erlitt im dritten Quartal zwar vor allem wegen ihres US-Geschäfts einen Gewinnrückgang – Großschäden aus Wirbelstürmen schlugen hier besonders zu Buche. Für das Gesamtjahr halten die Münchner jedoch ihre Ziele aufrecht. Die Bewertung der Münchener Rück ist moderat. Eine vorübergehende Korrektur im Bereich um 450 Euro täte der Aktie angesichts hoher Kursgewinne durchaus gut. 

Etwas weniger als im Vorjahr verdiente zuletzt die Commerzbank. Dennoch schnitt sie besser ab als erwartet und steuert nach einem guten Provisionsüberschuss nun 2024 insgesamt auf 2,4 Milliarden Euro Reingewinn. Mit diesen Zahlen dokumentiert die Commerzbank eigene Stärke, die sie im Abwehrkampf gegen die italienische Unicredit gut gebrauchen kann. Für den Kursverlauf wäre es gut, wenn die Aktie in den nächsten Wochen das Niveau von 15,50 bis 16,00 Euro hält. Der große Trend der Cobank-Aktie zeigt weiter nach oben. 

Abwärts ging es zuletzt mit Henkel-Aktien. Dabei ist die geschäftliche Entwicklung derzeit nicht schlecht: Das organische Wachstum liegt bei drei bis vier Prozent, die Umsatzrendite zieht an, der Gewinn könnte in diesem Jahr um mehr als 20 Prozent zulegen. Ein Grund für den jüngsten Rückgang dürfte die zuletzt schwächere Entwicklung in Nordamerika sein; hier ist der Umsatz in den ersten neun Monaten um 1,6 Prozent gesunken. Mit 28 Prozent Geschäftsanteil ist Nordamerika für Henkel ein zentraler Markt. Eine Wirtschaftsbelebung in den Vereinigten Staaten sollte damit mittelfristig auch dem Düsseldorfer Konsumchemiker zugute kommen. 

Mit Trump geht das Drama der Auto-Aktien in die nächste Runde

Nach Mercedes-Benz (die Luxusstrategie sei gescheitert) und Volkswagen (angeblicher Sanierungsfall trotz 34 Milliarden Euro Nettoliquidität) werden nun auch BMW-Aktien überwiegend  pessimistisch eingeschätzt. 84 Prozent Gewinneinbruch und eine operative Marge von nur noch 2,3 Prozent sehen auf den ersten Blick natürlich katastrophal aus. Doch wie bei VW kommt es auch bei BMW auf die Gründe an, die hinter diesen Zahlen stehen. 

Während das Ergebnis der Wolfsburger vor allem durch milliardenschweren Restrukturierungsaufwand und hohe Zinskosten belastet wird, sind es bei BMW zu einem guten Teil Auslieferungssperren wegen technischer Probleme eines neuen Bremssystems. Dieses Problem ist technischer Natur und hat wenig mit der operativen Situation des Unternehmens zu tun. Auch die heftigen Verkaufsrückgänge in China sind nicht nur marktbedingt, sondern auch Folge des Debakels um die Bremsen. 

Als ob das nicht schon genug wäre, stehen als zusätzliche Belastung nach der Trump-Wahl drohende Zölle im Raum. Allerdings, BMW hat eine umfangreiche eigene Fertigung in den USA, in Spartanburg in South Carolina steht das größte BMW-Werk weltweit. Mit einem deutlichen Absatzrückgang im dritten Quartal (minus 9,2 Prozent) konnte jedoch auch der US-Markt seine bisher stabile Entwicklung nicht fortsetzen. 

An der Behebung der technischen Bremsprobleme dürfte BMW mit Nachdruck arbeiten, durch Zölle sollten sich die Bayern wegen ihrer eigenen US-Produktion nicht schrecken lassen. Für das vierte Quartal erwarten sie deshalb sowohl bei Absatz und Umsatz als auch bei der im dritten Quartal ungewöhnlich belasteten Marge wieder bessere Werte. Dass die Eigenmittel in der Bilanz von BMW mit 93,4 Milliarden Euro trotz Autokrise seit Jahresanfang sogar gestiegen sind, zeigt die Substanzhaltigkeit des Unternehmens. Kurzfristig wäre es gut, wenn die Aktie das Niveau um 65 Euro hält, hier lagen die Tiefpunkte 2022. 

Fazit für den Dax: Während sich der Wahlausgang in den USA für die meisten Börsen positiv auswirkt, hat der Dax seine alten Rekorde noch nicht erreicht. Immerhin wächst nun nach dem Ende der Ampel-Regierung bei vielen Unternehmen und Anlegern die Hoffnung auf ein wirtschaftsfreundlicheres Umfeld. Ob es zu einer grundlegenden wirtschaftspolitischen Neuorientierung kommt und wie die aussehen könnte, ist dabei allerdings offen. Entsprechend zurückhaltend fallen an den Börsen auch die direkten Reaktionen auf die politischen Turbulenzen in Berlin aus. 

Die große Tendenz der Märkte wird weiterhin in Amerika entschieden. Hier sind die Börsen wieder in eine neue Phase des Aufwärtstrends übergegangen. Früher oder später sollte dies auch auf den Dax abfärben und in diesem Jahr noch zu einem weiteren Anstieg führen. Die zuletzt vorgelegten ansprechenden Unternehmensergebnisse sind dafür eine gute Untermauerung. Im Index hat die kurzfristige Unterstützung um 19.000 Punkte gehalten, bis Jahresende steht das Ziel 20.000 Punkte im Raum – die Jahresendrally sollte begonnen haben. 

Lesen Sie auch: Trump-Protektionismus bedroht Deutschland und Europa

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