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BevölkerungDer große Demografie-Bluff

Die Bundesregierung hat sich eine Demografiestrategie gegeben. Bei näherer Betrachtung entpuppt sie sich als eine Mogelpackung voller Wohlfühlrhetorik. An den Kern des Problems traut sich die deutsche Politik noch immer nicht heran.Ferdinand Knauß 09.01.2013 - 06:00 Uhr

"Jedes Alter zählt": Mit der Demografiestrategie umwirbt die Bundesregierung vor allem die Alten. Kinder spielen darin kaum eine Rolle.

Foto: dapd

Eigentlich müsste Herwig Birg zufrieden sein. Sollte man meinen. Jahrzehnte seines Wissenschaftlerlebens verbrachte der Demograf damit, den Deutschen und ihren Politikern mit Büchern wie „Die ausgefallene Generation“ und „Die demografische Wende“ die Brisanz des Geburtenrückgangs klarzumachen. Und nun, acht Jahre nach seiner Emeritierung als Professor in Bielefeld, hat Deutschlands Regierung endlich eine „Demografiestrategie“ vorzuweisen. Ein Dokument von 52 Seiten mit dem versöhnlichen Titel „Jedes Alter zählt“. Sogar ein eigenes Logo hat das Bundespresseamt entwerfen lassen: eine stilisierte Grafik der schrumpfenden Geburtenjahrgänge in Deutschland, die aussieht wie ein Kebap-Spieß.

Hat die Bevölkerungsentwicklung nun endlich den politischen Stellenwert erhalten, der ihr zukommt? Die Kanzlerin zumindest legt sich in ihrer zweiten Amtszeit schwer ins Zeug, um die Demografie als zentrales politisches Handlungsfeld zu präsentieren. Im Kanzleramt hat sie ein eigenes Demografiereferat einrichten lassen und sogar in ihre Rede auf dem CDU-Parteitag in Hannover schaffte es der demografische Wandel. Zum neuen Aktivismus der Regierung gehört auch das Berliner Demografieforum, zu dem Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und Allianz-Vorstandschef Michael Dieckmann heute und morgen mit „internationalen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft“ zusammenkommen, um „Lösungsansätze“ zu diskutieren.

Platz 10: Schweden

Fast jeder Fünfte in Schweden (19 Prozent) ist über 64 Jahre alt. Jugendliche und Kinder unter 15 Jahre machen nur 17 Prozent der Bevölkerung aus. Dafür werden in Schweden mehr Kinder geboren als etwa in Österreich - nämlich zwölf pro 1000 Einwohner. An dem hohen Durchschnittsalter der Gesamtbevölkerung ändert das derzeit allerdings nichts. Schweden landet daher auf Platz 10 der ältesten Länder.

Quelle: Stiftung Weltbevölkerung

Foto: dapd

Platz 9: Portugal

Neun Babys pro 1000 Einwohner kommen im südeuropäischen Portugal auf die Welt. Die Zahl der Portugiesen über 64 Jahre entspricht mit 19 Prozent der Zahl in Schweden. Der Bevölkerungsanteil der unter-15-Jährigen liegt jedoch nur bei 15 Prozent bei einer Gesamtbevölkerung von 10,5 Millionen.

Foto: REUTERS

8. Lettland

Auch in Lettland liegt der Bevölkerungsanteil an über 64-jährigen im Jahre 2013 bei 19 Prozent. Die unter 15-jährigen kommen zwar nur auf 14 Prozent, jedoch werden 10 Babys pro 1000 Einwohner neugeboren.

Foto: dpa

Platz 7: Griechenland

Auch die griechische Bevölkerung hat 19 Prozent Bürger im Alter von über 64 Jahren. Zwar werden im Schnitt mit neun Geburten pro 1000 Einwohner dort genauso viele Kinder geboren wie in Portugal, aber die Zahl der Griechen unter 15 Jahren beträgt nur 14 Prozent.

Foto: dpa

Platz 6: Finnland

Auch Finnland gehört mit 19 Prozent Einwohnern über 64 Jahre zu den zehn ältesten Ländern der Welt. Als eines der am dünnsten besiedelten Ländern Europas kommen dort auf 1000 Einwohner im Schnitt nur elf Geburten. Finnen unter 15 Jahren machen 16 Prozent der Bevölkerung aus. Das sorgt für eine recht alte Gesamtbevölkerung.

Foto: dapd

Platz 5: Bulgarien

Das einzige Land Osteuropas, das unter den zehn ältesten der Welt vertreten ist, ist Bulgarien. Mit 19 Prozent Menschen über 64 Jahre und nur 14 Prozent Kindern und Jugendlichen unter 15 kann das EU-Mitglied nicht punkten. Auf 1000 Bulgaren kommen derweil nur neun Babys. Damit geht der fünfte Platz der ältesten Länder der Welt an das Land am Schwarzen Meer.

Foto: Reuters

Platz 4: Italien

Auch die Italiener sind ein alterndes Volk: 21 Prozent von ihnen sind älter als 64, lediglich 14 Prozent jünger als 15 Jahre. Bei den Geburten sind sie ebenfalls nicht gut dabei: Neun Geburten kommen auf 1000 Einwohner. Damit ist Italien das viertälteste Land der Welt.

Foto: dapd

Platz 3: Deutschland

Das drittälteste Land der Welt: In der Bundesrepublik sind mittlerweile 21 Prozent der Bevölkerung über 64 Jahre. Die junge Generation kann da mit 13 Prozent unter 15 Jahren nicht mithalten und mit einem baldigen Babyboom können die Deutschen bei einem Negativrekord von gerade einmal acht Babys pro 1000 Einwohner garantiert nicht rechnen.

Foto: dpa

Platz 2: Monaco

Bei der letzten Erhebung lag Monaco noch auf dem ersten Platz und war das älteste Land der Welt. Mit lediglich sechs Geburten pro Einwohner weist Monaco die geringste Zahl an Geburten auf. Die Zahl der über 64-jährigen liegt bei 24 Prozent. Älter ist derzeit nur noch...

Foto: dpa

Platz 1: Japan

In Japan werden zwar mehr Kinder geboren - immerhin acht Geburten pro 1000 Einwohner - aber dafür sind die Menschen über 64 Jahren mit 25 Prozent eine noch größere Gruppe in der japanischen Gesellschaft. Daneben erscheinen die 13 Prozent der unter-15-Jährigen mehr als gering.

Japan ist aktuell das älteste Land der Welt.

Foto: REUTERS

Nimmt sich also endlich eine Bundesregierung des Geburtenrückganges an - mehr als vierzig Jahre nach dem Pillenknick?

Wohl kaum. Fragt man Herwig Birg nach seiner Ansicht zur Demografiestrategie der Bundesregierung, wird er ziemlich wütend: Das, was die Bundesregierung präsentiert, sei nichts anderes als ein „Propagandatrick“, sagt Birg. So gut wie nichts habe sich geändert. Die Wahrheit sei, dass „die Politik mit dem Thema Demografie einfach nicht klarkommen will.“ Dabei sei das „demografische Erdbeben“ auf das wir zusteuern, die „bestprognostizierte Krise“.

Tatsächlich musste man kein Prophet sein, um die Brisanz des Themas zu erkennen. Seit rund vierzig Jahren bekommen die Deutschen weniger Kinder, als für den Erhalt der Bevölkerungszahl notwendig wären. Mit knapp 1,4 Geburten pro Frau ist Deutschland gemeinsam mit Italien und Spanien das unfruchtbarste Land in Westeuropa. Damit die Geburten die Sterbefälle langfristig ausgleichen, die Bevölkerung also weder wächst noch schrumpft, müsste diese Zahl im Schnitt bei etwa 2,1 liegen. Diesen Wert erreicht kein einziger Landkreis in Deutschland.

Westeuropa

Jährlich wächst die Erdbevölkerung um rund 80 Millionen Menschen. Das heißt: Jahr für Jahr kommen so viele Bürger hinzu, wie Deutschland Einwohner hat. Deutschland, die Benelux-Länder und Österreich tun kaum etwas für das Wachstum der Welt. Pro 1000 Einwohner gibt es nur zehn Geburten. Die Folge: Europa, insbesondere die Staaten in der Mitte des Kontinents, altert. Der Anteil der unter-15-Jährigen an der Gesamtbevölkerung liegt zwischen 13 (Deutschland) und 17 Prozent (Niederlande).

Quelle: Stiftung Weltbevölkerung

Foto: dpa

USA

In den Vereinigten Staaten von Amerika ist jeder fünfte Bürger unter 15 Jahre alt. Pro 1000 Einwohner gibt es 13 Geburten. Bis 2050 werden die USA ihre Bevölkerungszahl von 313,9 Millionen auf 422,6 Millionen steigern.

Foto: dpa

Ozeanien

Im Südpazifik sind 24 Prozent der Bürger 15 Jahre oder jünger. Das liegt weniger an Australien und Neuseeland (19 bzw. 20 Prozent) als an den kleinen Inselstaaten wie den Salomonen und Samoa (40 Prozent).

Foto: WirtschaftsWoche

Lateinamerika

Zwischen Costa Rica und der Südspitze Chiles sind 28 Prozent der Bürger 15 Jahre oder jünger. Nur sieben Prozent der Gesamtbevölkerung sind über 64 Jahre alt. Zum Vergleich: In Deutschland sind 21 Prozent aller Einwohner im Rentenalter. Das kinderreichste Land Südamerikas ist Bolivien. Pro 1000 Einwohner werden 26 Kinder pro Jahr geboren.

Foto: dpa

Asien

Fast ein Drittel der asiatischen Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. 29 Prozent sind im Kindesalter. Nur sechs Prozent der Bürger sind 64 Jahre oder älter. Das asiatische Land mit dem größten Anteil an unter-15-Jährigen an der Gesamtbevölkerung ist Afghanistan. 46 Prozent der Bürger sind Kinder oder Jugendliche.

Foto: AP

Afrika

… auf Rang 4: Mali. Das westafrikanische Land hat einen Kinder- und Jugendlichen-Anteil von 47 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Auf 1000 Einwohner kommen 46 Geburten. Aktuell leben 16 Millionen Menschen in Mali. 2050 sollen es bereits 45,3 Millionen sein.

Foto: dpa

Afrika

Getoppt wird Mali von Angola. In dem Land im Südwesten des schwarzen Kontinents sind 48 Prozent der Bürger maximal 15 Jahre alt. Derzeit leben in Angola 20,3 Millionen Menschen. Bis 2050 wird die Zahl aller Voraussicht nach auf 63,2 Millionen Menschen steigen.

Foto: WirtschaftsWoche

Afrika

Auf Rang 2 liegt Uganda. Wie in Mali sind 48 Prozent der Bürger 15 Jahre oder jünger. Das starke Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern geht auf drei Faktoren zurück: Ungewollte Geburten, der Wunsch nach mehr als zwei Kindern pro Paar sowie die junge Altersstruktur.

Foto: KNA

Afrika

Das kinderreichste Land der Welt ist der Niger. Das zentralafrikanische Land, durch das der gleichnamige Fluss fließt, gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Dürren und Hungersnöte suchen das Land regelmäßig heim. 52 Prozent der Bürger sind 15 Jahre oder jünger. Deren Lebenserwartung liegt aber nur bei 58 Jahren. Die Bevölkerungszahl des Landes wird von derzeit 16,3 Millionen bis 2050 auf 54,2 Millionen Menschen anwachsen.

Foto: dpa

Die Bevölkerung Deutschlands hätte ohne Zuwanderung bereits abgenommen. In Zukunft wird sie selbst bei anhaltender Zuwanderung deutlich zurückgehen. Die Szenarien des Statistischen Bundesamtes rechnen bei wenig veränderten Geburtenraten für das Jahr 2050 mit nur noch 69 bis 74 Millionen Menschen in Deutschland. Die Zahl der Erwerbsfähigen zwischen 20 und 65 Jahren, derzeit rund 50 Millionen Menschen, dürfte dann auf 36 bis 39 Millionen Menschen sinken.

Diese Katastrophe mit Ansage zu verhindern oder wenigstens zu mildern, wäre ein stolzes politisches Ziel, das wahrlich eine Strategie der Bundesregierung verdient hätte. 

Das, was die Bundesregierung präsentiert, hat allerdings mit einer Strategie nicht viel zu tun. Der Text liest sich eher wie eine vertrauensbildende Maßnahme, die mit einlullender Wohlfühlrhetorik weismachen will, dass die demografische Katastrophe gar nicht so schlimm sei – wenn man sie nur vernünftig manage. Von Problemen und Konflikten ist da wenig, doch von angeblichen Chancen umso mehr zu lesen. Ein fröhlicher Ich-liebe-euch-doch-alle-Ton zieht sich durch das gesamte Dokument: "Für die allermeisten Menschen geht es um gewonnene Jahre für ein erfülltes Leben. Es kommt darauf an, sie auch als solche zu erkennen und zu nutzen", heißt es auf der ersten Seite. "So rückt noch mehr in den Mittelpunkt, was ohnehin im Zentrum jeder Politik stehen sollte: die Fähigkeiten und Talente jedes Einzelnen, unabhängig von Herkunft und sozialem Hintergrund."

Platz 10: Niederlande

Gay Pride in Amsterdam - in der holländischen Stadt lebt es sich locker und fröhlich: 3466 deutsche Staatsbürger sind im Jahr 2010 ins Nachbarland ausgewandert.

(Quelle: Statistisches Jahrbuch 2012)

Foto: dapd

Platz 9: Australien

Das Business-Viertel in Sydney - 3662 Deutsche haben 2010 in Down Under den Neustart gewagt.

Foto: REUTERS

Platz 8: Türkei

2010 sind 4735 Deutsche in die Türkei ausgewandert. Viele lassen sich in Istanbul (im Bild) nieder, unter ihnen befinden sich auch viele Deutsch-Türken.

Foto: REUTERS

Platz 7: Frankreich

An der Seine und anderswo im schönen Frankreich leben seit 2010 ungefähr 6559 deutsche Staatsbürger zusätzlich.

Foto: dapd

Platz 6: Spanien

Von Madrid ist es nur noch ein Katzensprung zum Himmel, so ein Sprichwort aus der spanischen Hauptstadt. Trotz der schweren Staatsschuldenkrise sind 6709 Deutsche davon überzeugt - und leben seit 2010 in Spanien.

Foto: REUTERS

Platz 5: Vereinigtes Königreich

Die City von London, eines der großen Finanzzentren der Welt, zieht viele Deutsche an: zum arbeiten, studieren, leben. Seit 2010 sind es 8530 Personen mit deutschem Pass, die sich auf den britischen Inseln niedergelassen haben.

Foto: REUTERS

Platz 4: Polen

Nicht nur die Stadien sind in Polen toll, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung machen den einstigen Ostblock-Staat sehr attraktiv. Die Deutschen haben das längst gemerkt: 9434 leben seit 2010 an der Weichsel.

Foto: dpa

Platz 3: Österreich

Das Riesenrad am Prater leuchtet im Licht der Silvester-Feuerwerke in Wien. 2010 sind 10.831 Deutsche nach Österreich ausgewandert.

Foto: dpa

Platz 2: USA

So ungefähr müssen Schiffspassagiere New York gesehen haben, als sie knapp vor hundert Jahren über das Meer in die Vereinigten Staaten eingewandert sind. Die meisten Zuwanderer dürften heute das Flugzeug nehmen. 2010 kamen aus Deutschland 12.986 Personen.

Foto: REUTERS

Platz 1: Schweiz

Kein Land auf der Welt zieht mehr deutsche Staatsbürger an - sei es wegen der Arbeit, dem Bankgeheimnis oder der guten Bergluft. Im Jahr 2010 sind 22.034 Deutsche in Alpenrepublik ausgewandert.

Foto: dpa

Die Demografiestrategie ist ein Paradebeispiel für den neo-paternalistischen Politikstil der Gegenwart. Wir kümmern uns um euch alle, das ist die Botschaft. Immer wieder ist von "jedem einzelnen" die Rede, dem man "Chancen eröffnen" oder zu einem "erfüllten Leben" verhelfen wolle. Gemeint sind hiermit vor allem künftige und gegenwärtige Senioren, für die ein unüberschaubares Sammelsurium an Maßnahmen präsentiert wird. Nicht zuletzt ein geriatrisches Forschungsprogramm mit dem vielsagenden Titel "Alter hat Zukunft".

Ursache des Problems wird ignoriert

Kinder, deren Fehlen die Ursache des ganzen Problems ist, kommen in dem Dokument kaum vor. Im zusammenfassenden Eingangskapitel nur ein einziges Mal. Die Ziele, die die Bundesregierung sich setzt, lauten: „Familie als Gemeinschaft stärken“, „Motiviert, qualifiziert und gesund arbeiten“, „Selbstbestimmtes Leben im Alter“, „Lebensqualität in ländlichen Räumen und integrative Stadtpolitik fördern“, „Grundlagen für nachhaltiges Wachstum und Wohlstand sichern“ und „Handlungsfähigkeit des Staates erhalten“. Selbst im Rahmen des ersten Zieles steht das Ziel „Entscheidung für Kinder unterstützen und fördern“ nur an dritter Stelle, hinter „Wahlfreiheit für Eltern“ und „Faire Chancen für Frauen und Männer in Familie und Beruf fördern“.

Der Kern der demografischen Frage ist in der Demografiestrategie der Bundesregierung eine Nebensächlichkeit. Es geht auf über 50 Seiten um alles mögliche – „mobile Verwaltungsangebote“, „seniorengerechten Nahverkehr“ und das "Engagementpotenzial aller Generationen" - aber nur ganz am Rande um die entscheidende Tatsache, nämlich dass die Menschen zu wenige Kinder kriegen.

„Die wirklichen Gründe des Problems geht man überhaupt nicht an“, sagt Herwig Birg. „Die Politik weiß seit über 30 Jahren, was auf unser Land zukommt, aber sie war und ist nicht bereit, etwas gegen die hohe Kinderlosigkeit zu unternehmen.“

Stolze 27 Euro haben Deutschlands Kinder im Durchschnitt monatlich in der Tasche. Was tun sie damit? Und was treiben sie sonst in ihrer Freizeit am liebsten? Seit 20 Jahren erlaubt die Kids-Verbraucher-Analyse des Egmont Ehapa Verlages repräsentative Einblicke in das Konsum- und Medienverhalten des Nachwuchses.

Foto: dpa

Ein Fazit der Studie: Der Einfluss der Kinder als Wirtschaftskraft ist groß. „Rechnet man allein das Taschengeld und die Geldgeschenke der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren zusammen, so stehen dieser Gruppe 2012 insgesamt 2,87 Milliarden Euro zur Verfügung“, sagte Studienleiter Ralf Bauer am Dienstag. Im Folgenden finden Sie einige Einzelaspekte der Analyse.

Foto: dpa

Nach wie vor sind Bücher und Zeitschriften bei den 6- bis 13-Jährigen gefragt. Konstant über 90 Prozent schmökern zumindest ab und an in Print-Produkten, in Zeitschriften etwas öfter als in Büchern. Über einen Computerzugang verfügen vier von fünf Kindern ab 6 Jahren, drei Viertel nutzen auch das Internet. In der Hauptsache werden dabei Schul-Infos gesammelt (82 Prozent), aber kostenlose Online-Spiele und das Sammeln von Freizeit-Infos sind ebenfalls beliebt (73 und 72 Prozent). Allerdings ist kaum jemand bereit, Geld für Online-Spiele auszugeben. Eltern gestatten zumeist nur bei Lernprogrammen eine Ausnahme.

Foto: Handelsblatt

Smartphones und vor allem Tablet-Computer spielen noch keine dominante Rolle bei den Jüngeren. Die Kinder haben darauf in aller Regel nur Zugriff, wenn sie die Geräte der Eltern nutzen dürfen. Allerdings besitzt bereits immerhin ein Fünftel der Kinder zwischen 10 und 13 ein Smartphone.

Foto: dpa

Im Freizeitverhalten unterscheiden sich Jungen und Mädchen deutlich: Die Jungen sind elektronischen Medien besonders zugetan und zählen Computer, Internet und Spielekonsolen zu ihren Top 10 – allerdings auf den hinteren Rängen. Weit vorn liegen bei den Hobbys liegen Freunde treffen und Fernsehen, gefolgt von diversen Sportaktivitäten.

Foto: dapd

Auch bei den Mädchen liegen FreundInnen und Fernsehen an der Spitze, gefolgt von Musik hören, Radfahren und Bücher lesen. Computer und Internet tauchen 2012 erstmals in der Mädchen-Top 10 auf, nämlich auf Platz 8 und 10.

Foto: dpa

Marken scheinen nach der rückläufigen Tendenz der vergangenen Jahre wieder eine größere Rolle für den Nachwuchs zu spielen. Vor allem bei gut sichtbaren Dingen wie Sportschuhen, (Schul-)Taschen und sonstigen Kleidungsstücken und Accessoires, aber auch beim Handy ist die „richtige“ Marke für mehr als die Hälfte der Kinder wichtig.

Foto: dpa

Allerdings zeigte die begleitende Elternbefragung, dass vor allem bei Handy oder MP3-Player die Eltern meist nicht bereit sind, diese speziellen Wünsche zu erfüllen. Speziell beim Handy ist die „Zweitverwertung“ der abgelegten elterlichen Modelle angesagt. Allerdings steigt mit dem Alter der Kinder auch der Anteil der Neu-Handys.

Foto: dpa

Das Taschengeld wird nach wie vor hauptsächlich in Süßigkeiten, Kekse und Kaugummi (63 Prozent) sowie Zeitschriften und Comics (44 Prozent) investiert. Aber: Immerhin etwa ein Drittel der Kinder gibt mittlerweile auch für Getränke und Essen unterwegs Taschengeld aus.

Foto: dpa

Die Ausgaben der Kinder fürs Kino gehen zurück (15 Prozent) und die einstmals galoppierenden Handykosten sind nur noch für 13 Prozent ein Selbstzahler-Thema. Nicht abgefragt wurde, wie viel die Kinder von ihrem Taschengeld sparen. Dafür wurde ermittelt, dass die Kinder neben dem Taschengeld im Durchschnitt noch mit 210 Euro an Geldgeschenken zu Weihnachten oder Geburtstag rechnen können.

Foto: dpa

Demographie

Keine Kinder, große Sorgen

Günter Krings, CDU-Bundestagsabgeordneter und demografiepolitischer Sprecher seiner Fraktion ist anderer Ansicht – zumindest behauptet er das. „Es gab einen großen Konsens in der Fraktion, dass wir mutiger sein sollten beim Ziel, die Geburtenzahlen zu steigern.“ Allzu wichtig war den Unionsabgeordneten dieses Ziel dann aber wohl doch nicht, denn im Positionspapier der Fraktion, das unter Krings’ Ägide entstand, liest man dazu nur einige dürre Sätze. „Die Familienpolitik der Union hat zum Ziel, dass durch mehr Kinder- und Familienfreundlichkeit und durch günstigere Rahmenbedingungen mehr Kinder in Deutschland geboren werden.“  Aus Fraktionskreisen heißt es, dass konkrete Gedanken zur Erhöhung der Geburtenrate nicht einmal ansatzweise diskutiert wurden.

Fragt man im federführenden Bundesinnenministerium nach, kommen fatalistische Antworten: „Wir können nicht den Bürgern sagen: Kriegt mehr Kinder!“, sagt Kai-Andreas Otto, der für die Demografiestrategie zuständige Unterabteilungsleiter im Bundesinnenministerium. „Eine Frontalstrategie“, so Otto, würde von den Menschen missverstanden. Das passe nicht in eine „aufgeklärte Gesellschaft“.

Es ist dasselbe Argument, das schon die erste demografiepolitische Debatte in den späten 1970er Jahren prägte: Der Staat habe in den Schlafzimmern der Bürger nichts zu suchen. Damals war das allerdings noch nicht die Position der Union, sondern der SPD. Im Oktober 1979 antwortete die von Johannes Rau geführte Landesregierung von Nordrhein-Westfalen auf eine Anfrage der CDU-Opposition, dass sie „bevölkerungspolitische Eingriffe und Gegenmaßnahmen des Staates“ ablehne. Außerdem könne sie „die Hervorhebung ausschließlich negativer Aspekte der gegenwärtigen Bevölkerungsentwicklung“ nicht akzeptieren.

Diese 33 Jahre alten Sätze einer SPD-geführten NRW-Landesregierung könnten auch aus der gegenwärtigen CDU-geführten Bundesregierung stammen. Mittlerweile wird die deutsche Demografiepolitik de facto von einer Allparteienkoalition beherrscht, die der Verzicht auf eine aktive Geburtenförderung eint. Nicht den Kinderwunsch der Menschen wolle man beeinflussen, sondern allenfalls die Erfüllung vorhandener Wünsche erleichtern, so lautet das Credo aller maßgeblichen Familienpolitiker. Dass diese Bescheidenheit tatsächlich von tief empfundener Liberalität getragen ist, darf man allerdings bezweifeln. In anderen Fragen, wenn es etwa um  die Gleichstellung der Geschlechter geht, mischt sich der Staat schließlich auch vermehrt in das Leben der Bürger ein. Die wahren Beweggründe dürften eher andere sein.

Da ist zum einen die „historische Kontamination“, die in jedem Gespräch mit Demografiepolitikern und Beamten mitschwingt. Der Hinweis auf den nationalsozialistischen Rassenwahn, der auch ein Geburtensteigerungswahn war, fehlt in kaum einem Beitrag zu demografischen Debatte in Deutschland. Die Erinnerung an die „Mutterkreuze“, die die Nazis verliehen, während sie gleichzeitig Millionen von Familien mit ihren Kindern ermordeten, verbot Generationen von Nachkriegspolitikern jeden Gedanken an aktive Geburtenförderung. 

Brandenburg und Sachsen-Anhalt

„Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine der zentralen Antworten auf die Herausforderungen des demografischen Wandels. Dazu gehören familienbewusste Arbeitszeiten genauso wie eine Unternehmenskultur, in der Familie nicht als Nachteil, sondern als Bereicherung gilt", sagte Staatssekretär Hermann Kues bei der Preisverleihung.

Auf den ersten Blick ist ein Braunkohleförderer vielleicht nicht das familienfreundlichste Unternehmen. Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH ist jedoch von der 1998 gegründeten berufundfamilie gGmbH als besonders familienfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet worden. Die Initiative der gemeinnützigen Hertie-Stiftung zeichnete außerdem folgende in Sachsen-Anhalt und Brandenburg beheimatete Unternehmen aus:
bildungszentrum energie GmbH; MITGAS Mitteldeutsche Gasversorgung GmbH; ; Saale Reha Klinikum Bad Kösen GmbH & Co.; Sana Ohre-Klinikum GmbH; Funkwerk Dabendorf GmbH; Klinikum Dahme-Spreewald GmbH; Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam; REWE Markt GmbH, Logistikregion Ost; Sparkasse Märkisch-Oderland; Stadtsparkasse Schwedt/Oder; Stadtverkehrsgesellschaft mbH Frankfurt (Oder).

Foto: AP

Berlin

"Mit ihrem Engagement leisten die auditierten Arbeitgeber einen wichtigen Beitrag dazu, dass Familienfreundlichkeit zu einem Markenzeichen in Deutschland wird“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Kues. Im Stadtstaat Berlin haben sich gleich drei Unternehmen aus dem Gesundheitssektor hervorgetan.

So wurden neben dem AOK-Bundesverband GbR auch der Verband der Ersatzkassen e. V. sowie die Sana Kliniken Berlin-Brandenburg GmbH ausgezeichnet. Weitere Preisträger aus der Hauptstadt waren die Berlin Partner GmbH; das Bezirksamt Lichtenberg von Berlin; DIW Berlin - Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung; Germany Trade and Invest Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing mbH; Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH; Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin; ; Senatsverwaltung für Finanzen und ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft.

Foto: dpa

Schleswig-Holstein und Niedersachsen

Insgesamt zeichnete die Initiative unter der Schirmherrschaft des Bundesfamilienministeriums sowie des Wirtschaftsministeriums 371 Arbeitgeber für eine besonders familienfreundliche Personalpolitik aus. Darunter waren 202 Unternehmen, 120 Institutionen und 49 Hochschulen, die zusammen rund 575.000 Menschen beschäftigen.

Aus Schleswig-Holstein ehrte die berufundfamilie gGmbH die Stadtwerke Kiel AG, die Sana-Krankenhaus Rügen GmbH; Basler AG; Brücke Rendsburg-Eckernförde e.V.; Investitionsbank Schleswig-Holstein; Regio Kliniken GmbH; Sana Kliniken Ostholstein GmbH; Stadtwerke Kiel AG und das Deutsches Institut für Ernährungsforschung. Aus Niedersachsen bekamen die Astro Motorengesellschaft GmbH & Co. KG; Deutsche BKK; Hydraulik-Pneumatik-Kontor Jade GmbH; IG BCE BWS GmbH; J. Wienken GmbH Nutzfahrzeugservice; john becker ingenieure; Landkreis Peine; OsteMed Kliniken und Pflege GmbH; Psychiatrieverbund Oldenburger Land gGmbH - Karl-Jaspers-Klinik; Rotenburger Werke der Inneren Mission e.V.; TÜV NORD Service GmbH & Co. KG das Zertifikat zum audit berufundfamilie.

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Bremen und Hamburg

Auch im Norden Deutschlands tun sich viele Unternehmen aus dem sozialen sowie dem Gesundheitsbereich durch besonders familienfreundliche Arbeitszeiten und Personalpolitik hervor. Ausgezeichnet wurden der Caritasverband Bremen e.V.; Gesundheit Nord Klinikverbund Bremen gGmbH; Klinikum Bremen-Mitte gGmbH; Klinikum Bremen-Nord gGmbH; Umweltbetrieb Bremen - Eigenbetrieb der Stadtgemeinde Bremen; HanseMerkur Krankenversicherung AG; BLG AutoTerminal Bremerhaven GmbH & Co. KG; MEDITÜV GmbH & Co. KG; TÜV NORD Akademie GmbH & Co. KG; TÜV NORD Mobilität GmbH & Co. KG; TÜV NORD Systems GmbH & Co. KG; TÜV NORD Umweltschutz GmbH & Co. KG; TÜV Informationstechnik GmbH

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Nordrhein-Westfalen
„Das Engagement familienfreundlicher Arbeitgeber nutzt nicht nur den Beschäftigten, sondern der ganzen Gesellschaft“, stellte Staatssekretär Peter Hintze fest. „Zugleich ist familienbewusste Personalpolitik auch ein wichtiger Vorteil im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte. Nicht nur für die Unternehmen, auch für die Politik gilt: Wir müssen die Zukunft so gestalten, dass noch mehr Menschen in der Lage sind, sich beruflich voll zu entfalten“, so Peter Hintze weiter.

In diesem Sinne taten sich in Nordrhein-Westfalen folgende Arbeitgeber als besonders familienfreundlich hervor:

Die Deutsche Postbank AG und der Postbank Filialvertrieb AG, Herner Sparkasse, Hüttenwerke Krupp Mannesmann, Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, Landschaftsverband Westfalen-Lippe Klinik Herten, Universitätsklinikum Bochum, Maßregelvollzugsklinik Herne; Landschaftsverband Westfalen-Lippe Klinik Paderborn; Leibniz-Institut für Analytische Wissenschaften - ISAS - e.V., MDH AG - Mamisch Dental Health, Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen; SMS Siemag AG; Sparkasse Bochum, der Caritasverband für die Stadt Bonn e.V., Caritasverband für die Stadt Köln e.V., DEG Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH, Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, DKM Darlehnskasse Münster eG, Dornseif Winterdienst mit System; Erftverband, regio iT aachen gesellschaft für informationstechnologie mbh, die Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld, toom Verbrauchermarkt GmbH und URENCO Deutschland GmbH

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Rheinland-Pfalz und Saarland

Rund 1.000 Zertifikatsträger zählt die berufundfamilie gGmbH derzeit insgesamt. Diese Arbeitgeber sind Vorreiter in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Sie bekennen sich nicht nur zur familienbewussten Personalpolitik, sondern gestalten diese aktiv. Die Voraussetzungen dafür fasste Dr. John Feldmann, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, zusammen: „Eine wirksam umgesetzte familienbewusste Personalpolitik verwaltet nicht nur die angebotenen Maßnahmen, sondern gestaltet einen Bewusstseinswandel. Dies erfordert bei vielen Arbeitgebern, gewohnte Denkweisen aufzubrechen, Blickwinkel zu erweitern und Einstellungen so zu verändern, dass sich Beruf und Familie optimal vereinbaren lassen.

Geschafft haben das in den Bundesländern Saarland und Rheinland-Pfalz die Eckes-Granini Deutschland GmbH, Camelot IDPro GmbH, Schloss Dagstuhl - Leibniz-Zentrum für Informatik, VSE Aktiengesellschaft, Berufsgenossenschaft Holz und Metall, Coface Deutschland AG, Deutsches Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer, Diakoniezentrum Pirmasens KAöR, Klinikum Landau-Südliche Weinstraße GmbH, Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz, Sparkasse Germersheim-Kandel, Sparkasse Mittelmosel - Eifel Mosel Hunsrück, Volksbank RheinAhrEifel eG und die VON DER HEYDT GMBH

Foto: dpa

Bayern, Hessen, Sachsen

Die Initiative legt Wert darauf, dass das Angebot der Unternehmen flexibel bleibt und sich nach den betriebsspezifischen Möglichkeiten sowie den aktuellen Bedürfnissen der Beschäftigten richtet. Nur diese Lebendigkeit und ein gelungener Bewusstseinwandel könne langfristig den gewünschten Nutzen einer familienbewussten Personalpolitik bringen.

In Bayern erfüllen die REWE Markt GmbH, Zweigniederlassung Süd, die Bayerische Staatsforsten AöR, CASSIDIAN, Standort Manching, die Sana Klinik Pegnitz GmbH sowie die Sana Kliniken AG und die Sana Kliniken Solln Sendling GmbH wie auch die Sparkasse Coburg-Lichtenfels diese Anforderungen. In Hessen und Sachsen sind es das Herzzentrum Dresden GmbH, das Lausitzer Seenland Klinikum GmbH, die Paracelsus-Klinik Reichenbach GmbH, die Mainova AG, das Studentenwerk Gießen, die TECOSIM Technische Simulation GmbH, die Vitos GmbH und dieVolksbank Mittelhessen eG


Foto: dapd

Baden-Württemberg

Seit 2002 wird das audit Beruf und Familie auch an Hochschulen als „audit familiengerechte hochschule“ angeboten. Einsetzbar in allen Branchen und Betriebsgrößen, erfasst das audit den Status quo der bereits angebotenen Maßnahmen zur besseren Balance von Beruf und Familie, entwickelt systematisch das betriebsindividuelle Potenzial und sorgt mit verbindlichen Zielvereinbarungen dafür, dass Familienbewusstsein in der Unternehmenskultur verankert wird.

In Baden-Württemberg wurden in diesem Jahr folgende Unternehmen mit dem audit ausgezeichnet: das Krankenhaus vom Roten Kreuz Bad Cannstatt GmbH, die Grosskraftwerk Mannheim AG, das Institut für Wissensmedien, die Karl-Olga-Krankenhaus GmbH, die Rems-Murr-Kliniken gGmbH, die Sana-Klinik Zollernalb GmbH, die Stadtverwaltung Künzelsau sowie die Stadtverwaltung Ludwigsburg, das Universitätsklinikum Tübingen und die Vereinigte Volksbank AG. Außerdem zeichnete die Stiftung die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, die PAUL HARTMANN AG, die RKU-Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm gGmbH, die Sana Kliniken Bad Wildbad GmbH, die Sparkasse Offenburg/Ortenau, die St. Elisabeth-Stiftung, die Waldburg-Zeil Kliniken GmbH & Co. - Saulgau - KG, die Waldburg-Zeil Kliniken GmbH & Co. KG und die Klinik Tettnang GmbH mit dem audit aus.

Foto: dpa/dpaweb

Welche Arbeitszeitmodelle deutsche Unternehmen Familien anbieten
Die Teilzeit ist bei deutschen Firmen das beliebteste Arbeitszeitmodell, immerhin 79,2 % aller Unternehmen bieten sie ihren Angestellten an.
Das zweitbeliebteste Arbeitszeitmodell deutscher Unternehmen sind mit 72,8 % Individuelle Arbeitszeiten.
Die Flexible Tages- oder Wochenarbeitszeit bieten 70,2 % der deutschen Unternehmen an.
46,2 % der Firmen führen keine Arbeitszeitkontrolle durch, wenn ihre Angestellten familienbedingt kürzer treten müssen.
Nur 28,3 % der deutschen Unternehmen räumen ihren Mitarbeitern eine Flexible Jahres- oder Lebensarbeitszeit ein.
Gerade einmal 21,9 % der deutschen Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern die Möglichkeit der Telearbeit an.
Mit 20,4 % ist das Arbeitszeitmodell des Jobsharings in Deutschland äußerst begrenzt.
Ein Sabbatical kommt nur bei 16,1 % der deutschen Unternehmen als Arbeitszeitmodell in Frage.

Der entscheidende Grund dürfte aber vor allem die weitverbreitete Ansicht sein, dass die Fruchtbarkeit der Bürger durch familienpolitische Maßnahmen ohnehin kaum beeinflussbar ist. „Wir mussten bescheidener werden nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre“, sagt Krings. „Es wäre unredlich, wenn wir behaupteten, wir könnten durch politisches Handeln wieder zu einer Geburtenrate von mehr als zwei Kindern im Durchschnitt pro Frau kommen.“ Tatsächlich wurde manche Hoffnung bitter enttäuscht. Die von der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen im Herbst 2006 angekündigte „bevölkerungsorientierte Familienpolitik“ ist mittlerweile ad acta gelegt. Denn ihr Lieblingsprojekt, das Elterngeld, konnte die Geburtenzahl vermutlich kaum steigern. Mittlerweile bestreitet auch ihre Nachfolgerin Kristina Schröder, dass dies jemals das Ziel des Elterngeldes gewesen sei. Im Gesetzestext blieb es – vorsorglich – unerwähnt.

Ist also tatsächlich Resignation angebracht? Nein. Die Politik könnte durchaus etwas bewirken, da sind sich die meisten Experten einig. Die „Arbeitsgruppe Zukunft mit Kindern“ der Leopoldina und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften stellt fest, „dass die Verbesserung von Infrastrukturangeboten und die Erhöhung von Geldleistungen die Wahrscheinlichkeit einer Entscheidung für Kinder erhöhen können.“ Allerdings seien diese Zusammenhänge „äußerst komplex“. Im Klartext: Nur an einer Stellschraube zu drehen, also etwa das Elterngeld einzuführen oder das Kindergeld zu erhöhen, reicht nicht.

Wirtschaftspolitik ist demografisch entscheidend

„Es gibt wirksame Instrumente für eine Demografiepolitik mit demokratischen Zielen und Mitteln“, sagt Herwig Birg. Aber bisher habe das eben noch keine deutsche Nachkriegsregierung ernsthaft und konsequent versucht. Dabei habe Deutschland sogar das Potential für eine der höchsten Geburtenraten in Europa. Aber nicht die klassische Familienpolitik, sondern Wirtschafts- und Sozialpolitik seien die entscheidenden Hebel, sagt Birg. Er schlägt zum Beispiel vor, Eltern bei der Besetzung von Arbeitsplätzen bei gleicher Eignung zu bevorzugen.

Für Birg die wichtigste und längst überfällige Maßnahme: „Vor allem müssten die Urteile des Bundesverfassungsgerichts zur Reform der Sozialversicherung angemessen umgesetzt werden.“ Von diesen seit Jahren politisch ignorierten Urteilen ist bezeichnenderweise in der Demografiestrategie überhaupt keine Rede. Die entsprechenden Forderungen des „Aktionsbündnis Familie“, die Kindererziehung als gleichwertige Beitragsleistung in die Rentenversicherung einfließen zu lassen, bleiben bislang völlig wirkungslos. Und das obwohl dadurch ein vom Bundesverfassungsgericht festgestelltes Unrecht beseitigt würde. Ebenso unerfüllt bleibt die durch das „Pflegeversicherungsurteil“ von 1990 gestützte Forderung, das steuer- und sozialabgabenfrei gestellte Existenzminimum pro Kind und pro Jahr von 7008 Euro an das von Erwachsenen anzupassen (8.004 Euro).

An konstruktiven Vorschlägen für eine demografiebewusste Politik mangelt es wahrlich nicht – auch wenn man beim Lesen der Demografiestrategie diesen Eindruck gewinnen könnte. Der Deutsche Familienverband fordert etwa einen „Solidaritätsfonds demografischer Wandel“, in den alle noch verfügbaren Überschüsse der Krankenkassen und Sozialversicherungen einfließen. Diese Mittel sollten dann in den Kommunen für Kinderbetreuungsangebote und andere kinderfreundliche Maßnahmen eingesetzt werden.

Das wohl größte Hindernis für eine aktive Bevölkerungspolitik und wahrscheinlich der Hauptgrund für ihr Fehlen in der Strategie der Bundesregierung ist das Dilemma von Produktivität und Reproduktivität: Geburtenförderung verträgt sich nicht gut mit den Zielen kurzfristiger Wirtschaftspolitik. Wenn nämlich die Wirtschaft und die Einkommen wachsen, vergrößert das das entgangene Einkommen für Frauen, die zugunsten von Kindern zumindest zeitweilig nicht arbeiten. „Wirtschaftspolitik übt eine negative Nebenwirkung auf die Geburtenrate aus“, sagt Herwig Birg.

Aber auch der Umkehrschluss trifft zu. „Kinder sind sehr verführerisch“, so Hans Bertram, Soziologe und Berater von Familienministerin Schröder. Denn sie bringen ihre Mütter oder sogar Väter dazu, mehr Zeit mit ihnen statt mit der Steigerung des Bruttoinlandsprodukts zu verbringen. 

Der von der Politik und Unternehmen propagierte Ausweg aus dem Dilemma ist erstens Einwanderung und zweitens die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Darauf zielen auch viele der in der Demografiestrategie zusammengefassten Maßnahmen: der Ausbau der Kinderbetreuung und „haushaltsnaher Dienstleistungen“, die Verbesserung der Bedingungen für ein längeres Arbeitsleben. Eine der neun Arbeitsgruppen, die auf dem Demografiegipfel der Bundesregierung im Oktober ins Leben gerufen wurden, hat sich gar die Schaffung einer „eigenständigen Familienzeitpolitik“ zum Ziel gesetzt, um die „Zeitsouveränität“ von Familien zu erhöhen. Aber Zeit ist eine knappe Ressource und Konflikte mit den wirtschaftspolitischen Zielen der Demografiestrategie - „Mobilisierung aller Potenziale zur Sicherung der Fachkräftebasis insbesondere auch weiblicher Fachkräfte“- sind da unvermeidlich. Arbeitswelt und Familienleben liegen im Dauerclinch um die Zeit jedes einzelnen Menschen.    

Abkehr vom "Vollzeitregime"

„Für alle reichen Länder, übrigens einschließlich Skandinaviens, gilt, dass Frauen oder Paare umso mehr Kinder haben, je mehr freie Zeit ihnen gewährt oder auch aufgedrängt wird“, sagt Wolfgang Streeck, Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Kein Zufall sei es, dass Teilzeitbeschäftigte im öffentlichen Dienst, Migrantinnen der ersten Generation und  Sozialhilfeempfängerinnen überdurchschnittlich viele Kinder haben – und Akademikerinnen mit guten Beschäftigungsaussichten besonders wenige.

Streeck fordert daher die Abkehr vom „Vollzeitregime“. Oberstes Ziel einer kinderfreundlichen Politik müsse sein, diejenigen zu schützen, die sich für eine neue Aufteilung von Erwerbsarbeit und Familienleben entscheiden: durch verbindliche Verkürzung der Arbeitszeit, verbesserten Kündigungsschutz, erweiterte Rechte auf Wiedereinstellung und Weiterbildung, Flexibilisierung der Arbeitszeit nach Bedürfnissen des Arbeitnehmers, Beendigung jeglicher Diskriminierung bei Teilzeitarbeit, veränderte Karrierestrukturen und Beförderungswege.

Vermutlich würde eine ernsthafte, konsequent kinderfreundliche Bevölkerungspolitik kurz- und mittelfristig Produktivitätseinbußen für die deutsche Wirtschaft bedeuten. Aber langfristig dürfte auch für Arbeitgeber eine Altersstruktur nach dem Bild des Kebap-Spießes, wie sie die Demografiestrategie der Bundesregierung präsentiert, die schlechtere Aussicht bieten.

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