Urteil: Flowtex-Skandal: Milliardenbetrüger bleibt frei
Manfred Schmider, Gründer der Skandalfirma Flowtex
Foto: dapdManfred Schmider könnte es deutlich schlechter gehen. Er kann sich frei bewegen und im Luxus schwelgen. Dabei hat der Mann sein gesamtes Vermögen verloren. Offiziell ist er arbeitslos. Er hat siebeneinhalb Jahre im Gefängnis verbracht. Er hat Banken und Geschäftspartner betrogen – und mit der Pleite des von ihm gegründeten Bohrsysteme-Hersteller Flowtex im Jahr 1999 für einen der größten Skandale in der deutschen Wirtschaftsgeschichte gesorgt. Über ihn ist sogar schon ein Landesminister gestolpert. In Deutschland war Wirtschaftsbetrug in Milliardenhöhe bis zum Auffliegen Schmiders eine unbekannte Dimension.
Aber Schmider geht es gut. Denn nun stand Schmider erneut vor Gericht – und kommt mit einer Bewährungsstrafe über ein Jahr und zehn Monate davon. Die Strafe erhielt er vom Landgericht Mannheim für ein Bankrott-Vergehen. Schmider hatte gestanden, 2005 und 2006 vier wertvolle Gemälde und einen Geländewagen illegal an seinen Gläubigern vorbei zu seiner Frau in die Schweiz geschafft zu haben. Als er dies tat, saß er wegen des Flowtex-Betrugs noch im Gefängnis. Im Gegenzug für das Geständnis hatte ihm das Gericht eine zur Bewährung ausgesetzte Strafe in Aussicht gestellt.
Vince McMahon ist Chef des amerikanischen Unterhaltungskonzerns World Wrestling Entertainment (WWE). Nachdem der börsennotierte Konzern negative Aussichten bekanntgab, sank der Wert von McMahons Anteilen um 350 Millionen US-Dollar.
Foto: APEike Batista hat innerhalb eines Jahres 99 Prozent seines Vermögens verloren. Mit 33 Milliarden Dollar war er der reichste Mann Brasiliens und einer der reichsten Männer der Welt. Er verlor sein Vermögen unter anderem wegen fallender Aktienkurse seiner Unternehmen.
Foto: dpa2,3 Milliarden Dollar sollen Kweku Adobolis Handelsgeschäfte die Schweizer Großbank UBS im Jahr 2011 gekostet haben. In dem Prozess gegen ihn bestreitet Adoboli die ihm zur Last gelegten Vorwürfe des Betrugs und der Falschbuchhaltung und plädiert auf "nicht schuldig".
Foto: REUTERSNick Leeson sorgte für die wohl größte Fehlspekulation der 90er-Jahre, als er für die singapurische Außenstelle der traditionellen britischen Barings Bank als Chefhändler arbeitete. Die Verluste seiner Trades, die er auf ein geheimes und nicht kontrolliertes Konto verbuchte, summierten sich auf 825 Millionen Pfund – bis die Barings Bank zusammenbrach. Später wurde Leeson zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen Urkundenfälschung, Untreue und Betrug verurteilt.
Foto: REUTERSNicht weniger Aufsehen erregte die Silber-Spekulation der Brüder Hunt: Nelson Bunker und Herbert William Hunt kauften ab Mitte der 1970er Jahre enorme Mengen an physischem Silber auf. Zudem erwarben sie Silber-Kontrakte, teilweise auf Pump. Dass die Börsenaufsicht später die Regeln änderte, hatte zum einen zur Folge, dass der Wert des physischen Silbers fiel, zum anderen, dass die Hunts ihre Long-Positionen in bar ausgleichen mussten. Das konnten sie irgendwann nicht mehr – und gingen bankrott.
Foto: WirtschaftsWocheDer Aktienhändler Jérôme Kerviel brachte seinen Arbeitgeber, die französische Bank Société Générale, mit hochriskanten Aktiengeschäften um fünf Milliarden Euro. Dafür, dass er bei seinen Trades regelmäßig Handelslimits überschreiten konnte, wurde allerdings auch die Bank selber verantwortlich gemacht. Kerviel wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, ging aber in Berufung. Das Urteil wird für Oktober erwartet.
Foto: REUTERSDass aufsehenerregende Fehlspekulationen nicht immer mit Betrug einhergehen müssen, sondern manchmal schlicht und ergreifend auf falschen Einschätzungen beruhen, zeigt das Beispiel John Paulson. Der Hedgefondsmanager, der in der Finanzkrise noch 16 Milliarden Dollar verdient hatte, lag im Jahr 2011 des Öfteren falsch. So setzte er zu früh auf eine Erholung der US-Konjunktur – und verlor dadurch mehrere Milliarden Dollar.
Foto: REUTERSAuch bei der US-Bank JP Morgan Chase verspekulierte man sich im großen Stil. Im Frühling dieses Jahres informierte Konzernchef Jamie Dimon die JP-Morgan-Aktionäre persönlich, dass sein Institut im Monat zuvor rund zwei Milliarden Dollar bei spekulativen Finanzwetten verloren hatte. Dimon räumte dabei „ungeheuerliche Fehler und Schlampereien“ ein.
Foto: dapdCarl Icahn, berühmt-berüchtigter Corporate Raider, lag in den vergangenen Jahren mehrfach daneben. Icahn verlor etwa mit seinem Engagement beim Internetpionier Yahoo ordentlich Geld: Die 12,7 Millionen Yahoo-Papiere, die er ein Jahr zuvor für rund 25 Dollar pro Aktie gekauft hatte, veräußerte er im Herbst 2009 für unter 15 Dollar das Stück.
Foto: REUTERSSogar Investorenlegenden sind vor Irrtümern nicht gefeit. George Soros, der Anfang der 1990er-Jahre mit seiner Wette gegen das Pfund Sterling einen Milliardengewinn erzielt hatte, verzockte sich 2008 mit Papieren der späteren Pleitebank Lehman: Wenige Monate vor deren Zusammenbruch hatte Soros auf ihre Rettung gewettet und dazu knapp zehn Millionen Lehman-Aktien angehäuft – die kurze Zeit später wertlos waren.
Foto: dpaSelbst Benjamin Graham, der Inbegriff der fundamentalen Wertpapieranalyse, ist nicht von Irrtümern freizusprechen. Der Urvater des Value Investing hatte 1926 einen eigenen Investmentfonds gegründet. Damit erlitt er beim legendären Börsencrash von 1929 Schiffbruch, in den Folgejahren soll er 70 Prozent seines Kapitals verloren haben.
Foto: WirtschaftsWocheSelbst der Graham-Schüler Warren Buffett, der Value-Investor schlechthin und derzeit wohl der prominenteste Börsenguru, macht nicht immer alles richtig. Das „Orakel von Omaha“, so sein Spitzname, erwarb Anfang 2012 zehn Millionen Papiere von General Motors. Wenige Monate danach brach der Kurs um knapp 20 Prozent ein. Der Fairness halber ist allerdings zu erwähnen, dass solche Ausrutscher bei Buffett selten sind.
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So bleibt der ehemalige Flowtex-Chef auf freiem Fuß – und kann das Leben weiter genießen. Noch vor gut einem Jahr war er einem Spiegel-Bericht zufolge mehrfach auf Mallorca gesichtet worden, wie er im dicken Geländewagen umherfuhr, am Pool von Luxusanwesen oder auf schicken Yachten entspannte. Den bescheidenen Lebensstil eines gescheiterten Unternehmers und verurteilten Wirtschaftsbetrügers stellt man sich gemeinhin anders vor. Wer sich mit dem Fall Schmider beschäftigt, kann nur mit dem Kopf schütteln.
Geldquelle angebohrt
Der Aufstieg des ehemaligen Gebrauchtwagenhändlers Manfred Schmider zum erfolgreichen Unternehmer begann 1986. Damals brachte Schmider Patente aus den USA für spezielle Bohrgeräte mit. Diese sollten es ermöglichen, Rohrleitungen im Boden zu verlegen, ohne dass dieser aufgerissen werden muss. Die sogenannten Horizontalbohrer seiner Firma Flowtex, die jeweils einen Millionenbetrag kosteten, stießen auf Interesse und Schmider baute sich in Windeseile einen Konzern mit mehreren tausend Angestellten. Der Flowtex-Chef bewegte sich in den höchsten Gesellschaftskreisen und war bei Bankern und Politikern gern gesehen.
Die Gründer der Frankfurter Immobiliengruppe S+K, Stephan Schäfer und Jonas Köller, hat ein Schicksal ereilt, das vielen angeblichen Finanzprofis aus der Dotcom-Ära bereits zu Teil wurde: Sie landeten wegen mutmaßlichem Anlagebetrug in Untersuchungshaft. Zuvor sollen sie es mit dem ergaunerten Geld richtig haben krachen lassen. Doch was ist aus den Protagonisten aus den vergangenen Jahren geworden?
Foto: WirtschaftsWocheEiner der bekanntesten Blender ist Florian Homm, er ist Großaktionär bei Borussia Dortmund. Am Neuen Markt war er zuvor schon bekannt als Gründer von Value Management & Research (VMR), die Firmen wie Toysinternational.com oder Comtelco an die Börse brachte. Eine angekündigte Fusion mit der Beteiligungsgesellschaft Knorr Capital scheiterte, Homm zog sich aus VMR zurück.
Wenige Jahre später geriet er mit dem Hedgefonds Absolute Capital Management Holdings mit Investments bei Borussia Dortmund oder dem Finanzdienstleister MLP in die Schlagzeilen. Vielfach war ihm vorgeworfen worden, Kurse massiv zu manipulieren. Als der Hedgefonds 2007 unter Druck geriet, nahm Homm überstürzt seinen Hut und war seitdem untergetaucht. Seine Nachfolger in der Leitung des Fonds warfen ihm später vor, dass viele Investments einen weit geringeren Wert hätten, als ausgewiesen. Die Aktien des börsennotierten Hedgefonds verloren mehr als 90 Prozent ihres Wertes. Seit Februar 2011 läuft gegen Homm auch eine Klage der US-Börsenaufsicht SEC. Zuletzt wurde er in Liberia vermutet.
2012 tauchte der Finanzinvestor wieder auf - um ein Buch über sein Leben vorzustellen und sich öffentlich reinzuwaschen. Er sei ein anderer Mensch, gehe mindestens zweimal wöchentlich zum Gottesdienst und wolle sich demnächst der SEC stellen, erzählte er der Financial Times Deutschland.
Foto: dpa/dpawebIm Januar 2012 wurde der gebürtige Kieler Kim Schmitz in Neuseeland festgenommen. Dem 38-jährigen wurde vorgeworfen, Mastermind hinter dem Raubkopien-Portal Megaupload zu sein. Die spektakuläre Verhaftung rückte auch die Dotcom-Ära wieder in Erinnerung, immerhin hatte Schmitz sein 25-Millionen-Dollar-Anwesen "Dotcom Mansion" getauft und sich selbst seit einiger Zeit ganz offiziell Kim Dotcom genannt...
Foto: REUTERSAuch in der Zeit des Neuen Marktes war Schmitz eine der schillerndsten Figuren: Unvergessen sind seine Urlaube mit dem durch eine Dieter Bohlen-Affäre als "Teppich-Luder" bekannten Playboy-Bunny Janina...
Foto: rtrLegendär auch seine Auftritte in der Harald-Schmidt-Show, wo Schmitz seinen eigenen Sessel mitbrachte (die vorhandenen waren ihm zu unbequem) und erzählte, wie er den Jet der Haffa-Brüder für eine halbe Million charterte, um einen Kurztrip in die Karibik zu unternehmen.
Foto: rtrDer Filmvermarkter EM.TV ging schon 1997 an den Neuen Markt. Zwei Jahre später feiert Vorstandschef Thomas Haffa auf der Hauptversammlung in Frankfurt ein Kursplus von 16.600 Prozent - die Aktionäre liegen ihm zu Füßen. Wer früh investiert war, konnte es mit ein paar Tausend Euro zum Millionär bringen. Aber kaum ein Anleger erkannte rechtzeitig, dass die Party ein Ende hat. Es kommen Zweifel an den Bilanzzahlen von EM.TV auf, im Oktober 2000 korrigieren Thomas und sein Bruder Florian Haffa die Bilanzzahlen - an nur einem Tag verliert die Aktie fast ein Drittel ihres Wertes. 2001 tritt Thomas Haffa zurück.
Im April 2003 verurteilt das Landgericht München ihn wegen der falschen Angabe von Unternehmenszahlen zu einer Geldstrafe von 1,2 Millionen Euro. Außerdem musste er die Prozesskosten von 2,5 Millionen Euro zahlen. Zu dieser Zeit wird sein Vermögen auf 200 Millionen Euro geschätzt. Sein Bruder Florian muss eine Geldstrafe von 240.000 Euro zahlen. Es folgen jahrelange Prozesse von Anlegern, die die Haffa-Brüder auf Schadenersatz verklagt haben. Thomas Haffa war später beim Anhängerbauer Kögel engagiert, macht Geschäfte im Yachtleasing und ist Geschäftsführer der Münchener Charterfluggesellschaft Air Independence.
Foto: dpaAufsehenerregend waren auch Aufstieg und Fall des Bodo Schnabel, Gründerchef von Comroad. Wegen Kursbetrugs und Insiderhandels musste Schnabel für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Der Unternehmer "verkaufte" ab 1995 Hard- und Software für Telematik-Systeme. Doch die enormen Umsätze erwiesen sich als faul: Schnabel hatte einen asiatischen Abnehmer seiner Technik frei erfunden, 97 Prozent der Umsätze erwiesen sich als Luftbuchung. Comroad hatte im Jahr 2000 einen Börsenwert von 1,2 Milliarden Euro. Am 21. November 2002 verurteilte das Landgericht München Bodo Schnabel wegen gewerbsmäßigen Betrugs, Insiderhandels und Kursbetrugs. Das Strafmaß betrug sieben Jahre Gefängnis. Im Interview mit der WirtschaftWoche sprach er über seine Erfahrungen. Heute hat er eine neue Firma namens Nanomatic.
Foto: Robert Brembeck für WirtschaftsWoche
Zu den frühen Stars gehörte Gigabell. Gründer war der frühere Schlagersänger Daniel David, mit bürgerlichem Namen Rudolf Zawrel.
Sein Unternehmen nannte sich Multi-Service-Provider, vom eigenen Glasfasernetz und Voice-over-IP-Telefonie war die Rede. Der Börsengang am Neuen Markt erfolgte pünktlich zur Sonnenfinsternis am 11. August 1999, inklusive Millionenschwerer Premierenparty. Zum Börsenstart verkündet David: "Wenn die Gigabell ihr Debüt am Neuen Markt feiert, geht die Sonne gleich zweimal auf."
Fehlinvestments, Gewinnwarnungen und das rasche Verbrennen der Börsenmillionen mündeten im ersten Insolvenzantrag eines Unternehmens vom Neuen Markt - kaum mehr als ein Jahr nach dem Börsengang. David setzte sich nach Marbella ab, wurde gefasst, gestand, und kassierte 2005 eine Bewährungsstrafe von 22 Monaten.
Foto: dpaInformatec sorgt für einen ersten großen Prozess gegen einen Vorstand am Neuen Markt wegen Kursbetruges. Vorstandschef Alexander Häfele meldete 1999 per Ad-hoc-Mitteilung Informatecs größtes Geschäft. Aber es kam nie zustande. Noch vor der folgenden Insolvenz schaffte er sein Vermögen zur Seite. Im April 2003 eröffnet das Landgericht München das Verfahren, der Schaden für Anleger soll rund 250 Millionen Euro betragen haben. Wegen Kursbetrugs und Insiderhandels wird Häfele zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
Foto: AP
Doch als Flowtex 1999 pleiteging, wurde deutlich, dass die Milliardenumsätze nur Luftbuchungen waren. Von den angeblich mehr als 3000 Bohrgeräten, die Flowtex verkauft oder vermietet hatte, existierten letzten Endes nicht einmal zehn Prozent. Ein gewaltiger Kreislauf ähnlich einem betrügerischen Schneeballsystem war entstanden, bei dem die neuen Kreditgelder, die Banken für die Herstellung der Bohrgeräte bewilligt hatten, zur Zahlung alter Leasingraten und Steuerschulden genutzt wurden. Durch Scheinrechnungen hatten Schmider und seine Komplizen die Bilanz am Ende um etwa vier Milliarden D-Mark aufgepumpt. Der Schaden bei den Flowtex-Geschäftspartnern belief sich auf etwa 2,2 Milliarden Euro - vor allem bei Banken und Leasinggesellschaften, die die nicht existenten Bohrgeräte finanziert hatten.
Bohrsysteme und Lastwagen der insolventen Ettlinger Flowtex nach ihrer Sicherstellung. Die Firma gaukelte Geschäftspartner die zehnfache Menge der tatsächlich existierenden Bohrgeräte vor
Foto: AP
Griechenland: Der Privatanleger ist der Dumme
Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sieht die größte Ungerechtigkeit beim griechischen Schuldenschnitt 2012: „Dort wo die Belange der Anleger politischen Interessen oder den Interessen von Großbanken entgegenstehen, wird kurzer Prozess gemacht, ohne Rücksicht auf geltendes Recht.
Das im Februar erlassene griechische Gesetz, den als freiwillig erklärten Schuldenschnitt rückwirkend per Zwangsumschuldungsklausel für alle Anteilseigner für verbindlich zu erklären, traf auch die Privatanleger, die von jeglicher Einflussnahme bei der Gestaltung des Schuldenschnitts ausgeschlossen waren. Obwohl diese rechtliche Konstruktion nach Ansicht der SdK gegen geltendes deutsches Recht verstößt, wurde sie von der Bundesregierung auf europäischer Ebene mitgetragen.“
Quelle: SdK PR
Foto: dpaDie Notenbanken gehen vor
Die nächste Ungleichbehandlung liegt in der Bevorzugung der Notenbanken vor den Privatanlegern: „Weil sich die Notenbanken dem Schuldenschnitt per Umcodierung ihrer griechischen Anleihen entziehen konnten, erhöhte sich auf der anderen Seite die Belastung für die verbliebenen Anleiheinhaber. Die mittlerweile eingereichten Schadensersatzklagen richten sich jedoch nicht nur gegen den griechischen Staat, sondern auch gegen die Depotbanken selbst. Führende Rechtsexperten vertreten hier die Auffassung, dass Finanzinstitute beim erzwungenen Umtausch ihre Pflichten als Verwahrer von Wertpapieren möglicherweise strafrechtlich verletzt hätten.“
Foto: dpaDer Libor-Skandal
Der in der breiten Öffentlichkeit Aufsehen aufsehenerregendste Fall von Anlegertäuschung im abgelaufenen Börsenjahr war die aufgeflogene Manipulation des Zinssatzes Libor, zu dem sich die Banken in allen wichtigen Währungen untereinander kurzfristig Geld leihen. Geprellt wurden Kreditnehmer, die entweder zu hohe Zinsen zahlen mussten oder weniger Zinsen auf ihre Einlagen erhielten.
Dass der täglich neu festgelegte Libor von einem Kartell an Banken und Zinshändlern im Zeitraum 2005 und 2009 regelmäßig manipuliert werden konnte, ohne dass jemand einschritt, ist ein Skandal. Erst in diesem Jahr wurde die als treibende Kraft identifizierte Barclays Bank zu einer Geldstrafe von umgerechnet 370 Mio. Euro verklagt.
Foto: REUTERSGeldwäsche bei der HSBC?
Neben dem Libor-Skandal trugen weitere Großbanken zum fortschreitenden Imageverlust der Finanzbranche bei. So rechnet HSBC wegen systematischer Geldwäsche für mexikanische Drogenbarone und mögliche Terrorhelfer in Saudi-Arabien mit einer Strafzahlung von mehr als 1,5 Mrd. US-Dollar.
Foto: dpaVerzockt
Beim US-Geldhaus JP Morgan Chase & Co. konnte ein einzelner Derivatehändler dank der laschen Kontrollmechanismen einen Milliardenbetrag mit seinen Risikopositionen verspielen.
Foto: REUTERSDer Fall EnBW - Landesregierung muss zahlen
Hierzulande lieferte der kostspielige Rückkauf von 45 Prozent der Anteile des Versorgers EnBW durch die ehemalige Regierung von Baden-Württemberg ein Musterbeispiel für die Verflechtung von Banken und Politik. Dabei wird gegen den ehemaligen Regierungschef von Baden-Württemberg Stefan Mappus wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Ihm wird vorgeworfen, gegenüber dem mit ihm befreundeten Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley in einen zu hohen Kaufpreis an den französischen Stromkonzern EdF eingewilligt zu haben, ohne dass ein Wertgutachten angefertigt wurde.
Die finanziellen Kosten für die neue Landesregierung in Stuttgart sind beträchtlich. So versucht sie in einem langwierigen Schiedsgerichtsverfahren, von EdF eine Teilerstattung des Kaufpreises zu erstreiten. Darüber hinaus muss sie zusätzliche Zinszahlungen in ihrem Haushaltsbudget einplanen, weil der Kaufpreis für die EnBW-Anteile über eine neue Anleihe finanziert wurde. Dabei sollten die anfallenden Zinsen dauerhaft durch die EnBW-Dividenden getragen werden - was nach der Dividendenkürzung infolge des Gewinneinbruchs von 2011 jedoch nicht mehr möglich ist.
Foto: dpaGeldvernichtung mit Solar-Aktien
Der Preisverfall in der Solarindustrie hat mittlerweile zahlreiche deutsche Unternehmen in die Insolvenz getrieben. Dabei benachteiligen die für die Sanierung eingeleiteten Kapitalmaßnahmen häufig die Alteigentümer. So hat das frühere TecDax-Mitglied Conergy Bankkredite durch einen Kapitalschnitt in neues Eigenkapital umgewandelt und die Alteigentümer damit praktisch enteignet.
Der zurzeit mit Abstand spektakulärste Fall ist die Insolvenz der Solar Millennium aus Erlangen, die sich mit Großprojekten in der Solarthermie finanziell verhoben hatte. Die Aktionäre der Gesellschaften werden vermutlich leer ausgehen. Die Inhaber von fünf noch ausstehen Anleihen im Volumen von 220 Mio. Euro, die weiterhin auf die Ausschüttung der Insolvenzquote warten, werden ebenfalls massive Verluste ihres Investments hinnehmen müssen.
Foto: dapdSolarhybrid: Pleite mit Beigeschmack
Die Insolvenz der Solar Millennium begleitete auch den tiefen Fall der Solarhybrid, einem Projektentwickler für Solarkraftwerke, der im März 2012 den Insolvenzantrag stellte. Solarhybrid hatte von Solar Millennium ein US-Großprojekt übernommen. Doch die Ablösung von Bürgschaften und das Scheitern der Finanzierung des US-Projekts stellten sich als Problem dar.
Solarhybrid musste schließlich selbst den Antrag auf Zahlungsunfähigkeit stellen. Meldepflichtige Wertpapierverkäufe der Vorstände kurz vor der Insolvenz hinterließen einen schlechten Beigeschmack.
Foto: dapdEnteignung von Kleinaktionären
Gefahr droht Kleinanlegern auch bei der Zeichnung von Unternehmensanleihen. Dem leistet das neue Schuldverschreibungsgesetz Vorschub. Es beseitigt den Bestandsschutz für alle ab August 2009 emittierte Anleihen und bietet aus Sicht der SdK einen Anreiz zur Sanierung per Insolvenzantrag.
Das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen, kurz ESUG, ermöglicht es, das Fremdkapital von Gläubigern in Eigenkapital umzuwandeln. In Verbindung mit einer Kapitalherabsetzung auf Null zulasten der Alteigentümer kann auf diesem Wege eine Übertragung des Unternehmens an neue Investoren in die Wege geleitet werden, ohne dass die bisherigen Eigentümer darauf Einfluss nehmen können.
Foto: dpa
Im Jahr 2000 wurden Schmider sowie drei weitere ehemalige Flowtex-Manager festgenommen. Mit zahlreichen Hausdurchsuchungen und mehr als 100 Ermittlungsverfahren rückte die Staatsanwaltschaft den Betrügern zu Leibe. Ende 2001 fiel dann das erste Urteil: Schmider und drei weitere Managerkollegen erhielten langjährige Haftstrafen. „Big Manni“, wie sie ihn einst nannten, erhielt elfeinhalb Jahre. 2003 erging dann das endgültige Urteil, Schmider und einer seiner Manager waren schließlich geständig. In der Folge musste sogar Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Walter Döring seinen Stuhl räumen, weil er vor dem Flowtex-Untersuchungsausschuss falsch ausgesagt hatte. Auch andere Politiker und Finanzbeamte gerieten in das Fadenkreuz der Ermittlungen.
Der größte Teil des ergaunerten Geldes blieb jedoch verloren. Insgesamt sollen sich Schmider und seine Komplizen um mehr als 600 Millionen D-Mark bereichert haben. Der Staatsanwalt schätzte seinerzeit, dass Schmider selbst davon 85 Millionen D-Mark eingestrichen haben. Andere Berichte schätzen hingegen, dass er 150 Millionen Euro angehäuft habe.
Platz 10: Der Cheater
In Redwood City (Kalifornien) haben Eltern eine Schule verklagt, die ihren Sohn aus einer Klasse für fortgeschrittenen Englisch-Unterricht geworfen hatte. Der Grund: Der Junge hatte bei einem Mitschüler abgeschrieben und die High School sieht es in ihren Statuten vor, in solchen Fällen die Schüler auszuschließen. Laut Eltern sind die Regelungen aber zu schwammig formuliert und deswegen nicht anwendbar.
Foto: APPlatz 9: Die strahlenden Parkuhren
In Santa Monica hat eine Frau die Stadt auf 1,7 Millionen US-Dollar Schmerzensgeld verklagt, weil die Strahlung der neuen, drahtlosen Parkuhren ihre Gesundheit angeblich beeinträchtigt.
Foto: dpa-dpawebPlatz 8: Die Popcorn-Lunge
Ein Mann aus einem Vorort von Denver (Colorado) hat vor Gericht in einem kuriosen Verfahren 7,2 Millionen US-Dollar erstritten. Er hatte diverse Lebensmittelhersteller verklagt, weil Dämpfe von Mikrowellen-Popcorn angeblich seine Atemwege geschädigt hätten und auf den Verpackungen kein Warnhinweis vorhanden gewesen sei. Die Anwälte der Firmen waren der Ansicht, dass die Gesundheitsprobleme des Klägers nicht von Mikrowellen-Popcorn verursacht wurden, sondern von chemischen Teppichreinigern, mit denen er jahrelang gearbeitet hat. Doch die Richter gaben dem Mann recht.
Foto: dapdPlatz 7: Antidiskriminierung extrem
Ein Gastronom in Kalifornien wird vor Gericht verklagt, weil er angeblich das US-Antidiskriminierungsgesetz für Behinderte verletzt. Unter anderem geht es um einen Parkplatz, den der Beklagte gar nicht besitzt.
Foto: REUTERSPlatz 6: Die heiße Bank der Cowboys
Ein weiblicher Fan hat das NFL-Team Dallas Cowboys verklagt, weil sie sich vor einem Spiel auf eine glühend heiße Bank vor dem Stadion gesetzt und dabei angeblich Verbrennungen dritten Grades am Hinterteil erlitten hat. Bei Temperaturen von knapp 38 Grad Celsius hätte sie eigentlich selbst darauf kommen müssen, dass die schwarz lackierte Bank sich aufheizen könnte, aber der Fan hätte sich ein Warnschild gewünscht, daher die Klage.
Foto: REUTERSPlatz 5: Die langen Flaschen
Gegen den Bierproduzenten Anheuser-Busch wurde vor einem Gericht in Texas Klage eingereicht, weil die langen Hälse der Flaschen angeblich dazu verleiteten, sie bei Schlägereien als Waffe zu benutzen. Das Verfahren wurde aber rasch eingestellt.
Foto: REUTERSPlatz 4: Der zahnlose Häftling
In Marquette (Michigan, USA) hat ein Insasse des Hochsicherheitsgefängnisses die Anstalt für seine Zahnprobleme verantwortlich gemacht und geklagt. Angeblich sei ihm keine Zahnpasta zur Verfügung gestellt worden, was in der Folge zu dem Verlust eines Zahns geführt hätte. Der Häftling sei jedoch mit gerade einmal fünf Zähnen eingeliefert worden, was seinen Vorwurf etwas unglaubwürdig erscheinen ließ.
Foto: ZBSPPlatz 3: 13-Jähriger verklagt
Ein Nachwuchs-Baseballspieler ist von einer Frau verklagt worden, die von einem Ball im Gesicht getroffen wurde. Sie fordert 150.000 US-Dollar Entschädigung für die Kosten der medizinischen Behandlung und eine unbekannte Summe an Schmerzensgeld. Am besagten Tag war der Junge noch elf Jahre alt und sei nach eigenen Angaben sofort zu der Frau gerannt und sie gefragt, ob alles in Ordnung sei. Sie habe bejaht, sagt der inzwischen 13-Jährige.
Foto: dapdPlatz 2: Der Millionen-Dollar-Tank
Eine Frau aus Michigan musste ihren geleasten Wagen zurückgeben, da sie bei den Zahlungen säumig gewesen war. Doch laut ihren Ausführungen war zum Zeitpunkt der Übergabe der Benzintank des Wagens noch halbvoll. Es handelt sich hierbei um einen Gegenwert von knapp 30 US-Dollar. Nun hat die Frau den Autobesitzer, die Ally Financial Inc., verklagt und verlangt von dem Unternehmen fünf Millionen US-Dollar.
Foto: dpa/dpawebPlatz 1: Unter Drogen
Ein Mann steht unter Drogeneinfluss und rammt von hinten einen Familienwagen. Bei dem Aufprall sterben drei Menschen. Vor Gericht plädiert er selbst auf schuldig, fahrlässige Tötung in drei Fällen. Das Gericht verurteilt ihn zu zwölf Jahren Haft. Nun verklagt der Täter im Gegenzug die Familie der Opfer und will für sein seelisches Leid entschädigt werden.
Die Liste hat das U.S. Chamber Institute for Legal Reform’s (ILR) zusammengestellt. Das Institut prangert die Unsinnigkeit mancher Prozesse an und setzt sich für die Reform der entsprechenden Gesetze ein.
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Selbst 13 Jahre nach der Pleite von FlowTex laufen die Insolvenzverfahren weiter. Gläubiger fordern von Flowtex noch immer rund 1,2 Milliarden Euro, von Manfred Schmider selbst noch einmal 1,3 Milliarden Euro. Bislang haben sie von beiden Seiten nur jeweils um die 35 Millionen Euro zurückerhalten. Am Ende wird der zuständigen Insolvenzverwaltung zufolge wohl nicht mehr als ein niedriger zweistelliger Prozentsatz der Forderungen tatsächlich bedient werden.
Wegen guter Führung wurde Schmider bereits 2007 auf Bewährung vorzeitig entlassen, nachdem er zwei Drittel seiner Strafe abgesessen hatte. Seine Reststrafe aus der Flowtex-Verurteilung wurde ihm 2010 erlassen. Heute lebt der offiziell arbeitslose Schmider auf Mallorca weiter von dem Geld seiner Familie und auf den Anwesen seiner Ex-Frau. Woher Reichtum seiner Ex-Frau stammt, darf man nur erahnen.
Kriminelle Energie
Der 63-jährige Schmider bedauerte vor Gericht sein jüngstes Vergehen. Er habe einen großen Fehler begangen, sagte er. Er habe seiner Frau eine Freude machen wollen. "Wir hatten damals ein angespanntes Verhältnis, und ich hatte Angst, sie zu verlieren", so Schmider vor Gericht.
Aus dem Gefängnis heraus hatte Schmider nach eigener Aussage dafür gesorgt, dass die vier Chagall-Gemälde und der Geländewagen von Speyer und Karlsruhe aus in die Schweiz zu seiner Frau gebracht wurden. Über einen Mitgefangenen hätte er Männer organisiert, die den Transport übernahmen. Später konnten die Behörden die Gemälde und das Auto sicherstellen.
Oberstaatsanwalt Andreas Grossmann unterstellte, Schmider habe dabei „aus Gewinnsucht“ gehandelt. Die neuerlichen Ermittlungen gegen Schmider waren bereits 2009 in Gang gekommen, weil der Mitgefangene sich den Behörden offenbart hatte. Auch Schmiders Ex-Frau - die beiden ließen sich 2006 scheiden - stand wegen der Sache bereits vor Gericht, sie kam mit einer Geldbuße davon. Das Landgericht Karlsruhe verurteilte sie 2009 wegen des Vorwurfs der Geldwäsche zu einer Strafzahlung von 100.000 Euro. Sie hatte ein Chagall-Gemälde als Sicherheit für einen Kredit eingebracht.
Die Anklage beziffert den Wert der vier Chagall-Bilder auf 2,1 Millionen Euro, Schmider bezweifelt diese Summe allerdings. Er habe 1997 mehr als 20 Chagall-Gemälde für eine Summe von neun Millionen Schweizer Franken (7,3 Millionen Euro) gekauft. Dass das Geld zumindest zum Teil aus FlowTex-Geschäften stammte, räumte er ein.
Gläubiger hoffen
Ob für den Insolvenzverwalter da noch etwas zu holen ist, bleibt offen. Vor allem zwei große Hindernisse müssten laut Insolvenzverwaltung aus dem Weg geräumt werden, ehe die Verfahren enden: Zum einen streitet Schmiders Ex-Frau mit der Insolvenzverwaltung um die Gültigkeit einer Vereinbarung, die nach der Pleite abgeschlossen worden war. Die Frau hatte damals ihr Vermögen in die Insolvenzmasse gegeben und im Gegenzug rund zehn Millionen Euro erhalten. Sie will erreichen, dass die Vereinbarung für ungültig erklärt wird.
Zum andern fordert der Insolvenzverwalter auch noch um 41,5 Millionen Euro von der Finanzverwaltung. Auf die Gewinne aus den FlowTex-Geschäften waren Steuern gezahlt worden. Da es sich aber um Scheingeschäfte handelte, sieht der Insolvenzverwalter keine Rechtfertigung für die Steuerzahlungen - und will das Geld vom Fiskus zurück. Bald soll sich das Finanzgericht Baden-Württemberg mit dem Streit befassen.
Schmiders Anwalt äußerte hingegen die Hoffnung, dass es sich um das "endgültig letzte Verfahren" gegen seinen Mandanten handelt.