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SlowenienAuf der Suche nach Millionen

Sloweniens Banken müssen mit fast fünf Milliarden Euro gestützt werden. Wo ist all das Geld der einst soliden Institute hin und soll wirklich Steuergeld in die Pleitebanken gepumpt werden? Eine Suche nach Antworten.Tim Rahmann 13.12.2013 - 06:00 Uhr

Sloweniens Geldinstitute haben mit Krediten und Immobilien gezockt – und sind an Gier und Korruption gescheitert.

Foto: REUTERS

Mit einem goldgelben Peugeot 207 geht es an die Küste. Klaus Schuster sitzt am Steuer, das Ziel: das bulgarische Örtchen Byala, direkt am Schwarzen Meer. Der Österreicher ist allerdings nicht auf den Weg in den Urlaub – sondern auf der Suche nach versickerten Millionen. Schuster ist seit dem 6. September Vorstandsvorsitzender der slowenischen „Factor Banka“, die eine Bilanzsumme von rund einer Milliarde Euro ausweist. Eingesetzt wurde er von der slowenischen Nationalbank. Schusters Aufgabe: Er soll das Institut kontrolliert auflösen und den Schaden für die Steuerzahler so gut wie möglich begrenzen.

Die Factor Banka“ sitzt auf faulen Krediten in dreistelliger Millionenhöhe und auf Dutzenden wertlosen Grundstücken und Immobilien. So auch in an der bulgarischen Küste. Die „Factor Banka“ hat ein Bauprojekt mit 8,5 Millionen Euro kofinanziert. Die Kredite sind bis heute nicht zurückgezahlt worden. Schuster will wissen, was vor Ort passiert ist und biegt 80 Kilometer vor dem Ziel von der Autobahn ab. Die Fahrt führt ins Nirgendwo. Am Straßenrand herrscht Öde: keine Tankstellen, keine Supermärkte, keine Hotels. In dieser Pampa wollte ein Investor ein Feriendomizil errichten. „Mir liegt ein Schätzgutachten vor, dass nach Abschluss des Projektes das Ganze 15,5 Millionen Euro wert und die Rückzahlung des Kredites eine Kleinigkeit sein soll“, sagt Schuster während er sich dem einst hoch gelobten Projekt nähert.

Tristesse in Byala: Am Schwarzen Meer kofinanzierte die "Factor Banka" ein geplantes Feriendomizil. Doch in und um den Gelände herrscht Öde. Mehr als sieben Millionen Euro dürfte die Bank hier versenkt haben.

Foto: WirtschaftsWoche

Ein lokaler Immobilienmakler empfängt Schuster. Er ist das Gelände bereits abgelaufen und hat schlechte Neuigkeiten. Die ganze Anlage besitzt nur einen einzigen Zugang zum Meer. Und: "Da müssen Sie erst einen Lift errichten, um das 20 Meter hohe Kliff zu überwinden." Seine Prognose: Die ganze Anlage ist bestenfalls noch eine Million Euro wert. Mehr als sieben Millionen Euro sind weg.

Wie konnte das passieren? Schuster schüttelt beim Anblick der Bauruinen den Kopf und sucht nach Antworten: „Die Factor Banka war vor vielen Jahren Miteigentümer einer Bank in der Nähe. Daher gab es offenbar noch Verbindungen“, mutmaßt Schuster. Entschuldigen, will er das Desaster aber nicht. „Es gibt eine uralte Grundlage im Bankenwesen, das Regionalitätsprinzip. Das besagt: Ich finanziere nur dort, wo ich mich auskenne. Ich bin sicher, dass wir nicht der erste Ansprechpartner des Investors waren. Nur: Keine bulgarische Bank hat sich vermutlich auf dieses Projekt eingelassen.“

Wissenswertes über Slowenien
Das kleine Slowenien hat vier Nachbarn: Österreich, Italien, Ungarn und Kroatien. Trotz seiner relativ kleinen Staatsfläche von gut 20.000 Quadratkilometern ist es sehr vielseitig. Im Norden ist die Landschaft alpin, hier befindet sich auch der höchste Berg: der 2864 Meter hohe Triglav. Im äußersten Südwesten des Landes liegt die nur 46,6 Kilometer lange Adria-Küste.
Seit seiner Unabhängigkeit 1991 hat das Land schon sieben Premierminister verschleißt. Das ergibt eine durchschnittliche Amtszeit von 2,6 Jahren.
In Slowenien lebt eine der größten Populationen des Braunbären in Europa. Es soll zwischen 500 und 700 Exemplare geben.
Der Kampf für die Unabhängigkeit Sloweniens 1991, auch bekannt als 10-Tage-Krieg, war der erste Krieg in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotz der kurzen Dauer gab es 76 Opfer zu beklagen.
Die zumindest 45.000 Jahre alte und in Slowenien gefundene Neandertaler-Flöte ist eines der ältesten Musikinstrumente der Welt.
Der Speisessaal des Kohlebergwerks in Velenje, 160 Meter unter der Erdoberfläche, ist der am tiefsten gelegene Speisesaal in Europa. Der Raum ist ungefähr 15 Meter lang, dort gibt es zwölf Tische, an denen 48 Menschen essen können.
In Slowenien befindet sich der höchste Industrieschornstein Europas. Der Schornstein des Wärmekraftwerks in Trbovlje ist 362 Meter hoch. Mit der ungewöhnlichen Höhe wollte man die Luftverschmutzung in niedrigeren Luftschichten verhindern.
Der Slowene Davo Karničar ist als Erster vom höchsten Gipfel der Erde, dem Mount Everest, mit Skier hinab gefahren. Karničar war auch der erste Mensch der Welt, der alle höchsten Gipfel auf sieben Kontinenten mit Skiern bezwang.
In Maribor, der zweitgrößten Stadt Sloweniens, wächst der älteste Weinstock der Welt. Obwohl die „Alte Rebe“ über 400 Jahre alt ist, werden aus ihren Trauben alljährlich noch immer 25 Liter Wein der autochthonen Weinsorte Žametovka („Blauer Kölner“) hergestellt.

Byala ist kein Einzelfall. Die „Factor Banka“ vergab seit der Jahrtausendwende großzügig Kredite, kaufte und finanzierte Grundstücke und Immobilien in Slowenien, im Kosovo, in Kroatien, in der Ukraine und in Bulgarien – immer in der Hoffnung, dass die Preise weiter steigen. Dass der Boom – Slowenien, Bulgarien & Co. zählte zu den europäischen Wachstumsriesen zwischen 2000 und 2008 – irgendwann enden musste, blendeten die Banker aus. Nun ist das Institut am Ende, die Kosten trägt der Steuerzahler. Das Problem für das Euro-Krisenland: Nicht nur die „Factor Banka“, auch weitere Institute sind ins Wanken geraten. Die slowenischen Institute brauchen 4,758 Milliarden Euro, um gestützt zu werden. Das ergab ein Stresstest am Donnerstag. Zuerst wird die slowenische Bevölkerung die Lasten tragen, sind die Lasten für das kleine Land zu groß, muss wohl Europa mit seinen Rettungsfonds einspringen.

„Wir werden alles tun, um die Maastricht-Kriterien 2013 einzuhalten“

Frankreichs Präsident Francois Hollande ließ über seinen Chefstrategen Michel Sapin im vergangenen Jahr ausrichten, dass die Regierung in Paris alles notwendige tun werden, um 2013 die Maastrichter Defizitmarke von drei Prozent der Wirtschaftsleistung einzuhalten. Bereits im März dieses Jahres muss Hollande einräumen, dass sein Ziel verpasst wird. Er korrigiert die Defizitzahlen für das laufende Jahr auf 3,7 Prozent.

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„Alle Mitglieder des EZB-Rates haben die deutsche Stabilitätskultur verinnerlicht“

Mario Draghi behauptete im Frühjahr 2012 allen Ernstes, Deutschland sei ein Vorbild. Das gelte auch für die Bundesbank und ihren Einsatz für die Preisstabilität. Im Herbst 2012 kündigte er an, Staatsanleihen im großen Stil zu kaufen, um die Märkte zu beruhigen. Im Frühjahr 2013 bekam Zypern im großen Stile Geld. Die Notkredite für Zyperns Banken beliefen sich Ende Januar auf rund neun Milliarden Euro, im Februar soll der Bestand noch eine Milliarde höher ausgefallen sein. Die Darlehen, Emergency Liquidity Assistance (ELA) genannt, werden formal von der zyprischen Notenbank ausgegeben, der EZB-Rat hat jedoch ein Vetorecht. Genutzt, hat der EZB-Rat dieses Recht nicht.

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„Die Risikowahrnehmung in der Eurozone ist verschwunden"

Die Euro-Krise ist beendet. Investoren seien zuversichtlich, dass die Eurozone den schlimmsten Teil der Schuldenkrise überstanden habe, zitierte der „EU Observer“ den Chef der Europäischen Kommission José Manuel Barroso zu Beginn des Jahres. „Die Risikowahrnehmung in der Eurozone ist verschwunden“, sagte er in einer Rede vor portugiesischen Diplomaten. „Investoren haben verstanden, dass die europäischen Führer es ernst damit meinen, dass sie alles zum Schutz des Euro tun wollen“, so Barroso. Zwei Monate später steht Italien ohne Regierung da und Zypern kurz vor der Pleite. Der Rettungsschirm muss mal wieder mit Notkrediten angezapft werden, die Euro-Krise ist zurück.

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"Frankreich wird sich an europäische Verpflichtungen halten"

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verteidigte Frankreich dennoch gegen die Kritik der Europäischen Zentralbank (EZB), die von Paris stärkere Anstrengungen zur Defizitsenkung verlangt. "Frankreich wird sich an europäische Verpflichtungen halten", sagte Schäuble. Er wisse nicht, warum es Leute gebe, die meinten, sie müssten andere immer zu irgendetwas auffordern. "Ich ermahne auch nicht die Notenbank, dass sie sich an ihre gesetzliche Pflichten hält." Paris werde alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen. "Ich vertraue fest darauf, dass sich Frankreich nicht nur an die europäischen Regeln hält, sondern alles tut, um in einer schwierigen Wirtschaftslage mit strukturellen Reformen Wachstum zu generieren." Die Realität sieht anders aus.

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„Das Europäische Parlament ist sehr wohl bereit zu sparen“

„Das Europäische Parlament ist sehr wohl bereit zu sparen“, sagt EU-Kommissionspräsident Martin Schulz. Doch: Den EU-Finanzrahmen, den die Staats- und Regierungschefs nach monatelangem Ringen ausgehandelt haben, lehnte das Parlament Anfang 2013 ab. Die Begründung, der Rahman sei zu eng gefasst.

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"Das Glas ist halbvoll"

Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras ist Optimist. Er glaubt, das hoch verschuldete Griechenland komme beim harten Sanierungskurs voran. "Ich sehe das Glas halbvoll", sagte Samaras im Januar 2013 beim Besuch in Berlin. "Wir liefern, Europa hilft." Wahr ist: Auch für dieses Jahr erwartet die EU-Kommission einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 27,0 Prozent. Und: 2013 wird das sechste Rezessionsjahr in Folge sein.

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„Europa findet immer nur durch Krisen zu mehr Integration“

Der Ex-Eurogruppenchef und luxemburgische Premier Jean-Claude Juncker sieht Chancen durch die Krise. Er äußerte Anfang 2013 die Zuversicht, dass die aktuelle Krise die Gemeinschaft stärken könne. Wer die anti-europäischen und anti-deutschen Proteste in Griechenland, Zypern und Italien im Februar und März sieht, muss zu einem anderen Schluss kommen: Diese Krise schafft keine Integration.

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"Nach jetzigem Stand kann ich mir nicht vorstellen, dass deutsche Steuerzahler zyprische Banken retten, deren Geschäftsmodell auf der Beihilfe zum Steuerbetrug basiert"

Im Januar erklärte SPD-Chef Sigmar Gabriel, er könne sich nicht vorstellen, dass seine Partei einem Hilfspaket für Zypern zustimme. Bei der Bundestags-Abstimmung am Donnerstag stimmte die SPD größtenteils für die Milliardenhilfen für Zypern.

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„Zypern ist eine internationale Drehscheibe der Wirtschaft, und wir sollten den Kampf gegen Geldwäsche deshalb immer zu unseren wichtigsten Prioritäten zählen“

Zu Amtsbeginn gab sich der neue zyprische Präsident Nikos Anastasiades handzahm. Doch in den Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern im März 2013 zeigte er ein anderes Gesicht. Vom Kampf gegen Geldwäsche, eine Besteuerung der Großkunden und einem Umbau des Bankensenktors wollte er plötzlich nichts mehr wissen. Erst auf Druck der Europäer lenkte er ein.

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„Die nach dem Zentrum strebenden Kräfte sind stärker“

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zeigte sich zuversichtlich, dass Wahlerfolge von „Populisten“ wie in Italien nur vorübergehende Phänomene sind. Barroso sagte: „Die nach dem Zentrum strebenden Kräfte sind stärker als die zentrifugalen, auch wenn es manchmal schwierig und holprig war.“ Die Wahrheit sieht (leider) anders aus: Glaubt man Umfrage, ist der Trend noch lange nicht vorbei: In Griechenland liegt das „Syriza“-Bündnis inzwischen vorne, bei Neuwahlen in Italien würde die Grillo-Bewegung „Fünf Sterne“ noch stärker werden.

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Verzockt

Wie Pleitebanken Europa in die Knie zwingen

von Tim Rahmann

Klaus Schuster steigt wieder in den Peugeot. Etwa 100 Kilometer südlich zeigt Schuster auf ein Hotel, das er bereits bei seinem letzten Bulgarien-Aufenthalt besucht hat. Im Gegensatz zu der nie vollendeten Ferienanlage sieht von außen alles gut ist. Die Fassage glänzt und auch ein paar Gäste verirren sich in dem vor Kurzem eröffneten, fünfgeschossigen Komplex. Der Haken: Die Zahl der Urlauber ist geringer als gedacht. "Der Kreditnehmer sagt mir ganz klar: Ich kann die Schulden nicht zurückzahlen. Zwei Millionen sind vielleicht möglich, doch er schuldet uns sechs Millionen." Schuster ist zunehmend verärgert. Über den Hotelbetreiber, aber auch über seine Vorgänger. „Wenn ich heute ein Hotel baue, dann mache ich einen gescheiten Finanzplan, auch einen Finanzplan mit Reserven, aber dass ich mich um 200% verrechne...“

Die "Factor Banka" habe oft nicht genau hingeschauen, geben auch ehemalige Mitarbeiter im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online unumwunden zu. Die Bank hat unmittelbar nach der Jahrtausendwende praktisch Jedem Kredit gewährt – und darüber hinaus einen dreistelligen Millionenbetrag in Großprojekten verzockt. „Man habe sich verkalkuliert“, räumt eine Ex-Führungskraft ein, die sich und ihre ehemaligen Chefs schützen und anonym bleiben will. Der ehemalige Mitarbeiter verrät: Rund 300 Millionen Euro, ein Drittel des gesamten Kreditportfolios, seien in Immobilienprojekten versenkt worden.

Muss so eine Bank gerettet werden? Ist es nicht gerecht, wenn das Unternehmen wie in allen anderen Branchen auch die Konsequenzen von Misswirtschaft und Missmanagement selbst tragen muss?

„Wir haben ein Interesse daran, dass die Wirtschaft in Slowenien wie in allen Ländern der Euro-Zone läuft. Das geht nicht ohne Banken. Sie stellen elementare Funktionen: Keine Wirtschaft der Welt funktioniert, wenn der Geldfluss versiegt oder die Kreditversorgung eingeschränkt ist“, sagt Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. „Wenn die slowenischen Banken nicht auf die Beine kommen, wird es auch die Volkswirtschaft nicht schaffen, wieder zu gesunden.“

Bargeld

In Krisenzeiten ist es sinnvoll, das Portemonnaie voll zu haben. Möglicherweise werden ec-Karten zur Bezahlung nicht akzeptiert, und Geldautomaten spucken kein Geld mehr aus. Sehr Vorsichtige horten das für vier Wochen nötige Bargeld im heimischen Safe. Nach einer Bankpleite müssen die EU-weit vorgeschriebenen gesetzlichen Einlagensicherungstöpfe einspringen. Sie sollen Guthaben von Girokonten, Tagesgeldern und Sparbüchern bis zur Höhe von 100.000 Euro nach maximal 20 Arbeitstagen wieder bereitstellen. Diese Zeit ist zu überbrücken.

Graue Flamme = Sicher bei Bankpleite, fünf rote Flammen = hohes Risiko

Foto: WirtschaftsWoche

Goldbarren und -münzen

Das Edelmetall ist die Notfallreserve außerhalb des Finanzsystems schlechthin. Wer mit dem Schlimmsten rechnet, hofft, dass er kleinere Goldmünzen gegen Lebensmittel oder Medikamente tauschen kann, wenn Banken ihn nicht mehr mit Bargeld versorgen. Verwahren Anleger ihr Gold allerdings im Bankschließfach, kann es nach einer Bankpleite dauern, bis sie Zugriff bekommen. In Krisenzeiten fällt der Goldpreis mitunter. Großanleger wie Hedgefonds müssen ihren Goldbestand verkaufen, um flüchtende Anleger auszuzahlen. Da in Panikphasen andere Anlagen wie Aktien oder Anleihen stark an Wert verlieren oder illiquide werden, ist Gold dann eine der wenigen Anlagen, die sie noch zu Geld machen können.

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Spareinlagen: Sparkassen/Volksbanken

Ihren Kunden versprechen Sparkassen, Landesbanken sowie Genossenschaftsbanken, dass sie Pleiten der zu ihrer jeweiligen Gruppe gehörenden Institute im Vorfeld verhindern. Meist geschieht das über Fusionen von schwachen mit stärkeren Mitgliedern. Kommt es zu keiner Pleite, muss auch kein Geld gerettet werden. Dadurch sollen auch Zertifikate und Anleihen vor einem Totalverlust sicher sein. Das ist ein Unterschied zu anderen Einlagensicherungssystemen. Die Solidarität funktionierte bislang, könnte aber bei der Schieflage großer Institute überstrapaziert werden.

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Unternehmensanleihen

Ausgerechnet Banken sind die eifrigsten Herausgeber von Unternehmensanleihen. Deren Papiere sollten sicherheitsbewusste Anleger meiden, sonst droht ihnen ein Totalverlust bei der Pleite. Experten trauen hingegen international tätigen Unternehmen mit soliden Finanzen zu, dass sie auch in Krisen immer die Zins- und Rückzahlung ihrer Anleihen stemmen können. Für viele sind Papiere der Konzerne der sichere Hafen schlechthin, sie haben diesen Rang den Staatsanleihen streitig gemacht. Viele sichere Unternehmensbonds bieten aber mit niedrigen Renditen keinen Inflationsausgleich mehr. Anleger sollten deshalb lange Laufzeiten meiden. Nur wer schnell in besser verzinste Angebote wechseln kann, entkommt einem Geldverzehr. Im Depot sind Unternehmensanleihen vor dem Zugriff einer Pleitebank geschützt.

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Aktien

Kaum ein Anleger kann Aktien als Urkunden zu Hause verwahren, sie werden nach dem Kauf ins Bankdepot gebucht. Dem kann eine Bankpleite nichts anhaben, der Inhalt bleibt Eigentum des Kunden, vorausgesetzt, er wurde nicht verpfändet. Der Anleger kann die Übertragung des Depots auf eine andere Bank verlangen. Der Depotwert wird sich allerdings in der Zwischenzeit verringern. Nahezu alle Aktienkurse fallen bei einem Bankencrash, weil Börsianer die damit verbundene Ansteckungsgefahr für weitere Banken und die Konjunktur fürchten. Bei sorgfältig ausgewählten Aktiengesellschaften können Anleger darauf hoffen, dass sie den Kursverfall an den Börsen zwar mitmachen, sich danach aber wieder erholen und nicht selbst in die Pleite rutschen, falls dem Crash eine lange Rezession folgt. Als Sachwert können Aktien in der Krise eine gewisse Sicherheit bieten, wenn sich der Anleger an wenig verschuldeten Unternehmen beteiligt, die viel Substanz bieten in Form von Maschinen, Grundstücken, Guthaben, Produkten, Patenten oder gefragten Dienstleistungen. Wer auf Unternehmen aus anderen Kontinenten setzt, ist weniger abhängig von der Krise im Euro-Raum.

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Investmentfonds

Sie reduzieren das Risiko einzelner Pleiten von Unternehmen oder Staaten, weil sie das Anlegergeld breit streuen durch gesetzliche Regeln. Der Fondsmanager darf in ein Unternehmen nicht mehr als zehn Prozent des Fondsvermögens investieren – bei neueren Fonds 20 Prozent. Also wird nur der Teil wertlos, der auf die Pleitebank entfällt. Als Sondervermögen, das bei einer Bankpleite Eigentum der Anleger bleibt, können Investmentfonds nicht wertlos verfallen. Allerdings weiß der Anleger nie genau, wo der Fonds investiert ist. Und massive Kursverluste müssen Anleger vor allem bei Aktienfonds tolerieren. Viele Fondsmanager nutzen Derivate, um Aktienbestände abzusichern. Das funktioniert nur, wenn die nicht von einer Pleitebank herausgegeben wurden. Ein Risiko ist auch, dass verliehene Aktienbestände nicht zurückgegeben werden. Und in Rentenfonds stecken oft Bankanleihen, deren Kurse nach Pleiten fallen.

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Indexfonds (ETF)

Die börsengehandelten Indexfonds bauen einen Index nach, dürfen einzelne Papiere aber mit weit mehr als 20 Prozent ins Portfolio aufnehmen. Das erhöht die Kursrisiken, wenn Papiere einer Pleitebank ein großes Gewicht bekommen. Kaufen Indexfonds die Werte, die im Index stecken (physische Nachbildung), nutzen sie oft einen Trick, um mehr einzunehmen: Sie verleihen die Wertpapiere. Organisiert werden die Geschäfte von Banken. Eine Pleite wäre in dem billionenschweren Markt fatal.

Foto: Edel Rodriguez

Euro-Land-Staatsanleihen

Wackelt eine Bank, springen die Europäische Zentralbank sowie Euro-Land-Politiker mit Rettungsaktionen ein. Lange profitierten die Kurse der Bundesanleihen von diesem Reflex und der Kapitalflucht aus der Euro-Peripherie. Doch mit jeder Rettungsaktion steigt das Risiko, dass sich Kapital auch aus Deutschland verabschiedet, weil Anleger an der Zahlungsfähigkeit des Landes zweifeln. Noch stärker absturzgefährdet sind Staatsanleihen der Euro-Südländer, die zu ihren massiven Staatsschulden jetzt noch Schulden ihres überdimensionierten Bankensektors übernehmen sollen. Kurzlaufende Bundesanleihen sind für viele Großinvestoren ein Rettungsanker ohne Rendite, aber: Sie sind die liquidesten Anlagen und schnell zu verkaufen.

Foto: WirtschaftsWoche

Spareinlagen: Deutsche Privatbanken

Die Sparmilliarden deutscher Anleger sind vielfach doppelt geschützt: Für Privatpersonen bietet die europäische Einlagensicherung Schutz. Sie garantiert eine Rückzahlung von Spargeldern bis zu 100 000 Euro pro Sparer. Es macht dabei keinen Unterschied, ob Ehepaare ein Gemeinschaftskonto oder zwei Konten führen, sie bekämen im Pleitefall bis zu 200 000 Euro zurück. Für das Geld haften die Staaten, wenn die Mittel in den nationalen Entschädigungstöpfen nicht reichen. Bei der zu Vorwerk und Oetker gehörenden akf bank, der C&A-Bank, der zu Ikea gehörenden Ikano-Bank sowie der Umweltbank gäbe es im Pleitefall nur die gesetzlich garantierten 100 000 Euro, die durch die deutsche Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) ausgezahlt würden.

Bei privaten Banken wie Deutsche Bank und Commerzbank sowie Tochtergesellschaften ausländischer Banken, die eine deutsche Banklizenz haben, zum Beispiel ING-DiBa, HypoVereinsbank und Santander Bank, greift ein weiterer Schutz: Für Girokonten, Spareinlagen sowie Tages- und Termingelder gibt der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) ein freiwilliges Rettungsversprechen ab. Die Sicherungssumme ist utopisch hoch: Sie beträgt bei der Deutschen Postbank pro Konto (!) 1,6 Milliarden Euro, bei der HypoVereinsbank bis zu 7,1 Milliarden Euro. Der Schutz wirkt immens, ist aber – anders als das gesetzliche Versprechen – kaum einklagbar und nicht solidarisch aufzubringen bei Großpleiten. Vorsichtige teilen ihr Geld auf verschiedene Banktypen auf – Privatbank, Sparkasse, Volksbank.

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Spareinlagen: EU-Banken

Die besten Zinsen gibt es nicht unbedingt von deutschen Banken. MoneYou ist die Online-Marke der niederländischen Bank ABN Amro, die deutsche Anleger mit Tagesgeldzinsen in Höhe von 2,45 Prozent lockt. MoneYou- oder Credit-Europe-Bank-Kunden müssen sich im Pleitefall mit der niederländischen Zentralbank auseinandersetzen, die in englischer Sprache informiert. Bei der Deniz-Bank ist Österreich die Anlaufstelle, bei der Big Bank Estland. Dass die Entschädigung deutscher Sparer bei einem Crash dort nicht erste Priorität hat, liegt nahe. Bekannte Banken wie Cortal Consors (Tochter der französischen BNP Paribas) und Royal Bank of Scotland haben neben dem gesetzlichen EU-Schutz aus dem Ausland noch den Schutz durch den Einlagensicherungsfonds des BdB.

Foto: dpa/picture-alliance

Geschlossene Fonds

Die unter anderem als Schiffs- oder Immobilienfonds angebotenen Produkte sind unternehmerische Beteiligungen. Anleger müssen mit Nachschüssen sowie einem Totalverlust rechnen. Wer zuvor nicht darauf geachtet hat, wie hoch die Kreditfinanzierung seines Fonds ist, erlebt jetzt sein blaues Wunder. Viele Schiffe bringen nicht genug ein, um Kredite zu bedienen, und Banken fordern ihr Geld sofort zurück. Verschärft sich die Bankenkrise steigen die Forderungen. Dem Anleger bleiben nur Schadensersatzklagen.

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Synthetische Indexfonds (ETF)

Sie sind eine spezielle Art von Investmentfonds, die den Schutz ihres Sondervermögens gern betonen. Im Fall einer Pleite des ETF-Herausgebers oder einer Bank hat der Anleger Anspruch auf die im Fondsvermögen hinterlegten Wertpapiere. Allerdings sind das bei den Synthetischen Indexfonds meist nicht die Papiere, die der Anleger erwartet. Der ETF kauft nicht die Aktien des Index, sondern nutzt ein Tauschgeschäft (Swap). Dabei garantiert eine Bank beispielsweise die Wertentwicklung des Dax, parkt aber im ETF irgendwelche Aktien. Könnte die Bank die Zusage nicht erfüllen, bleiben Anleger auf Papieren sitzen, die sie nicht wollen.

Foto: WirtschaftsWoche

Zertifikate

Die Käufer von Lehman-Brothers-Zertifikaten hatten Pech, dass ihre Bank nicht vor dem Untergang gerettet wurde. Sie verloren ihr Geld und scheiterten jüngst beim Bundesgerichtshof mit Klagen gegen die Verkäufer der Papiere. Niemand weiß, ob sich das nicht wiederholen kann. Beliebt sind Zertifikate als Absicherung gegen Kursverluste („Shortzertifikate“). Diese Funktion können sie nur erfüllen, wenn die Bank als Herausgeberin ihr Rückzahlungsversprechen später einlöst. Für die langfristige Absicherung eignen sich Zertifikate deshalb nicht. Die Prämien für den Versicherungsschutz (Credit Default Swap, CDS) gegen einen Zahlungsausfall von Banken sind ein Indikator, welche Emittenten noch als sicher gelten. Die Spannweiten der CDS-Prämien sind gigantisch (siehe Tabelle Seite 18). Großanleger, die sich gegen den Ausfall der UniCredit versichern möchten, zahlen 5,02 Prozent der Nominalschuld pro Jahr als Prämie, bei der Deutschen Bank beträgt der Aufschlag nur 1,76 Prozent.

Foto: dpa

Zwar seien die slowenischen Institute im Vergleich zu anderen internationalen Geldhäusern sehr klein. Dennoch könnten Turbulenzen in dem Euro-Krisenland auch Auswirkungen auf andere Länder haben. Denn: „Gerade österreichische Banken waren in Slowenien sehr aktiv, auch italischen Banken haben versucht vor Ort Fuß zu fassen, weil die Wachstumsmöglichkeiten in den Heimatländern begrenzt waren“, sagt Faust. Ein Zusammenbruch des slowenischen Bankensektors würde so direkt auch Institute in den Nachbarländern treffen. Und dort wären dann schon mittelgroße Banken betroffen.

„Wichtig bei allen Rettungsmaßnahmen ist, dass die Haftungskaskade eingehalten wird. Sprich: Zuerst haften die Inhaber, Gläubiger und reiche Anleger – und erst dann die Steuerzahler“, so Faust. Das sei leider in der Vergangenheit vielfach nicht geschehen. „Da wurden die Eigentümer und die Gläubiger nur bedingt zur Kasse gebeten.“

In Divača baute die slowenische Bank die Siedlung „Gabrovo“. Es sind schöne Häuser in guter Lage: Doch die Bank verlangt astronomische Preise, potenzielle Mieter und Käufer suchten das Weite.

Foto: Presse

Platz 10: Bulgarien

16 von 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bekommen mehr Geld aus Brüssel, als sie in die Gemeinschaftstöpfe einzahlen. Der zehntgrößte Nettoempfänger der EU ist Bulgarien. Das Land kann die Hilfe gut gebrauchen. Das osteuropäische Land weist das niedrigste BIP je Einwohner auf und hat eine der höchsten Armutsquoten. 2010 erhielt die Regierung in Sofia 895 Millionen Euro mehr als es nach Brüssel überwies, um die Lebensbedingungen an den EU-Durchschnitt anzupassen. Es ist ein langer Weg.

Quelle: „Die Finanzierung der Europäischen Union“, Bertold Busch.

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Platz 9: Rumänien

2007 trat Rumänien der Staatengemeinschaft bei. Mit etwa 21 Millionen Einwohnern ist es das sechsgrößte Land der Union. Die Wirtschaft allerdings hinkt der Entwicklung im Euro-Raum hinterher. Um die Strukturen zu reformieren, flossen in den ersten beiden Jahren Milliardenhilfen nach Bukarest. Gut 1,6 Milliarden Euro (2009) und 1,24 Milliarden Euro (2010) betrug der Überschuss zwischen den Zahlungen an und von der Europäischen Union.

Die Zahlungen der Vorjahre hatten zunächst Erfolg: Die Wirtschaft wuchs jährlich zwischen sechs und acht Prozent. Doch dann kam die Finanzkrise, Rumänien geriet in Schwierigkeiten: Der IWF musste dem Land 2009 Kredithilfen in Höhe von 13 Milliarden Euro bereitstellen, die EU-Kommission lieh dem Land fünf Milliarden Euro aus ihrem Notfallfonds.

Foto: dapd

Platz 8: Slowakei

Das Land kämpft für eine Anhebung des EU-Budgets und gegen Sparforderungen von den Nettozahlern. „Es gibt keinerlei Raum für Kürzungen“, sagt der slowakische Außen-Staatssekretär Peter Javorcik. Kein Wunder, profitiert sein Land doch kräftig von der Existenz der EU-Fördertöpfe. Fast 1,35 Milliarden Euro erhielt das Euro-Sorgenkind mehr aus Brüssel, als es an die Staatengemeinschaft 2010 überwies.

Foto: dpa

Platz 7: Litauen

Litauen ist seit dem 1. Mai 2004 Mitgliedstaat der Europäischen Union. Finanziell profitierte das Land in den vergangenen Jahren vom Beitritt. 1,468 Milliarden netto erhielten die Osteuropäer an Transferleistungen (abzüglich der Zahlungen an Brüssel). Rechnet man das Geld auf die Bevölkerungszahl herunter – Litauen hat nur gut 3,2 Millionen Einwohner – erhielt Litauen stolze 438,20 Euro pro Staatsbürger. 2010 lag die Überschuss-Summe bei 1,358 Milliarden Euro.

Foto: AP

Platz 6: Tschechien

Deutschlands südöstlicher Nachbar erhielt zwischen 2004 und 2010 im Durchschnitt knapp eine Milliarde Euro mehr, als es gen Brüssel abtrat. 2010 lag der Überschuss gar bei 2,079 Milliarden Euro. Zwei Drittel der Summe wurden als Subventionen für die Landwirtschaft und Fischerei ausgestellt.

Foto: dpa

Platz 5: Portugal

Portugal kann sich aus eigener Kraft nicht mehr finanzieren. Es suchte Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm und kämpft sich nur langsam aus dem Tal. Hilfe kommt nicht nur von den Partnern der Währungsunion, sondern auch aus der EU. Portugal ist mit einem Transferüberschuss in Höhe von 2,62 Milliarden Euro (2010) der fünftgrößte Nettoempfänger.

Foto: REUTERS

Platz 4: Ungarn

Das osteuropäische Land konnte sich 2010 über Nettozuwendungen aus Brüssel in Höhe von 2,74 Milliarden Euro freuen. Neben den Agrarsubventionen hat Budapest vor allem Geldmittel bekommen, um gegen die Kriminalität vorzugehen und den Justizapparat zu stärken. Dennoch riskierte Ministerpräsident Victor Orbán den Bruch mit der EU, indem er die Unabhängigkeit der Zentralbank praktisch abgeschafft hat, die Rechte der Presse beschneiden wollte und branchenspezifische Sondersteuern konstruierte, die  ausländische Telefongesellschaften, Banken und Einzelhändler besonders belasteten.

Foto: dpa

Platz 3: Griechenland

Der Pleitestaat bekam 2009 gut drei Milliarden Euro mehr aus den EU-Töpfen, als es an Brüssel überwies. Pro Kopf waren das 267,20 Euro. 2010 lag der Überschuss noch einmal deutlich höher und zwar bei 3,59 Milliarden Euro.

Foto: dpa

Platz 2: Spanien

Einer der größten Profiteure der Umverteilungs-Politik der Europäischen Union ist Spanien. Satte 4,1 Milliarden Euro betrug der Transferüberschuss der Iberer 2010.

Foto: dpa

Platz 1: Polen

Der mit Abstand größte Nettoempfänger ist Polen. Bei 6,2 Milliarden Euro lag der Überschuss 2009, ein Jahr später stieg die Summe auf 8,42 Milliarden Euro. Fast zwei Drittel dieser Summe zahlte die Europäische Union Polen als Subventionen für die Landwirtschaft und Fischerei und für Infrastrukturprojekte.

Zur Datenerhebung: Auf der Ausgabenseite werden nur die in den Mitgliedsstaaten zurechenbaren Ausgaben berücksichtig und außerdem die Verwaltungsausgaben abgezogen. Von diesen sogenannten operativen Ausgaben je Mitgliedsland wird der angepasste nationale Beitrag abgezogen. Zur Berechnung des angepassten nationalen Beitrags wird der Anteil jedes Landes an den nationalen Beiträgen insgesamt ermittelt. Mit diesem Anteil werden die gesamten operativen Ausgaben der EU-27 multipliziert. Diese Berechnung erlaubt einen Vergleich zwischen den Mitgliedsstaaten.

Foto: dapd

„Ich verstehe, dass der Steuerzahler Zweifel hat und es lieber sehen würde, wenn die Schuldigen oder auch die Banken-Eigner beteiligt werden würden. Auf der anderen Seite wären bei einer Banken-Pleite alle Einlagen oberhalb von 100.000 Euro weg gewesen." Er verstehe seine Aufgabe so, „dass wir alles daran setzen, den Steuerzahler so wenig wie möglich zu belasten“. Es gelte, faule Kredite zumindest teilweise zu Geld zu machen und zu schauen, wie stockende Immobilienprojekte zu Geld gemacht werden können. Etwa jenes in Divača.

Das kleine Örtchen liegt 80 Kilometer südwestlich der slowenischen Hauptstadt Ljubljana und nah an der italienischen Grenze. 2.050 Männer und 1.850 Frauen leben in dem kleinen, rustikalen Städtchen, das mit den Höhlen von Škocjan das einzige slowenische Unesco-Weltkulturerbe beherbergt. Darüber hinaus gibt es eine Pfarrkirche und viele altertümliche Gebäude, zum Teil aus dem 17. Jahrhundert. In diesem Umfeld baute die „Factor Banka“ die Siedlung „Gabrovo“: 24 moderne Wohnungen mit großen Fenstern und Balkonen und roten und gelben Außenwänden. 15 Reihenhäuser komplettieren die Siedlung, in der Singles oder junge Familien auf 10 bis 115 Quadratmeter Wohnfläche perfekt wohnen könnten.

Die größten Unternehmen Sloweniens
Petrol ist ein Mineralölkonzern, das über keine eigenen Produktionskapazitäten verfügt (Förderung, Raffinerie) sondern ausschließlich handelt. Dennoch ist es das umsatzstärkste Unternehmen Sloweniens. Dank seiner Marktführerschaft im Großhandel als auch im Tankstellengeschäft erwirtschaftete Petrol zuletzt einen Umsatz von 2,86 Milliarden Euro.
Die börsennotierte Handelskette musste 2011 einen Gewinnrückgang hinnehmen. Die Einnahmen brachen um 22,5 Prozent auf 23,5 Millionen Euro ein. Gleichzeitig stieg der Umsatz um 5,3 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Für Mercator, das Filialen in Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Mazedonien, Bulgarien und Albanien unterhält, arbeiten fast 24.3000 Menschen, davon 9.959 in Slowenien.
Der staatliche Energiekonzern HSE (Holding Slovenske elektrarne) wurde erst im Juli 2001 gegründet. HSE erwirtschaftete 2011 mit 1,36 Milliarden Euro den drittgrößten Umsatz aller slowenischen Unternehmen. Das Unternehmen ist unter anderem auch in Bulgarien und Ungarn aktiv.
In Slowenien arbeiten viele Automobil-Zulieferer. Es gibt aber nur ein slowenisches Unternehmen, das Auto herstellt: Revoz. Die Aktiengesellschaft mit rund 2600 Mitarbeitern befindet sich zu 100 Prozent im Besitz von Renault. In der Stadt Novo mesto werden unter anderem der Renault Twingo II und der Renault Wind gebaut. Revoz machte 2011 einen Umsatz von 1,13 Milliarden Euro.
Das weltweit agierende Pharmakonzern wurde 1954 gegründet und nach dem slowenischen Fluss Krka benannt. 2010 beschäftigte die Aktiengesellschaft über 8000 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro. Es ist damit das fünfgrößte slowenische Unternehmen, liegt aber mit einem Nettogewinn von 150,4 Millionen Euro (2011) in der Gewinn-Rangliste auf Rang eins.

Doch die Immobilien stehen leer, das Gras vor den Wohnungen ist auf Kniehöhe gewachsen. Ein Grund: Die Zielgruppe fehlt. Das Durchschnittsalter in Divača liegt bei 43,1 Jahren, deutlich über dem Landesdurchschnitt. In der Ortschaft gibt es gerade einmal zwei Kindergärten. Es gibt mehr Über-65-Jährige in Divača als unter 14-Jährige.

Zudem spielen wirtschaftliche Gründe eine Rolle. „Die Arbeitslosigkeit in Divača liegt mit rund sieben Prozent deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 10,7 Prozent“, sagt Bürgermeister Drago Božac stolz. Allerdings verdienen die Menschen im Südwesten deutlich weniger, als etwa in der Hauptstadt Ljubljana. Der Bruttoverdienst liegt sieben Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Im Durchschnitt hat ein Angestellter 935,88 Euro im Monat zur Verfügung. „Die weltweite Finanzkrise und die europäische Schuldenkrise hat die Einkommen der Menschen belastet“, sagt Božac.

Dennoch verlangt die „Factor Banka“ für ihre Wohnungen und Häuser satte Preise. 1.520 Euro pro Quadratmeter rufen die Slowenien für ihre Eigentumswohnungen auf, 870 Euro pro Quadratmeter für die Reihenhäuser. „Die Bank hatte offensichtlich wenig Kenntnis über die Lage vor Ort. Man hat schlicht spekuliert, dass die Preise auf europäisches Niveau steigen werden und einfach eine Summe in den Raum geworfen“, erklärt die slowenische Finanzjournalistin Albina Kenda gegenüber WirtschaftsWoche Online.

Korruptes Europa

Viele europäische Manager sind käuflich. Das beweist eine Studie der Wirtschaftsberatung Ernst & Young, die in 36 Ländern zusammen knapp 3500 Top-Manager befragt hat, darunter Finanzvorstände, Compliance-Experten und Mitarbeiter aus der Rechtsabteilung. Laut Ansicht der Berater verschärfe die anhaltende Wirtschaftskrise die Situation, weil die Unternehmen trotzdem unter Druck stünden, mit Umsatz- und Gewinnzuwächsen zu glänzen. Daher könnten sich viele Manager vorstellen, in Notfall-Situationen dem Geschäftserfolg mit unlauteren Mitteln nachzuhelfen.

Foto: dpa

Slowenien

In dem zwei Millionen Einwohner starken Land sind fast alle befragten Manager (96 Prozent) der Ansicht, dass Bestechung dort an der Tagesordnung ist. Damit liegt Slowenien europaweit auf Platz eins. International betrachtet liegt Slowenien in punkto Korruption auf dem gleichen Niveau wie die afrikanischen Länder Kenia und Nigeria.

Foto: dapd

Ukraine

Im internationalen Vergleich der korruptesten Manager kommt die Ukraine auf Platz fünf, mit Blick auf Europa folgt sie auf Slowenien. Der Studie zufolge halten 85 Prozent der Befragten Bestechlichkeit in ihrem Land für üblich.

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Griechenland

In dem krisengeschüttelten Land glauben 84 Prozent der Manager, dass Korruption normal sei. Damit liegt Griechenland im europäischen Vergleich an dritter Stelle, international auf dem siebten Rang. Vor allem der übergroße Staatsapparat gilt als bestechlich.

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Schweiz

Am wenigsten verbreitet ist Korruption in der Schweiz. Hier geben nur zehn Prozent der Befragten an, dass Bestechung in ihrem Wirtschaftsleben gängig ist.

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Vorbild Skandinavien

Hinter der Schweiz folgen direkt die skandinavischen Länder. Finnland und Schweden liegen bei jeweils zwölf Prozent, Norwegen bei 17.

Foto: dpa

Deutschland auf den hinteren Rängen

Auch die Bundesrepublik schneidet bei der Frage nach Korruption im eigenen Land gut ab. Auch wenn es Berichte über Vetternwirtschaft wie jüngst im bayrischen Landtag oder Fälle von Steuerhinterziehung prominenter Personen gibt, so liegt Deutschland bei der Bestechlichkeit mit 30 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt.

Foto: dpa/dpaweb

Frankreich hinter Deutschland

Noch weniger Korruption als in Deutschland gibt es bei unseren Nachbarn in Frankreich. Dort halten nur 27 Prozent der Manager Bestechlichkeit für alltäglich in der Wirtschaft.

Foto: dpa

Spanien im Mittelfeld

Spanien, immerhin die viertgrößte Volkswirtschaft im Euro-Raum, liegt laut Ernst & Young nur im Mittelfeld. Immerhin 65 Prozent der befragten Manager hielten Käuflichkeit nicht für unüblich.

Foto: REUTERS

Italien ungefährer Durchschnitt

Immerhin 60 Prozent der Italiener antworteten auf die Frage: "Sind Bestechung beziehungsweise korrupte Methoden im Geschäftsleben hierzulande weit verbreitet?" mit Ja. Der internationale Durchschnitt liegt mit 57 Prozent knapp darunter.

Foto: REUTERS

Martin Faust stützt die These. „Gerade die Länder Osteuropas waren ein stark umkämpfter Markt. Viele Banken haben versucht, an dem rasanten Wachstum der Länder teilzuhaben“, erklärt Faust. In Slowenien oder auch in Ungarn und Bulgarien sei viel investiert worden, auch sind die Einkommen und Vermögen stark gestiegen. „Die Banken wollten gerne ein Stück vom Kuchen abhaben und haben hart um Marktanteile gekämpft“, so Faust. In der Folge seien Kredite lockerer vergeben worden und Anforderungen reduziert worden. „Da hat man sicherlich auch Risiken unterschätzt bzw. bewusst ignoriert.“

Zweitens habe es keine Erfahrungswerte in diesen Ländern gegeben. Die Volkswirtschaften hatten sich so stark verändert, dass verlässliche Werte und Prognose – etwa die Ausfallrate von Kreditnehmern oder das künftige Wirtschafts- und Einkommenswachstum – nicht mehr gültig waren.

Neben den schicken Wohnungen in Divača sucht die „Factor Banka“ auch in Maribor (Slowenien) seit Jahren nach Interessenten für mehrere neue Eigentumswohnungen. Im Kosovo hat die Bank ein Grundstück gekauft, auf den ein Einkaufszentrum und Eigentumswohnungen entstehen sollten. Das Problem: Es gab nie eine Baugenehmigung.

„Die Banker haben sich gedacht: Wenn wir das Grundstück kaufen und der Flächenentwicklungsplan geändert wird, werden wir reich“, so die slowenische Kollegin. Dass sich die Behörden querstellen könnten, wurde ausgeblendet. „Man kann das Treiben der Ex-Banker durchaus mit dem Gang ins Kasino vergleichen. Das ganze Geld wurde auf eine Karte gesetzt in der Hoffnung auf hohe Renditen. Sie haben sich verzockt. Jetzt heißt es: Oh, scheiße.“

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Das Geschäftsgebaren der Geldinstitute hat sich auch ohne detaillierte Kenntnisse über die oben genannten Fälle auf den Straßen der slowenischen Hauptstadt Ljubljana herumgesprochen. Banker und Manager gehören zu den unbeliebtesten Berufsgruppen. „Es ist doch offensichtlich, dass sich einige wenige Menschen auf Kosten der Gesellschaft bereichert haben“, sagt Student Jernej Snujdek. Seine Frau Anita stimmt ihm zu. „Normalerweise sind Banken doch dafür da, Unternehmen mit Krediten zu versorgen und die Ersparnisse der Bürger zu verwalten und bestenfalls noch ein paar Prozent Rendite herauszuholen“. Doch stattdessen hätten die Banken die Bürger „betrogen“.

Von Betrügerei oder Zockerei will Schuster nicht sprechen. Gleichwohl verspricht er: „Überall dort, wo wir einen Verdacht schöpfen, die ehemaligen Entscheidungsträger der Bank hätten vorsätzliche Fehler begangen, müssen wir es der Staatsanwaltschaft und den Korruptionsbehörden melden“, unterstreicht Schuster. An einer Hexenjagd wolle er sich aber nicht beteiligen.

Zudem seien die Möglichkeiten begrenzt, es müsse gut überlegt sein, wofür das kleine Team seine Zeit aufwende, so Schuster. „Selbst wenn wird die Schuldigen finden und zur Rechenschaft ziehen, wird unsere Bank niemals so viel Geld zurückbekommen, als wenn ich mich nun bemühe, die ausstehenden Kredite von den Kunden einzutreiben. Also macht sich Schuster Anfang November wieder auf die Reise nach Bulgarien, dieses Mal in das Wintersport-Örtchen Bansko am Fuße des Piringebirges.

Anders als Byala ist Bansko ein bekannter und beliebter Kurort. Im Sommer bietet der Nationalpark Pirin unzählige Wandermöglichkeiten, von Mitte Dezember bis Ostern finden Skifahrer und Snowboarder auf den 75 Pistenkilometern beste Bedingungen. Kein Wunder, dass die 65 Appartements, die ein Investor hochziehen lassen wollte, schnell verkauft wurden. Vor allem Briten und Iren investierten gerne das von der „Factor Banka“ unterstützte Projekt.

„Die haben auch alle bezahlt. Aber nicht an den Investor, sondern an einen Mittelsmann. Ein Großteil des Geldes ist nie beim Betreiber bzw. bei unserer Bank angekommen“, berichtet Schuster. Die Folge ist vor Ort zu sehen: Noch bevor die Gebäude fertig gestellt wurden, ging dem Bauherren das Geld aus.

„Die Banken standen bei ihren Osteuropa-Engagements alle vor dem gleichen Problem“, weiß Faust. „Entweder sie schicken einen Mitarbeiter aus dem Herkunftsland der Bank in den unbekannten Markt. Der Nachteil: Ihr Mann kennt sich wenig vor Ort aus. Oder sie werben einheimische Mitarbeiter an. Die Frage ist dann: Können sie denen vertrauen und verfügen diese über das notwendige Know-how? Es gab eine Reihe von Fällen, in denen sich ausländische Banken auf lokale Mitarbeiter und deren Netzwerke verlassen haben – und bitter enttäuscht wurde. Die neuen Mitarbeiter haben nämlich nicht zum Wohle der Bank gearbeitet, sondern hatten oft ihren eigenen Vorteil im Blick.“

Die Bank wird den Gebäudekomplex in Bansko vermutlich nun fertigstellen und verkaufen. Vielleicht auch an jene, die bereit sind, den Kaufpreis ein zweites Mal zu bezahlen, damit sie am Ende doch noch zu ihrem Appartement kommen und die Bank die Hypothek löscht.

Schuster überlegt, parallel Strafanzeige zu stellen, doch Rechtsanwälte der Bank rieten ab. "Sie sagen dir ganz offen ins Gesicht, ohne Geld geht in Bulgarien nichts. Ohne Bares haben wir keine Aussicht auf Erfolg“, berichtet Schuster. Das wüssten auch Kreditkunden und dubiose Mittelsmänner. „Sie sagen mir klipp und klar und mit einem Lächeln im Gesicht: ,Ich zahle dir zehn bis 20 Prozent der ausstehenden Summe. Wenn du damit nicht einverstanden bist, ist das dein Pech, dann bekommst du nichts. Wir haben alle Zeit der Welt‘“, so Schuster. Nun sei die Frage, wer mehr Nerven habe.

Am Ende der Reise ist somit nur klar: Ein Großteil des slowenischen Geldes ist versickert. In dubiosen Projekten, in dunklen Kanälen – und im Sand und Schilf am Schwarzen Meer.

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