WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen
Alltagsforschung

Jobwechsel machen glücklich

Wer jahrelang im selben Unternehmen arbeitet, wird irgendwann unzufrieden. Zwei neue Studien zeigen: Ein Jobwechsel lohnt sich - sowohl für die Psyche als auch für das Portemonnaie.

Neuer Arbeitsplatz, neue Kollegen, mehr Geld: Jobwechsel machen glücklich. Quelle: Getty Images, Montage

Langsam wird es knapp. Noch etwas mehr als zwei Jahre, dann feiere ich mein zehnjähriges Dienstjubiläum. Dabei hatte ich mir geschworen, es niemals so weit kommen zu lassen. Ein paar Jahre Erfahrungen sammeln, dann bräuchte ich eine Luftveränderung – dachte ich zumindest. So kann man sich täuschen. 

Zumindest auf der Chefetage ist man wechselwilliger. Die Unternehmensberatung Strategy& untersuchte vor einigen Jahren in einer Studie die 2500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen und die 300 größten Unternehmen in Deutschland. Das Ergebnis: Im Schnitt bleiben Vorstandsvorsitzende im deutschsprachigen Raum etwa sechs Jahre im Amt.

Irgendwie auch kein Wunder. Eine lebenslange Karriere beim selben Arbeitgeber ist längst eher die Ausnahme als die Regel. Unternehmen setzen zunehmend auf Freiberufler, mit unbefristeten Verträgen gehen sie sparsam um. Und das wirkt sich auch auf die Einstellung der Arbeitnehmer aus: Das Gefühl der Jobsicherheit sinkt, die Wechselbereitschaft steigt.

So stellen Sie fest, ob die Arbeitsqualität stimmt

Das deckt sich auch mit einer LinkedIn-Studie. Das Karrierenetzwerk befragte im vergangenen Jahr etwa 10.500 Personen, die sich zwischen Dezember 2014 und März 2015 beruflich verändert hatten – ausgeschlossen jene, die intern befördert worden waren.

Lohnt sich ein Jobwechsel?

Hauptgrund für den Abschied vom früheren Arbeitgeber waren fehlende Entwicklungsmöglichkeiten (45 Prozent der Nennungen), Unzufriedenheit mit dem Führungspersonal (41 Prozent) und Unzufriedenheit mit Arbeitsumgebung oder Firmenkultur (36 Prozent). Hauptargument für den Start bei einem anderen Unternehmen waren bessere Karrierechancen (59 Prozent) und eine bessere Bezahlung (54 Prozent).

Aber stimmt das: Profitieren Angestellte tatsächlich von einem Jobwechsel? Lohnt sich die berufliche Luftveränderung, sowohl für das Portemonnaie als auch für die Psyche?

Diesen Fragen gingen nun zwei neue Studien nach. Die Managementforscherin Shoshana Dobrow Riza von der London School of Economics nutzte für ihre Untersuchung Daten des Bureau of Labor Statistics. Das Statistikamt des US-Arbeitsministeriums befragt in zwei Langzeitstudien bereits seit 1979 Amerikaner zu ihrem Berufs- und Privatleben. Riza wertete ausschließlich die Antworten jener Personen aus, die einen festen Arbeitsplatz hatten – insgesamt waren das immerhin 21.670 Menschen.

Wann es Zeit für einen Jobwechsel ist
FrustWenn Sie gar keine Freude mehr an dem haben, was Sie tun, wenn Sie schon morgens mit Bauchschmerzen aufstehen und die positivste Stimmung, zu der Sie an der Arbeit fähig sind, eine genervte Grundhaltung ist, sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie dauerhaft so weitermachen wollen. Die Düsseldorfer Outplacement-Beraterin Heike Cohausz rät in einem solchen Fall: "Stellen Sie sich zunächst folgende Fragen: Was genau hat meinen Frust ausgelöst? Wieso möchte ich nicht mehr mit meinem Chef arbeiten? Welche konkreten Situationen haben dazu geführt, dass ich gehen will?" Können Sie die Faktoren, die Ihren Frust auslösen, nicht verändern oder beeinflussen, sollten Sie ernsthaft über einen Jobwechsel nachdenken. Quelle: Fotolia
Zu wenig GehaltIhre Arbeit sollte Ihrem Chef mehr Geld wert sein? Dann sollte Sie natürlich der erste Weg zu Ihrem Vorgesetzten führen. Wenn Ihr Unternehmen wegen seiner wirtschaftlichen Lage aber nicht mehr zahlen kann, gibt es zwei Möglichkeiten: das Ganze so hinnehmen oder gehen. Gerade für Arbeitnehmer, die bereits öfter bei Lohnerhöhungen übergangen worden sind, wäre letzteres der richtige Weg. Laut einer Studie von TNS Infratest zusammen mit der Personalberatung Cribb ist gerade für Männer die Unzufriedenheit mit ihrem aktuellen Gehalt ein Wechselgrund. Von einem Jobwechsel versprechen sich laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Online-Stellenbörse Jobware rund 30 Prozent der Befragten ein höheres Einkommen - und das kriegen Sie in der Regel auch. So bestätigt eine Umfrage des Personaldienstleisters Experis unter 1049 Arbeitnehmern, dass 56 Prozent der Befragten mit dem neuen Arbeitsplatz auch mehr Gehalt bekommen. Marcus Schmidt, Geschäftsführer der Personalberatung Hanover Matrix, sagt: "Steigerungen um zehn Prozent liegen dabei im Normbereich." Quelle: Fotolia
Gestiegene AnforderungenImmer mehr, immer schneller: Sie müssen immer mehr Arbeit bestenfalls in der gleichen, am liebsten aber in der Hälfte der Zeit, erledigen? Kollegen, die in den Ruhestand gehen oder kündigen werden nicht ersetzt, sondern die Arbeit bleibt an den übrigen Mitarbeitern hängen? Wenn es sich nicht nur um kurze Stressphasen - beispielsweise wegen Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen - handelt, sind stetig steigende Anforderungen ohne entsprechende (pekuniäre) Würdigung für 17 Prozent ein Grund für eine Kündigung. Wenn Sie dem wachsenden Arbeitsberg nicht mehr Herr werden und auch keine Besserung in Sicht ist, wäre ein Jobwechsel eine Option. (Quelle: Umfrage des Personaldienstleisters Kelly Services unter 2200 Beschäftigten) Quelle: Fotolia
LangeweileDoch auch das Gegenteil gibt es häufig: Die Aufgaben, die Sie zu erledigen haben, sind überschaubar - und vor allem monoton. Sie langweilen sich nine to five. Bei einer Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half unter mehr als 2400 Fachkräften sagte beispielsweise jeder zweite deutsche Arbeitnehmer, dass er für die Chance auf mehr Abwechslung sofort bei einem neuen Arbeitgeber anheuern würde. Und ein Jobwechsel kann dann tatsächlich etwas bewirken. Die Experis-Umfrage unter 1049 Jobwechslern zeigt, dass 46 Prozent derer, die den Schritt gewagt und gekündigt haben, ihre Tätigkeit nun für vielfältiger halten. Ein Viertel der Studienteilnehmer bemerkte, dass sich das sehr positiv auf die eigene Motivation auswirkte. Quelle: dpa
Wichtigstes Kriterium bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers: Der Standort Quelle: AP
Zeit für die FamilieOb wegen Pendelei, Arbeitsberg oder Überstunden - manchmal fehlt einfach die nötige Zeit für Freunde, Familie und Privatleben. In diesem Fall müssen Sie sich die Frage stellen, ob Ihnen Ihr Job das Wert ist. "Jede Lebenssituation ist anders und auch die Ziele können im Lauf der Zeit variieren", sagt Beraterin Cohausz. Wenn es für den Berufseinsteiger noch völlig in Ordnung war, 60 Stunden die Woche zu arbeiten und durch die Welt zu jetten, ist dieses Modell für junge Eltern gänzlich ungeeignet. Auch für den älteren Arbeitnehmer wäre ein anderes Arbeitsmodell eventuell sinnvoll, auch wenn das alte Jahre lang gut funktioniert hat. "Ein Seiten- oder Rückschritt kann für eine ruhigere Phase im Leben, etwa um mehr Zeit mit den Kindern verbringen zu können, sinnvoll und wichtig sein", sagt Cohausz. Auch ein Funktions- oder Branchenwechsel können sinnvoll sein. Fragen Sie sich: Wo möchte ich in zehn Jahren stehen? Bringt mich der Schritt dorthin? Ist mir Führungsverantwortung wirklich wichtig? Quelle: Fotolia
KarrierechancenFür viele soll es allerdings nicht seit- oder rückwärts, sondern nach vorne gehen. Aber viele können in ihrem Unternehmen maximal 67 werden, mehr geben die Perspektiven nicht her. Wer mehr von seinem Berufsleben möchte, muss sich in diesem Fall nach einem neuen Job umsehen. Tiemo Kracht, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Kienbaum empfiehlt unzufriedenen Arbeitnehmern zu überprüfen, ob die Unternehmens- und Ertragsentwicklung eine tragfähige Basis für eine weitere Karriere bietet. " Wenn die nächste Führungsebene, für die Sie sich vorbereitet haben, mit einem Kandidaten besetzt wird, der jünger, im gleichen Alter oder geringfügig älter ist, kann der nächste Karriereschritt auf Jahre versperrt sein", sagt er. Quelle: Fotolia

Und siehe da: Je älter die Befragten waren, desto zufriedener waren sie grundsätzlich mit ihrer Arbeit. Zwischen dem Lebensalter und der beruflichen Zufriedenheit besteht offenbar ein positiver Zusammenhang.

Unwissenschaftlich formuliert: Ältere sind glücklicher.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%