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FührungsqualitätEin Plädoyer für mehr Leidenschaft in Unternehmen

Was macht eine gute Führungskraft aus? Ist fachliches Wissen entscheidend oder doch der Charakter? Obwohl Experten sagen, dass Führungsstärke eine Charakterfrage ist, sehen Erwerbsbiografien von Chefs alle gleich aus.Kerstin Dämon 19.09.2016 - 19:02 Uhr

Der Manager von morgen braucht vor allem Leidenschaft für seinen Job.

Foto: Getty Images

Eine schlechte Unternehmenskultur macht Mitarbeiter unzufrieden. Sie kündigen schneller und werden häufiger krank. Das zeigt der aktuelle Fehlzeitenreport der Krankenversicherung AOK. Doch was macht gute Unternehmenskultur eigentlich aus? Darauf hat der Bericht eine Antwort: Transparenz, Mitbestimmung, Rückhalt, Kommunikation, Wertschätzung und Sozialleistungen, die über das Nötige hinaus gehen. Diese Dinge zu gewährleisten und vorzuleben, ist Aufgabe der Führungskräfte. Und zwar vom CEO bis runter zum Abteilungs- oder Teamleiter.

Unternehmenskultur hängt auch von der Führungskultur ab, das ist klar. Die Frage, was einen guten Chef oder eine gute Chefin eigentlich auszeichnet, bleibt.

Auf den Charakter kommt es an

Die Antworten auf diese Frage sind vielfältig: Der US-Forscher und Unternehmensberater Fred Kiel sagt, Führungskräfte brauchen Integrität, Verantwortungsbewusstsein, Empathie und Versöhnlichkeit - kurz: einen guten Charakter. Managementberater Reinhard K. Sprenger schreibt: Gute Führungskräfte haben Anstand. Personalexperte Thomas Sattelberger ist überzeugt, dass es ohne mutige Querdenker in den Führungsetagen nicht lange gut gehen wird mit der Innovationskraft deutscher Unternehmen.

Das sind die Karrierestationen der Dax-Chefs
Der Noch-Adidas-Chef ist Diplom-Betriebswirt (FH) und hat außer bei dem Sportartikelhersteller noch bei P&G gearbeitet. Nach seinem Studium hat er allerdings eine Bar eröffnet und diese später mit Gewinn verkauft. Er ist also ein klassischer Unternehmer.Quelle: Korn Ferry-CEO-Studie
Der neue Allianzchef ist gelernter Bankkaufmann und hat einen MBA. Außer für die Allianz war er noch für die Unternehmensberatung McKinsey tätig.
Kurt Bock war vor seinem Job als BASF-Chef bei Bosch tätig. Ein klassischer Unternehmer ist der promovierte Betriebswirt jedoch nicht.
Dekkers ist seit dem 1. Mai 2016 Aufsichtsratsvorsitzender bei Unilever. Zuvor war der Chemieingenieur fünf Jahre lang Chef von Bayer. Dekkers hat zwar einen Doktortitel und blickt auf Stationen bei GE, Honeywell und Thermo Fisher zurück – ein Unternehmen aufgebaut hat er jedoch nie.
Der Beiersdorf-CEO Heidenreich ist von Hause aus Diplom-Kaufmann. Vor seinem Job bei dem Konsumgüterkonzern arbeitete er bei P&G, Reckitt B., Bertelsmann und Hero – ein Unternehmen gegründet und aufgebaut hat er nicht.
Der BMW-Chef Krüger ist Diplom-Ingenieur für Maschinenbau – ein klassischer Unternehmer ist er jedoch nicht.
Der scheidende Commerzbank-Chef Blessing ist gelernter Bankkaufmann. Er sattelte noch einen MBA oben drauf und arbeitete bei McKinsey, bevor er zu Deutschlands zweitgrößter Bank wechselte. Auch hier: Eine Unternehmerbiografie sieht anders aus.
Der Boss des Automobilzulieferers Continental, Elmar Degenhart, ist von Hause aus Diplom-Ingenieur für Luft- und Raumfahrt. Degenhart hat einen Doktortitel und war vor seinem Job bei Continental bei ITT und Bosch sowie Keiper und Schaeffler tätig. Eine beeindruckende Vita, keine Frage. Aber nicht die eines Unternehmers.
Auch Daimler-Boss Zetsche hat eine beeindruckende Karriere gemacht. Der Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik ist seit 1976 beim Daimlerkonzern und hat sich hochgedient, wie man so schön sagt. Zwischen seinen beruflichen Stationen promovierte er quasi nebenbei. Im Januar 2006 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden des Konzerns. Dr. Z ist also mit Sicherheit ein Macher – nur eben nicht im klassischen Sinne Unternehmer.
Der neue Chef der Deutschen Bank ist ein gestandener Manager, Master of Arts, und war zuvor bei Arthur Anderson, Warburg, UBS und Temasek. Ein eigenes Unternehmen hatte aber auch er nie.
Jürgen Fitschen, ebenfalls Chef der Deutschen Bank, ist gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann. Auf seine Ausbildung sattelte er noch ein BWL-Studium oben drauf. Bevor er zur Deutschen Bank ging, war er bei der Citibank. Auch er hatte nie ein eigenes Unternehmen.
Der Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, hat einen Master of Science in Finance and Accounting und ist außerdem Diplom-Betriebswirt (FH). Bevor er zur Deutschen Börse ging, stellte er seine Kenntnisse in den Dienst von Barclays, Goldman und der UBS.
Dass der Lufthansa-Chef Spohr ein Manager erster Güte ist, musste und hat er schon bewiesen. Eines ist der Diplom-Wirtschaftsingenieur aber auch nicht: ein klassischer Unternehmer.
Post-Chef Appel ist von Hause aus Diplom-Chemiker. 1993 promovierte er im Fach Neurobiologie an der ETH Zürich. Im gleichen Jahr ging er zur Unternehmensberatung McKinsey, wo er sechs Jahre später in die Geschäftsführung aufstieg. 2000 wechselte er als Zentralbereichsleiter für die Konzernentwicklung zur Deutschen Post AG, wo er sich bis zur Spitze hocharbeitete. Auch er ist ein Macher, nur eben kein Unternehmer.
Der Telekom-CEO ist Diplom-Kaufmann. Bevor er zur Telekom wechselte, war er bei Mummert und Viag beschäftigt. Eine unternehmerische Tätigkeit fehlt allerdings in Höttges Vita.
Der E.On-Chef ist sowohl Jurist als auch Volkswirt. Er hat einen Doktortitel in Jura und war schon Vorstandsmitglied, Aufsichtsratsmitglied, Leiter des Finanzressorts und stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Er ist Mitglied diverser Stiftungen und seit 2010 CEO des Stromriesen E.On. Nur ein eigenes Unternehmen hat er nie gegründet.
Der Amerikaner an der Spitze von Fresenius Medical Care ist Biologe und war vor seinem Wechsel zu Fresenius bei Ergo Science, Biogen und Baxter tätig. Auch er hat nie ein Unternehmen gegründet.
Stephan Sturm (53) ist seit dem 1. Juli 2016 Vorstandsvorsitzender von Fresenius. Zuvor war er elfeinhalb Jahre Finanzvorstand des Unternehmens. Vor seinem Einstieg bei Fresenius arbeitete Sturm als Managing Director bei Credit Suisse First Boston (CSFB), zuletzt als Leiter Investment Banking für Deutschland und Österreich. Seine berufliche Laufbahn begann er 1989 als Unternehmensberater bei McKinsey & Co. Stephan Sturm studierte Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim mit dem Abschluss Diplom-Kaufmann.
Scheifele, Chef von HeidelbergCement ist promovierter Jurist und Master of Laws. Entsprechend begann er seine berufliche Laufbahn Ende der 1980er Jahre in einer Wirtschaftskanzlei in Stuttgart. 2004 wurde er zum Aufsichtsratsvorsitzender von HeidelbergCement und ein Jahr später – am 1. Februar 2005 – Vorstandsvorsitzender.
Der Adidas-CEO Rorstedt hat in Kopenhagen BWL studiert. Nach seinem Studium hatte er verschiedene Management-Positionen bei Oracle und DEC inne. Von 2002 bis 2004 war er Senior Vice President und General Manager bei Hewlett-Packard, 2005 wurde er zum Mitglied der Geschäftsführung bei Henkel, wo er sich bis zum CEO hocharbeitete. Auch hier: Macher und Manager ja, Unternehmer nein.
Der CEO von Infineon Technologies, Reinhard Ploss, ist Diplom-Ingenieur für Verfahrenstechnik. Sein Studium schloss er mit der Promotion ab. Er ist seit 1. Oktober 2012 Vorstandsvorsitzender der Infineon AG. Nach Stationen bei Siemens wurde er 1999 Leiter des Infineon-Geschäftszweigs Industrial Power und Geschäftsführer der Infineon-Tochter eupec. Seit Oktober 2012 ist er Vorstandsvorsitzender der Infineon AG.
Der Diplom-Chemiker Büchele hat nicht nur einen Doktortitel, der Chef der Linde-AG blickt auch auf berufliche Stationen an der Universität Ulm, bei BASF und Blackstone sowie bei BorsodChem und Kemira zurück. Nur ein Unternehmen gegründet und aufgebaut hat er noch nie.
Der promovierte Jurist und Industriekaufmann Kley begann seine Karriere 1982 bei Bayer. Anschließend wechselte er zu Lufthansa, wo er bis 2006 dem Vorstand angehörte. Von dort aus wechselte er in die Geschäftsleitung des Chemie- und Pharmakonzerns Merck. Im April 2007 wurde er zum Vorsitzenden der Geschäftsleitung. Diesen Posten gab er am 29. April 2016 an Stefan Oschmann ab und verabschiedet sich damit in den Ruhestand.
Der promovierte Jurist von Bomhard ist seit 2004 Vorstandsvorsitzender des Rückversicherers Munich Re. Seine Karriere begann er dort nach Ende seines Studiums 1985 als Trainee.
Der Chef des Dax-Neulings ProSiebenSat.1Media hat ursprünglich Psychologie studiert. Seine Karriere begann er als Produktmanager bei Reemtsma und als Marketing Manager bei Pepsi-Cola Deutschland. Es folgten diverse Managementpositionen bei Novartis. Seit März 2009 ist er Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media.
Der RWE-Chef Terium ist gelernter Buch- und Steuerprüfer. Entsprechend arbeitete der gebürtige Niederländer zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn auch für das niederländische Finanzministerium. 1985 ging er zur Unternehmensberatung KPMG. 2003 begann Terium seine Karriere bei RWE – auch hier zunächst gemäß seiner Ausbildung als Leiter des Konzerncontrollings. Später übernahm er den Posten des Vorstandsvorsitzenden bei verschiedenen RWE-Tochterfirmen, bevor er im Juli 2012 Vorstandsvorsitzender des gesamten Konzerns wurde.
Der gebürtige Amerikaner McDermott, Leiter des Softwarekonzerns SAP, ist neben Herbert Hainer der einzige Dax-Chef, der unternehmerische Erfahrungen gemacht hat. Im Alter von 17 Jahren gründete McDermott ein Delikatessengeschäft. Erst später kam die klassische Ausbildung dazu: McDermott machte den Master of Business Administration und den Bachelor in Betriebswirtschaftslehre.Seine berufliche Laufbahn startete er bei der Xerox Corporation, wo er zum jüngsten Corporate Officer und Geschäftsbereichsleiter der Unternehmensgeschichte aufstieg.Anschließend war er Präsident beim Marktforschungsunternehmen Gartner Inc. und beim Softwarehersteller Siebel Systems für den Vertrieb zuständig. 2002 wurde McDermott zum CEO von SAP America berufen, acht Jahre später leitete er SAP im Tandem mit Jim Hagemann Snabe. Seit Mai 2014 ist er alleiniger CEO.
Kaeser ist Diplom-Betriebswirt (FH) und arbeitet seit 1980 für Siemens. 2006 wurde er zum Finanzvorstand des Konzerns, was er sieben Jahre lang blieb. Im August 2013 tauschte er den Job des CFOs gegen den des CEOs.
Auch Hiesinger begann seine berufliche Laufbahn bei Siemens: Nachdem er es an der Technischen Hochschule München zunächst zum Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik gebracht hat, sattelte er 1991 noch einen Doktortitel obendrauf und begann dann eine beachtliche Karriere bei dem Technologiekonzern. Im Herbst 2010 verließ Hiesinger den Siemensvorstand und übernahmen ab Januar 2011 die Nachfolge von Ekkehard Schulz als Vorstandsvorsitzender des Stahlkonzerns Thyssenkrupp.
Der aktuelle VW-Chef ist ursprünglich gelernter Werkzeugmacher. Müller ging vor seinem Informatikstudium nämlich zunächst bei der Audi NSU Auto Union in die Lehre, wo er nach seinem Studium auch als Diplom-Informatiker (FH) arbeitete. Später leitete Müller das Produktmanagement für den Audi A3, ab 2002 verantwortete er die Markengruppe Audi, Lamborghini und Seat des VW-Konzerns. Als Martin Winterkorn 2007 Chef der Volkswagen AG wurde, stieg Müller zum Leiter der VW-Produktstrategie auf. Drei Jahre später wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der Porsche AG ernannt. Der Dieselskandal und der damit einhergehende Rücktritt Winterkorns machten den ehemaligen Werkzeugmacher im September 2015 zum Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG sowie zum Aufsichtsratsvorsitzenden seines ehemaligen Lehrherren, der Audi AG.
Buch, Diplom-Ingenieur und Betriebswirt, begann seine berufliche Laufbahn bei Bertelsmann. 1991 begann er dort als Assistent der Geschäftsleitung. In den folgenden Jahre kletterte Buch bei Bertelsmann auf der Karriereleiter einige Sprossen nach oben und wurde 1996 Geschäftsführer von Bertelsmann Services France. 2002 wurde Buch zum Vorstandsmitglied der arvato AG. Bis Dezember 2012 blieb er der Bertelsmann-Gruppe treu, im April 2013 übernahm er den Posten des Vorstandsvorsitzenden der Vonovia (damals Deutsche Annington).

Von einem MBA-Abschluss, dem Ingenieursstudium oder der Promotion in Jura spricht dagegen niemand.

Führungsqualitäten hängen nach Meinung der Experten also nicht von einer bestimmten Erwerbsbiografie ab. Schaut man jedoch in die Führungsriegen der deutschen Unternehmen, findet man vielerorts den Norm-Chef: Ingenieur, Wirtschaftswissenschaftler oder Jurist, gerne promoviert, häufig über Jahrzehnte im Konzern hochgedient. Und natürlich männlich.

Das Phänomen beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Dax-Konzerne und vergleichbare Global Player - auch im Mittelstand finden sich klassische Manager-Biografien:

So ist Heinz-Walter Große, Chef des Pharma- und Medizinbedarfsunternehmens B. Braun Melsungen AG, promovierter Betriebswirt. Der CEO der im MDax gelisteten Aareal Bank, Hermann Josef Merkens, hat an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin seinen Diplom-Kaufmann gemacht. Die VEMAG Maschinenbau GmbH aus Verden in Niedersachsen wird von einem Diplom-Wirtschaftsingenieur geführt und bei dem Technologieunternehmen LPKF Laser & Electronics ist der CEO ein studierter Maschinenbauer und Wirtschaftswissenschaftler mit Doktortitel. Um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

CEO-Studie

Die Zukunft erfordert Unternehmer – nicht Manager

von Kerstin Dämon

Germanisten, Ostasienwissenschaftler oder Sozialpädagogen werden offenbar alles - nur nicht Chef. "Ich denke, es ist ein deutsches Problem, dass man häufig auf bestimmte Karrierewege fixiert ist. In den USA und Großbritannien zum Beispiel ist man deutlich aufgeschlossener", sagt Nico Rose, Head of Employer Brand Management beim Medienkonzern Bertelsmann. Sein Arbeitgeber startet im April kommenden Jahres ein 20-monatiges Trainee-Programm speziell für Geistes- und Sozialwissenschaftler, die eine Management-Karriere im Konzern beginnen wollen.

"Bei den großen Unternehmensberatungen hat man Exotenprogramme für Geisteswissenschaftler. Auch bei anderen Unternehmen gibt es Traineeprogramme für BWLer, Ingenieure und alle anderen", erzählt Rose. Im Seminar für alle anderen säße dann allerdings der ITler neben dem Altphilologen. Gerade letzterer könnte ein großartiger Gewinn für das Unternehmen sein, auch wenn sich zunächst alle auf den IT-Experten stürzen werden. Denn: "Wer Altgriechisch studiert, tut das vermutlich nicht wegen der Karriereaussichten, sondern aus Leidenschaft. Und wer sich für die Leidenschaft entscheidet, der trifft vielleicht auch im Job andere Entscheidungen als jemand, der vorrangig auf Effizienz aus ist", sagt Rose.

Keine Verantwortung übernehmen oder abgeben

Eine Studie zeigt: Bei deutschen Chefs lassen viele Führungsqualitäten zu wünschen übrig. Was Verantwortung betrifft, gibt es zwei negative Extreme: Während manche Schwierigkeiten damit haben, Probleme offen anzusprechen und einen ehrlichen Dialog mit den Mitarbeitern zu führen, geben andere sehr ungern Verantwortung ab. Beide Verhaltensweisen können Mitarbeiter abschrecken. Alle Herausforderungen allein in Angriff zu nehmen, nützt Chefs und dem Rest des Unternehmens ebenso wenig, wie sich von jeglicher Verantwortung frei zu machen. Nur wer Verantwortung für unternehmensinterne Maßnahmen übernimmt und seine Entscheidungen sinnvoll begründen kann, wird Verständnis seiner Mitarbeiter für sein Handeln bekommen.

Weil moderne Mitarbeiter mehr Freiraum fordern und mitbestimmen wollen, muss auch mehr Verantwortung für den Unternehmenserfolg von Seiten der Mitarbeiter möglich sein. Trotz allem gilt: Die Hauptverantwortung trägt der Chef.

Quelle: Studie Deutschland führt?! - Information Factory

Methode: Im Rahmen der Studie wurden von März bis Juli 2015 bundesweit insgesamt 1952 Personen über alle Branchen hinweg befragt. 1095 Angestellte ohne Führungsverantwortung, 640 Führungskräfte und 217 Human Resources-Mitarbeiter.

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Fehlende soziale Kompetenz, mangelnde Motivationsfähigkeit

Kompetenz und ein großes Fachwissen reichen als Führungskraft noch lange nicht aus. Fast nichts ist für Mitarbeiter schlimmer als ein Chef, der seine Begeisterung für Projekte, Erfolge und Ziele nicht weitergeben kann. Wer regelmäßig cholerisch wird und seine Mitarbeiter mit Beschimpfungen zurechtweist, läuft Gefahr, sich von einigen Angestellten verabschieden zu müssen.

Ein guter Chef setzt nicht auf Zuckerbrot und Peitsche als kontrollierte Führungsstrategie sondern mobilisiert seine Mitarbeiter für ein gemeinsames Ziel. Immerhin drei Viertel der Führungskräfte ist nach eigenen Angaben von diesem Ratschlag überzeugt. Sie behaupten mit Begeisterung über das zu sprechen, was sie erreicht haben und in Zukunft erreichen wollen. Diese Begeisterung nehmen jedoch nur 36 Prozent der Mitarbeiter auch wahr.

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Kein offenes Ohr für Mitarbeiter

Wie aus der Befragung von rund 2000 Teilnehmern hervorgeht, wünschen sich Mitarbeiter neben sozialer Kompetenz und der Fähigkeit zur Motivation vor allem kommunikative Kompetenzen zur Teamförderung.
Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen Welten: Nicht einmal die Hälfte (42 Prozent) der Mitarbeiter gibt an, dass Führungskräfte einen offenen und ehrlichen Dialog suchen. Das steht im Kontrast zur Aussage der Chefs, von denen ganze 93 Prozent überzeugt sind, stets ein offenes Ohr für die Belange der Angestellten zu haben.

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Sich zurückziehen, kein Feedback geben

Chefs, die sich aus dem Team zurückziehen und kaum noch blicken lassen, sind nicht gerne gesehen. Der Rückzug der Führungskraft fördert auch den Rückzug der Angestellten, die von nun an die Schonhaltung einnehmen. Unbeteiligte Chefs sind ein schlechtes Vorbild. Sie wirken demotivierend und machen so unproduktiv.
Gerade mal ein Viertel der Mitarbeiter gibt an, regelmäßig Feedback von ihrer Führungskraft zu erhalten (25 Prozent). Noch bedenklicher: Fast die Hälfte (46 Prozent) gibt an, keinerlei Feedback zu erhalten. In Abteilungen, die sich im Vergleich zu anderen als weniger erfolgreich einstufen, sind es sogar 70 Prozent der befragten Mitarbeiter. Auch hier klafft zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung eine Lücke: 74 Prozent der Führungskräfte sind davon überzeugt, regelmäßig Rückmeldung zur Leistung zu geben.
So geht es besser: Gehen Sie auf Ihre Mitarbeiter ein, zeigen Sie Anerkennung, Lob und Wertschätzung. Ein ausführliches Feedbackgespräch zeigt der Führungskraft die Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdbild, ermöglicht eine Standortbestimmung und bietet eine gute Basis für die Weiterentwicklung der Führungsleistung.

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Unwirksame Zusammenarbeit

Ein schlechtes Arbeitsklima ist Kündigungsgrund Nummer eins. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Hay Group in Zusammenarbeit mit StepStone. Wer unfruchtbar zusammenarbeitet, riskiert mittel- bis langfristig eine schlechte Unternehmensperformance. 90 Prozent der Führungskräfte geben zwar an, wirkungsvoll mit ihren Mitarbeitern zusammenzuarbeiten. Auf der Mitarbeiterseite sehen das jedoch nur 43 Prozent so. Noch schlechtere Erfahrungen haben Angestellte aus weniger erfolgreichen Abteilungen gemacht. Hier geben nur 18 Prozent der Befragten an, effektiv mit ihren Chefs zusammenzuarbeiten.
Da Menschen soziale Wesen sind, ist ein "Wir-Gefühl" besonders wohltuend. Wo Zusammenarbeit wichtig ist, bildet sie den Wesensgrund wirksamer Führung und legt die Basis für den Unternehmenserfolg.

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Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?

Führungsexperten sind sich einig: Zu strenge Kontrollmechanismen tragen wesentlich zu einer angespannten Arbeitsatmosphäre bei. Chefs, die moralischen Druck ausüben oder das Vertrauen ihrer Angestellten offensiv einklagen, sollten ihre Führungsstrategie schnellstens überdenken. Denn zu hohe Kontrollmaßnahmen wirken einschüchternd und mindern offene Kommunikation und die Mitarbeitermotivation.

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Ziele werden nicht klar definiert

Vielen Chefs fehlt es an der Fähigkeit, Ziele nicht nur für die oberen Etagen, sondern auch für die Mitarbeiter zu definieren. Zwar stellen 89 Prozent der Führungskräfte an sich selbst die Anforderung, Unternehmensziele zu kommunizieren, doch nur bei 38 Prozent der Mitarbeiter kommen diese auch an. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter nicht im Dunklen, vor allem dann nicht, wenn es um unpopuläre Entscheidungen geht. Das beugt Unverständnis und Unmut vor.

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Spaß am Job bremsen

Besorgniserregend ist ein Chef, der seinen Mitarbeitern die Freude an der Arbeit raubt. Laut Studie scheint dies eine gängige Praxis zu sein, denn gerade einmal 45 Prozent der Mitarbeiter geben an, Freude an ihrem Job zu haben. Eine traurige Erkenntnis. Demgegenüber stehen knapp drei Viertel (73 Prozent) der Führungskräfte, die betonen, Spaß an ihrer derzeitigen Arbeit zu haben.

Entsprechend der hohen Zustimmung zur Führungsrolle ist Führung also keine undankbare Aufgabe, mit der nur Anstrengung verbunden ist. Im Gegenteil: Führen motiviert und kann die Zufriedenheit erhöhen. Vielleicht werden aber auch vor allem motivierte Mitarbeiter Führungskraft? Nutzen Sie diese Erkenntnis als Chef und stecken Sie Mitarbeiter mit Ihrer Freude an, anstatt nur an Ihren eigenen Spaß zu denken.

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Nur aus der Unternehmerperspektive denken

Führungskräfte, die alles nur aus Unternehmersicht betrachten, werden blind. Denn aus dieser Perspektive übersehen sie häufig die Tatsache, dass sie Projekte ohne ihre Teams und Experten nicht meistern können. Eine gelungene Führungsbeziehung entsteht dann, wenn sowohl Mitarbeiter als auch Chefs ihre eigenen Bedürfnisse und Motivationen ab und an in den Hintergrund stellen, gemeinsam Verantwortung übernehmen und so „das große Ganze“ im Blick behalten.

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Leidenschaft klingt ganz nach einer der von Kiel, Sattelberger und Sprenger genannten Charaktereigenschaften des Chefs von morgen: Herzblut statt BWL-Diplom. Rechnen zu können, schadet allerdings nicht, wie Julia Jäkel, studierte Historikerin und CEO des Verlagshauses Gruner + Jahr sagt: "Muss man als guter Manager BWL studiert haben? Ich bin sicher: nein. Man muss analytisch denken, Dinge kritisch hinterfragen – und das lernt man in einer Geisteswissenschaft vielleicht sogar besser." Auch sie benutzt das L-Wort: "Und dann muss man in allem, was man tut – Studium wie Beruf –, richtig gut sein, es mit Leidenschaft betreiben. Eine gewisse Freude am Umgang mit Zahlen gehört natürlich auch dazu."

Sich durchbeißen zahlt sich aus

Bernd Reichart, Geschäftsführer des Fernsehsenders Vox, hat Sportwissenschaften und Englisch auf Lehramt studiert. "Mir hat auf jeden Fall sehr geholfen, dass mir damals die Position in der Finanzkommunikation zugetraut wurde, obwohl ich kein klassischer BWLer war", sagt er. "Bewiesen zu haben, mich auch weit abseits meiner ursprünglich erlernten Kompetenzen zu wagen, bereit zu sein schnell dazuzulernen und in der Lage sein, einen guten Job auf neuem Terrain zu machen, hat mir mit Sicherheit auch bei meiner weiteren Karriere geholfen." Anpassungsfähigkeit - Phrase des Jahres 2016 - ist eben auch eine wichtige Führungsqualität.

Zugegeben - ein Verlagshaus oder ein Fernsehsender sind etwas anderes als ein Maschinenbauer. In der Medienbranche wird einiges weniger streng und traditionell gehandhabt. Wer in der Führungsriege eines Autoteilezulieferers sitzt, darf ruhig Ingenieur sein. Oder KfZ-Mechaniker. Fachkenntnis schadet nie.

Doch ohne Leidenschaft funktioniert trotz aller Fachkenntnis nichts. Das ist auch Kernthese in Tim Leberechts Buch „Business-Romantiker - Warum Leidenschaft die beste Qualifikation für Manager ist". Im Interview mit der WirtschaftsWoche sagte er, es sei Zeit, das Bild des abgebrühten, pragmatischen Managers infrage zu stellen. Natürlich gehe es immer auch um Profit, aber erfolgreiche Unternehmen wie Tesla oder auch Virgin würde es ohne die Leidenschaft der CEOs und Gründer niemals geben. Er plädiert für mehr Leidenschaft, Sehnsucht, Abenteuerlust und Verspieltheit in der Wirtschaft. Ohne diese Eigenschaften werde nur der Status quo erhalten, echte Fortschritte gebe es so nicht.

Schon klar: Sorgfalt, Genauigkeit, Rationalität und Besonnenheit - quasi die deutschen Ingenieurstugenden - beißen sich manchmal mit der Leidenschaft. Und ein leidenschaftlicher Kopf sieht vielleicht nicht immer ein, dass er sich mit einer geliebten Idee verrannt hat. Siehe Amazon-Chef Jeff Bezos und sein geflopptes Fire Phone. Ohne seinen Mut und seine Leidenschaft hätte es jedoch auch ganz viele andere Produkte wie den EBook-Reader Kindle nie gegeben.

Die großen Unternehmer und Gründer der jetzigen Zeit - Zuckerberg, Musk, Page, Bezos - zeichnen sich alle dadurch aus, dass sie an ihre Ideen geglaubt und diese umgesetzt haben. Nicht dadurch, dass sie einen klassischen Karriereweg eingeschlagen haben.

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