Florian Illies: „Wie bei Snapchat und Instagram“
Kunstmarkt: Florian Illies ist von Januar Geschäftsführer des Auktionshauses Grisebach.
Foto: Götz Schleser für WirtschaftsWocheDie Villa Grisebach, Fasanenstraße, Berlin-Charlottenburg, Ende des 19. Jahrhunderts erbaut, seit 1986 Sitz des Auktionshauses Grisebach. An den Wänden des Foyers zeitgenössische Kunst für die Jubiläumsauktion vom 30. November bis 3. Dezember, zwei informelle Großformate von Fred Thieler, ein mächtiges Nagelbild von Günther Uecker. Dann geht es das Treppenhaus hinauf. Florian Illies, 45, seit fünf Jahren zuständig für das 19. Jahrhundert und vom kommenden Jahr an Leiter des Auktionshauses, empfängt in seinem Büro im ersten Stock.
An der Wand hinter dem Schreibtisch moderne Klarheit, eine Serie von Günther-Förg-Lithographien, auf einem Holzständer ein typischer Raimund Girke, verstreut im ganzen Zimmer aber zwei, drei Dutzend Zeichnungen, Studien und Öl-Skizzen aus dem 19. Jahrhundert. Das sei keine heimelige, schon gar keine deutsch-innerliche Malerei, hebt Illies an, geht zum Schreibtisch und löst ein Aquarell aus der Hülle…
WirtschaftsWoche: Was ist das für ein Blatt? Adolf Menzel?
Florian Illies: Eine Studie für sein „Flötenkonzert“, eines der ganz großen Bilder des 19. Jahrhunderts. Es ist die Skizze eines Kronenleuchters. Sehen Sie diese Pinselabstreifung? Da hat Menzel seine Farben ausprobiert. Es ging ihm darum, das kalte und warme Licht zu malen. Hier, links unten, mischt er sich die Farben an. Für so etwas hat sich früher niemand interessiert. Das war unverkäuflich, galt als bloßes Arbeitsmaterial, als Vorstufe zum Werk. Heute ist es umgekehrt: Gerade die Studien wecken das Käufer-Interesse. Das Blatt wird auf 120.000 bis 140.000 Euro geschätzt.
Und für die fertigen Bilder will kaum jemand haben?
Die gelten vielen als steif und langweilig. Mir geht es ja oft genauso. Schauen Sie sich um: Was mich an der Kunst des 19. Jahrhunderts fasziniert, ist das Flüchtige, Skizzenhafte – der Zoom-Blick in eine Baumkrone oder auf eine Wolke. Nehmen Sie diese Waldstudie von Andreas Achenbach aus dem Jahr 1844. Wie er das malt: Das Grün da unten, und dann blickt er hinauf, sieht einen Ast, hält ihn penibel fest, frei und genau zugleich. Unten signiert er sogar mit seinen Initialen, fast ein bisschen angeberisch, wie Dürer. Die Studie ist ein bloßes Landschaftsdetail, unterwegs, auf Reisen erfasst, das er dann vielleicht später im Atelier in eine Großkomposition integriert. Das Gemälde wäre heute nicht mehr wert als diese kleine Skizze. Eher weniger. Obwohl es zu Lebzeiten Achenbachs ein Vermögen gekostet hat. Das ist ein fundamentaler Geschmackswandel.
Schreibtisch von moll
Das größte Problem des ästhetisch empfindenden Mitarbeiters könnte sein, dass er diesen schmucken Schreibtisch nicht benutzen möchte. Erst als Solitär, befreit von Papierbergen käme er so recht zur Geltung. Doch es ist vor allem die Höhenverstellung per Elektromotor, die die Jury lobt. Er ist in sechs Farben und zwei Ausführungen in Massivholz erhältlich.
Foto: PRTrolley
Die Aufgabe von Flugbegleitern ist in erster Linie die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten. Und sie schenken auch Getränke aus. Zumindest das könnte für sie leichter sein, wenn dieser automatische Getränketrolley zum Einsatz kommt, der ohne Anschluss für Wasser und Strom auskommt. Das integrierte IT-System überwacht automatisch Verbrauch und Bedarf.
Foto: PRQbook Notizbuch von Edica
Spice up your office! Was auf Anhieb wie ein Stapel Multicolor-Post Its wirkt, sind aber Notizbücher, die in einer Farbe von allen Seiten ins Auge fallen. Eine weiche Hülle und kompakte Größe mache sie ideal für unterwegs, befindet die Jury.
Foto: PRLiteTouch Dental Laser von Light Instruments
Wer diese knuffig wirkende Maschine neben dem Zahnarztstuhl sieht, mag vielleicht ein wenig von seiner Nervosität ablegen. Dem Anwender erlaubt dieses Gerät uneingeschränkte Bewegungsfreiheit, die eine bessere Behandlung verspricht. Und das sollte die Nervosität doch wirklich senken.
Foto: PRQuickStand Lite von Humanscale
An Monitoren mit Tastatur arbeiten auch Menschen, die nicht die ganze Zeit sitzen. Für diese ist der QuickStand entwickelt, der verschiedene Arbeitssituationen unterstützt. Ausgewogene Formensprache und hochwertige Materialien visualisierten den hohen Qualitätsanspruch, lobt die Jury.
Foto: PRDiplomat Pedikelschraubsystem von Signus Medizintechnik
Diese bunte Kollektion wünschen sich wohl die wenigsten Menschen je in Nutzung zu erleben. Pedikelschraubsysteme sind Schrauben für die Wirbelsäule. Das Gewinde erlaubt ein schnelles Eindrehen und reduziere so die Implantationszeit. Schöner ist es vermutlich dennoch, wenn man diese Produkt nie braucht.
Foto: PRAsus Rog Maximus VIII Formula
Ein Name wie ein römischer Imperator - und als Motherboard ist es immerhin Chef im Rechner. Die Zweifarbigkeit vermittele Dynamik, die besonders Gamer zu schätzen wüssten, so die Jury.
Foto: PRW-Dress Schleifscheiben-Abrichtmaschine von Strausak
Auch als Schleifscheiben-Abrichtmaschinen-Techniker muss man nicht auf eine gelungene Formensprache in der Werkhalle verzichten. Dank der Abrundungen wirke das Gerät weder schwer noch massiv.
Foto: PRSteuerungskasten Melsec iQ-R von Mitsubishi
Hier darf (fast) jeder ran. Der Clou des Steuerungskastens sei es, dass er auch von weniger erfahrenem Personal bedient werden könne. Das Gehäuse sei vorne breiter, so könne die Beschriftung wie auch die LED-Anzeige leichter zu lesen sein.
Foto: PRuTerminal von ugomo
Es ist tatsächlich ein iPad, das sich im Rahmen des Gerätes von ugomo befindet. Zusammen mit dem Gehäuse ergibt es ein modernes Zeiterfassungsgerät, das mit gefälligem Äußeren den Mitarbeiter beim Einstempeln begrüßt.
Foto: PRClearSpace
Atemschutzmasken hätten sich in den vergangenen 25 Jahren kaum verändert, notiert die Red Dot-Jury. Dieses Modell hingegen sei so gestaltet, dass keine Schläuche oder Gürtel den Träger einschränken. Das Hinterfragen von Form und Funktion führe zu einer völlig neuen Konstruktion lobt die Jury.
Foto: PRCWP V3/Evolution von Indra
Fluglotsen sind dafür verantwortlich, dass sich Flieger im Luftraum nicht zu nahe kommen. Dieser formschöne Arbeitsplatz bildet, so die Jury, die komplexen Anforderungen mit innovativen Technologien und Materialien ab.
Foto: PRTrester 6 von Uster Technologies
In Spinnereien werden diese Art von Maschinen genutzt, um die Gleichmäßigkeit von Garnen zu überprüfen. Hier lobt die Jury das gelungene Zusammenspiel von Volumina und ausgewogenen Proportionen. So wirke das Prüfgerät offen und leicht.
Foto: PROLED-Rettungsschild von RP-Technik
Im Falle des Falles gilt: schnell raus. Wo das im Büro ist, zeigen die Rettungsschilder an. Diese leuchten und lenken damit die Aufmerksamkeit auf sich - ihr Gehäuse ist dafür dezent und entweder zum Hängen oder zur Wandmontage verfügbar.
Foto: PRRotavapor R-300 von Buchi
Je knalliger die Flüssigkeit, desto glücklicher der Laborant - denn erst ein kräftiges Blau oder Grün lässt die Spirale dieses Rotationsverdampfers voll zur Geltung kommen. "Die offene Architektur des Rotationsverdampfers sorgt für klare Verhältnisse". Auch im Labor.
Foto: PRSimatic IPC547G von Siemens
Sind es die klaren Linien, der Schriftzug, die Farbigkeit? Nein - es sind das Ganzmetallgehäuse und die geringe Tiefe des Industrie-PC, die die Jury lobt. So sei das Gerät platzsparend.
Foto: PRCorpuls cpr von GS Elektromedizinische Geräte G. Stemple
Stampfer für Kaffee-Siebträgermaschinen? Druck-Prüfgerät? Stempelmaschine? Alles falsch. Es sind Ärzte, die das Thoraxkompressionsgerät nutzen, um Patienten zu reanimieren. Die wichtigsten Justierungspunkte sein in Rot klar gekennzeichnet, so dass in der Hektik die intuitive Bedienung erleichtert würde.
Foto: PR
Warum? Weil diese Art von bürgerstolzer Salonkunst aus der Zeit gefallen ist?
Nein. Weil unser Blick ein anderer ist. Und weil dieser Blick es ist, der einen Markt erzeugt. Die Künstler hinterließen früher hunderte von Studien. Sie waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Man hielt sie nicht für kunstwürdig. Erst seit 15, 20 Jahren entdeckt man ihren Reiz wieder, ihre künstlerische Qualität. Und mit der Wiederentdeckung ist ein neuer Fokus auf die Kunst des 19. Jahrhunderts entstanden: Man sucht das Frische und Unfertige, das noch Spuren der Produktion trägt. Das Fragmentarische, die Absage an die Ganzheit. Es ist ein 19. Jahrhundert, in dem man die eigene, moderne, in Momentaufnahmen zersplitterte Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts wieder entdecken kann, als eine Art Collage. Wie bei Snapchat und Instagram.
Das Beiläufige eines Skizzenbuchs wird in den Rang der Kunst erhoben?
Richtig. Und das Interessante ist: Die ersten, die damit anfangen, sind die Künstler selbst. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Das berühmteste Beispiel ist Karl Friedrich Schinkel, der große preußische Architekt. Er reist nach Rom und bringt zehn Ölstudien von Heinrich Reinhold mit, einem heute kaum mehr bekannten, aber genialen Maler. Seiner Frau schreibt er dazu Sätze wie: „So unmittelbar habe ich Italien noch nie gesehen, genauso, wie ich es erlebe.“ Und noch etwas erwähnt er: „Ich habe diesen faszinierenden Menschen kennengelernt. Und diese Studien halten für mich etwas von seiner Seele wach.“
Firo Feuerlöscher von Dooresaem
Gut, es kann sicher sein, dass im Notfall jemand den Firo für einen Bluetoothlautsprecher oder eine Gießkanne hält - aber es ist ein Feuerlöscher. Dafür einer, den der Besitzer auch gerne anschaut. Die Jury des Ret Dot Awards lobt außerdem die leichte Bedienung.
Foto: PRPlay Collection Kabellose Maus von Logitech
Die hätte so mancher jung gebliebener Mensch sicher auch gerne im Büro, aber auch im Kinderzimmer passt die kabellose Maus prima hin.
Foto: PRSway D Toilettensitz von Pressalit
Die Seitenansicht wäre eine Zierde für jedes anspruchsvoll gestaltete Laptop - doch das edle Schwarz und die schlanke Form dienen einen anderen Zweck: als Toilettensitz. Zusätzlich zu seiner Form, überzeugte der Sway die Jury durch seine Funktionalität, weil der sich leicht reinigen lässt. Im Gegensatz zu einer Laptoptastatur.
Foto: PRRevo Plug Ablaufstopfen von FCR
Kunststoff statt Metall! Das ist der entscheidende Erfolgsfaktors des Ablaufstopfens. Die Jury des Red Dot lobt den innovativen Materialeinsatz, der dem Revo Plug eine "beachtliche Langlebigkeit" verleiht.
Foto: PRSeason Sessel von Viccarbe
So richtig lässt es sich auf den ersten Blick nicht erahnen, ob man auf diesem sehr reduzierten Möbel bequem sitzt oder man gar runterrutscht. Umso mehr, da im Fuß des Sessels Rollen versteckt sind, mit denen er sich leicht von A nach B transportieren lässt. Viel weniger geht zumindest nicht und deswegen lobt die Ret-Dot-Jury auch die "Reduktion auf das Wesentliche".
Foto: PRStaresso Kaffeemaschine von Shenzen Staresso Culture
Poppig, klein, leicht zu bedienen. Das überzeugte die Jury an der Staresso-Kaffeemaschine, die für Zubereitung eines Glases geeignet ist.
Foto: PRUncle Jack Bank von Kartell
Keine Nähte, durchsichtig, aus einem Guß - ein Werk von Designer Philippe Starck für Kartell. Trotz aller Härte des Materials handelt es sich hierbei um ein Sofa mit einer "skulpturalen Anmutung", wie die Jury urteilt.
Foto: PRRPM 3 Carbon Plattenspieler von Project
Die Vinylschallplatte hat ihren Weg zurück in die Wohnzimmer gefunden. Der Tonarm besteht aus Carbon, der Plattenteller wird von einem Riemen angetrieben und schön bunt ist er auch.
Foto: PREcoTouch Ai1 Geo von Waterkotte
Weder als Kühlschrank noch als Computerterminal würde der EcoTouch eine schlechte Figur machen, doch so tut die Erdwärmepumpe wohl in den meisten Fällen im Keller ihr Werk.
Foto: PRAiry Pflanzgefäß von Airy
Wer dem Wurzelwerk seiner Pflanze etwas gönnen möchte, kann dies mit dem Pflanzgefäß tun, das eine ausreichende Belüftung der Wurzeln gewährleisten soll. Es tut das mit einem "unaufgeregten Aussehen", das verschiedenste Pflanzen "zur Geltung bringt", so die Jury.
Foto: PRcookiray BE Dunstabzugshaube von Fuji
In der japanischen Küche ist es nicht selten, dass direkt vor dem Speisenden gekocht wird. Klassische Dunstabzugshauben versprechen wenig optische Attraktivität. Die cookiray wirkt wie eine ganz normale Lampe. Gesteuert wird sie per Fernbedienung.
Foto: PRT1 Luftreiniger von Ningbo Taian
Bluetoothlautsprecher? Blumenkübel? Würfelspiel? Es ist ein Luftreiniger, der sich in dem kubischen Alugehäuse verbirgt. Klein aber dennoch clever, findet die Jury, denn dank einer neuen Filtertechnologie sei eine ununterbrochene und hochwirksame Auflösung von Schadstoffen wie Formaldehyd auch ohne Filterwechsel möglich.
Foto: WirtschaftsWocheRon Messer von BergHOFF
Eine Messerserie für die Köche mit ästhetischem Anspruch, der locker erfüllt wird, wie die Jury findet: "Die Serie Ron besticht durch ihr minimalistisches Design. In der Version mit Eschenholzgriff gehen die Materialien Metall und Holz durch den farblichen Kontrast zudem eine einzigartige Verbindung ein."
Foto: PRGartenscherenserie von Gardena
Jedem Tierchen sein Plaisierchen, jeder Pflanze ihre Schere. Die Modelle der Gardena-Gartenscheren erfüllen unterschiedliche Anforderungen und sind dennoch auf den ersten Blick als Produkt des Herstellers zu erkennen.
Foto: PRElvie Fitnesstracker für Beckenbodenmuskulatur von Chiaro
Die Beckenbodenmuskulatur trainieren Frauen oft nach der Schwangerschaft. Dieser Fitnesstracker hilft, die Übungen zu absolvieren, denn via Bluetooth sendet er Rückmeldungen an eine App, damit die Nutzerin kontrolliert trainieren kann.
Foto: PRBelle-V Flaschenöffner von Belle-V
Bei Flaschenöffnern noch einen Blumentopf gewinnen zu wollen, zeugt von einem gewissen Mut der Designer. Der von Belle-V wurde belohnt. Als eines von 79 Produkten erhielt der Flaschenöffner nicht nur den Red Dot Award sondern auch den Zusatztitel "Best of the Best".
Foto: PRQuadriga Armaturen von Laufen
Kaum ein Objekt in der Wohnung erfährt so viel Aufmerksamkeit von Designern wie die Badarmaturen, mit denen sich die namhaftesten Vertreter der Branche schon beschäftigt haben. Hier überzeugt die Jury das puristisch-elegante Erscheinungsbild.
Foto: PRBivita Sprossenglas von GEFU
Homegrown - das Schlagwort der Haschischraucher hat sich längst unter Hobbyköchen durchgesetzt. In diesem Gefäß wachsen Sprossen. Es ist geeignet für Keimsaaten von Alfalfa, Mungobohnen, Radieschen, Weizen oder auch Kichererbsen.
Foto: PRHP DeskJet 3630
Wer möchte daheim schon an den Drucker im Büro erinnert werden? Die Jury schreibt: "Mit seinem hellen Gehäuse und den freundlichen Farbakzenten wirkt dieser Drucker überaus sympathisch und wird zur Bereicherung für die häusliche Umgebung." Na, geht doch!
Foto: PRmylife YpsoPump Insulinpumpe von Ypsomed
Gerade einmal 83 Gramm noch wiegt diese kleine und leichte Insulinpumpe samt gefüllter Ampulle und Batterie. Die Icons auf dem Display führen durch das Menü. Das Gehäuse lenke alle Aufmerksamkeit auf das Display, schreibt die Jury.
Foto: PRThedra Mischkartusche von Sedan
Sieht gut aus, bekommt nur keiner zu Gesicht - die Mischkartusche Thedra. Die weißen Teile sind aus Keramik und der Hersteller spricht von einer doppelten Lebensdauer dank einer Nanoschutztechnologie. Langlebigkeit und damit Nachhaltigkeit lobt die Jury.
Foto: PRSpring Decanter von Sentisina
Langsamer ausschütten, mehr Sauerstoff mitnehmen - das ist das Ziel des Ausschenkstopfens Spring. Die Jury attestiert dem "stilvollen Dekanter" deswegen auch "einen hohen Gebrauchswert".
Foto: PRSpherical Sesses von Movecho
Auf die Entfernung betrachtet, könnten das auch überdimensionale Lautsprecher sein. Der Spherical ist aber ein Armsessel. Inspiriert wurde er durch die 2010 errichtete Skulptur Habitable des Architekten Miguel Arruda und wird - so die Jury - durch seine Form selbst zu einer im Wohnraum.
Foto: PRPanasonic Akkuschrauber
Die Jury lobt das kompakte Gehäuse und die monochrome Farbgebung dieses Schraubers. Zusätzlich zeichnet das Gerät ein neuer Schraub-Modus aus, der verhindern soll, das Schrauben zu stark festgezogen werden.
Foto: PRDrop Kaffeemaschine von Krups
Genau hinschauen - dann sieht man...? Richtig. Einen Tropfen Kaffee, der nach oben springt, wie es passiert, wenn man Kaffee in eine Tasse einschenkt. Über diese optische Spielerei hinaus lobt die Jury die Benutzerfreundlichkeit mit einem Wassertank im Bodenelement.
Foto: PRCoordi Badewanne von Sanwa
Mehr Platz für mehr Menschen und mehr Wasser - das war das Ziel der Wanne Coordi, die von außen jedoch lediglich streng kubisch wirkt. Erreicht wird das bei Coordi mit steilen und sehr dünnen Wänden. Für die Jury passt sie dank ihrer schlichten Form in nahezu jedes Ambiente.
Foto: PRE20 Langsam-Entsafter von Joyoung
Langsam und beständig zermalmt der E20 die Früchte. Der Saftertrag soll um 55 Prozent größer sein als bei sogenannten Zentrifugalentsaftern. "Transparente Elemente gewähren Einblick in den Entsaftungsprozess mit der hochwertigen Press-Schnecke und betonen auf diese Weise die Effizienz des E20", schreibt die Jury. Ob das bei jedem Obst appetitlich ausschaut, ist sicher Geschmackssache.
Foto: PRDie wenigsten Sonnenkollektoren wurden gekauft, um das Dach zu schmücken - ihr Zweck ist die Energiegewinnung, auch wenn es nicht immer hübsch aussieht. Das System Logasol tue das und zwar dank seiner symmetrischen Gestaltung und hochwertigen Verarbeitung, die einen homogenen Gesamteindruck erlaubten, so die Jury.
Foto: PREs geht also nicht nur um den Blick in die Werkstatt?
Zunächst einmal um eine neue Art der Welterfassung, um den spontanen Zugriff auf die Wirklichkeit. Denken Sie an die zahllosen Wolkenstudien: Eine Wolke geht schnell vorüber, kaum da, ist sie schon wieder verflogen. Der Künstler muss fix arbeiten, hat keine Zeit zu überlegen. Und wenn er nicht fertig wird, schreibt er vielleicht an den Rand des Papiers „hier rosa“, „hier grün“, um Farbschattierungen später nachzutragen. Ich glaube, diese Ölstudien sind der Eintritt der Geschwindigkeit in die Kunstgeschichte. Und was daran so toll ist: Die Schnelligkeit des Zugriffs hält diese Arbeiten frisch. Wir können unsere eigene Naturwahrnehmung darin wiedererkennen. Diese Wolkenstudien sind sozusagen Short Cuts, die nicht altern, die lebendig bleiben…
…und deshalb zeitlos wirken. Trotzdem haben Sie auch fertige Bilder in Ihrem Auktionskatalog.
Fast gar nicht mehr. Vielleicht noch zwei oder drei, wenn sie besonders gelungen sind.
Warum wirken die heute so antiquiert?
Meine unfertige These lautet: Weil sie als Atelierbilder auf Bestellung produziert wurden, also für einen Markt und für eine Kunstöffentlichkeit, die es heute nicht mehr gibt. Sie sollten zur damaligen Zeit gefallen und verkauft werden.
Kino: Eine Horde Streber sieht den großen Crash voraus
Warum noch einen Film über die Weltwirtschaftskrise anschauen? Zum einen handelt es sich bei „The Big Short“ um eine wahre Geschichte: Vier streberhafte Hedgefondsmanager sehen unabhängig voneinander das Platzen der Immobilienblase auf dem US-Markt voraus – und wetten dagegen. Zum anderen seien da noch ein paar Namen erwähnt: Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bestseller des berühmten Wirtschaftsjournalisten Michael Lewis. Aber auch die Besetzungsliste liest sich illuster: Neben Brad Pitt und Christian Bale spielt auch Ryan Gosling mit. Kinostart ist am 14. Januar.
Foto: APKonzert: Adele singt "Hello", und 27 Millionen gefällt das
27 Millionen Mal „Hello“: Nur 24 Stunden, nachdem Adele Laurie Blue Adkins die erste Single-Auskopplung ihres neuen Albums bei YouTube hochgeladen hatte, verzeichnete es schon 27 Millionen Abrufe. Und damit nicht genug: Die Single landete in mehr als 100 Ländern auf Platz 1 der iTunes-Charts, das Album verkaufte sich allein in den USA fünf Millionen Mal. Und das innerhalb der ersten zwei Wochen – mehr geht kaum. Klar, dass auch die geplante Europatournee nicht mit Superlativen spart: Sechs Konzerte spielt die britische Sängerin Anfang Mai in Köln, Berlin und Hamburg. Wer der 27-Jährigen einmal persönlich „Hello“ sagen möchte, der muss sich allerdings auf Ebay umsehen. Denn natürlich waren alle 49 Termine nach Minuten ausverkauft.
Foto: dpaStadt: Über polnische Brücken sollst du gehen
Seit 1985 wird der Titel „Kulturhauptstadt Europas“ vergeben, 2016 ist neben dem spanischen San Sebastián die Hauptstadt Niederschlesiens, Breslau, dran – nach Krakau als zweite polnische Stadt. Im nationalen Wettbewerb setzte sie sich sogar gegen Warschau und Danzig durch. Umso ernster nehmen die Verantwortlichen die Auszeichnung. Bereits seit acht Jahren bereitet sich die Stadt auf ihren großen Auftritt vor, insgesamt investierte sie 50 Millionen Euro. Neben drei neuen Museen werden in den kommenden zwölf Monaten 350 Projekte und Veranstaltungen realisiert, darunter Welt-Jazztage, der Europäische Filmpreis und eine Theaterolympiade. Der Stadtpräsident Rafal Dutkiewicz hofft, das Geld durch den Tourismus wieder reinzuholen.
Foto: dpaHotel: Ein himmlischer Ort - zumindest für Hemingway
„A Legend in Progress“ ist auf dem Schild vor der Baustelle am berühmten Place Vendôme in Paris zu lesen. Die Legende ist das Nobelhotel Ritz, Lieblingsherberge allerlei Prominenter. Zum Beispiel von Modeikone Coco Chanel, die dort mehr als 30 Jahre lang eine Suite bewohnte, Schriftsteller Ernest Hemingway oder Popstar Madonna. Außerdem nahm hier Prinzessin Diana ihr letztes Mahl ein, bevor sie am Abend des 31. August 1997 tödlich verunglückte. Knapp drei Jahre lang war das in die Jahre gekommene Luxushotel geschlossen. In diesem März eröffnet es wieder. Das Geld muss wieder reinkommen, das Zimmer kostet pro Nacht mindestens 1000 Euro. Im Preis inbegriffen ist das Gefühl, das niemand schöner beschrieb als Hemingway: „Wenn ich von einem späteren Leben im Himmel träume, dann spielt sich immer alles im Ritz ab.“
Foto: dpaFilm: Aus dem TV ins Kino - und wieder zurück
30 Jahre nachdem das Ruhrpott-Raubein Horst Schimanski erstmals im Kino ermittelte, verlässt der „Tatort“ erneut das gewohnte Terrain am Sonntagabend im Ersten. Ab dem 4. Februar ermittelt Til Schweiger alias Nick Tschiller in ganz Europa. Der neue Fall soll alle Dimensionen sprengen. Nicht nur inhaltlich und finanziell, sondern auch filmisch soll das Heiligtum der Deutschen neue Wege gehen. Wer den Film im Kino sehen will, sollte jedoch zunächst wie gewohnt Fernsehen gucken: Im Januar zeigt die ARD „Der große Schmerz“ und „Fegefeuer“. Der Kinofilm baut auf dieser Handlung auf. Clever.
Foto: dpaMusik: Öfter mal was Neues - David Bowie goes Jazz
Von Ziggy Stardust zu Miles Davis? Auch im Alter von 68 ist David Bowies Experimentierfreude ungebrochen. Am 8. Januar macht sich der britische Musiker selbst ein Geburtstagsgeschenk: An diesem Tag erscheint sein 25. Studioalbum „Blackstar“. Für die Aufnahme der sieben neuen Lieder holte sich Bowie unter anderem New Yorker Jazzmusiker ins Studio, Kritiker unken schon von Chaos mit Methode. Und von arabischen Klängen, die sich mit jazzigem Saxophon und Punk mischen. David Bowie eben – aber mal wieder ganz anders.
Foto: dpaBuch: Von Nierenkranken, Schülern und freien Märkten
Im Jahr 2012 erhielt der US-Amerikaner Alvin Roth den Ökonomienobelpreis gemeinsam mit seinem Landsmann Lloyd Shapley. Beide entwickelten Erkenntnisse, wie man verschiedene wirtschaftliche Akteure auf nicht funktionierenden Märkten zusammenbringt. Roth, der erst in Harvard und nun in Stanford lehrt, entwarf Regeln für die Zuteilung von Schülern auf High Schools oder die Verteilung von Spenderorganen auf Nierenkranke. Am 8. März erscheint Roths Buch „Wer kriegt was – und warum?“. „Unterhaltsam und unwiderstehlich“, befand der renommierte US-Ökonom Gregory Mankiw, „Sozialwissenschaften in Höchstform.“
Foto: dapdAusstellung: Bier. Braukunst und 500 Jahre Deutsches Reinheitsgebot
Am 23. April 1516 wurde in Bayern das Reinheitsgebot erlassen. Für das Technoseum Mannheim Anlass genug, zum 500-jährigen Jubiläum die Geschichte der Braukunst zu erzählen. Vom Brotbrei der Sumerer bis zur industriellen Massenherstellung setzt sich die interaktive Ausstellung mit einem der wichtigsten deutschen Kulturgüter auseinander. Vom 19. Februar bis zum 24. Juni können die Besucher alles über Technik, Kultur und Wirtschaft des Bieres erfahren. Zum Beispiel die unterschiedlichen Sorten und Herstellungsprozesse kennenlernen; sehen, wie sich die Werbung mit Bier im Laufe der vergangenen Jahrhunderte verändert hat; und erfahren, warum der Erfolg des Gerstensaftes ohne die Erfindung des Kühlschranks nicht möglich gewesen wäre. Ach ja – und den ein oder anderen Schluck zu trinken gibt es selbstverständlich auch.
Foto: PRSerie: "Game of Thrones" - lebt er oder lebt er nicht?
Im April 2016 soll die sechste Staffel der mittelalterlichen Saga in den USA anlaufen, deutsche Fans werden vermutlich im Herbst erlöst. Noch ist unklar, welche Charaktere wiederkehren, bislang gibt es nur Gerüchte. Am Ende der letzten Staffel lag Jon Schnee, von zahlreichen Dolchstichen durchlöchert, scheinbar tot am Boden. Die Fans waren schockiert. Nun darf seine Gefolgschaft wieder hoffen: Er ist auf dem ersten Teaser-Bild der neuen Staffel zu sehen. Zudem wurde er vor Kurzem bei der Abschlussparty der Dreharbeiten in Nordirland gesichtet. Dutzende von Internetseiten beschäftigen sich mit solchen Spekulationen – dem produzierenden US-Sender HBO dürfte es recht sein.
Foto: APKunst: Christo verpackt nicht, er will übers Wasser
Dieses Mal ist alles anders. Der für seine verhüllten Gebäude berühmte Künstler Christo legt für sein nächstes Projekt Stoffbahnen kreuz und quer über den norditalienischen Iseosee. Besucher der Installation The floating piers werden auf den 16 Meter breiten und rund drei Kilometer langen Stegen übers Wasser wandeln können. Jesus-Feeling inklusive: Die Wellen sollen unter den Fußsohlen zu spüren sein. Für das Projekt verarbeitet der 80-jährige Künstler rund 70 000 Quadratmeter Stoff, der je nach Lichteinfall in strahlendem Gelb oder warmem Orange schillern soll. Die Eröffnung ist im Juni 2016.
Foto: APGenuss: Vom Walpenis zum besten Restaurant der Welt
Er hat es schon einmal getan. Der Däne René Redzepi, angesagtester Koch der Welt, packte sein Team, Rezepte und Ideen ein und zog damit von Kopenhagen nach Tokio. Ein riesiger logistischer Aufwand – für zwei Monate. Jetzt wiederholt er das Brimborium: Im Januar zieht das Noma erneut um. Nach Australien. In der Zwischenzeit wird die dänische Heimat das Noma – Abkürzung für nordisches Essen – vermissen. Mittlerweile sagt jeder dritte Tourist, er komme aufgrund der Gastronomie. Und meint damit das Noma. Mit regionalen, oft abenteuerlichen Zutaten und sehr viel weniger Tamtam als die Kollegen aus Frankreich mauserte sich Redzepis Küche zum Gourmettrend der vergangenen Jahre. Auch er selbst ist zum Star geworden. Haben sie das Menü hinter sich, fragen seine Gäste nach Autogrammen. Im Juli erscheint eine Dokumentation über ihn. „Noma – My Perfect Storm“ erzählt die Geschichte seines Restaurants, dass von Kollegen zunächst als „Walpenis“ verspottet – und schließlich viermal zum besten der Welt gewählt wurde.
Foto: APTheater: Düstere Fiktion trifft auf düstere Realität
Am 7. Januar 2015 erschien der neue Roman des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq. „Unterwerfung“ handelt vom Verenden der französischen Kultur durch die Islamisierung des Landes. Ebenfalls am 7. Januar 2015 stürmten zwei Männer die Redaktionsräume des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ und töteten elf Menschen. Das eine noch düstere Fiktion, das andere schon düstere Realität. Viele attestierten Houellebecq hellseherische Kräfte. Im Februar bringt das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg den Stoff auf die Bühne.
Foto: dpaBuch: Als Pilot fliegt es sich immer noch am meisten
Zuerst wird er Unternehmensberater, allerdings aus einem kuriosen Grund: Er will viel Zeit im Flugzeug verbringen, und das trifft auf Berater tendenziell zu. Doch dann bemerkt Mark Vanhoenacker seinen Fehler. Gibt es doch schließlich einen Beruf, der noch mehr Zeit in der Luft verspricht. Also schult er auf Pilot um, heute fliegt er Mittel- und Langstrecke, bevorzugt die Boeing 747. Und schreibt nebenher. Für die „New York Times“ oder die „Financial Times“ – und nun auch sein erstes Buch. Das Thema? Natürlich, es handelt vom Fliegen. Um genau zu sein: von der unglaublichen Faszination des Fliegens. Die Rezensenten des englischen Buchs äußerten sich nach der Lektüre euphorisch. „Himmelhoch“ erscheint am 1. Februar im Hanser Verlag.
Foto: PRSerie: Neue Folgen aus dem Kartenhaus
Macht und Sex, Intrigen und Verbrechen. Dazu der ebenso skrupellose wie charismatische Hauptdarsteller Frank Underwood, gespielt vom Oscar-Preisträger Kevin Spacey, und seine nicht minder machtgierige Frau Claire, dargestellt von Robin Wright. Die vom Streamingdienst Netflix produzierte Serie „House of Cards“ vereint gleich mehrere Erfolgszutaten auf einmal. Kein Wunder, dass sie nun in die Verlängerung geht. Im März erscheint die vierte Staffel und liefert den Fans hoffentlich Antworten auf drängende Fragen: Bleibt Underwood Präsident? Und verlässt Claire ihren Mann?
Foto: REUTERSAusstellung: Premiere einer ehrgeizigen Sammlerin
Als aus Gabriele Hünermann die Frau des Firmenerbes Konrad Henkel wurde, dachte sie nicht daran, von nun an ein trostloses Leben als Milliardärsgattin zu führen. Die ehrgeizige Journalistin entwickelte sich zu einer ebenso ehrgeizigen Kunstmäzenin, die für den Konsumgüterkonzern ihres Mannes über viele Jahre eine stattliche Kunstsammlung aufbaute. Ausgewählte Stücke werden im kommenden Jahr erstmals öffentlich gezeigt – natürlich in Düsseldorf, Sitz der Henkel-Zentrale. Schwerpunkt wird die amerikanische Malerei der Nachkriegsjahre sein, mit Werken von Frank Stella und Ellsworth Kelly. Vom 9. April bis zum 14. August in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.
Foto: APTheater: Not too big to play Theater
Es ist die wahre Geschichte eines beispiellosen Absturzes. Drei Brüder gründen 1850 eine Bank, die über 100 Jahre später zum Synonym für gierige Banker, Betrug und Größenwahn werden soll. Der italienische Autor und Theaterregisseur Stefano Massini hat die Geschichte der Gründer von Lehman Brothers verarbeitet: „Aufstieg und Fall einer Dynastie“. Uraufgeführt wurde das Stück bereits 2013 in Paris, 2016 feiert es in mehreren deutschen Städten Premiere: zum Beispiel am 18. März in Köln, am 14. Mai in Hannover und Ende Juni in München.
Foto: dpaUnd um 1830 oder 1850 weiß ein deutscher Maler, der nach Italien reist, sehr genau, was von ihm erwartet wird?
Ja, eine typisch italienische Landschaft. Mit südlichem Kolorit. Womöglich mit einer tanzenden Neapolitanerin im Vordergrund, dann wird‘s nochmal ein bisschen teurer. Das sind Wohlfühlbilder. Die Maler bedienen die deutsche Italien-Sehnsucht, sie arbeiten mit Stereotypen, mit trivialisierten Versatzstücken des Mediterranen... Aber malen konnten sie natürlich trotzdem.
Es gibt tausende Bilder der Bucht von Neapel, mit dem rauchenden Vesuv im Hintergrund. Operettenlandschaften.
Ja, aber noch fataler ist die zeittypische Vorliebe für Kühe, Ziegen oder Enten. Oder für Bauern, die wie Bühnenfiguren vor die Landschaftskulisse gesetzt werden. Das sind alles Requisiten, die die Bilder in ihrer Zeit gefangen halten, sie unglaublich altmodisch machen. Wir versuchen ein vegetarisches 19. Jahrhundert anzubieten, also ganz ohne Ziegen, Enten und Kühe.
Kommt daher der Kitschverdacht, der lange Zeit über der Malerei des 19. Jahrhunderts schwebte?
Auch. Entscheidend ist aber etwas anderes. Die Kunst des 19. Jahrhunderts wurde lange Zeit abgelehnt, ja ignoriert, auch unter Kunsthistorikern, weil die Nationalsozialisten sie favorisierten und für ihr Führermuseum in Linz sammelten. Es ist die Kombination von Kitschverdacht und falscher Gesinnung in Deutschland, die das 19. Jahrhundert kontaminierte. Oder noch simpler: Weil die Nazis diese Kunst mochten, durften wir sie nicht mögen.
Und liebten stattdessen die Expressionisten…
…die von den Nazis als böse, als entartet abgestempelt wurden. Es ist merkwürdig und nur aus unserer Geschichte heraus verständlich. Die „Brücke“-Maler, die sich in jeder Hinsicht „anti“ gaben, mit ihren rosa Bäumen und grünen Gesichtern, gelten in Deutschland als „schön“. In allen Bildungsschichten. Eine total verrückte Karriere: von der absoluten Außenseiterkunst zur Staatskunst. Bis hinein in die Räume des Kanzleramts haben es Kirchner und Heckel seit den 60er, 70er Jahren geschafft und natürlich auch Nolde. Nicht zuletzt weil die Museen und Kunsthistoriker von 1945 bis 1960 diese Kunst rehabilitiert haben. Das war eine wichtige Wiedergutmachung. Aber danach kam schon die Gegenwartsmoderne – und das 19. Jahrhundert war vollkommen vergessen.
Bei allen Kunstliebhabern?
Fast bei allen. In den Siebziger-, Achtzigerjahren hat etwa ein Spitzweg noch Höchstpreise erzielt. Da kam es vor, dass sich ein paar Großindustrielle bei Auktionen gegenseitig hochschaukelten auf bis zu zwei Millionen D-Mark. Das ist vorbei.
Und heute?
Die Sammler des 19. Jahrhunderts, mit denen ich es vor allem zu tun habe, sind zwischen 35 und 45 oder 85 Jahre alt. An die Generation der 55– bis 65-Jährigen, die in Politik und Wirtschaft am Ruder sind, kommen wir mit dieser Kunst kaum heran. Die gucken bei der Vorbesichtigung kurz rein, sagen „hier ist nur Altes“ und gehen weiter. Die Jüngeren sind anders. Neugieriger. Unbefangener. Die wollen wissen: Was hat es mit diesem 19. Jahrhundert auf sich?
Hat das nicht auch mit einer neobürgerlichen Attitüde zu tun? Mit der Wiederentdeckung des Salons?
Nein, ich glaube, es geht um etwas anderes: Um die Emanzipation von Urteilsrastern, die uns vorgeben wollen, was gute und schlechte Kunst sei. Bei den Jüngeren erlebe ich immer wieder Verblüffung: „Wie? Das ist 200 Jahre alt? Das gefällt mir! Und kostet nur 800 Euro?“ Auch dass man einem Künstler ganz nah kommen kann, etwa beim Blättern in seinem Skizzenbuch, sorgt für überraschte Reaktionen: „So was hab‘ ich ja noch nie gesehen.“ Und dabei spielt der Name des Künstlers oft gar keine so große Rolle. Wichtiger ist das Motiv, die Momentaufnahme.
Und die Erzählung, die persönliche Verbindung zum Künstler, die Intimität?
Narrative sind sehr wichtig. Ein Skizzenbuch ist so etwas wie die malerische Entsprechung eines Tagebuchs. Und wer es erwirbt, kann sich seinem Schöpfer ganz nahe fühlen. Es geht um die Verbindung über mehrere Generationen hinweg von uns Heutigen zu einem Menschen, der damals etwas Besonderes geschaffen hat. Diese Geschichten funktionieren wie Brücken: Wenn ich weiß, dass der Künstler im Sommer 1823 auf seiner Pferdekutsche durch Palermo fuhr, dass er da im Gasthaus wohnte und Wein trank, dann kommt mir seine Stadtansicht viel näher. Und wenn mir klar wird, dass eine Alpenlandschaft, deren Hauptmotiv, ein prachtvoller, schneebedeckter Gipfel, kaum sichtbar, aus der Perspektive eines Wanderers gemalt ist, dann erscheint mir das plötzlich verblüffend modern. Man kann im Sehen nachvollziehen, wie der Maler im Gehen diese Landschaft erfasste.
Sie betonen immer wieder die Modernität des 19. Jahrhunderts. Ist aber schon auch Verkaufsstrategie, oder?
Nein, das erlebe ich so. Ein wichtiges Qualitätskriterium auch von älterer Kunst scheint mir zu sein, dass sie uns heute noch berührt. Natürlich weiß ich, dass uns vor 20 Jahren etwas anderes berührt hat und in zehn Jahren wieder etwas anderes berühren wird. Es geht, mit anderen Worten, um Verschiebungen des kollektiven Geschmacks, an denen wir als Auktionshaus natürlich Anteil haben. Wir glauben als Kunstliebhaber ja immer, individuell zu urteilen, aber natürlich ist unser Geschmack auch eine soziale Konstruktion, eine zeitabhängige Variable. Vom Kunsthistoriker Max Friedländer gibt es dazu ein wunderbares Wort: Wir sollten immer wissen, sagte er, dass wir mit unseren Geschmacksurteilen wie auf einer Eisscholle treiben. Unmerklich bewegen wir uns auf ihr – und finden plötzlich Dinge schön, von denen wir das nie gedacht hätten.
Zum Beispiel Bilder von Arnold Böcklin oder Franz von Stuck. Die andere, romantisch-symbolistische Moderne gegen Ende des 19. Jahrhunderts.
Ja, die Malerei des Fin de Siècle boomt im Moment. Das ist ein ganz anderes, dekadentes 19. Jahrhundert, da kündigt sich eine Moderne an, um die die Nazis einen großen Bogen gemacht haben. Da wird die Nachtseite der Vernunft entdeckt, die Welt der Triebe und Geschlechterkämpfe, in einer faszinierend verdrehten, dunkel leuchtenden Bildsprache.
Wer kauft das?
Eine Geschmacksavantgarde von Künstlern, Architekten und Galeristen, aus Deutschland, England und den USA.
Geht auch die religiöse Kunst des 19. Jahrhundert, die Kunst der Nazarener?
Für die gibt es in Deutschland leider noch keinen Markt. Die verkaufen wir, wenn überhaupt, für wenig Geld nach – Sie werden es nicht glauben – Kalifornien, nach Beverly Hills und Hollywood. Die Amerikaner haben kein Problem mit der religiösen Inbrunst, die einem da entgegenschlägt. Die sehen die malerische Brillanz und goutieren die filmartige Ästhetik dieser Kunst. Ich rechne damit, dass die Nazarener in zehn Jahren ganz andere Auktionsergebnisse erzielen werden. Wenn dort, wo Apple, Tesla, Google und Twitter sitzen, Nazarener an den Wänden hängen, dann wird das Folgen haben für die Preise.
Apropos Preise. Wieviel Umsatz machen Sie mit dem 19. Jahrhundert?
Zuletzt 6 Millionen Euro. Also etwa 10, 15 Prozent des Gesamtumsatz.
Viel ist das nicht.
Na, Sie haben ja Ansprüche! Wir sind jetzt 5 Jahre nach der Gründung der Sparte klarer Marktführer für das 19. Jahrhundert in Deutschland. Eine Öl-Studie, die vor fünf Jahren 1000 Euro kostete, bringt heute womöglich 10.000. Das 19. Jahrhundert wird immer wichtiger, nicht zuletzt, weil wir damit mögliche Rückgänge auf anderen Märkten ausgleichen können. Wir freuen uns über unser Angebot der klassischen Moderne in der Auktion am 1. Dezember: Das ist der Hauptumsatztreiber und Teil der von Bernd Schultz geschaffenen DNA von Grisebach. Der Nolde-Sammler muss wissen, dass er bei uns die besten Nolde-Bilder bekommen kann. Zugleich müssen wir tatkräftig darauf hinarbeiten, dass in fünf Jahren die Zeitgenossen mit den Klassikern gleichziehen werden. Und das sieht sehr gut aus. Der Geschmack ist im Wandel begriffen, und wir mit ihm.
Wie nehmen Sie Einfluss auf den Geschmack? Wie erzieht ein Auktionshaus seine Kundschaft?
Wir versuchen es, indem wir etwa bei den Abendauktionen neben prominenten Expressionisten den bislang viel weniger prominenten Konstruktivisten Walter Dexel platzieren. Durch die Nachbarschaft zu einem Millionen-Los wird Dexel natürlich geadelt – zuletzt sehr erfolgreich. Jetzt kosten seine besten Bilder genauso viel. Für das 19. Jahrhundert haben wir von Beginn an versucht, den Publikumsgeschmack mit zu formen, etwa indem wir streng selektiert haben und eben nicht jeden Achenbach oder Koester oder Lenbach in die Auktion nehmen. Mein Kollege Markus Krause, der die klassische Moderne verantwortet, nennt das „Arbeit am Kanon“. Die macht uns viel Freude.
Sie kuratieren die Auktionen?
Ja, wir versuchen das, auch um uns von unseren Mitbewerbern zu unterscheiden, aber man darf’s nicht übertreiben. Es muss sich rechnen. Ein Auktionshaus ist kein Museum, sondern ein Wirtschaftsunternehmen. Jeder Katalog ist vor allem eine wunderbare Collage aus Zufällen.
Vom kommenden Jahr an übernehmen Sie mit Micaela Kapitzky die Leitung des Auktionshauses. Dann sind Sie neben dem 19. Jahrhundert auch für die zeitgenössische Kunst zuständig. Welche Trends sehen Sie?
Dafür muss man kein Prophet sein: Nach der Zero-Welle werden jetzt die Sechzigerjahre dran sein, dann der „German Pop“, auch die Neuen Wilden, die Siebziger-, Achtzigerjahre werden wiederkommen. Da ist viel passiert in Deutschland, und wir wachsen in diesem Bereich sehr stark. Die Villa Grisebach versteht sich als Haus der deutschen Kunst, von Caspar David Friedrich bis Günther Förg. Und wie Sie sehen, beißt sich das gar nicht. Im Gegenteil: Es macht uns Spaß, wenn die Qualität stimmt, alle Zeiten zu inszenieren und neu zu kombinieren. Ich freue mich jedenfalls, dass das aufregende 19. Jahrhundert wieder ein selbstverständlicher Teil der Kunstgeschichte geworden ist. Und wer weiß: Vielleicht hängt in zehn, 15 Jahren ein Menzel oder Max Klinger im Kanzleramt – und konkurriert dann dort mit Kirchner und Polke und Fruhtrunk um die ästhetische Deutungshoheit, das sind doch herrliche Aussichten.