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Ungewöhnliche Karrieretipps Warum Niederlagen erfolgreich machen

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Forderung entspricht einer Provokation

In Zeiten der Burn-out-Debatte und angesichts ständiger Hinweise auf die Zunahme stressbedingter psychischer Erkrankungen ist die Forderung nach überdurchschnittlichem Engagement fast eine Provokation. Tatsächlich ist der Grad zwischen erfüllendem Ausleben von Ambitionen und ungesundem Workaholismus schmal. Ob „Arbeit, Arbeit, Arbeit“ einen Menschen glücklich oder unglücklich macht, hängt vom persönlichen Wertekostüm ebenso ab wie vom Grad der Selbstbestimmung.

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Menschen, die sich als unabhängig erleben, verkraften ein hohes Arbeitspensum besser als Menschen, die sich Zwängen ausgesetzt sehen. Dies führt paradoxerweise dazu, dass Selbstständige auch dann zufriedener mit ihrer Arbeit sind, wenn sie mehr arbeiten und weniger verdienen als Angestellte – zumindest dann, wenn sie die Selbstständigkeit freiwillig gewählt haben.

Wer Leistung und Lebensglück verbinden will, muss sich nicht selbstständig machen – Krux ist vielmehr, sein Ding zu finden, eine Tätigkeit also, die mit eigenen Talenten und Interessen harmoniert.

Nicht jeder, der sehr viel arbeitet, ist also zwangsläufig ein Workaholic. Zum Thema Arbeitssucht sind in den letzten Jahren zahlreiche Publikationen erschienen. Kleinster gemeinsamer Nenner: Gefährlich wird Arbeit dann, wenn der Betroffene sich in einen Teufelskreis von zwanghaftem Schuften befindet, wenn Arbeit körperlich krank macht, wenn Arbeit keine Befriedigung mehr bringt, sondern oft sogar von Erfolglosigkeit begleitet wird, was der echte Workaholic zu bekämpfen sucht, indem er die Dosis erhöht und noch mehr arbeitet.

Fokus – Alles auf eine Karte

Otto von Bismarck sagte einmal über das Geheimnis seiner Erfolge: „Ich jage nie zwei Hasen auf einmal.“ Wer Großes erreichen will, muss sich fokussieren. Wir alle haben nur begrenzt Talent und Zeit zur Verfügung, und Allround-Dilettanten sind weitaus häufiger als Universalgenies. Mit Fokus meine ich ein Höchstmaß an Konzentration auf eine Sache und damit das Gegenteil von Verzettelung.

Fokussierung kann zu grotesker Einseitigkeit führen, wie etwa im Klischee des zerstreuten Professors, der sein Fachgebiet genial beherrscht, aber an Alltagskleinigkeiten scheitert. Über Martin Winterkorn, den technikbesessenen VW-Chef, wird beispielsweise berichtet, er habe eine Veranstaltung im New Yorker Museum of Modern Art, wo er vor Megastars wie Madonna, Yoko Ono, Lou Reed oder Patti Smith auftrat, früh verlassen: „Er müsse jetzt noch den neuen Passat in Manhattan testfahren“, soll er gesagt haben.

Mal ehrlich: Würden Sie lieber Passat fahren, als mit Madonna zu plaudern? Das erinnert ein wenig an den exzentrischen Mathematiker Grigori Perelman, der mit der Poincaré-Vermutung eines der sieben Millennium-Probleme der Mathematik löste. Das dafür ausgelobte Preisgeld von einer Million Dollar 2010 schlug er aus, weil er nicht zur Preisverleihung in die USA reisen wollte. Stattdessen verschanzte er sich weiterhin in der St. Petersburger Wohnung seiner Mutter.

Zu schnelle Wechsel verhindern Tiefe und echte Meisterschaft. Ausnahmeerfolge setzen Konzentration und oft auch langjährige Erfahrung voraus. Der Wissenschaftsjournalist und Bestsellerautor Malcolm Gladwell rückte diesen Aspekt in seinem Buch „Überflieger“ ins Bewusstsein, in dem er der 10.000-Stunden-Regel ein ganzes Kapitel widmete. In Kürze besagt diese Regel: Wer etwa 10 .00 Stunden etwas intensiv betreibt, hat sehr gute Chancen, darin zum Ausnahmetalent zu werden, und zwar gleichgültig, ob es sich dabei um ein Musikinstrument oder das virtuose Knacken von Safes handelt.

All das deutet darauf hin, dass Talent zwar nicht völlig unwichtig ist, aber gnadenlos überschätzt wird – und manchmal auch als lahme Ausrede jener herhalten muss, die sich nicht wirklich mit Haut und Haaren einer Sache verschreiben wollen.

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