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Börse, Anleihen, BondsGlobale Anleihemärkte unter Druck – Investoren schauen kritisch auf Staatsschulden

Der Chef der Deutschen Bank sieht ein „anderes Risikoempfinden“ bei Investoren von Staatsanleihen. US-Arbeitsmarktdaten bringen leichte Entspannung.Martin Dowideit 03.09.2025 - 18:06 Uhr
US-Dollarnoten: Die Rendite von US-Staatsanleihen zieht an. Foto: REUTERS

An den globalen Anleihemärkten zeigen Investoren, dass sie die langfristige Tragfähigkeit von Staatsschulden infrage stellen. So sind die Zinsen für 30-jährige US-Staatsanleihen am Morgen kurzzeitig auf fünf Prozent gestiegen. Gleichzeitig erreichte der Goldpreis ein neues Rekordhoch. Am Nachmittag brachte etwas Entspannung, dass in den USA weniger offene Stellen gemeldet wurden als erwartet. Eine starke Konjunktur stützt Anleihenkurse.

Die vor allem am Dienstag verzeichneten Turbulenzen an den Kapitalmärkten hält Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing für ein Spiegelbild der politischen Lage und der steigenden Verschuldung vieler Länder. Er sagte am Mittwoch auf dem Bankengipfel des Handelsblatts: „Ich glaube nicht, dass etwas ins Rutschen gerät, ich glaube auch nicht, dass es nur ein Aufflackern ist.“  Die Renditen stiegen wegen der politischen Unsicherheit, weil die Staaten damit rängen, ihre wachsenden Schulden zu decken.

Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen lag am Mittwoch nahe ihrem 16-Jahres-Hoch vom Dienstag. 30-jährige deutsche Staatsanleihen rentieren mit 3,4 Prozent, US-Bonds mit der gleichen Laufzeit lagen am Vormittag bei 4,989 Prozent und damit auf einem Wert, der zuletzt vor anderthalb Monaten erreicht worden war. Am Abend erholten sich wegen der Arbeitsmarktdaten die Kurse und die Rendite lag bei 4,9 Prozent.

Als im April die Anleihemärkte heftig auf die Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump reagiert hatten und die Zinsen für 30-jährige Staatspapiere ebenfalls auf fünf Prozent geschnellt waren, hatte das Eindruck auf den Regierungschef gemacht. Trump bremste die Implementierung der Strafzölle für verschiedene Länder und die Kurse beruhigten sich. Allerdings setzte sich der Trend zu höheren Schulden unter anderem durch ein großes Gesetzespaket, den „One Big Beautiful Bill Act“ (OBBBA), fort.

Wir müssen sehen, dass Renditen steigen und dass ein etwas anderes Risikoempfinden da ist
Christian Sewing
Deutsche-Bank-Chef

Die USA könnten zudem bald juristisch gezwungen sein, Zolleinnahmen von über 170 Milliarden US-Dollar wieder zurückzuzahlen, sagt Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. Ein US-Gericht hatte die Rechtmäßigkeit der Zölle angezweifelt. Jetzt wird sich das Verfassungsgericht damit befassen. Eine möglicherweise von Richtern verhängte Rückzahlung würde eine höhere Schuldenaufnahme nötig machen.

Wenn Investoren Anleihen verkaufen, steigen im Umkehrschluss die Renditen auf diese Papiere. Höhere Renditen bedeuten für Staaten höhere Kosten, um Schulden zu finanzieren.

„Ich würde mich von einzelnen Bewegungen an einem Tag nicht nervös machen lassen“, so Deutsche-Bank-Chef Sewing.

„Aber trotzdem müssen wir sehen, dass Renditen steigen und dass ein etwas anderes Risikoempfinden da ist. Das hat etwas mit politischer Unsicherheit zu tun.“ Das Haushaltsdefizit der USA von teilweise mehr als sieben Prozent pro Jahr dürfe man nicht aus den Augen verlieren.

Auch langlaufende Papiere von Ländern wie Großbritannien, Japan und eben Frankreich gerieten zuletzt unter Druck. Analysten verweisen darauf, dass der September für Anleihen oft ein schlechter Monat sei. Das hängt auch mit einer höheren Anzahl an Neuemissionen nach ruhigeren Sommermonaten zusammen.

Die Kurse von Staatsanleihen mit mehr als zehnjähriger Laufzeit hätten im September im Schnitt der vergangenen zehn Jahre etwa zwei Prozent nachgegeben – nach Daten der Finanzplattform Bloomberg ist das der schlechteste Monatswert.

„Der Markt fühlt sich derzeit ausgesprochen unangenehm an“, sagt Hideo Shimomura, Portfolio-Manager bei Fivestar Asset Management in Tokio. Im September komme es häufig zu einer abrupten Wende in der Geldpolitik, und in diesem Monat zeigten sich oft Positionen, die auf solche Entwicklungen spekulierten.

Der Deutsche Aktienindex ging am Mittwoch mit leichten Gewinnen aus dem Handel. Der deutsche Leitindex schloss ein halbes Prozent höher bei 23.600 Punkten. Er machte damit allerdings nur einen Bruchteil seiner Verluste vom Vortag wett, als der Index mehr als zwei Prozent nachgegeben hatte. Fallende Kurse an der Wall Street nach dem Gerichtsurteil zu Zöllen hatten auf den Dax abgefärbt.

Mit Material von Bloomberg und Reuters.

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