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Riedls Dax-Radar
Mit heftigen Rückschlägen reagiert der Dax auf neu aufflammende Konjunkturängste. Quelle: dpa

Die technologischen Mega-Trends sind stärker als Corona

Mit heftigen Rückschlägen reagiert der Dax auf neu aufflammende Konjunkturängste. Durch die Schützenhilfe der Notenbanken und die Nachhaltigkeit der großen Technologie-Trends dürfte der Markt aber spätestens um 12.000 Punkte wieder drehen.

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Konjunktursorgen haben die Aktienmärkte im Griff. In Deutschland ist die Wirtschaft im zweiten Quartal um zehn Prozent eingebrochen. Das ist der heftigste Rückgang seit Beginn der quartalsweisen Berechnungen. Wenn man den schlagartigen Stillstand in vielen Branchen bedenkt, erscheinen minus zehn Prozent sogar noch moderat. In Frankreich brach die Wirtschaft um 14 Prozent ein.

Im ersten Quartal war die deutsche Wirtschaft schon um zwei Prozent geschrumpft. Damit besteht jetzt eine echte, schwere Rezession. Für das dritte Quartal rechnen Institute wie das DIW wieder mit einem leichten Wachstum; drei Prozent sind im Gespräch.

Wie schwierig die Lage für die konjunkturabhängigen Unternehmen im Dax geworden ist, zeigt sich an BASF. Die Ludwigshafener haben im ersten Halbjahr wegen Corona, niedrigen Öl-Notierungen und Abschreibungen auf ihre Öl- und Gastochter Wintershall netto praktisch nichts verdient. Nun warnt BASF davor, dass die Erholung langsamer vorankomme als vielfach erwartet.

Zwar hat BASF mit der Agrarsparte von Bayer mittlerweile einen guten Ausgleich für ihre klassischen Chemieaktivitäten, doch gerade im Sommerquartal läuft das Agrargeschäft traditionell eher verhalten. Wahrscheinlich wird BASF auch im dritten Quartal nicht wesentlich mehr verdienen als im Frühjahr.

Bleibt die Hoffnung auf ein versöhnliches Jahresende. Wenn sich die Chemiemärkte bis dahin erholen und BASF im vierten Quartal einen für diese Phase durchschnittlichen Gewinn einfährt, könnte im Gesamtjahr 2020 vielleicht noch rund eine Milliarde Euro bleiben. Das wäre ein guter Wert für ein historisch dramatisches Jahr, bringt die Ludwigshafener aber dennoch in die Klemme.

Allein die bisherige Dividende zu halten, kostet BASF drei Milliarden Euro. Entweder wird die Dividende für 2020 also aus der Substanz bezahlt (wozu auch Erlöse aus Spartenverkäufe kommen könnten) oder sie wird gesenkt – zum ersten Mal seit der Finanzkrise.

So oder so ist es kein Wunder, dass BASF-Aktien derzeit unter Druck stehen. Womöglich kann sich der Kurs erst im Bereich 42 bis 48 Euro stabilisieren.

Dass BASF und andere konjunkturabhängige Dax-Unternehmen für das Coronaquartal schwache Zahlen melden, ist nicht das einzige Problem. Gravierend ist, dass die Hoffnung auf ein schnelles Comeback schwindet. Die Wette auf eine V-förmige Erholung war in den vergangenen Monaten für viele Anleger ein Grund für Aktienkäufe.

Volkswagen ist im zweiten Quartal sogar mit 1,6 Milliarden Euro in die roten Zahlen geraten. Der Geldabfluss aus dem laufenden Geschäft, der schon seit Monaten besteht, setzt sich fort. Ob die Automärkte in der westlichen Welt ähnlich wie in China eine schnelle Belebung schaffen, wird angesichts der jüngsten Coronazahlen immer unwahrscheinlicher. Lastwagen-Ableger Traton spricht von einem dramatischen Absatzrückgang und könnte sogar im Gesamtjahr in den roten Zahlen bleiben.

Diese Skepsis zeigt sich im Kursverlauf: Volkswagen-Aktien sind zweimal am Niveau um 150 Euro gescheitert. Nun dürften sie mehrere Wochen benötigen, um nach dem jüngsten Rückschlag wieder Tritt zu fassen – womöglich im Bereich 120 bis 130 Euro.

Im Dax hat der jüngste Konjunkturknick zu einem Rückschlag ähnlich wie in der ersten Juni-Hälfte geführt. Mit einem bisherigen Verlaufstief bei 12.250 Punkten hat der Dax dabei fast genau auf der 200-Tage-Linie aufgeschlagen. Am Freitag (31. Juli) sah es am Vormittag noch nach einer Erholung aus. Die leichten Kursgewinne konnte der Dax aber nicht halten und ging mit 12.313,36 Punkten (minus 0,54 Prozent) aus dem Handel. Für ein mittelfristig positives Szenario wäre es jetzt wichtig, dass der Dax in der nächsten Woche den Kursbereich 12.000 bis 12.500 Punkte verteidigen kann.

Nasdaq in robuster Verfassung

Die Chancen dafür bestehen durchaus. Wichtigster Helfer ist die amerikanische Notenbank, die sich weiterhin ausdrücklich zu ihrer sehr expansiven Politik bekennt. An den Wertpapiermärkten wird das honoriert. Mit 0,52 Prozent hat die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen nun wieder das Tief vom März erreicht.

Dass die US-Renditen angesichts der schwierigen Corona-Entwicklung in den Vereinigten Staaten von hier aus steigen, ist unwahrscheinlich. Der schwache Dollar und die starken Edelmetallmärkte deuten darauf hin, dass die US-Renditen bald ein neues, noch tieferes Terrain erreichen dürften.

Neben der expansiven Geldpolitik der Notenbanken sind die großen Technologie-Trends die wichtigste Stütze der Hausse. Amazon verdient durch die Krise mehr als erwartet, für Apple setzt die Deutsche Bank das Kursziel hoch, bei Microsoft hat sich zwar das Wachstum des Cloud-Geschäfts etwas verlangsamt, verläuft aber mit plus 47 Prozent immer noch auf ansehnlichem Niveau. Wegen der hohen Nachfrage nach Chips für Rechenzentren und Cloud-Anwendungen hat der koreanische Technologiekonzern Samsung im Corona-Quartal einen deutlichen Gewinnanstieg erzielt.

Mit rund 10.900 Punkten verläuft der taktgebende Technologieindex Nasdaq 100 fast am Allzeithoch. Er liegt deutlich über dem vorangegangenen Februar-Hoch von 9800 Punkten und der 200-Tage-Linie, die aktuell bei 9000 Punkten verläuft. Die große Aufwärtsentwicklung der weltweit führenden Technologieunternehmen ist voll und ganz intakt. Die Rückschläge, die sich dort abspielen, sind klassische Korrekturen, die den großen Trend nicht beenden, sondern bestätigen.

Die robuste Verfassung der Nasdaq-Börse zeigt zudem, dass die Coronakrise für die großen Trends eben keine Gefahr ist, sondern vielmehr eine Beschleunigung. Und aus diesem Grund dürften die Aktienmärkte wegen Corona letztlich auch nicht kollabieren, sondern ihre langjährige Aufwärtsbewegung fortsetzen.

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