Schwellenländer JPMorgan schmeißt Nigeria-Anleihen aus Index

Nach schwachem Wachstum in Brasilien und China galten elf neue Staaten wie Nigeria als Märkte der Zukunft. In diesem Jahr enttäuschen sie aber noch mehr als die BRICs - und fliegen aus den ersten Fonds.

Ölraffinerie im Niger-Delta Quelle: dpa

Am Dienstag kündigte die Investmentbank JPMorgan an, bis Ende Oktober alle nigerianischen Staatsanleihen aus ihren Indizes zu schmeißen, die die Entwicklung der Staatsanleihen von Schwellenländern abbilden.

Das drängt wiederum Fondsgesellschaften dazu, die Investmentstrategien ihrer Schwellenländerfonds an diesen Indizes ausrichten, ihre Positionen nigerianischer Papiere zu verkaufen. Fonds im Volumen von 200 Milliarden Dollar könnten betroffen sein, nach Angaben der Investmentberater von ETM Analytics in den USA dürften allein drei Milliarden Dollar an nigerianischen Staatsanleihen verkauft werden.

Der Leitindex der Nigerianischen Börse fiel am Mittwoch bereits um drei Prozent, erlitt den größten Kursverlust in acht Monaten. Am Donnerstag mussten nigerianische Aktien erneut einen herben Verlust hinnehmen, bevor der Index sich gegen Handelsende leicht erholen konnte. Nigeria ist Afrikas größte Volkswirtschaft und größter Ölproduzent auf dem Kontinent.

JP Morgan erklärte seine Entscheidung damit, dass der nigerianische Markt kaum liquide sei, was einen Handel der Papiere erschwert; außerdem sei der Währungsmarkt wenig transparent.

Zwar hatte die Investmentbank Goldman Sachs die Next 11, die nächsten Elf, als Nachfolger der wachstumsstarken BRIC-Länder Brasilien, Russland, Indien und China ausgerufen. Darunter neben Nigeria auch die Türkei, Vietnam, Mexiko und die Philippinen und der Iran. Nigeria leidet vor allem unter dem schwachen Ölpreis. Und damit auch die Gewinne der Aktienkurse an der Börse. Und auch die zehn anderen Wachstumskandidaten können nicht überzeugen.

Vor einem Jahr erreichten die Aktien in den Ländern noch ihre Allzeithochs, Investoren fluteten die Märkte mit Kapital: der Next 11 Aktienfonds von Goldman Sachs war doppelt so groß, wie der BRIC-Fonds der Bank.

In diesem Jahr enttäuschen die Next 11 aber. Der Aktienindex MSCI Next 11 verlor bislang 19 Prozent, der BRIC-Index nur um 14 Prozent - und das trotz schwachen Wachstumsaussichten in China und herben Enttäuschen in Brasilien unter Präsidentin Dilma Rousseff.

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So ziehen die Investoren ihr Kapital aus dem Markt wieder ab, der Aktienfonds von Goldman Sachs verlor die Hälfte seiner eingesammelten Gelder. Der Kursverlust des Fonds liegt bei elf Prozent, seit er vor vier Jahren aufgelegt wurde.

Neben den gesunkenen Ölpreisen und dem schwächelnden Absatz auf dem chinesischen Markt drückt auch die drohende Zinswende der US-Notenbank auf die Performance der Schwellenländer.

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