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Stelter strategisch
Aktien: Nutzen Sie die Erholung an der Börse zum verkaufen Quelle: imago

Nutzen Sie die Erholung zum Verkaufen

Daniel Stelter Quelle: Presse
Daniel Stelter Unternehmensberater, Gründer Beyond the Obvious, Kolumnist Zur Kolumnen-Übersicht: Stelter strategisch

Der Jahresauftakt tut gut, nach dem enttäuschenden Kursverlauf 2018. Kurze Zeit zum Durchatmen, bis die Achterbahnfahrt an den Märkten wieder Fahrt aufnimmt.

Nach dem verkorksten Börsenjahr 2018 ruhen Hoffnungen auf 2019. Endlich, so heißt es, können sich die Märkte wieder auf die gute Konjunktur- und Gewinnentwicklung konzentrieren. Von der US-Notenbank Fed kommen Signale, die für eine Verlangsamung der Zinserhöhungen sprechen, und auch auf der politischen Ebene zeichnet sich eine Entspannung ab, etwa im Handelskonflikt zwischen den USA und China.

2018 wollen die Investoren zu Recht möglichst schnell vergessen. So hat der schlechteste Dezember an der Wall Street seit 1931 auch die US-Börsen auf Jahressicht ins Minus gedrückt. Zum ersten Mal seit der Finanzkrise vor zehn Jahren. Insgesamt war 2018 das schlechteste Jahr an den Finanzmärkten seit dem Jahr 1900. Von den 71 von der Deutschen Bank in ihrer regelmäßigen Studie untersuchten Assetklassen haben 90 Prozent im letzten Jahr einen Verlust eingefahren. Im bisher negativsten Jahr 1921 waren es „nur“ 83 Prozent. Die anderen enttäuschenden Jahre waren 1932 (76 Prozent) und 1982, 2008 und 2015 (jeweils über 60 Prozent).

Die Daten der Deutschen Bank machen dabei auch Mut. Auf jedes ungünstige Jahr folgte bisher ein durchaus gutes. Immerhin 70 Prozent der Assets erzielten im Jahr nach den breiten Verlusten einen Gewinn. Die Fragen die sich daraus ergeben sind klar:
1) Wird 2019 das Muster wiederholen und in vielen Vermögensklassen zu Gewinnen führen?
2) Wenn ja, welche Vermögensklassen könnten das sein?

Die Empirie spricht dafür, dass 2019 ein besseres Jahr für Investoren wird. Dagegen spricht, dass wir uns nicht in einem normalen Kapitalmarktumfeld befinden. Die Notenbanken haben in ihrem Bemühen, den Schuldenturm vor dem Einsturz zu bewahren, immer mehr Liquidität in die Märkte gepumpt. Damit haben sie den Schuldnern die Bedienung ihrer Verbindlichkeiten ermöglicht, allerdings mit erheblichen Nebenwirkungen:

- Es kam nicht zu der dringend erforderlichen Bereinigung der faulen Schulden, weshalb die Anzahl der Zombie-Unternehmen und -Banken deutlich angewachsen ist, wie zuletzt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) vorrechnete. Die Folge sind geringeres Wirtschaftswachstum und abnehmende Produktivitätszuwächse.

- Die Politik hat sich auf die Rettung durch die Notenbanken verlassen – vor allem in der Eurozone – und dringend erforderliche Sanierungsmaßnahmen unterlassen. Der Euro ist zu seinem 20. Geburtstag immer noch todkrank und dürfte eine weitere Rezession nur mit Mühen überstehen.

- Die Schulden sind weltweit beschleunigt gestiegen. Vor allem Unternehmen und Staaten haben erheblich mehr Schulden als noch 2008 und der Unternehmenssektor (namentlich in den USA) gilt vielen Experten als Auslöser der nächsten Krise, wie hier ausführlich diskutiert.

- Die Finanzmärkte haben sich erneut deutlich von den fundamental gerechtfertigten Werten entfernt. Nach der Dot-Com-Blase und der Immobilien-Blase erleben wir in den USA gerade die „Alles-Blase“. Selbst nach dem schlechten Jahr 2018 befinden sich die Vermögenswerte immer noch auf einem Rekordbewertungsniveau. So liegt das Shiller-PE (welches statt laufender oder prognostizierter Gewinne den rollierenden Durchschnitt der Gewinne der letzten Jahre verwendet) für die US-Börse nicht mehr bei 30, sondern „nur noch“ bei 29. Da ist noch viel Luft nach unten.

Führt zu der Frage, ob wir erst am Anfang des Platzens der „Alles-Blase“ stehen. Die Notenbanken haben einen guten Teil ihrer Munition verschossen. Während die Fed nach ihren jüngsten Zinserhöhungen und dem Abbau ihrer Bilanz (die ohnehin viel kleiner ist als jene der EZB und der Bank of Japan) immerhin etwas Potential zur weiteren Lockerung hat, ist die EZB noch voll auf dem Gaspedal. Dieses wird ohne offensichtliche und massive Krise nicht noch weiter durchgedrückt werden.

Die Folge ist eine Verlangsamung des weltweiten Liquiditätswachstums. Nach einigen Indikatoren ist es unter Einbeziehung Chinas sogar negativ. Damit fehlt der „Alles-Blase“ der Treibstoff. Es genügt nämlich nicht, dass die Liquidität da ist. Um die Blase weiter aufgepumpt zu halten, brauchen wir anhaltendes Liquiditätswachstum. Kommt es nicht dazu, dürfte der Gegenwind in den meisten Vermögensmärkten anhalten.

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