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„Trump always chickens out“?Die Finanzmärkte stellen die TACO-Frage

Noch ist nicht gesagt, wie die Finanzmärkte zum Wochenstart auf Trumps Zollankündigung reagieren werden. Ein Indikator sendet jedoch bereits Signale.Sebastian Schug 13.07.2025 - 11:48 Uhr aktualisiert
Schicken die US-Zölle die Aktienmärkte erneut auf Talfahrt? Sicher ist das nicht. Foto: Bloomberg

Die globalen Finanzmärkte erwarten den Moment der Wahrheit: Wie werden die Investoren auf die angekündigten US-Zölle gegen die EU reagieren? Ist man ehrlich, sind es drei Momente: 2.00 Uhr, 9.00 Uhr und 15.30 Uhr Mitteleuropäischer Zeit – Handelsbeginn in Tokio, Frankfurt und New York. Spannend wird es besonders, weil die Experten sich wortreich uneinig sind. Warner und Beruhiger kämpfen um die Deutungshoheit.

Anfang April – als Donald Trump der Welt den Zollkrieg erklärte – war die Lage noch klar. Nach den massiven Zollankündigungen gegen so gut wie alle Handelspartner der USA fiel der Aktienmarkt ins Bodenlose, die Zinsen für US-Anleihen zogen an und der Dollar wertete ab. Doch seitdem ist viel passiert. Zölle wurden angekündigt, abgesenkt, ausgesetzt und verschoben: „TACO – Trump always chickens out“ wurde zum Sprichwort für die US-Politik. Trotzdem hat die Weltwirtschaft großen Schaden genommen. Was nun also: Ist es Zeit für sture Gelassenheit oder wird es doch ernst?

Der Chef der US-Großbank JPMorgan, Jamie Dimon, spricht mit Blick auf die Märkte von „Selbstgefälligkeit“. Er warnt davor, Trump nicht länger ernst zu nehmen. Und damit ist er nicht allein. „Investoren sollten sich nicht darauf verlassen, dass Trump mit seiner Drohung, EU-Waren mit einem Zoll von 30 Prozent zu belegen, nur blufft“, schreibt auch Brian Jacobsen, Chefökonom bei Annex Wealth Management. Ein Zoll in dieser Höhe schade Europa wahrscheinlich mehr als den USA, meint er.

Ökonom Südekum zu US-Zöllen

„Hier steckt keine ökonomische Logik dahinter“

Der US-Präsident kündigt Zölle gegen die EU an, obwohl die Verhandlungen noch laufen. Ökonom Jens Südekum erklärt, welches Kalkül dahintersteckt.

von Sebastian Schug

Für diese Sichtweise spricht auch der angekündigte Zollaufschlag gegen Kanada und Mexiko – zwei Länder also, die sich bereits auf Zugeständnisse eingelassen hatten und nun doch vor den gleichen Problemen stehen wie zuvor. Egal, was die Handelspartner tun, am Ende kommen die Zölle trotzdem, so scheint es.

Die Ruhe selbst

Die Reaktion blieb trotzdem aus: Die sinnbildlich für Risiko stehende Kryptowährung Bitcoin stieg über 118.000 US-Dollar, die Volatilität am Anleihenmarkt ließ nach, und die Aktienindizes hielten sich nahe ihren Rekordständen.

Das zeigt auch einer der wichtigsten Frühindikatoren an der US-Börse, der VIX-Index der die erwartete Volatilität des marktbreiten S&P 500-Index wiedergibt. Je höher der Zählerstand, desto mehr Unruhe erwarten die Investoren. Löste Trump Anfang April noch eine Schockreaktion aus, war am Freitag nahezu keine Reaktion zu beobachten.

Der einzige Indikator, der auch am Wochenende zur Verfügung steht, ist der Bitcoin-Kurs. Doch auch hier bleibt alles beim Alten: von Panik keine Spur. Die Klarstellung aus dem Weißen Haus, dass die angekündigten Zölle nicht auf Sektorenzölle aufaddiert werden, könnte hier auch eine Rolle spielen. Es wirkt, als ließe Trump bereits wieder Luft aus seiner Drohkulisse.

Damit sieht es aktuell danach aus, als ob die Beruhiger unter den Wirtschaftsexperten die Oberhand haben. Zu ihnen zählt auch Ökonom Jens Südekum. „Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es wieder so dramatisch ausfallen wird“, sagt er im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Im Gegensatz zu Marktanalysten wie Jacobsen sieht er die negativen Konsequenzen der Zölle ohnehin stärker in den USA, nicht in Europa.

In den vergangenen Wochen haben Ökonomen bereits durchgerechnet, wie sich hohe US-Zölle auf die Länder auswirken könnten. Dort zeigt sich ein sehr einhelliges Bild: „Am Ende werden diese Zölle zum Großteil an die amerikanischen Konsumenten weitergegeben und führen zu massiven Preissteigerungen“, sagt Südekum. Während die Amerikaner also die Zeche für die Politik ihres Präsidenten zahlen müssten, würde Europa fürs Erste gut wegkommen. Von einer positiven Entwicklung könne man aber nicht sprechen.

Zum jetzigen Zeitpunkt spricht also vieles dafür, dass die Finanzmärkte die Füße stillhalten werden. Zumindest bis endgültig klar ist, was am 1. August tatsächlich passiert. Die Gewissheit kommt jedoch erst, wenn in Tokio, Frankfurt und New York die Börsen erwachen.

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