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Wirtschaft im Weitwinkel
Endet der Konjunkturboom in der Eurozone? Quelle: imago images

Euro-Konjunktur: Das Ende des Booms hat bereits begonnen

Kein Aufschwung hält ewig. Das gilt auch für den langen Aufschwung in der Eurozone. Welcher Faktor letztendlich die nächste Rezession auslöst, ist noch ungewiss. Aber die Zahlen sprechen eine klare Sprache.

Ein Blick auf den Euro-Raum zeigt, dass die Konjunktur seit Anfang 2018 an Fahrt verliert. Daran dürfte sich auch im weiteren Jahresverlauf nichts ändern. Das lässt sich auch aus der aktuellen Entwicklung des Euro-Indikators der DZ Bank schließen, der im September seinen achten Rückgang in Folge verbuchte. Der Indikator sank im abgelaufenen Monat um 0,2 Prozent auf einen Stand von genau 100 Punkten. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verliert der Indikator damit 0,9 Prozent, im Vormonat lag hier das Minus noch bei 0,4 Prozent.

Wie schon in den Vormonaten lieferten die Kennzahlen aus dem Industriesektor den größten Beitrag zum Rückgang des Euro-Indikators. So sind die Produktionserwartungen der Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe im September auf den tiefsten Stand seit April 2017 gesunken. Die Markit-Umfrage unter den Einkaufsmanagern belegt, dass die Euro-Industrie deutlich an Dynamik verliert und im abgelaufenen Monat das schwächste Wachstum seit zwei Jahren verzeichnete. Dabei zeigte die Messzahl für Neuaufträge im Exportgeschäft zuletzt sogar den niedrigsten Wert seit mehr als fünf Jahren - ein Beleg für die signifikante Abschwächung des Welthandels. 

Auch das Verbrauchervertrauen im Euro-Raum hat sich seit dem Höchststand vom Januar merklich abgekühlt. Es bewegt sich aber dank noch immer zunehmender Beschäftigung und steigender Einkommen weiter auf einem relativ hohem Niveau. Im September gab es sowohl bei den Konjunkturerwartungen der privaten Haushalte als auch bei ihren Einkommensperspektiven einen Dämpfer, was auch zu einem Rückgang bei der Bereitschaft führte, größere Ausgaben zu tätigen. Das legt im Hinblick auf den weiteren Verlauf der Konsumnachfrage im Euro-Raum eine etwas skeptischere Einschätzung nahe. 

Wenig Grund für Optimismus

Die Finanzmärkte geben in den vergangenen Wochen auch nicht viel Anlass zum Konjunkturoptimismus. Die Aktienkurse haben – gemessen am MSCI-Index für den Euro-Raum – im September um knapp zwei Prozent nachgegeben. Seit dem Jahresanfang ging es bei den Dividendenwerten im Trend leicht bergab. Die Zinsdifferenz zwischen Kapital- und Geldmarkt hat sich im Monatsdurchschnitt September leicht ausgeweitet, was für sich genommen ein positives Zeichen für den Konjunkturausblick darstellt. 

Insgesamt deutet der Euro-Indikator damit auf eine weitere Abschwächung der Euro-Konjunktur hin. Die gesamtwirtschaftlichen Wachstumsraten könnten in der zweiten Jahreshälfte noch etwas niedriger als im ersten Halbjahr 2018 ausfallen. Eine bevorstehende Rezession lässt sich daraus noch nicht ablesen. Angesichts der erheblichen politischen Risiken für die Konjunktur (stockende Brexit-Verhandlungen, unberechenbare Regierung in Italien, mögliche Verschärfung des Handelskonflikts mit den USA) lässt sich eine solche Entwicklung aber auch nicht mehr ausschließen. 

Die eingetrübte Indikatorenlage in Europa insgesamt, aber besonders auch in Deutschland, hat in den vergangenen Wochen auch zu einer Abwärtsrevision der Konjunkturprognosen geführt. So bescheinigt auch die aktuelle Herbstprognose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute: Der Konjunkturaufschwung in Deutschland hat sich seit Anfang 2018 spürbar verlangsamt, die Wachstumsrate für das laufende Jahr wird deutlich niedriger liegen als im Jahr 2017. In ihrer Gemeinschaftsdiagnose prognostizieren die Institute für 2018 eine Wachstumsrate des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 1,7 Prozent. Das entspricht im Übrigen auch der aktuellen Prognose der DZ Bank. Im Frühjahr 2018 hatte die Konsensschätzung für das Wachstum im laufenden Jahr sowohl für den Euro-Raum als auch für Deutschland noch bei rund zweieinhalb Prozent gelegen

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