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Zschabers Börsenblick
Quelle: imago images

Es muss nicht immer der Dax sein

Die oberste Börsenliga dominiert naturgemäß die Schlagzeilen, in den vergangenen Wochen des Öfteren auch die negativen. Ein guter Anlass für Anleger, sich abseits prominenter Werte umzuschauen.

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Wenn die erste Reihe im Rampenlicht steht, befindet sich die Reihe dahinter fast zwangsläufig im Schatten. Dieses physikalische Gesetz gilt nicht nur für Hollywood, es trifft auch auf die Börse zu. Am hiesigen Aktienmarkt ist das deutlich ablesbar. Die Schlagzeilen dort bestimmt auch in ruhigeren Zeiten der Dax. Natürlich vor allem dann, wenn ein Branchenprimus aus dem deutschen Leitindex in Schieflage gerät, wie zuletzt Lufthansa und vor allem Wirecard. Beide hatten über Wochen die fast ungeteilte Aufmerksamkeit der Börsianer – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Den „kleineren“ MDax nimmt der Otto Normalanleger in diesem Umfeld höchstens wahr, wenn eine Dax-Größe aus dem Olymp absteigt. Wie gerade im Fall Lufthansa geschehen – seit sie den Dax Ende Juni verlassen musste, wird die Kranich-Airline im MDax gelistet.

Dass es die zweite Reihe zuletzt nicht aus dem Schatten der ersten geschafft hat, liegt aber wohl auch daran, dass ihre Performance auf den ersten Blick nicht überragend ist. So erkennt, wer den Kursverlauf des MDax eins zu eins auf den Dax legt, so gut wie keinen Unterschied. Angesichts der Dax-Kapriolen ist es an und für sich ist zumindest bemerkenswert, dass der MDax mittlerweile nicht viel besser gelaufen ist als der große Bruder. Doch zur Wahrheit gehört eben, dass auch der MDax seine Sorgenkinder hat. Da ist etwa der Flugzeugbauer Airbus, der unter der Corona-bedingten Nachfrageflaute nach seinen Jets leidet – und Airbus spielt aufgrund seiner vergleichsweise hohen Marktkapitalisierung im MDax in punkto Gewichtung eine größere Rolle als Wirecard im Dax.

Man täte dem MDax aber jetzt unrecht, wenn man ihn ausschließlich als Sammelbecken für gefallene Engel wahrnehmen würde. Der Index bietet mit den 60 Werten, die er beinhaltet, nicht nur eine breitere Aufstellung als der lediglich 30 Titel umfassende Dax, und damit gerade risikoscheuen Anlegern eine bessere Diversifikation. Er umfasst auch gleich mehrere Anbieter innovativer Lösungen, die vor dem Corona-Hintergrund in den vergangenen Wochen eine erhöhte Nachfrage erfahren haben. Damit eignet sich der MDax – eine entsprechende Risikobereitschaft beim Anleger vorausgesetzt – auch als Jagdrevier für Stockpicker.

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    Zwei Beispiele für Unternehmen aus dem MDax, die interessante Geschäftsmodelle aufweisen, aber trotz starker Kurszuwächse nicht eine solche Medienpräsenz haben wie Blue-Chips aus dem Dax, sind Bechtle und Nemetschek. Bechtle hat sich als IT-Systemhaus auf den Mittelstand fokussiert – und eben nicht auf Großkonzerne, die zumeist ja auch eher von den Branchenriesen aus den USA umworben und bedient werden. Entsprechend macht Bechtle den Großteil seines Umsatzes von knapp 5,4 Milliarden Euro (2019) in Deutschland – und gerade der deutsche Mittelstand hat ja in den vergangenen Corona-Monaten gemerkt, wo im jeweils eigenen Haus in punkto Digitalisierung noch Bedarf herrscht. Nämlich so ziemlich überall.



    Nemetschek wiederum ist eine Nummer kleiner – die Erlöse des Unternehmens betrugen im vergangenen Geschäftsjahr 557 Millionen Euro –, verbindet aber als Anbieter von Software und Lösungen für Architekten, Ingenieure und die Bauindustrie gleich zwei vielversprechende Segmente: IT und Immobilien. Beide MDax-Werte, sowohl Bechtle als auch Nemetschek, haben den Schwung der jüngsten Erholungsrally für neue Höchststände genutzt und sind auch auf diesen Niveaus noch interessant.

    Apropos Stockpicking: Man sollte wissen, dass derzeit einige US-Investoren auf der Suche nach Anlagezielen außerhalb ihres Heimatlandes sind. Die Überzeugungskraft des Trump'schen „America-first“-Credos stößt an der Börse spätestens dann an ihre Grenzen, wenn der Preis nicht mehr stimmt. Viele heimische Werte sind den US-Akteuren mittlerweile zu teuer, von daher verwundert es nicht, dass große Adressen von jenseits des Atlantiks nach Alternativen schauen – und sich dabei auch intensiv in der Dax-Familie umsehen.

    Dass sie bei ihrer Einkaufstour einen Blick auch auf die Werte des MDax werfen könnten, liegt nahe. Denn wer könnte die Leistung der zweiten Reihe an der Börse besser einschätzen können als die Amerikaner – es ist immerhin Hollywood, das jährlich auch für den besten Nebendarsteller einen Oscar vergibt.

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