Kryptowährungen: Bis zu minus 30 Prozent: Am Kryptomarkt crashen die Altcoins
Am Kryptomarkt kommt es wieder zu Verwerfungen.
Foto: REUTERSDer Blick auf die Kursentwicklung dürfte Kryptoanleger derzeit wieder verzweifeln lassen: Nach einem guten halben Jahr positiver Vorzeichen drehen die Kurse zurzeit ins Minus. Der Bitcoin als älteste und bekannteste Kryptowährung notiert auf Wochensicht zwar mit einem Minus von 3,8 Prozent bei etwa 25.800 Dollar nur leicht in der Verlustzone. Deutlich krasser sieht es aber bei Altcoins aus – alternative und kleinere Kryptrowährungen: Im selben Zeitraum verbuchen sie Verluste von bis zu 30 Prozent.
Der neue Hardliner-Kurs der Regulatoren setzt dem Kryptomarkt zu. Vergangene Woche reichte die US-Börsenaufsicht SEC mehrere Klagen gegen die zwei größten Kryptobörsen der Welt ein. Binance und Coinbase wird unter anderem vorgeworfen, Kryptoassets zum Handel anzubieten, die als zulassungspflichtige Wertpapiere gelten würden – ohne eine entsprechende Lizenz zu haben. Branchenführer Binance werfen die Aufseher darüber hinaus sogar vor, Umsätze zu manipulieren und Kunden zu täuschen.
Dass die Verluste beim Bitcoin deutlich moderater ausfallen als bei Altcoins, überrascht nicht. In den Klagen gegen die Handelsplätze stuft die SEC nämlich nicht etwa Bitcoin und Ether als erlaubnispflichtige Wertpapiere ein, sondern Kryptowährungen wie Polygon (MATIC), Solana (SOL) und Cardano (ADA). Diese drei Coins haben am stärksten an Wert eingebüßt.
Die Klagewelle der Börsenaufsicht hatte dem Kryptosektor bereits Mitte vergangener Woche zugesetzt. Besonders stark abwärts ging es bei den Altcoins aber am Wochenende. Kein Wunder, denn am Freitag erreichte sie die nächste Hiobsbotschaft: Der Smartphonebroker Robinhood teilte mit, den Handel von Polygon, Solana und Cardano ab dem 27. Juni einzustellen.
Altcoins drohen weitere Risiken
Nutzern drohen hohe Verluste. Nach Ablauf der Frist werden die Coins nämlich verkauft – und zwar zum dann aufgerufenen Marktpreis. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter lässt Robinhood seine Kunden wissen, dass sie bis dahin „detaillierte Anweisungen zum Verkauf und/oder Abheben“ ihrer Münzen bekommen. Wer eine eigene Wallet besitzt, eine digitale Geldbörse, kann die Coins auch dorthin transferieren. Robinhood hat unlängst ein eigenes Wallet-Produkt eingeführt. Somit müssten Kunden keine Verluste realisieren, sondern könnten ihre Coins einfach verschieben. Allerdings ist die Verwahrung auf eigene Faust etwas aufwendiger als die Verwahrung über eine Kryptobörse.
Hinzu kommt: Das Delisting der Altcoins bei Robinhood, quasi dem amerikanischen Trade Republic, birgt weitere Risiken. Wenn Anleger bei dem Smartphonebroker nicht mehr mit den Kryptowerten handeln können, droht sich deren Liquidität zu verringern. Ohne den Marktplatz wird die Zugänglichkeit der Assets für Anleger eingeschränkt. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass weitere Tradinganbieter auf Abstand zu den Altcoins gehen.
Binance und Coinbase wollen die Vorwürfe der SEC nicht auf sich sitzen lassen. Aus ihrer Sicht handelt es sich bei den Kryptowerten nicht um zu registrierende Wertpapiere. Vielmehr entsprächen deren Eigenschaften einem Rohstoff, und damit fielen sie unter eine andere Regulierung. Die Kryptobörsen haben bereits angekündigt, gegen die Klagen vorzugehen. „In der Zwischenzeit werden wir unsere Geschäfte wie gewohnt weiterführen“, sagte jüngst Paul Grewal, der die Rechtsabteilung bei Coinbase leitet. Für Kryptoanleger beginnt also eine neue Zitterpartie.
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