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BRICSDie G7-Gruppe sollte zur G11-Gruppe werden

Die G7-Gruppe ist politisch überholt und muss sich grundlegend verändern. Auch, um dem aufstrebenden BRICS-Staatenbündnis etwas entgegenzusetzen. Ein Gastbeitrag.Jim O'Neill 07.07.2025 - 12:59 Uhr aktualisiert
US-Präsident Donald Trump wird vom kanadischen Premierminister Mark Carney bei seiner Ankunft auf dem G7-Gipfel empfangen. Foto: via REUTERS

Seit Donald Trump wieder US-Präsident ist, war es allzu leicht, seine Agenda zu zerpflücken. Nicht zuletzt wegen seiner Wirtschaftsstrategie, die vor Widersprüchen strotzt und Amerika eher ärmer als „great again“ machen wird.

Und dennoch: Als er vor Kurzem vorgeschlagen hat, die G7 durch Russland und vielleicht auch China zu erweitern, musste ich zustimmend nicken.

Mit der Einführung des Euro einigten sich die G7-Staaten Frankreich, Italien und Deutschland auf eine gemeinsame Währung, eine zentralisierte Geldpolitik und gemeinsame fiskalpolitische Regeln. Seitdem ergibt es für die einzelnen Staaten nicht mehr viel Sinn, eigene Positionen in der Elitegruppe G7 zu vertreten. Und wenn man über die Makroökonomie hinaus auf Diplomatie, Sicherheit, öffentliche Gesundheit, den Klimawandel und andere Themen blickt, ist es sogar noch sinnbefreiter.

Zur Person
Jim O’Neill ist Mitglied der Paneuropäischen Kommission für Gesundheit und nachhaltige Entwicklung, Mitglied des britischen Oberhauses sowie ehemaliger Vorsitzender von Goldman Sachs Asset Management. Der Ökonom gilt als Erfinder des heute weltweit verwendeten BRIC-Kürzels für die Gruppe der Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China.

Das war eines meiner Hauptargumente in meinem Beitrag von 2001, in dem ich das Akronym BRIC (Brasilien, Russland, Indien, China) geprägt habe. Damals war bereits klar, dass mit dem Aufstieg dieser Länder der Anteil der Eurozone am globalen Bruttoinlandsprodukt sinken würde. Mein Ziel war es, das Bewusstsein dafür zu schärfen und die G7 zu drängen, globaler und zukunftsorientierter zu werden.

Angesichts dessen, wie sich die Welt seit 2001 entwickelt hat, würde ich Kanada und Großbritannien ausschließen
Jim O'Neill
ehemaliger Vorsitzender von Goldman Sachs Asset Management

Um relevant zu bleiben, hätte die Gruppe nicht nur alternde, im Niedergang begriffene „Industriemächte“ vertreten dürfen. Dafür ging ich sogar noch weiter als Trump heute und schlug vor, neben China und Russland auch Brasilien und Indien einzubeziehen. Die daraus resultierenden G9 würden die BRIC-Staaten sowie Kanada, Vertreter der Eurozone, Japan, Großbritannien und die USA umfassen.

Angesichts dessen, wie sich die Welt seit 2001 entwickelt hat, würde ich Kanada und Großbritannien mittlerweile von der Liste streichen (auch wenn beide darüber sicher nicht erfreut wären). Dass Kanada G7-Mitglied wurde, war schon immer fragwürdig: Wenn Kanada, warum nicht auch Australien? Das Vereinigte Königreich fällt inzwischen, rein wirtschaftlich betrachtet, in die gleiche Kategorie.

G7 haben keinen glaubwürdigen Anspruch auf Relevanz

Es gibt kein schlüssiges Argument, warum diese Länder wichtiger als Indien sein sollten. Klar, die Kanadier und die Briten haben schon lange einen funktionierenden Rechtsstaat und standen Verbündeten wie den USA in vielen historischen Momenten zur Seite. Aber sind diese Attribute für Entscheidungen über die globale Ordnung wirklich relevant?

BRICS

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Selbst wenn Kanada und das Vereinigte Königreich die von mir vorgeschlagenen G9 niemals akzeptieren würden. Eine G11 wäre in jedem Fall viel besser als die derzeitigen G7, die keinen glaubwürdigen Anspruch auf globale Relevanz haben. Trump hat jedenfalls gezeigt, wie viel er für das Bündnis übrig hat: ziemlich wenig.

Und was sind die G7 ohne die USA? Sicher ist es wichtig, ein Forum für gleichgesinnte Demokratien zu bilden, um für bestimmte Fragen nach einer gemeinsamen Basis zu suchen. Wenn es jedoch darum gehen soll, anderen Ländern globale Strategien zu diktieren, ist das der falsche Weg.

Ginge es nach Trump, würde er sich natürlich für die G3 entscheiden. China, Russland und die USA könnten die Welt in ihre Einflusssphären aufteilen. Obwohl Trump nicht auf unbestimmte Zeit Präsident ist, könnte er in den nächsten Jahren die Grundlage für einen dauerhaft neuen Rahmen schaffen.

Die G20 sind zu groß, zu plump und zu anfällig für politischen Druck
Jim O’Neill
ehemaliger Vorsitzender von Goldman Sachs Asset Management

Aber egal, was in nächster Zeit passiert. Politik bleibt kompliziert. Indien wird bis 2030 zur drittgrößten Volkswirtschaft heranwachsen – solange keine größere Krise dazwischenkommt. Dann wird sich das Land bestimmt nicht Russland oder China unterordnen und sollte das auch nicht tun. Außerdem bestreitet niemand, dass Brasilien die führende Macht in Lateinamerika ist, trotz seiner erratischen Wirtschaftspolitik.

Sicher werfen jetzt viele Diplomaten ein, dass doch die G20 die Zukunft der internationalen Ordnung abbilden. Für die BRICS (die ursprünglichen vier plus Südafrika) ist da doch bereits Platz am Tisch. Wozu braucht es da noch etwas Elitäreres?

Ich gehöre zu denen, die es begrüßt haben, als die G20 zwischen 2008 bis 2010 zum wichtigsten globalen Gremium aufgestiegen sind. Sie hatten für die Weltfinanzkrise effektive Lösungen erarbeitet. Doch im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Gruppe zunehmend verrannt. Sie hat sich als zu groß, zu plump, zu anfällig für politischen Druck und Kontroversen erwiesen – egal, ob diese von Russland, China oder den USA ausgingen.

Zudem scheinen die BRICS und andere aufstrebende Mächte in den vergangenen Jahren festgestellt zu haben, dass die G7 die G20 steuern wollen. Die Mitglieder der kleineren Gruppe setzen oft ihre eigenen Ideen durch und legen die Themen ohne Mitspracherecht der anderen fest. Diese Annahme hat es Russland und den anderen BRICS-Staaten erleichtert, sich zusammenzuschließen und sich den Initiativen der G7 zu widersetzen. Ich persönlich war Zeuge, als die G20 nach der Coronapandemie daran gescheitert sind, einen gemeinsamen Gesundheits- und Finanzausschuss aufzustellen.

Ich will damit nicht sagen, dass sich die G20 auflösen sollten. Aber sie müssen effektiver werden. Der beste Weg dorthin? Die G7 so erneuern, dass sie nicht mehr Quelle von Misstrauen und Ressentiments sind.

Copyright: Project Syndicate 2025

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