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Donald Trump und der IranMAGA, das bin ich! Oder?

Der US-Präsident feiert den Waffenstillstand im Nahen Osten als seinen großen Verdienst. Dabei ist seine Lage innenpolitisch heikel. Viele Anhänger wollen einen Rückzug der USA aus der Welt und ihren Kriegen. 25.06.2025 - 10:17 Uhr
Trump setzt der Hamas ein Ultimatum. Foto: dpa

Der Zorn war Donald Trump anzusehen, als er sich auf dem Südrasen des Weißen Hauses vor den wartenden Journalisten aufbaute. Und er hatte allen Grund, sauer zu sein. Die Waffenruhe, die er am Montag zwischen dem Iran und Israel verkündet hatte, hielt nicht. Teheran hatte erneut Raketen auf Israel abgefeuert, Jerusalem Gegenschläge angekündigt. Ein Rückschlag für Trump, der sich gern als Verhandlungsgenie inszeniert. Und als starken Mann, dessen Ansagen Folge zu leisten sind.

Doch dieses Bild – noch nie zutreffend – hat seit der Rückkehr des Republikaners ins Oval Office erhebliche Kratzer bekommen. Der Krieg in der Ukraine tobt weiter, von den zahlreichen Handelsabkommen, die der Präsident seiner Bevölkerung als Gegenleistung für seinen Zollschock versprochen hatte, ist weiterhin kaum etwas zu sehen. Und der Konflikt im Mittleren Osten hat ebenfalls das Zeug dazu, Trumps Image zu untergraben. Fragiler Waffenstillstand hin oder her.

„Mein stolzestes Vermächtnis wird das eines Friedensstifters sein“, hatte er in seiner Rede zum Amtsantritt im Januar versprochen. Doch nun wird er als erster Präsident seit Ronald Reagan in die Geschichte eingehen, der militärisch gegen den Iran vorgegangen ist – und zwar massiv vorgegangen ist. Das ist für ihn ein Risiko. Trumps Aufstieg vom Immobilienunternehmer und Reality-Star zum mächtigsten Mann der Welt wäre ohne die Frustration in der US-Bevölkerung über den katastrophalen Verlauf des Irak-Kriegs nicht möglich gewesen – ein Umstand, der dem 79-Jährigen sehr bewusst ist.

Können sich die USA auf Dauer raushalten?

Mit seinem Bombardement vom Samstag hat er die USA nun in eine Situation manövriert, die er allein nicht mehr kontrollieren kann. Zwar reagierte der Iran bislang nur halbherzig auf die amerikanischen Angriffe, doch der schnelle Bruch der von Trump verordneten Waffenruhe zeigt, dass er die Umstände auf dem Schlachtfeld nicht diktieren kann.

Die Gefahr einer Eskalation, die auch die Vereinigten Staaten tiefer in den Krieg ziehen könnte, ist damit alles andere als gebannt.  Ein weiteres Desaster im Mittleren Osten ist für die Amerikaner nicht ausgeschlossen.

Trump müsste also vorsichtig sein – eine Eigenschaft, die ihm nur selten zugeschrieben wird. Denn auch zu Hause birgt der Iran-Krieg für ihn Risiken. Schließlich besteht die Koalition des Präsidenten zu einem großen Teil aus Isolationisten, die Amerikas politisch-militärische Verwicklungen in der Welt massiv zurückfahren wollen. Trump folgt diesem Instinkt meist ebenfalls – sehr zur Sorge Amerikas Verbündeter, etwa in der NATO.

In diesen Kreisen wird das Bombardement des Iran deutlich kritischer angesehen als in den Überresten des traditionellen republikanischen Establishments, das Trump zu seinem Vorgehen weitgehend applaudierte. Doch der Aufstieg des Präsidenten fand zumindest rhetorisch weitestgehend gegen genau diese Gruppe statt. Kein Wunder, dass sich manche seiner Anhänger bereits vor den Kopf gestoßen fühlen.

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Trump wiederum weist entsprechende Kritik zurück. Als Ex-Fox-News-Moderator Tucker Carlson, eine einflussreiche Stimme an der populistischen Basis der MAGA-Bewegung, in der vergangenen Woche warnte, ein Kriegseintritt der Vereinigten Staaten stünde im Widerspruch zu Trumps „America First“-Ideologie, schoss der Präsident umgehend zurück. Er allein entscheide, was „America First“ bedeute, so Trump. Frei nach dem Motto: MAGA, das bin ich.

Damit hat er durchaus einen Punkt. Schließlich ist es Trump immer wieder gelungen, seine Partei und ihre Wählerschaft auf seine Linie zu bringen. Außenpolitik, Handelspolitik, Haushaltspolitik: In keinem dieser Felder sehen die Republikaner von heute noch so aus wie vor zehn Jahren, als Trump eine Rolltreppe im Trump Tower hinunterfuhr und seine erste Präsidentschaftskandidatur erklärte. Die Fähigkeit, seine Anhängerschaft an sich zu binden, ist in der jüngeren amerikanischen Geschichte beispiellos – obwohl er die breite Öffentlichkeit kaum jemals von sich und seinen Plänen für das Land überzeugen konnte.

Wer kommt nach Donald Trump?

Doch dieser Griff dürfte sich bald lockern. Trump ist 79 Jahre alt. Seine Zeit im Weißen Haus läuft ab. Bei den Zwischenwahlen im kommenden Jahr haben die oppositionellen Demokraten gute Chancen, zumindest eine Kongresskammer zurückzuerobern, was den Handlungsspielraum des Präsidenten weiter einschränken dürfte. Und spätestens dann werden sich die Republikaner auf die Suche nach ihrem nächsten Anführer machen, der die Partei 2028 in die Präsidentschaftswahl führen wird.

Trump weiß das – und scheint auch deshalb bemüht zu sein, sich nicht zu weit von seiner Unterstützerbasis zu entfernen. Ein ausufernder Krieg im Mittleren Osten könnte jedoch genau dazu führen – und den Präsidenten damit schneller als erwartet zur Lame Duck machen. Oder wie es John Boehner, ehemals Sprecher des Repräsentantenhauses, einmal formuliert hatte: „Ein Anführer, dem niemand folgt, ist nur ein Typ, der spazieren geht.“

Noch ist Trump nicht an diesem Punkt. Lange nicht. Zwar lehnen weite Teile der US-Bevölkerung den Kriegseintritt der Amerikaner ab, doch unter Republikanern hat sich die Stimmung in dieser Frage innerhalb weniger Tage gedreht. In der vergangenen Woche wollten auch weite Teile der republikanischen Anhänger nicht, dass die USA den Iran bombardieren. Heute unterstützen sie den Kurs des Präsidenten – ein Beleg dafür, dass die Basis noch bereit ist, Trump zu folgen. Allerdings muss das nicht so bleiben. Eskaliert die Lage im Mittleren Osten, werden die Karten neu gemischt.

Was treibt den Vizepräsidenten?

Und dass die Kritik auch aus der MAGA-Bewegung selbst kommt, ist eine neue Entwicklung. J.D. Vance, etwa, von Trump im vergangenen Jahr zum Vizepräsidenten gemacht, um seine Bewegung in die nächste Generation zu führen, steht dem Einsatz des Militärs im Ausland deutlich skeptischer gegenüber als das ehemalige republikanische Establishment. Nach dem Bombardement schickte das Weiße Haus den 40-Jährigen in mehrere TV-Sendungen, um der Basis zu versichern, dass die Luftschläge eine begrenzte Aktion sein würden, dass es kein Interesse an einem Regimewechsel in Teheran gebe. Kurz: Dass eine weitere Eskalation ausgeschlossen sei.

Doch was, wenn sich die Dinge ändern?

Vance ist klug genug, sich Trump in jeder Hinsicht unterzuordnen. Er wird keinen Konflikt zwischen sich und dem Staatsoberhaupt öffentlich werden lassen. Vance hat immer wieder bewiesen, dass er flexibel genug ist, seine vermeintlichen Überzeugungen preiszugeben, wenn es seinem persönlichen Aufstieg dient. Aber wenn seine Ambitionen und seine Loyalität zu Trump in Widerspruch zueinander geraten? Gleiches gilt für Außenminister Marco Rubio, der ebenfalls nach Höherem zu streben scheint.

Damit hat der Krieg im Iran auch das Zeug, die innere Statik der Trump-Administration zu destabilisieren – insbesondere, wenn die Rolle der Vereinigten Staaten über den Abwurf einiger Bomben hinausgehen sollte. Deshalb braucht Trump schnell Ruhe. Und er wird viel dafür tun, sie zu bekommen.

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