Handel: China schränkt Exporte Seltener Erden ein
Weltmarktführer China verschärft seine Exportkontrollen über die für viele Hochtechnologie-Produkte zentralen Seltenen Erden. Wie das Handelsministerium in Peking am Donnerstag mitteilte, unterliegt nun auch der Export von Technologien zum Abbau und zur Verarbeitung von Seltenen Erden oder zur Herstellung entsprechender Magnete Beschränkungen.
Ohne Zustimmung des Ministeriums ist es chinesischen Unternehmen zudem untersagt, mit Firmen im Ausland bei Seltenen Erden zusammenzuarbeiten. China weitet damit die Restriktionen zur Ausfuhr Seltener Erden und Technologien zur Verarbeitung aus und will dabei vor allem Rüstungskonzerne und Hersteller von Halbleitern im Ausland treffen. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, man sei besorgt und prüfe die Details.
Bei Seltenen Erden handelt es sich um eine Gruppe von Elementen, die für Produkte wie Laser, Militärausrüstung sowie für Magnete in Elektroautos, Windturbinen und Unterhaltungselektronik benötigt werden. China ist mit einem Marktanteil von rund 90 Prozent der weltweit dominierende Anbieter und nutzt seine Marktmacht zunehmend als politisches Instrument.
Im Handelsstreit mit den USA hatte die Regierung in Peking im April mehrere Seltene Erden und verwandte Materialien auf ihre Exportkontrollliste gesetzt. Am Donnerstag kamen weitere Elemente wie Holmium, Erbium, Thulium, Europium und Ytterbium hinzu, ebenso wie Anlagen zur Verarbeitung.
Das Münchner Ifo-Institut rechnet mit erheblichen negativen Auswirkungen auf europäische Industrien. Neu sei, dass sich die Exportrestriktionen nicht mehr nur auf Rohstoffe, sondern auch auf Verarbeitungstechnologien erstreckten. „Engpässe entstehen somit nicht allein auf der Materialebene, sondern zunehmend auch im Bereich der Technologien und Verfahren“, erläuterte Ifo-Expertin Isabelle Gourevich. „Um die Abhängigkeit zu reduzieren, sollte Europa eigene Kapazitäten in der Trennung, Raffination und Magnetproduktion aufbauen.“ Aber das sei kurzfristig schwierig.
Vorbereitung auf Treffen von Trump und Xi
China verschärft die Kontrollen wenige Wochen vor einem geplanten persönlichen Treffen von US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping in Südkorea. Beobachter werteten den Schritt als Versuch Pekings, im Handelsstreit mit den USA seine Verhandlungsposition zu stärken. „Aus geostrategischer Sicht trägt dies dazu bei, den Einfluss Pekings vor dem erwarteten Trump-Xi-Gipfel zu erhöhen“, sagte Tim Zhang, Gründer des in Singapur ansässigen Analysehauses Edge Research.
An der Börse sorgte die Ankündigung für Kursgewinne bei chinesischen Branchenwerten. Anteilsscheine der China Northern Rare Earth Group legten um über acht Prozent zu. Südkorea, Heimat der wichtigen Speicherchiphersteller Samsung Electronics und SK Hynix, prüft nach Angaben seines Industrieministeriums die neuen Beschränkungen. Man werde die Gespräche mit China fortsetzen, um die Auswirkungen zu minimieren, teilte das Ministerium der Nachrichtenagentur Reuters mit.
Rüstungs- und Chipindustrie im Visier
Rüstungsunternehmen in Deutschland haben nach eigenen Angaben bereits vorgesorgt. „Grundsätzlich verfügt Rheinmetall über stabile und sichere Lieferketten, so dass die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen für unsere Produktion sichergestellt ist“, erklärte Europas größter Munitionshersteller. Der Bedarf werde über strategische Einkäufe und Lagerhaltung abgesichert. „Wir haben verschiedenste und sehr ausdifferenzierte Lieferquellen aus allen Teilen der Welt“, sagte ein Sprecher. Konzernchef Armin Papperger hatte jüngst davon gesprochen, dass die Lagerbestände an Rohstoffen für fünf Jahre ausreichten.
Der Rüstungselektronik-Konzern Hensoldt benötigt vor allem das Halbmetall Germanium für Linsen bei Infrarot-Optiken. Der Preis für Germanium sei zuletzt um den Faktor vier gestiegen, erläuterte ein Sprecher. Dennoch sehe das Unternehmen seine Lieferketten als gesichert an.
Auch in der Chipindustrie werden Seltene Erden benötigt, allerdings in sehr geringen Mengen. Deshalb seien die chinesischen Exportkontrollen keine existenzielle Bedrohung, sagt Stefano Orlando, Sprecher der Branchenvereinigung SEMI Europe, die rund 300 in Europa ansässige Halbleiterunternehmen und -institutionen vertritt. „Aber das ist ein langfristiges Problem, wenn man Chinas Dominanz bei Seltenen Erden berücksichtigt.“
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