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Corona-Fall im Weißen Haus Trump positiv auf Corona getestet – Aktienkurse geben weltweit nach

US-Präsident Donald Trump und First Lady Melanie haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Quelle: imago images

Die USA sind auf der Zielgeraden zur Wahl im November. Nun hat sich US-Präsident Trump mit dem Coronavirus angesteckt. Die Börsen reagieren geschockt.

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US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania haben sich mit dem Coronavirus angesteckt. „Wir werden unsere Quarantäne und Erholung sofort beginnen. Wir werden das GEMEINSAM durchstehen“, schrieb Trump in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) auf Twitter. Die USA befinden sich auf der Zielgeraden zur Wahl am 3. November, bei der sich Trump um eine zweite Amtszeit bewirbt.

Trumps Arzt Sean Conley bestätigte das Testergebnis. „Dem Präsidenten und der First Lady geht es beiden derzeit gut“, schrieb er. „Seien Sie versichert, dass ich erwarte, dass der Präsident weiterhin seine Pflichten ohne Unterbrechung erfüllen wird.“

Sollte Trump seine Amtsgeschäfte doch nicht weiter ausüben können, müsste Vizepräsident Mike Pence einspringen. Pence ließ einen Test machen, der negativ ausfiel. Der Vizepräsident werde seit Monaten täglich auf das Coronavirus getestet, schrieb sein Sprecher Devin O'Malley auf Twitter.

Kurz zuvor hatte Trump bestätigt, dass seine enge Beraterin Hope Hicks positiv auf das Virus getestet wurde. Im Umfeld von Trump hat es schon früher Corona-Infektionen gegeben. Hicks verbringt allerdings viel Zeit mit Trump und First Lady Melania.

Die Beraterin war übereinstimmenden Medienberichten zufolge am Dienstag mit Trump in der Präsidentenmaschine Air Force One zur TV-Debatte nach Cleveland gereist, wo Trump mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden aufeinandertraf. Am Mittwoch reiste sie mit zu einem Wahlkampfauftritt nach Minnesota.

„Auswirkungen immens“

Der positive Corona-Test von US-Präsident Donald Trump hat weltweit für Unruhe an den Finanzmärkten gesorgt. Der Dax notierte am Nachmittag 1,24 Prozent tiefer bei 12 573,21 Punkten. Damit deutet sich für den deutschen Leitindex aber noch ein Wochenplus von rund 0,8 Prozent an. Der MDax der 60 mittelgroßen Börsentitel verlor am Freitag 1,29 Prozent auf 26 995,58 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büßte rund 1,1 Prozent ein.

In Japan ging der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,7 am Freitag schwächer bei 23.029,90 Punkten aus dem Handel. Die europäischen Futures lagen im Minus. Die Coronaerkrankung komme für den US-Präsidenten „zu einer denkbar ungünstigen Zeit“, kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. An den Märkten könnte es insbesondere dann turbulent werden, wenn Trump einen schweren Krankheitsverlauf durchmache. „Die ohnehin bestehenden Unsicherheiten würden dann nochmals zunehmen.“



Sollte Trump nur leicht erkranken und sich schnell erholen, könnte er auf mehr Zustimmung bei der Bevölkerung stoßen, sagte Yako Sera, Marktstratege bei der Sumitomo Mitsui Trust Bank in Tokio. „Allerdings behindert die Krankheit seine Möglichkeiten im Wahlkampf, und die Zeit vor der Wahl wird knapp.“ Solange nicht klar sei, ob der nächste Präsident Trump oder Joe Biden heiße, sei es schwierig für die Märkte, sich eindeutig zu positionieren.

Am Rohstoffmarkt gab der Ölpreis nach. Ein Barrel leichtes US-Öl verbilligte sich um 3,9 Prozent auf 37,22 Dollar, Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 39,40 Dollar 3,7 Prozent weniger. Der Ölpreis steuert damit auf ein Wochenminus von sechs Prozent in den USA beziehungsweise sieben Prozent bei Brent zu, das ist der zweite Wochenrückgang in Folge. Neben dem Positiv-Test des US-Präsidenten lastete auch der Stillstand in den Verhandlungen über ein weiteres Konjunkturpaket in den USA auf der Stimmung. „Öl bleibt die schwächste Glied in den Corona-Schlagzeilen, weil der positive Test Trumps zeigt, dass wirklich jeder für das Virus anfällig ist“, sagte Stephen Innes, Marktstratege beim Brokerhaus AXI. Nun werde es wahrscheinlicher, dass Biden die Wahl gewinne.

Finanzmärkte neigen üblicherweise dazu, einen Wahlsieg der Republikaner positiv zu bewerten, weil sie in diesem Fall auf niedrigere Steuern und weniger Regulierung hoffen. Bei einem Wahlsieg Bidens werden dagegen höhere Steuern erwartet, was negativ eingeschätzt werden dürfte. Zugleich allerdings wird damit gerechnet, dass der Demokrat die Ausgaben für die Infrastruktur steigert. „Je nach Wahlsieger dürften zwar unterschiedliche Unternehmen profitieren, in der Summe sehen wir aber kaum größere Unterschiede bei den Marktauswirkungen“, konstatierten die Experten der Commerzbank. „Wichtig wäre aus Sicht der Märkte, dass der Sieger rasch feststeht.“


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Trump wird in der Corona-Pandemie immer wieder vorgeworfen, die Gefahr durch das Virus nicht ernst zu nehmen. Zuletzt hatte er wieder zahlreiche große Wahlkampfauftritte abgehalten. Sie fanden zwar unter freiem Himmel statt. Daran teilnehmen konnten aber Tausende Anhänger, die nicht verpflichtet sind, Masken zu tragen, und größtenteils dicht an dicht stehen.

Trump selbst trägt in der Öffentlichkeit meistens keine Maske. Das Weiße Haus begründete dies damit, dass der Präsident und sein Umfeld regelmäßig auf das Coronavirus getestet würden. Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany hatte das Tragen von Masken im Juni als „persönliche Entscheidung“ bezeichnet und darauf verwiesen, dass sie regelmäßig getestet werde.

Anfang Mai war bekannt geworden, dass sich die Pressesprecherin von US-Vizepräsident Mike Pence, Katie Miller, angesteckt hatte. Ende Juli wurde der Nationale Sicherheitsberater im Weißen Haus, Robert O'Brien, positiv getestet.

Die Corona-Pandemie ist in den USA noch immer nicht unter Kontrolle. Mehr als 7,2 Millionen Infektionen sind seit Beginn der Pandemie nachgewiesen worden. Mehr als 207 000 Menschen starben.

Mehr zum Thema: „America first“ und „Buy American“: Für den Freihandel tritt bei der US-Wahl kein Kandidat ein – eine historische Zäsur. Mit Blick auf die Wähler ist dieser Kurs durchaus paradox.

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