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G20-Finanzministertreffen Warum ein Ende des Handelskriegs plötzlich möglich erscheint

Bundesfinanzminister Olaf Scholz beim Finanzministertreffen in Fukuoka: Alle Teilnehmer hätten sich dazu bekannt, dass es wichtig sei, Spannungen zu überwinden. Quelle: AP

Beim Treffen der G20-Finanzminister in Japan machte sich ungeahnte Hoffnung breit: Die USA und China könnten ihren Streit schon bald beilegen. Dafür sprechen gleich mehrere Entwicklungen.

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Olaf Scholz gehört nicht unbedingt zu jenen Menschen, die zur Euphorie neigen. Schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Deshalb trägt der Bundesfinanzminister selbst tendenziell frohe Botschaften zumeist mit mimischem Gleichmut vor. So war es auch am Sonntagabend, als Scholz seine Bilanz des Finanzministertreffens der G20 im japanischen Fukuoka zog – und immerhin die halbwegs realistische Aussicht auf einen Durchbruch im Handelskonflikt zwischen den USA und China verkündete.

Alle Teilnehmer des Treffens, so Scholz, hätten sich dazu bekannt, dass es wichtig sei, aktuelle Spannungen zu überwinden. „Alle“ bedeutet: auch China und die USA. Weiter sagte der seine Worte fast immer wägende Finanzminister, er habe „die Zuversicht mitgenommen, dass das passieren könnte“. Dann ließ er noch durchblicken: wahrscheinlich eher demnächst als irgendwann. Vielleicht, sollte das heißen, sogar bereits beim anstehenden G20-Gipfel in Osaka. In zwei Wochen fliegt Scholz erneut nach Japan – dann gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel.

Andere Teilnehmer der Verhandlungen in Fukuoka teilen Scholz‘ Zuversicht. Ihre ebenfalls vorsichtige Einschätzung: Es könnte sein, dass die Amerikaner langsam Angst vor der eigenen Courage bekommen.
Zumindest mehren sich dafür die Anzeichen. So traten die Unterhändler der USA dieses Mal offenbar ausgesprochen freundlich auf – und damit verbindlicher als während der bisherigen Amtszeit von Donald Trump. Auch scheine sie zusehends zu nerven, heißt es weiter, dass die Vertreter fast aller anderen Länder ständig auf sie einredeten, weil sie nicht nur der Weltwirtschaft, sondern auch sich selbst schadeten.

Entscheidend sei aber der wachsende Druck der US-Wirtschaft auf den Präsidenten. Nicht nur viele CEOs fürchten angesichts der ungelösten Handelskonflikte einen mittel- bis langfristigen Schaden, sondern auch zahlreiche Investoren. Entsprechend bescheiden war zuletzt die Performance des Dow Jones. „Auch wenn Trump sich wahrscheinlich nicht für allzu viele ökonomische Daten interessiert, dessen Punktestand hat er immer im Blick“, sagt ein Gipfel-Teilnehmer.
Die Hinweise auf ein baldiges Ende des Handelskonflikts zwischen den USA und China hat es an diesem Wochenende also durchaus gegeben. Trotzdem ist ein erneuter Stimmungsumschwung des US-Präsidenten noch immer möglich. Zu jeder Zeit. In jede Richtung.
Bliebe dieser in den nächsten Wochen allerdings aus, wäre das wahrscheinlich auch eine gute Nachricht für die Europäer. Es sei nicht besonders realistisch, dass Trump den Konflikt mit China befriede und gleich den nächsten mit der EU losbreche, hieß es in Fukuoka. Schließlich seien die negativen Folgen für die Wirtschaft vergleichbar.

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