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Handelskonflikt Gespenstische Ruhe in den USA

Handelskonflikt USA und China: Gespenstische Ruhe in den Staaten Quelle: imago images

Die US-Wirtschaft nimmt die jüngste Eskalation im Handelskonflikt mit China ohne größere Gegenwehr hin. Es überwiegt die Hoffnung, dass die zusätzlichen Zölle sie nicht wirklich treffen werden.

Zumindest der Präsident gab sich gelassen. Es gebe überhaupt keinen Grund zur Eile, twitterte Donald Trump am Vormittag, nur wenige Stunden, nachdem seine Administration im Handelskrieg mit China die bislang größte Bombe gezündet hatte. Um Mitternacht Washingtoner Zeit schraubte die US-Regierung die Strafzölle auf chinesische Importe im Wert von 250 Milliarden Dollar von bisher zehn auf 25 Prozent in die Höhe. Weitere Maßnahmen könnten folgen. So bereitet der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer bereits Sonderzölle auf chinesische Produkte vor, die bislang noch nicht belegt worden sind.

Schon vor dem bereits vollzogenen Schritt hatten Ökonomen seit Monaten gewarnt. Trump wiederum zeigte sich vollends unbeeindruckt. „Zölle werden deutlich mehr Wohlstand für unser Land bringen, als es ein phänomenales Handelsabkommen könnte“, twitterte er weiter.

Von Experten wird diese Einschätzung nicht geteilt. Schon vor der jüngsten Eskalation beklagten Experten, dass Trumps Zollspirale die Vereinigten Staaten in diesem Jahr mindestens 0,1 Prozentpunkte an Wachstum kosten würde. Durch die neuen Raten könnte sich diese Zahl sogar verdreifachen, warnt das Beratungsinstitut Oxford Economics. Kurz: Die Zölle belasten die US-Wirtschaft, und das nicht zu knapp. Die Vergeltungsmaßnahmen gegen amerikanische Unternehmen, die China bereits angekündigt hat, sind da noch gar nicht eingepreist.

Auch deshalb hatte die Business-Community Ende des vergangenen Jahres massiv Druck auf die Regierung ausgeübt, den Handelsstreit mit China nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. Zwar ärgerte man sich über als unfair empfundene Praktiken der chinesischen Partner, der Zollhammer schien den meisten jedoch ein denkbar ungeeignetes Instrument, um die Probleme zu beseitigen. Auch die Chinesen wollten weitere Handelsschranken verhindern. So kam es schließlich zu den direkten Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen. Auch heute trafen sich die Delegationen wieder in Washington. Zuletzt war mit einem Abschluss bis Ende Mai kalkuliert worden. Doch welche Auswirkungen die neuen Zölle auf die Gespräche haben, ist nicht abzusehen

Auch deshalb hält sich die Business-Community aktuell mit Protesten gegen die höheren Zölle zurück. Nichts soll die Verhandlungen schräg gegenüber des Weißen Hauses zusätzlich belasten. Lediglich aus einigen Verbänden dringen mahnende Worte an die Öffentlichkeit. „Unsere Branche unterstützt mehr als 18 Millionen US Jobs. Höhere Zölle sind ein Desaster“, warnt etwa Gary Shapiro von der Consumer Technology Association. Ansonsten herrscht angespannte Stille.

Ein Grund dafür ist, dass die neuen Zölle US-Importeure nicht unmittelbar treffen. Zwar bot der Zeitraum zwischen der Ankündigung des Anstiegs vor fünf Tagen bis zum Inkrafttreten amerikanischen Unternehmen kaum Zeit, um sich auf die neue Situation vorzubereiten, bis sie die höheren Raten tatsächlich zu spüren bekommen, wird es jedoch noch ein paar Wochen dauern.

Dies hängt mit der Ausgestaltung der Zölle zusammen. Produkte, die vor Freitag um Mitternacht bereits auf dem Weg in die Vereinigten Staaten waren, trifft der höhere Satz noch nicht sofern sie vor dem 1. Juni ankommen. „Dieser Umstand könnte ein inoffizielles Zeitfenster schaffen, in dem die USA und China weiterverhandeln können“, heißt es etwa bei Goldman Sachs. Dass die Gespräche trotz der erhöhten Zölle weitergehen, sei ebenfalls ein „positives Zeichen“.

Damit blieben den Verhandlungspartnern noch drei Wochen, um einen Deal abzuschließen, bevor die verhängten Importabgaben auch für die betroffenen Unternehmen zur Realität werden. Sollte es jedoch nicht gelingen, dürfte „Zoll-Mann“ Trump schon bald mit der nächsten Erhöhung den Druck auf die Chinesen verstärken. Das Fundament legte der Präsident bereits, in dem er androhte, die Zölle auf weitere Waren im Wert von 325 Milliarden Dollar auszuweiten. Spätestens dann wäre der Handelskrieg zwischen den beiden Supermächten total.

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