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Nato-Mission US-Truppenabzug aus Afghanistan offenbar nahezu abgeschlossen

Deutlich vor der angepeilten Frist sollen die USA 650 Soldaten aus Afghanistan abziehen. Zuvor beendete Deutschland seinen Bundeswehr-Einsatz in dem Land.

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Nach knapp 20 Jahren beendet auch die deutsche Bundeswehr ihren Einsatz in dem Land. Quelle: Reuters

Die USA haben Insidern zufolge fast alle ihre Truppen aus Afghanistan abgezogen. Das US-Militär werde in wenigen Tagen den Rückzug abgeschlossen haben, weit vor der von Präsident Joe Biden gesetzten Frist vom 11. September, sagten mit der Angelegenheit vertraute US-Beamte der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag.

Der Abzug der Truppen und Ausrüstung schließe nicht die Sicherheitskräfte ein, die zum Schutz der Diplomaten in der US-Botschaft und möglicherweise zur Sicherung des Flughafens in Kabul verbleiben werden.

Die Beamten sprachen in dem Zusammenhang von rund 650 Soldaten. Das Pentagon erklärte, dass der US-Abzug nicht unbedingt das Ende der Nato-Mission 'Resolute Support' in Afghanistan bedeute, verwies aber auf weitere Anfragen an die Nato.

Der Abzug der US-geführten Mission hat die Befürchtung geweckt, dass das Land in einem Bürgerkrieg versinken könnte, den die Extremistengruppe Al-Kaida zum Wiederaufbau und zur Planung neuer Angriffe auf US- und andere Ziele nutzen könnte.

In einem Bericht der Vereinten Nationen vom Januar hieß es, dass sich bis zu 500 Al-Kaida-Kämpfer in Afghanistan aufhielten und dass die Taliban eine enge Beziehung zu der islamistischen Extremistengruppe pflege.

Die Taliban bestreiten, dass Al-Kaida in dem Land präsent ist. Die Taliban hatten Afghanistan von 1996 bis zu ihrem Sturz durch die US-geführten Truppen 2001 beherrscht und die Menschenrechte, vor allem aber die Rechte der Frauen, im Land massiv beschnitten. Seit ihrer Vertreibung von der Macht kämpften sie gegen die ausländischen Truppen und die Regierung in Kabul.

Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan abgezogen

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin wird am Mittwoch auf seine deutsche Amtskollegin Annegret Kramp-Karrenbauer treffen. Deutschland, das nach den USA das zweitgrößte Truppenkontingent in Afghanistan hatte, gab am Dienstag bekannt, dass es seinen Abzug abgeschlossen habe. „Nach fast 20 Jahren Einsatz haben heute Nacht die letzten Soldatinnen und Soldaten unserer Bundeswehr Afghanistan verlassen. Sie sind nun auf dem Weg nach Hause“, erklärte Kramp-Karrenbauer, die derzeit in den USA zu Besuch ist, am Dienstagabend.

Mit dem Abzug gehe ein historisches Kapitel zuende, ein intensiver Einsatz, der die Bundeswehr gefordert und geprägt und in dem sich die Truppe im Kampf bewährt habe. „Ein Einsatz, bei dem Angehörige unserer Streitkräfte an Leib und Seele verletzt wurden, bei dem Menschen ihr Leben verloren haben, bei dem wir Gefallene zu beklagen hatten. Meine Gedanken sind bei ihnen, sie bleiben unvergessen.“

In den vergangenen knapp 20 Jahren waren rund 150.000 Bundeswehr-Soldaten am Hindukusch im Einsatz, viele von ihnen mehrfach. 59 deutsche Soldaten kamen in dem Land ums Leben, 35 von ihnen wurden im Gefecht oder durch Anschläge getötet.

Für Deutschland ist es damit der tödlichste Militäreinsatz seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Zuletzt hatte die Bundeswehr noch Soldaten in einem großen Feldlager in Masar-i-Scharif im Norden des Landes sowie im Hauptquartier in Kabul stationiert. Die radikal-islamischen Taliban sind seit einigen Wochen auch im Norden wieder auf dem Vormarsch. Die Gewalt nimmt im ganzen Land zu.

Zu Beginn des Abzuges hatte die Bundeswehr erklärt, sie werde rund 800 Container-Ladungen Material nach Deutschland zurückverlegen, darunter Fahrzeuge, Hubschrauber, Waffen und Munition. Das multinationale Feldlager in Masar-i-Scharif, das die Bundeswehr führte, war zuletzt mit Mörsern verstärkt worden, um Angriffe der radikal-islamischen Taliban während der Abzugsphase abzuwehren.

Die Taliban hatten Afghanistan von 1996 bis zu ihrem Sturz durch die US-geführte Truppen 2001 beherrscht und die Menschenrechte, vor allem aber die Rechte der Frauen, im Land massiv beschnitten. Seit ihrer Vertreibung von der Macht kämpften sie gegen die ausländischen Truppen und die Regierung in Kabul.

Kramp-Karrenbauer kündigte eine Bilanz des Einsatzes an. „Wir werden offen darüber reden, was gut war, was nicht gut war und was wir gelernt haben“, erklärte die Ministerin. Im Sommer sollten mit einem Festakt all diejenigen gewürdigt werden, die im Afghanistan-Einsatz gedient hätten.

Mehr: Das westliche Militärbündnis nennt China eine „systemische Herausforderung“

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