US-Zölle: „Ich hoffe, die EU reagiert klug auf Trumps Pläne“
Der künftige US-Präsident Donald Trump will bereits an seinem ersten Amtstag hohe Importzölle verhängen. Mittelfristig könnte es alle Länder treffen.
Foto: imago imagesWirtschaftsWoche: Herr Krämer, Donald Trump hat angekündigt, bei Amtsübernahme im Januar auf alle Importe aus Mexiko und Kanada einen Zollsatz von 25 Prozent und auf Importe aus China einen zusätzlichen Zollsatz von 10 Prozent zu erheben. Welche Folgen haben die Zölle für das Wachstum der US-Wirtschaft?
Jörg Krämer: Wenn Trump seine Pläne wirklich umsetzt, würde zunächst die US-Inflation anziehen. Denn innerhalb von wenigen Monaten könnte die US-Wirtschaft die Importe aus China, Kanada und Mexiko nicht ersetzen. Die Importe aus diesen Ländern machen knapp die Hälfte aller Importe der USA aus. Konsumenten und Unternehmen wären also gezwungen, die Zölle zu bezahlen. Langfristig litte die internationale Arbeitsteilung, was auch die US-Wirtschaft belastete.
Experten warnen, höhere Importzölle könnten die Inflation in den USA, die derzeit bei 2,6 Prozent liegt, in die Höhe treiben. Wie berechtigt sind die Sorgen?
Die Sorgen vor einer höheren Inflation sind absolut berechtigt. Zum einen verteuern die Zölle den Import. Zum anderen lenken sie die Nachfrage auf US-Produkte um, so dass Arbeit und Kapital in den USA knapper werden, was ebenfalls für eine höhere Inflation spricht.
Mit welchen Größenordnungen ist bei einem Inflationsschub zu rechnen?
Selbst wenn Trump seine Zollpläne aus dem Wahlkampf nur zur Hälfte umsetzt, dürfte die US-Inflation um rund einen Prozentpunkt steigen. Das ist beträchtlich.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.
Foto: PRWie wird die US-Notenbank Fed auf höhere Zölle und gegebenenfalls höhere Inflationsraten reagieren?
Die Zölle erhöhen die Inflation und schieben die Konjunktur an. Wir hatten deshalb am Morgen nach Trumps Wahlsieg unsere Leitzinsprognose für die USA um einen halben Prozentpunkt angehoben. Die US-Notenbank dürfte ihren Leitzins jetzt nur noch auf 4,0 Prozent senken.
Müssen sich die Märkte auf einen Konflikt zwischen Trump und der Notenbank Fed einstellen?
Trump hatte die US-Notenbank im Wahlkampf massiv angegriffen. Dazu passt ein Vorschlag seines designierten Finanzministers. Er regte jüngst an, Trump solle bereits im Januar einen Nachfolger für den Zentralbankpräsidenten Jerome Powell vorschlagen, obwohl er erst ein Jahr später, Anfang 2026, in Rente geht. Der Nachfolger solle dann, obwohl noch lange nicht im Amt, ankündigen, die vorsichtige Zinspolitik der Notenbank nach seinem Amtsantritt rückgängig zu machen. Trump könnte so die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank beschädigen, ohne formal gegen Gesetze zu verstoßen. Mittlerweile hat der designierte Finanzminister seinen Vorschlag wieder zurückgezogen. Das ändert aber nichts daran, dass die Unabhängigkeit der Notenbank unter einem Präsidenten Trump leiden dürfte.
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Welche Auswirkungen werden die Zölle und gegebenenfalls die Reaktionen der Fed auf den Wechselkurs des Dollars haben?
Der Dollar hat seit dem Wahlsieg Trumps deutlich aufgewertet. Aber der sich abzeichnende Konflikt zwischen dem Präsidenten und der Notenbank dürfte den Dollar irgendwann im Verlauf des kommenden Jahres anfangen zu belasten. Insofern steht die gegenwärtige Dollar-Stärke auf tönernen Füssen.
Mit welchen Gegenreaktionen der von den Zöllen betroffenen Länder ist zu rechnen?
Ich hoffe, die Europäische Union reagiert klug auf Trumps Pläne. Trump ist ein Dealmaker, weshalb ihm die EU etwas anbieten sollte, etwa die Senkung ihrer Autozölle, die höher sind als die entsprechenden US-Zölle. Aber leider neigt auch die EU zum Protektionismus. Deshalb dürfte die EU am Ende mit Gegenzöllen reagieren.
Welche Folgen hätte eine Eskalation der Handelsstreitigkeiten auf die globalen Inflationsaussichten?
Eine Eskalation der Handelsstreitigkeiten würde die internationale Arbeitsteilung massiv schädigen. Das würde die Produktivität senken und die Inflation deutlich erhöhen.
Könnten Europa und Deutschland als lachende Dritter dastehen, wenn Trump seine Zollattacken auf Mexiko, Kanada und China konzentriert?
In diesem Fall würden Güter aus dem Euroraum auf dem US-Markt im Vergleich zu denen aus China, Kanada und Mexiko günstiger, die preisliche Wettbewerbsfähigkeit des Euroraums würde sich verbessern. Aber letztlich will Trump Zölle gegenüber allen Ländern erhöhen, also auch gegenüber den Verbündeten. Am Ende würden auch wir verlieren.
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