Coronabetrug Stempel, Chargenaufkleber, Impfpässe: Ermittler durchsuchen Wohnungen und Arztpraxis

Gefälschte Impfpässe sind für viele Impfgegner und Bequemlichkeitsbetrüger immer noch einen Versuch wert. Quelle: dpa

Die Impfkampagne in Deutschland stockt, noch immer entscheiden sich einige Menschen lieber dafür, eine Impfung vorzutäuschen. Jetzt haben Ermittler in Bayern und Nordrhein-Westfalen erneut Dutzende Fälle aufgedeckt.

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In Köln trägt die Ermittlungsgruppe den treffenden Namen „Stempel“ – und von denen haben die Kölner und ihre Kollegen in München am Dienstag erneut Hunderte aus dem Verkehr gezogen. Rund 300 Polizisten sind im Rheinland und in der bayerischen Landeshauptstadt gegen mutmaßliche Impfpassfälscher und deren Abnehmer vorgegangen. Sie durchsuchten 90 Wohnungen und eine Arztpraxis, wie die zuständigen Staatsanwaltschaften mitteilten.

Die Kölner Staatsanwältin Miriam Margerie sprach auf Anfrage der WirtschaftsWoche von 46 Beschuldigten im Zusammenhang mit den Durchsuchungen am Dienstag. Zwischen den Fällen bestehe keine Verbindung. Ein niedergelassener Arzt soll Bescheinigungen ohne tatsächlich durchgeführte Corona-Impfungen ausgestellt haben. In den übrigen Verfahren gehen die Strafverfolger davon aus, dass die Beschuldigten gefälschte Zertifikate hergestellt oder sich manipulierte Testnachweise oder Impfpässe beschafft und verwendet haben. Die meisten seien im Einzelhandel aufgefallen oder in Apotheken, als sie versuchten mit gefälschten Impfnachweisen an echte digitale Zertifikate zu kommen, sagte Margerie. Wie viele Dokumente genau sichergestellt wurden, konnte sie noch nicht sagen. Es sei aber eine große Zahl.

Das Fälschen, das Ausstellen und der Gebrauch unrichtiger Gesundheitsdokumente können seit einigen Monaten mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet werden, im Fall von gewerbs- oder bandenmäßiger Täuschung mit bis zu fünf Jahren. Der Apothekerverband sprach nach der Gesetzesverschärfung davon, dass damit eine „Strafbarkeitslücke“ geschlossen werde.

Doch die drohende Strafverfolgung schreckt offenbar immer noch viele Impfgegner oder Bequemlichkeitsbetrüger nicht ab. Bei der Aktion in München stellten die Beamten 95 gefälschte Impfausweise und digitale Covid-Zertifikate der EU sicher, aber auch den Stempel einer Arztpraxis, Chargenaufkleber, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Bargeld. Einige der Durchsuchungen haben bereits am vergangenen Freitag stattgefunden.

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Auch auf Flughäfen fallen der Polizei immer wieder Fälschungen auf. Allein am größten deutschen Airport in Frankfurt ermittelte sie seit Beginn des Jahres in mehr als 150 Fällen „wegen des Gebrauchs unrichtiger Gesundheitszeugnisse“. Ein Beispiel: Vor wenigen Tagen stellte ein 58-jähriger Franzose auf dem Weg von Lyon nach Moskau laut Bundespolizei fest, dass ihm für den Weiterflug von Frankfurt nach Russland ein gültiger PCR-Test fehlte. Kurzerhand habe er einem russischen Freund mittels eines Messengerdienstes einen bereits abgelaufenen Test geschickt. Der Freund habe das Datum per Bildbearbeitung verändert und den so verfälschten Test zurück an den Franzosen geschickt. Einem Mitarbeiter der Fluggesellschaft sei beim Boarding das abweichende Schriftbild aufgefallen – und habe die Kollegen alarmiert.

Mehr zum Thema: In wenigen Wochen kommt ein neues Corona-Vakzin auf den deutschen Markt. Das Mittel Nuvaxovid des US-Herstellers Novavax könnte die schwächelnde deutsche Impfkampagne wieder etwas in Schwung bringen. Die bewährte Technologie lockt Impfskeptiker.

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