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Freytags-Frage
Die Nichregierungsorganisation

Welche Rolle sollten NGOs spielen?

Mit der politischen Bedeutung wächst auch die Kritik an Nichtregierungsorganisationen - und die Erkenntnis, dass auch hinter guten Zielen oft persönliche Interessen und fragwürdige Methoden stehen.

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In den vergangenen Jahren haben Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sehr stark an Einfluss gewonnen. Dafür dürfte es mehrere Gründe geben. Erstens widmen sich NGO – anders als Interessengruppen und Gewerkschaften – offiziell nicht dem eigenen Wohl, sondern streben eine Verbesserung der Welt an. Anders gewendet setzen sie sich zum Beispiel dafür ein, die Welt vor Zerstörung, die Menschen vor Ausbeutung oder die Tierwelt vor Ausrottung zu retten. Das ist erst einmal positiv und verdient Beachtung. Wer dieses Ziel formuliert, kann sich eigentlich des Respekts und der Unterstützung der meisten Menschen sicher sein.

Zweitens haben gerade im Zuge der Finanzkrise Akteure aus der Wirtschaft erheblich an Reputation und damit wohl auch an Einfluss verloren. NGOs bilden einen Gegenpart, der sich der Sache derer annimmt, die nicht so gut vernetzt und finanziell ausgestattet sind wie die Akteure der Wirtschaft.

Drittens fühlen sich viele Menschen von der Politik übergangen und wollen die Zivilgesellschaft stärker an Entscheidungsprozessen beteiligt sehen. Es wird von vielen NGOs ein Legitimationsdefizit vieler politischer Akteure identifiziert und beklagt. Dies gilt im besonderen Maße für internationale Organisationen.

Diese Nichtregierungsorganisationen scheinen sich gerade in Deutschland einer hohen Reputation zu erfreuen. Der Zulauf ist groß, und wenn die großen Organisationen (Greenpeace, Amnesty International, Foodwatch und andere) zu Aktionen aufrufen, erhalten sie große Unterstützung. Auch die Unterstützung aus der Politik wächst. NGOs erhalten regelmäßig Geld aus öffentlichen Töpfen.

Dieses positive Bild erhält möglicherweise gerade einige Dellen. Denn in dieser Woche gab es bedrückende Nachrichten aus der Welt der NGOs, seit bekannt wurde, dass der World Wildlife Fund (WWF) mit Killerkommandos zusammenarbeitet, um Wilddieberei zu verhindern. Dabei scheint es tatsächlich zahlreiche Morde gegeben zu haben. Die Organisation soll zudem Waffen gehandelt haben, um die entsprechenden paramilitärischen Kräfte auszurüsten. Schließlich soll sich der WWF Fördermittel mit falschen Angaben erschlichen haben, wie das amerikanische Magazin BuzzFeed zeigt.

Aber der WWF ist nicht allein. Auch Greenpeace, schon mehrfach wegen kleinerer oder größerer Skandale in den Medien, ist wieder in die Aufmerksamkeit gerückt. Das legendäre Schiff „Rainbow Warrior II“ wurde wohl gerade in Bangladesch unter umweltfeindlichen und menschenunwürdigen Bedingungen verschrottet, obwohl die Organisation dies eigentlich verhindern wollte.

Ein dritter Fall, der die Redlichkeit und systematische moralische Überlegenheit einiger selbsternannten Sittenwächtern in Frage stellt, ist die Kampagnenorganisation Campact, die sich besonders mit der Kampagne gegen die transatlantische Handel- und Investitionspartnerschaft (TTIP) hervorgetan hat. Dabei hat sie sowohl mit Lügen argumentiert als auch nie darauf reagiert, dass die Vertreter in Brüssel den nachvollziehbaren Teil der Kritik an den Verhandlungen aufgriffen. Es ging wohl von Anfang an nicht um die Sache.

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