Omikron-Welle: Kein Plan für den Pieks: Zukunft der Impfzentren ist ungewiss
Wo gibt's künftig die Spritze? Viele Bundesländer haben ihre Impfzentren inzwischen geschlossen, bieten aber über Impfaktionen wie hier in der Stadthalle in Braunschweig weiterhin Impfungen an.
Foto: dpaSonntag soll es so weit sein, 20. März, alle „tiefgreifenden Maßnahmen“ der Corona-Auflagen werden aufgehoben – ein bemerkenswerter Zeitpunkt angesichts der Rekordwerte, die es derzeit bei den Neuinfektionen in Deutschland gibt. Zwar treffen sich Bund und Länder zur Ministerpräsidentenkonferenz, doch ansonsten haben sie der Omikron-Welle offensichtlich wenig entgegen zu setzen.
300.000 neue Infektionen sind am Mittwoch binnen 24 Stunden beim Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet worden. Zeitgleich sinkt die Zahl der Impfungen auf einen der niedrigsten Werte: Nur 13.000 Erstimpfungen wurden am Mittwoch verzeichnet. Damit scheitert die Regierung weiterhin an ihrem selbstgesteckten Ziel, 80 Prozent der Bevölkerung zu immunisieren.
Ende Januar hatte diese Impfquote bereits erreicht werden sollen, jetzt, Mitte März, sind es 75,8 Prozent, Tendenz: schleichend steigend. Zumal auch die Booster-Quote ausbaufähig ist, sie liegt derzeit bei 58,1 Prozent. Dass die Impflücke über eine generelle Impfpflicht gegen Corona geschlossen wird, gilt als unwahrscheinlich.
Kein übergeordnetes Lagebild
Fünf Gesetzentwürfe wurden zur Impfpflicht vorgelegt, am Donnerstag fand im Bundestag die erste Lesung statt, demnächst soll fraktionsunabhängig abgestimmt werden – eines ist aber bereits jetzt schon klar: Auch künftig wird eine Infrastruktur für die Impfungen gebraucht.
Doch weder das Bundesgesundheitsministerium noch der Corona-Krisenstab im Kanzleramt unter General Carsten Breuer haben einen Überblick, ob und wie viele Impfzentren überhaupt geöffnet sind. Sie verweisen jeweils auf die Zuständigkeit der Länder – ein übergeordnetes Lagebild zur Infrastruktur gibt es damit zwei Jahre nach Pandemiebeginn also noch immer nicht.
Lesen Sie hier das Interview mit General Breuer: „Wir müssen den Worst Case vorbereiten“
Zwei Milliarden Euro für Impfzentren
Dabei wäre eine vorausschauende Planung mit Blick auf den Herbst und die mögliche vierte Impfung bereits jetzt notwendig. In den Ländern herrscht jedoch Unsicherheit, wie es weiter geht. Bisher hat der Bund die Kosten der Impfzentren und mobilen Impfteams zur Hälfte erstattet. Ende Mai läuft die Regelung aus der Coronavirus-Impfverordnung aus, noch gibt es keine Entscheidung über die Finanzierung.
Insgesamt rund zwei Milliarden Euro hat der Bund den Ländern seit Februar 2021 für den Betrieb der Impfzentren über das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) erstattet, eingeschlossen der Terminvergabe-Module. Rund 212 Millionen Euro waren es bereits in diesem Jahr.
Angesichts der hohen Kosten und geringen Nachfrage haben sich deshalb inzwischen zahlreiche Länder entschieden, ihre Impfzentren zu schließen, dazu gehören beispielsweise Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Hessen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sie setzen etwa auf kommunale Impfstellen- und Teams, aber auch Hausärztinnen und Hausärzte.
Dagegen hat Bayern noch 81 Impfzentren in Betrieb, wie das Gesundheitsministerium in München mitteilt. Aber auch Bremen, das mit einer Impfquote von 88,9 Prozent deutschlandweit führend ist, hat ein Impfzentrum sowie ein Kinder-Impfzentrum weiter geöffnet, hinzu kommen fünf Impfstellen, mehrere mobile Teams, zwei Impftrucks und ein Impfbus.
Im Stand-by-Modus über den Sommer?
Aus Sicht des Deutschen Städte- und Gemeindebunds ist die Schließung der Zentren keine gute Strategie. „Die Impfzentren sollten weiter bestehen bleiben, angepasst an die Nachfrage gegebenenfalls im ,Stand-By‘-Modus, um sie dann rasch wieder aktivieren zu können“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Für die Finanzierung sollten weiterhin Bund und Länder aufkommen.
Denn auch Richtung Herbst sei wieder mit steigenden Infektionszahlen zu rechnen. Zudem werde der angepasste Impfstoff erwartet. „Dann wird die Nachfrage nach Auffrischimpfungen wieder deutlich steigen“, ist Landsberg überzeugt.
Impfangebote für Geflüchtete
Hinzu komme die aktuelle Entwicklung mit der wachsenden Zahl an ukrainischen Kriegsflüchtlingen. Die Impfzentren seien auch für die Versorgung der Geflüchteten wichtig. „Die Impfzentren können in den kommenden Wochen auch genutzt werden, um den aus der Ukraine nach Deutschland geflüchteten Menschen Impfungen gegen das Corona-Virus anzubieten“, sagte Landsberg.
Zwar erwartet auch er über den Sommer eine Entspannung bei den Infektionszahlen – doch ob und wie die Zeit für eine Vorbereitung auf den Hebst genutzt wird, ist derzeit offen.
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