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ParteispendenDeutsche Gründer würden Grün wählen – doch ihr Geld geben sie jemand anderem

Der Großteil der deutschen Gründer würde Grün wählen. Geld gibt die Start-up-Szene aber lieber anderen Parteien.Lisa Ksienrzyk 26.01.2025 - 10:10 Uhr

SPD, Grüne und CDU buhlen um die Gunst der Wähler. Finanziert wird der Wahlkampf auch mit Mitteln aus der Wirtschaft.

Foto: imago images

Nicht nur in den Vereinigten Staaten haben Tech-Unternehmer den Wahlkampf angefeuert, auch in Deutschland mischen Start-up-Gründer mit – in anderer Größenordnung. Mehrere Firmeninhaber haben in den letzten Monaten Geld an Parteien gespendet. Auffällig ist, dass die Auswahl der Parteien nicht mit dem Wahltrend der Tech-Szene übereinstimmt.

Der Start-up-Verband veröffentlicht jährlich Ergebnisse der Sonntagsfrage. Dafür fragt die Organisation Tausende Gründerinnen und Gründer nach ihrer Parteipräferenz. Die Grünen sind seit jeher mit Abstand auf Platz eins. Die letzte Erhebung fand im Sommer 2024 statt. Damals hätten 41,3 Prozent die Grünen gewählt – etwas weniger als in den Vorjahren. Auf Platz zwei lag die FDP mit 21,4 Prozent, danach folgten CDU/CSU (15,5 Prozent), Volt (6,7 Prozent) und SPD (5,5 Prozent). Drei Prozent der Unternehmer stimmten für die AfD.

Die Ergebnisse ähneln kaum den aktuellen Werten der Sonntagsfrage – und passen auch nicht zu den getätigten Großspenden der Tech-Millionäre. Einzelne Spenden, die die Marke von 35.000 Euro überschreiten, müssen laut Gesetz veröffentlicht werden. Wie diese Spendenanzeigen des Bundestags zeigen, fließt das meiste Geld aus der Gründerszene in die CDU und FDP.

Parteispenden

CDU erhält fast zehnmal so viele Großspenden wie die SPD

Großspenden sind essentiell zur Finanzierung von Wahlkämpfen. Aktuelle Zahlen zeigen: Die SPD gerät im Vergleich zur CDU gewaltig ins Hintertreffen.

Unternehmer Stephan Schambach, einer der E-Commerce-Pioniere aus den 90er Jahren, hat allein im vergangenen Jahr 800.000 Euro in mehreren Tranchen in die CDU gesteckt. Etwa die Hälfte der Summe spendete der Investor nach dem Bruch der Koalition. Stefan Klocke, Investor und Aufsichtsratschef des mittlerweile insolventen Flugtaxibauers Volocopter, überwies der CDU im vorigen Jahr ebenfalls 100.001 Euro.

Jüngster Großspender ist Carsten Maschmeyer. In einem Beitrag auf X kündigte er an, jeweils 200.000 Euro an CDU und FDP zu spenden. „CDU/CSU und FDP traue ich die höchste wirtschaftliche Kompetenz zu“, begründet Maschmeyer seine Wahl. Seiner Meinung nach würden beide Parteien mit ihrer Agena die Bedingungen für Gründerteams verbessern.

Die beiden Berliner Gründer Tao Tao und Johannes Reck, Macher der Ticketplattform Getyourguide, finanzierten die FDP im Dezember mit jeweils 100.000 Euro. Tao ließ den Liberalen bereits im Wahlkampf 2021 Geld zukommen. Recks Vater Hans-Joachim Reck war unter anderem Bundesgeschäftsführer der CDU. „Wir benötigen dringend umfassende Strukturreformen, um unser Land wieder zu einem attraktiven Standort für Unternehmerinnen und Unternehmer zu machen. Diese Aufgabe kann nur durch entschlossenes Handeln aus der demokratischen Mitte heraus bewältigt werden“, begründet Getyourguide-Chef Johannes Reck seine Wahl für die FDP.

Knapp zwei Millionen Euro aus Wien

Einen ungewöhnlichen Weg geht das Wiener Krypto-Unternehmen Bitpanda. Mitte Januar verkündete die Trading-App für Kryptowährungen öffentlichkeitswirksam eine Spende in Höhe von 1,75 Millionen Euro. Die Summe besorgt sich Bitpanda aus dem Cashflow – das mit mehreren Milliarden Euro bewertete Start-up arbeitet seit einigen Jahren profitabel. Das Gründerteam rund um den norddeutschen CEO Eric Demuth hält zudem die Mehrheit der Gesellschaft, weshalb Bitpanda keine Erlaubnis der Investoren einholen musste.

„Das Letzte, was ich möchte, sind amerikanische Verhältnisse, in denen Menschen drei Jobs benötigen, um über die Runden zu kommen. Deshalb ist es entscheidend, dass wir nicht nur eine wachsende Wirtschaft schaffen, sondern auch die bestehende Industrie wieder entlasten und stärken“, sagt Demuth. In seinen Augen haben CDU, CSU und FDP die stärkste Wirtschaftspolitik, die SPD möchte er als Ausgleich aufgrund der Sozialpolitik unterstützen.

An die drei großen Parteien spendete Bitpanda daher 500.000 Euro, die CSU förderte das Krypto-Start-up mit 250.000 Euro. Die Grünen finanzierte das Wiener Unternehmen nicht, weil die Partei laut Demuth nicht genug Wirtschaftskompetenz aufweist. Die Grünen seien etwa beim Thema Tierschutz besser aufgestellt, ihm gehe es mit der Spende aber um Unternehmertum.

Obwohl die Start-up-Szene mehrheitlich Grün wählen würde, gab es zuletzt nur eine Großspende aus der Tech-Landschaft. Personio-Gründer Hanno Renner überwies dem Bündnis 50.000 Euro. Kanzlerkandidat Robert Habeck besuchte das Software-Unternehmen am Tag zuvor und stand der Belegschaft Rede und Antwort.

Viel Beachtung findet hingegen die junge Partei Volt – wenn auch mit vergleichsweise kleineren Beträgen. Volt veröffentlicht sämtliche Spenden über der 1000-Euro-Grenze auf der eigenen Webseite: Demnach ließ Krypto-Gründerin Jutta Steiner der sozialliberalen Partei im Frühjahr insgesamt 125.000 Euro zukommen. Steiner arbeitete als Sicherheitschefin bei der Bitcoin-Alternative Ethereum und baute danach das Blockchain-Unternehmen Parity auf. Auch Personio-Chef und Wechselwähler Renner sowie der Münchner Start-up-Investor Andreas Etten finanzierten Volt im vorigen Jahr mit 17.000 Euro beziehungsweise 10.000 Euro.

Mehrere Tech-Größen wie Frank Thelen und Wefox-Gründer Julian Teicke überwiesen der FDP 2021 in einer groß angekündigten Kampagne insgesamt eine halbe Million Euro. Im aktuellen Wahlkampf sind aber keine berichtspflichtigen Beträge geflossen.

Lesen Sie auch: Die AfD-Debatte in der Start-up-Szene

Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 19. Januar 2025. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut.

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