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Rennen um Merkel-Nachfolge Wo ist Kramp-Karrenbauer?

Zwei der Kandidaten sind mit großem Tempo ins Rennen um den CDU-Vorsitz gestartet. Nur Merkel-Vertraute „AKK“ scheint abgetaucht. Was steckt dahinter?

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Hinter der bisherigen Zurückhaltung der CDU-Generalsekretärin steckt zum einen ein Dilemma und zum anderen Strategie. Quelle: dpa

Berlin Friedrich Merz trat nach einer eng getakteten Abfolge von Gerüchten und offizieller Bestätigung schließlich in Berlin vor der Bundespressekonferenz auf.

Gesundheitsminister Jens Spahn wiederum präsentierte zeitgleich einen programmatischen Gastbeitrag in der „FAZ“, verbreitete dann ein Bewerbungsvideo in sozialen Netzwerken und gab der „Welt am Sonntag“ ein großes Interview.

Von der dritten Kandidatin im Rennen, der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, ist in der Öffentlichkeit dagegen nichts oder nur sehr wenig zu hören. Sie kündigte am Donnerstag nur knapp an, dass sie sich kommende Woche äußern wolle.

Dahinter steckt nach Angaben aus der CDU zum einen ein Dilemma und zum anderen Strategie. Denn Kramp-Karrenbauer wurde von der Ankündigung Angela Merkels am Montag überrascht, nur noch als Kanzlerin, nicht aber als Parteichefin weitermachen zu wollen.

Noch am Abend zuvor hatte die frühere saarländische Ministerpräsidentin gesagt, dass sie von einer erneuten Kandidatur Merkels auf dem Parteitag in Hamburg Anfang Dezember ausgehe. Auch Merkel betonte, sie habe die Generalsekretärin wie andere bewusst nicht in die Entscheidung einbezogen. Grund dafür ist unter anderem Merkels Wunsch, der Kandidatin nicht durch den Eindruck einer zu großen Nähe zu schaden.

Aber die Saarländerin stürzte dies zunächst in ein organisatorisches Dilemma und in die Defensive. Denn als Kandidatin kann sie nicht gleichzeitig als Generalsekretärin den Prozess der Nachfolge managen oder etwa wie eigentlich geplant die Antragskommission für den CDU-Bundesparteitag leiten.

Auch die von Kramp-Karrenbauer begonnene programmatische Erneuerung der CDU, die sie in wochenlangen „Zuhör“-Touren durch die Republik vorbereitet hatte, muss nun erst einmal ruhen. Dabei hatte Kramp-Karrenbauer längst einen Fahrplan der „Erneuerung“ der Partei bis 2020 vorgelegt, die nun erst einmal ihre Konkurrenten Merz und Spahn einforderten. Und Merz schoss in den Umfragen an ihr vorbei an die Spitze des Bewerberfeldes.

Bereits am Mittwoch verkündete Kramp-Karrenbauer deshalb den Mitarbeitern des Konrad-Adenauer-Hauses in einer Versammlung nach Teilnehmerangaben, dass sie ihre Arbeit als Generalsekretärin „absolut auf satzungsgemäße Aufgaben beschränken“ werde. Dazu gehörte etwa ein Auftritt bei der CDU Landau bei einer Veranstaltung zum Ehrenamt, bei dem sie am Freitag über ihre Kandidatur ausdrücklich nicht sprechen wollte, aber doch schon mit dem Thema Armutsbekämpfung eine inhaltliche Marke setzte.

Sie wolle sauber zwischen beiden Rollen trennen, schon um möglichen Vorwürfen ihrer Kontrahenten vorzubeugen, heißt es. Nicht einmal mehr die CDU-Pressestelle ist für Kramp-Karrenbauer zuständig.

Gesundheitsminister Spahn übrigens nutzte ebenfalls einen Auftritt zu Organspenden am Mittwoch ausdrücklich nicht für ein Statement zum Rennen um den Parteivorsitz. Bevor sie an die Öffentlichkeit geht, wollte Kramp-Karrenbauer zunächst dem Bundesvorstand am Sonntag diese Trennung ihrer Rollen erläutern. Dann soll auch das Verfahren festgelegt werden, wie sich die Kandidaten den Parteimitgliedern und den 1001 Delegierten des Hamburger Parteitages vorstellen können.

Eine weitere Überlegung für die mediale Zurückhaltung dürfte aber nach Angaben aus CDU-Kreisen auch die Tatsache sein, dass die Bewerbung kein 100-Meter-Lauf, sondern ein Mittelstrecken-Rennen ist. Laut Umfragen hat vor allem Merz zwar ein „Momentum“ erzeugt, weil er gerade von konservativen CDU-Anhängern als Hoffnungsträger gefeiert wird. Darunter, so heißt es im CDU-Bundesvorstand, leide vor allem Spahn, weil der um Stimmen aus demselben „Anti-Merkel-Lager“ werbe wie Merz.

Formal gesehen könnte Kramp-Karrenbauer die erste offizielle Kandidatin der CDU sein. Denn als solche gelten Anwerber auf den Posten erst, wenn sie etwa von einem Orts- oder Landesverband vorgeschlagen sind und nicht, wenn sie selbst dies öffentlich erklären.

Die Saar-CDU will ihre frühere Vorsitzende am Montag nominieren: Kramp Karrenbauer könne sich „der geschlossenen Unterstützung und des Rückenwindes aus ihrem Heimat-Landesverband auch bei dieser großen Herausforderung selbstverständlich gewiss sein“, sagte ihr Nachfolger als Ministerpräsident, Tobias Hans, der „Bild“-Zeitung.

Aus der Defensive heraus wolle Kramp-Karrenbauer aber wohl auch einen eigenen Stil beweisen, weil sie sich gerade nicht treiben lasse, heißt es. Den eigenen Willen hatte sie auch Kanzlerin Merkel übrigens schon bewiesen, als sie als saarländische Ministerpräsidentin gegen den ausdrücklichen Willen der Kanzlerin und Parteichefin die Jamaika-Koalition an der Saar 2012 platzen ließ und die FDP aus der Regierung warf. Damals tobte Merkel, und Kramp-Karrenbauer gewann die folgende Landtagswahl.


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