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RentenreformRentenretter ohne Not

Die große Koalition steht kurz vor einer Einigung. Die letzten offenen Fragen zum Rentenreformpaket: Was kann man sich leisten? Und was sollte man sich leisten?Christian Ramthun, Max Haerder 14.11.2016 - 06:00 Uhr

Große Unterschiede
Rente ist nicht gleich Rente. Je nach Preisgefüge einer bestimmten Region sind 1000 Euro Rente in Deutschland unterschiedlich viel wert. Um bis zu 50 Prozent variiert die Kaufkraft der Ruheständler, das ergab eine Studie des Forschungsunternehmens Prognos im Auftrag der Initiative „7 Jahre länger“. Für die Analyse wurden die Lebenshaltungskosten in insgesamt 402 Landkreisen verglichen. Im Bundesdurchschnitt liegen diese bei 1000 Euro. Der statistische Warenkorb für Lebenshaltungskosten wurde dafür an die Bedürfnisse von Rentnern angepasst. Unter anderem wurden Ausgaben für Ärzte und Medikamente stärker gewichtet.

Foto: dpa

Sachsen-Anhalt
Am günstigsten leben Rentner in Sachsen-Anhalt. Selbst in der Landeshauptstadt Magdeburg (im Bild), die traditionell etwas teurer ist als Gemeinden auf dem Land, bedeuten 1000 Euro Rente 1067 Euro Kaufkraft. In elf von insgesamt 14 Landkreisen liegen die Kosten für Lebensmittel, Miete und andere notwendige Dinge um mehr als zehn Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Foto: dpa

Saarland
In Saarbrücken werden aus 1000 Euro Rente immerhin 1040 Euro. Damit ist das Saarland die günstigste westdeutsche Region. Außerhalb der Landeshauptstadt wird es noch günstiger.

Foto: dpa/dpaweb

Mecklenburg-Vorpommern
Generell ist der Osten für Rentner ein günstiges Pflaster. In Schwerin (im Bild) werden aus 1000 Euro Rente 1023 Euro Kaufkraft. Außerhalb der größeren Städte wird das Leben noch günstiger, im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind 1000 Euro sogar knapp 1084 Euro wert. Das Leben dort ist damit über 7,5 Prozent günstiger als im Bundesdurchschnitt.

Foto: dapd

Niedersachsen
Neben dem Osten ist auch der Norden ein guter Wohnort für Rentner. In Hannover (im Bild) reicht es immerhin für 1022 Euro Kaufkraft. In vielen strukturschwachen Regionen werden aus 1000 Euro sogar über 1100 Euro. In Niedersachsen liegt auch der bundesweit günstigste Ruhesitz für Rentner. Im Landkreis Holzminden liegen die Lebenshaltungskosten nur bei 860 Euro. Teurer ist es dagegen in den an Hamburg grenzenden Landkreisen und auf den ostfriesischen Inseln.

Foto: dpa

Thüringen
In Erfurt (im Bild) sind 1000 Euro gemessen in Kaufkraft 1014 Euro wert, das ostdeutsche Bundesland gehört damit immer noch zu den günstigeren. Damit ist die Landeshauptstadt aber deutlich teurer als das Umland, in vielen Landkreisen liegt die Kaufkraft sogar über 1100 Euro.

Foto: dpa

Bremen
Der günstigste Stadtstaat ist Bremen (im Bild). In der Hansestadt sind 1000 Euro für Rentner immerhin noch rund 1008 Euro wert, das Leben dort ist also um 0,8 Prozent günstiger als im Bundesdurchschnitt.

Foto: dpa

Sachsen
Die Landeshauptstadt des Freistaats (im Bild) ist die teuerste unter den günstigen Städten. Aus 1000 Euro werden hier immerhin noch 1003 Euro. Die meisten Landkreise sind allerdings deutlich günstiger, so liegen die Kosten für Rentner im Vogtlandkreis um fast 13 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt.

Foto: dpa

Schleswig-Holstein
In der Landeshauptstadt Kiel sind 1000 Euro Rente in Kaufkraft gemessen am Ende 987 Euro wert. Grundsätzlich gilt der Norden als erschwingliches Pflaster, einige Kreise wie beispielsweise der Landkreis Schleswig-Flensburg im Norden sind günstiger. Teurer wird es dagegen in den Ferienregionen an Nord- und Ostsee. Der Landkreis Nordfriesland ist knapp 16 Prozent teurer als der Bundesdurchschnitt und damit einer der teuersten der Republik. Prognos erklärt das mit dem „Sylt-Effekt“, die Nordseeinsel treibt die Preise.

Foto: dpa

Berlin
Auch die Hauptstadt ist für Rentner nicht unbedingt günstig. 943 Euro sind ihre 1000 Euro monatliche Rente hier wert.

Foto: dpa

Brandenburg
Noch schlechter sieht es in Brandenburgs Landeshauptstadt Potsdam (im Bild) aus, die Nähe zu Berlin sorgt hier dafür, dass aus 1000 Euro am Ende 939 Euro Kaufkraft werden. Grundsätzlich ist Brandenburg allerdings ein günstiges Gebiet für Rentner, fast alle der 14 Landkreise kommen auf eine Kaufkraft von über 1100 Euro.

Foto: dpa

Rheinland-Pfalz
Deutschlands südliche Regionen sind für Rentner teuer. In Mainz (im Bild) sind 1000 Euro nur 916 Euro wert. Etwas günstiger sind die meisten Landkreise.

Foto: dpa

Hessen
Die benachbarte Landeshauptstadt Wiesbaden ist mit 915 Euro Kaufkraft nur ungleich teurer. Während der hessische Norden teilweise sehr günstig ist, wird es in den Städten richtig teurer. Insbesondere in der Bankenmetropole Frankfurt (im Bild) liegen die Kosten für Rentner rund 18 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Von 1000 Euro Rente bleiben hier nur 844 Euro Kaufkraft übrig.

Foto: dpa

Nordrhein-Westfalen
Teuer ist es nicht nur am Main, sondern auch am Rhein. Die Landeshauptstadt Düsseldorf macht aus 1000 Euro Rente 912 Euro Kaufkraft für Ruheständler. Auch beim Erzrivalen Köln (im Bild) sieht es nicht besser aus, hier sind es sogar nur 908 Euro. Einige Landkreise sind dagegen deutlich günstiger.

Foto: dpa

Baden-Württemberg
Der teure Süden: insgesamt 40 der 50 teuersten deutschen Kreise verteilen sich auf Baden-Württemberg, Hessen und Bayern. In der Landeshauptstadt Stuttgart schmelzen 1000 Euro Rente auf dem Konto im Portemonnaie zu 884 Euro zusammen. Auch in Freiburg ist das Leben für Ruheständler rund 15 Prozent teurer als im Bundesdurchschnitt.

Foto: dpa

Hamburg
Die Hansestadt ist ein gefragter Wohnort, vor allem die Immobilienpreise sind hoch. Das belastet auch das Ruhestands-Budget, von 1000 Euro bleiben hier am Ende 874 Euro Kaufkraft übrig.

Foto: dpa

Bayern
Wen wundert’s, die bayerische Hauptstadt ist für Rentner ein teurer Spaß. 1000 Euro Rente sind in München gerade mal 767 Euro Kaufkraft wert. Insgesamt sieben der zehn teuersten Alterswohnorte liegen im Freistaat. Günstig ist es in dünner besiedelten Regionen wie dem Bayerischen Wald. Die Kreise rund um München sind dagegen nur wenig günstiger als die Landeshauptstadt selbst. 

Foto: dpa/dpaweb

Zwei Stunden sprachen die Spitzen der großen Koalition am vergangenen Dienstagabend im Kanzleramt allein über die Rente − von Ost-West-Angleichung und Erwerbsminderungsrente (sehr wahrscheinlich) über Riester-Förderung und gesetzliche Haltelinien bis zur Mütterrente (in dieser Legislaturperiode eher unwahrscheinlich). Am Ende vertagte sich der Koalitionsausschuss auf den 24. November. Und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) erklärte hoffnungsvoll, man sei einen „guten Schritt vorangekommen“.

Das Signal ist deutlich: Die große Koalition will noch in diesem Jahr ein großes Rentenpaket schnüren und vermeiden, dass Panikmacher (auch aus den eigenen Reihen) im nächsten Jahr mit Horrorszenarien einer drohenden massenhaften Verarmung im Alter in den Bundestagswahlkampf ziehen.

Rente

Merkel will zeitversetzte Ost-West-Rentenangleichung

von Christian Ramthun

Klar erscheint nach dem Koalitionsgipfel, dass die Ost-West-Rentenangleichung nach langem Fingerhakeln zwischen Arbeitsministerium und Kanzleramt bald beschlossen wird. Am Dienstag ging es hauptsächlich noch um eine Frage: Ob die niedrigeren ostdeutschen Rentenansprüche (derzeit 94,1 Prozent des Westwertes) zeitlich früher angepasst werden könnten, als die Hochwertung von Ostlöhnen abgeschmolzen würde. Letzteres bereitet insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel Bauchweh, da dies im Osten auf wenig Gegenliebe stößt. Denn noch profitieren Arbeitnehmer im Osten unterm Strich. In den nächsten Tagen sollen Nahles und ihr Finanzkollege Wolfgang Schäuble (CDU) durchrechnen, was eine solche versetzte Anpassung zusätzlich kosten würde.

Altersvorsorge: So viel Rente darf der Standardrentner erwarten
Die Prognosen beziehen sich auf den sogenannten Standardrentner, der 45 Jahre Beiträge gezahlt und immer das Durchschnittseinkommen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verdient hat. Die angegebene Bruttostandardrente versteht sich vor Steuern. Das Sicherungsniveau vor Steuern gibt das Verhältnis der Renten im Vergleich zum Durchschnittseinkommen der beitragszahlenden Beschäftigten abzüglich der durchschnittlichen Sozialversicherungsbeiträge an. Quelle: Rentenversicherungsbericht 2015, Deutsche Rentenversicherung Bund, Stand: November 2015
Beitragssatz zur GRV: 19,9 %Bruttostandardrente: 1224 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 51,6 %
Beitragssatz zur GRV: 18,7 %Bruttostandardrente: 1372 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 47,7 %
Beitragssatz zur GRV: 18,7 %Bruttostandardrente: 1517 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 47,6 %
Beitragssatz zur GRV: 20,4 %Bruttostandardrente: 1680 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 46,0 %
Beitragssatz zur GRV: 21,5 %Bruttostandardrente: 1824 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 44,6 %

Reformwillig zeigte sich die Runde der schwarz-roten Spitzenpolitiker auch bei der Erwerbsminderungsrente. Nachdem die dazugehörigen Anrechnungszeiten für Invalide 2014 bereits von 60 auf 62 Jahre abgehoben worden sind, ging es am Dienstag nicht nur um eine Aufstockung auf 63, sondern möglicherweise auch auf 65 Jahre. Auch hier sollen die Experten in den nächsten Tagen ein genaues Kostentableau aufstellen.

Mehr Klärungsbedarf gibt es hingegen bei der Unterstützung von Geringverdienern. Keine Chance hatte die auch bei Nahles ungeliebte Lebensleistungsrente, die einst von ihrer Vorvorgängerin Ursula von der Leyen (CDU) ins Spiel gebracht worden war. Aber auch Nahles’ eigener Vorschlag einer Aufstockung mit Prüfung der Einkommensverhältnisse auch des Lebenspartners stieß in der Runde auf Skepsis. „Da ist noch viel Arbeit nötig“, sagt ein Teilnehmer.

Die Vorsorge stärken

Bereits beschlossene Sache ist indes, bei betrieblicher Vorsorge und der Riester-Rente für Geringverdiener nachzujustieren. Aber auch Normalverdiener dürfen auf eine Anhebung der Fördergrenzen hoffen. Schäuble hatte dies schon während der Haushaltsdebatte im Bundestag angedeutet: „Was ich heute am ehesten für vernünftig halte, ist eine Stärkung der individuellen Vorsorge.“ Und fügte hinzu: „Die Riester-Rente ist gut, und es lohnt sich, daran zu arbeiten, sie weiter zu verbessern.“ Der Arbeitsauftrag gilt zuallererst natürlich für Schäuble selbst. Er muss das nötige Geld für eine bessere Riester-Förderung lockermachen. Dringend nötig ist es ohnehin, da die Förderbedingungen seit 15 Jahren kaum an die Lohnentwicklung angepasst wurden. Würde die große Koalition die damals eingeführte Förderzielmarke von vier Prozent des versicherungspflichtigen Einkommens dynamisch an die Lohnentwicklung anpassen, müsste die Grenze von 2100 Euro auf 3048 Euro angehoben werden, sagt Peter Schwark vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Durchschnittsrenten

Laut den aktuellen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung bezogen Männer Ende 2014 eine Durchschnittsrente von 1013 Euro. Frauen müssen inklusive Hinterbliebenenrente mit durchschnittlich 762 Euro pro Monat auskommen.

Quellen: Deutsche Rentenversicherung; dbb, Stand: April 2016

Foto: dpa

Ost-Berlin mit den höchsten, West-Berlin mit den niedrigsten Renten

Die Höhe der Rente schwankt zwischen den Bundesländern. Männer in Ostberlin können sich mit 1147 Euro Euro über die höchste Durchschnittsrente freuen. In Westberlin liegt sie dagegen mit 980 Euro am niedrigsten.

Aktuell bekommen männliche Rentner:

in Baden-Württemberg durchschnittlich 1107 Euro pro Monat

in Bayern durchschnittlich 1031 Euro pro Monat

in Berlin (West) durchschnittlich 980 Euro pro Monat

in Berlin (Ost) durchschnittlich 1147 Euro pro Monat

in Brandenburg durchschnittlich 1078 Euro pro Monat

in Bremen durchschnittlich 1040 Euro pro Monat

in Hamburg durchschnittlich 1071 Euro pro Monat

in Hessen durchschnittlich 1084 Euro pro Monat

in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 1027 Euro pro Monat

in Niedersachsen durchschnittlich 1051 Euro pro Monat

in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 1127 Euro pro Monat

im Saarland durchschnittlich 1115 Euro pro Monat

in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 1069 Euro pro Monat

in Sachsen durchschnittlich 1098 Euro pro Monat

in Schleswig-Holstein durchschnittlich 1061 Euro pro Monat

in Thüringen durchschnittlich 1064 Euro pro Monat

Foto: AP

Frauen mit deutlich weniger Rente

Frauen im Ruhestand bekommen gut ein Drittel weniger als Männer. Auch sie bekommen in Ostberlin mit durchschnittlich 1051 Euro die höchsten Bezüge. Am wenigsten bekommen sie mit 696 Euro in Rheinland-Pfalz.

Laut Deutscher Rentenversicherungen beziehen Frauen inklusive Hinterbliebenenrente:

in Baden-Württemberg durchschnittlich 772 Euro pro Monat

in Bayern durchschnittlich 736 Euro pro Monat

in Berlin (West) durchschnittlich 861 Euro pro Monat

in Berlin (Ost) durchschnittlich 1051 Euro pro Monat

in Brandenburg durchschnittlich 975 Euro pro Monat

in Bremen durchschnittlich 771 Euro pro Monat

in Hamburg durchschnittlich 848 Euro pro Monat

in Hessen durchschnittlich 760 Euro pro Monat

in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich 950 Euro pro Monat

in Niedersachsen durchschnittlich 727 Euro pro Monat

in Nordrhein-Westfalen durchschnittlich 749 Euro pro Monat

im Saarland durchschnittlich 699 Euro pro Monat

in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 964 Euro pro Monat

in Sachsen durchschnittlich 983 Euro pro Monat

in Schleswig-Holstein durchschnittlich 744 Euro pro Monat

in Thüringen durchschnittlich 968 Euro pro Monat

Foto: dpa

Beamtenpensionen deutlich höher

Staatsdienern geht es im Alter deutlich besser. Sie erhalten in Deutschland aktuell eine Pension von durchschnittlich 2730 Euro brutto. Im Vergleich zum Jahr 2000 ist das ein Zuwachs von knapp 27 Prozent.

Zwischen den Bundesländern schwankt die Pensionshöhe allerdings. Während 2015 ein hessischer Staatsdiener im Ruhestand im Durchschnitt 3150 Euro ausgezahlt bekam, waren es in Sachsen-Anhalt lediglich 1940 Euro.

Im Vergleich zu Bundesbeamten geht es den Landesdienern dennoch gut. Im Durchschnitt kommen sie aktuell auf eine Pension von 2970 Euro. Im Bund sind es nur 2340 Euro.

Foto: dpa

Rentenerhöhung

Im Vergleich zu den Pensionen stiegen die normalen Renten zwischen 2000 und 2014 deutlich geringer an. Sie wuchsen lediglich um 15,3 Prozent.

Foto: dpa

Reserven der Rentenkasse

Dabei verfügt die deutsche Rentenversicherung über ein sattes Finanzpolster. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung betrug die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage Ende 2014 genau 35 Milliarden Euro. Das sind rund drei Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rechnerisch reicht das Finanzpolster aus, um fast zwei Monatsausgaben zu bezahlen.

Nachfolgend ein Überblick, mit welcher Rente die Deutschen im aktuell im Durchschnitt rechnen können:

Foto: dpa

Abweichungen vom Standardrentner

Wer 45 Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet hat und dabei den Durchschnittslohn verdiente, bekommt pro Monat 1314 Euro ausgezahlt.

Bei 40 Arbeitsjahren verringert sich die monatliche Auszahlung auf 1168 Euro. Wer nur 35 Jahre im Job war, bekommt 1022 Euro.

Foto: Fotolia

Durchschnittsrente Ost nach Arbeitsjahren

In den neuen Bundesländern liegt die Rente nach 45 Arbeitsjahren und durchschnittlichem Lohn bei 1217 Euro.

Für 40 Jahre in Arbeit gibt es aktuell 1082 Euro. Bei 35 Jahren sind es in den neuen Bundesländern 947 Euro.

Foto: Fotolia

Halbtags arbeiten erhöht das Armutsrisiko

Je nach Verdienst, kann die Rente aber stark schwanken. Wer etwa im Berufsleben auf die Hälfte vom Durchschnittsverdienst kam, dessen Rentenansprüche halbieren sich auch. In den alten Bundesländern wären das aktuell nach 45 Berufsjahren 657 Euro. In den neuen Bundesländern bei gleicher Arbeitszeit 609 Euro.

Foto: dpa

Maximale Rentenhöhe für Gutverdiener

Umgekehrt verdoppelt sich die Rente, wenn der Lohn während des Arbeitslebens über der Bemessungsgrenze lag. In den alten Bundesländern könnte ein Vielverdiener so auf 2628 Euro kommen. In den neuen Bundesländern sind theoretisch bis zu 2434 Euro drin.

Foto: dapd

Die Liebe zu Riester ist beim Finanzminister reines Kalkül. Über vergleichsweise überschaubare Steueranreize und Geldzuschüsse kann er beachtliche Vorsorgeanstrengungen stimulieren. Bei der gesetzlichen Rente hingegen schlüge jede Stabilisierung der Rentenansprüche gleich voll ins Kontor: Ein Prozentpunkt kostet um die 6,5 Milliarden Euro, im Zweifel aus der Bundeskasse zu zahlen. Profitieren würden davon aber nicht nur die Hilfsbedürftigen, sondern alle, auch die Besserverdiener.

Rentenreformen

Rentenpolitik zwischen Wahn und Weitsicht

von Max Haerder und Christian Ramthun

Kaum noch eine Chance hat nach der jüngsten Koalitionsrunde hingegen die von CSU-Chef Seehofer geforderte Ausweitung der Mütterrente. Während die Christsozialen, neben Seehofer war die CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt dabei, auf Gerechtigkeit für Mütter von vor 1992 geborenen Kindern pochten, äußerten die CDU- und SPD-Vertreter Zweifel an der Finanzierbarkeit. Rund 6,7 Milliarden Euro pro Jahr soll die Erweiterung kosten. Damit scheint klar: Die Mütterrente wird ein Projekt für die nächste Legislaturperiode. Und den CSU-Wahlkampf.

Schlecht informiert

Die Deutschen kaufen Autos, Computer, Küchengeräte und gehen auf Reisen. Vor dem Kauf werden oft zahlreiche Testberichte gelesen. Geht es allerdings um Versicherungen und die eigene Vorsorge, sieht dies anders aus. Dabei sind ausreichende Informationen wichtig, um teure Fehlabschlüsse zu vermeiden.

Quelle: Institut GenerationenBeratung IGB

Foto: Fotolia

Lückenhafte Vorsorge

Oft werden einzelne, wichtige Teile der Altersvorsorge vergessen. Dazu gehören:

1) individuelle Vorsorgevollmacht

2) Patientenverfügung

3) Klärung der Finanzen im Pflegefall

4) Testament

Foto: Fotolia

Die falschen Berater

„Freunde, Familie und Bekannte in alle Vorsorgefragen einzubeziehen, ist wichtig und stärkt die Bindung zueinander. Doch sich allein auf ihren Rat zu verlassen, wäre fatal“, sagt Margit Winkler vom Institut GenerationenBeratung. Denn nur ausgebildete Finanzberater könnten auch in Haftung genommen werden. Sie sind verpflichtet, alle besprochenen Versicherungen und Vorsorgeprodukte zu dokumentieren.

Foto: Fotolia

Vorsorge ist nicht gleich Vorsorge

Jeder sollte seine Altersvorsorge an seine eigenen Bedürfnisse anpassen, pauschale Tipps von Beratern oder Freunden taugen in der Regel wenig. Je nach Familiensituation können andere Versicherung und Vorsorgeleistungen wichtig sein. „Vor allem in Patchwork-Situationen oder bei angeheirateten Ehepartnern gelten andere Spielregeln in der Vorsorge", sagt Winkler.

Foto: Fotolia

Schwarze Schafe

Deshalb ist bei der Auswahl des Beraters Vorsicht geboten, in der Branche sind schwarze Schafe unterwegs. Geht ein Berater nicht auf die persönliche Situation ein oder preist ein bestimmtes Produkt besonders an, sollten die Kunden hellhörig werden.

Foto: WirtschaftsWoche, Fotolia

Informiert ins Gespräch

Wer Fehlern im Zuge von Falschberatung entgehen will, der muss sich vorher selber informieren. Je besser der Kunde im Beratungsgespräch selber informiert ist, desto eher kann er schlechte Berater enttarnen.

Foto: Fotolia

Vorsorge-Flickenteppich

Beraterin Winkler warnt davor, zu viele Verträge bei vielen verschiedenen Beratern abzuschließen. Am Ende drohten Versicherte, den Überblick zu verlieren, besser sei eine ganzheitliche Lösung, die auf die individuelle Situation abgestimmt ist.

Foto: Fotolia

Sinnlose versus sinnvolle Versicherungen

Einige Versicherungen, wie die private Haftpflichtversicherung, sind essentiell. Auch die Berufsunfähigkeitsversicherung ist wichtig und sollte vorhanden sein. „Wer seinen Kindern später nicht auf der Tasche liegen möchte, sollte auch den Pflegefall unbedingt absichern“, rät Winkler. Gleichzeitig gibt es aber auch zahlreiche überflüssige Policen, die nicht für jeden und in jedem Alter notwendig sind.

Foto: Fotolia

Hochriskante Anlagen

Wer im Alter gut versorgt sein will, der sollte nicht auf hochriskante Anlagen setzen. Anteile an geschlossenen Fonds oder Genussscheine bringen nicht unbedingt eine sichere Rente.

Foto: Fotolia

Alles auf eine Karte setzen

Winkler warnt davor, nur auf eine Anlageart zu setzen. Neben der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge ist auch private Vorsorge wichtig, etwa durch ein gut gestreutes Portfolio, welches beispielsweise offene Fonds oder Immobilienwerte enthalten könne.

Foto: Fotolia

Recht entspannt sprachen die Teilnehmer an Merkels Tafelrunde schließlich über Grundsätzliches zur tragenden Rentensäule, der gesetzlichen Alterssicherung. Diese ist in deutlich besserer Verfassung als erwartet, gab Nahles bekannt und nahm damit ein Ergebnis ihres neuesten Rentenberichts vorweg, der Ende des Monats veröffentlicht wird. Das Rentenniveau wird in diesem Jahr, so die Ministerin, dank einer Rekordanhebung der Rente im Osten und Westen sogar leicht steigen, und zwar um 0,2 Punkte auf 48 Prozent des Durchschnittseinkommens. Diese Vorlage wirkt auch in der Zukunft noch wohltuend nach: Im Jahr 2030 soll das Rentenniveau laut der neuesten Prognose fast einen halben Prozentpunkt höher ausfallen als bisher gedacht; mit dann 44,5 Prozent würde die gesetzlich vorgegebene untere Haltelinie von 43,0 Prozent also beträchtlich überschritten.

Akuter Handlungsbedarf oder gar teurer Populismus, wie ihn Horst Seehofer und Sigmar Gabriel noch im Frühjahr betrieben, ist weder nötig noch angebracht, lautet Nahles’ Botschaft. Da befindet sich die Genossin in guter Gesellschaft mit Franz Müntefering, einst Bundesarbeitsminister und Urheber der vergangenen großen Rentenreformen. Dieser mahnt zur Ruhe: „Die gesetzliche Rente verträgt keine Kurzatmigkeit und kein Hin und Her. Verlässlichkeit ist Pflicht.“ Der frühere SPD-Parteichef ermutigt gleichwohl die Regierung, noch vor der Wahl 2017 die wichtigsten Fragen gemeinsam zu klären. „Die große Koalition ist gut beraten, im Konsens Haltelinien für die Jahre bis 2045 einzuziehen und so Sicherheit zu geben.“

Flexi-Rente

So rechnet sich der flexible Einstieg in den Ruhestand

von Andreas Toller

Das Niveau steigt

Würde die Regierung ihrem eigenen Alterssicherungsbericht 2016 folgen, wäre die Diskussion um die Rente schnell beendet. Denn dort rechnen die Fachleute aus Nahles’ Ministerium an sechs Modellfällen detailliert durch, was jene erwarten können, die nicht nur eine Rente beziehen, sondern darüber hinaus privat vorsorgen: kein sinkendes, sondern ein stabiles oder sogar steigendes Gesamtversorgungsniveau. Mit anderen Worten: Das langfristig nach unten zeigende gesetzliche Rentenniveau, um das sich ein Großteil der Alarm-Debatte dreht, ist nur ein täuschender Ausschnitt der Wahrheit.

Bei allen Einwänden gegen die Modellrechnungen: Selbst diese Zahlen dürften noch zu niedrig angesetzt sein, da darin zwar das Riester-Sparen und weitere private Vorsorge enthalten sind, aber gerade letztere kaum im real existierenden Umfang. „Neben der Riester-Rente gibt es allein noch rund 30 Millionen weitere private oder betriebliche Rentenverträge“, sagt GDV-Mann Peter Schwark, „mit einer durchschnittlich versicherten Monatsrente von ungefähr 175 Euro.“ Für Rentner mit Lebensversicherungen erhöhe sich das Altersversorgungsniveau damit im Schnitt um weitere gut zehn Prozentpunkte.

Den deutschen Rentnern insgesamt droht keinesfalls eine massenhafte Verarmung, lautet die vielleicht wichtigste Erkenntnis im Herbst 2016.

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