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Statt Arbeiten bis 70Nahles wirbt für "Flexi"-Rente

Arbeiten bis 70? Finanzminister Schäuble ist dafür, Arbeitsministerin Nahles gibt Kontra. Sie setzt auf ein anderes Modell: Jeder soll so lange arbeiten, wie er kann und will. 24.04.2016 - 09:41 Uhr

Schlecht informiert

Die Deutschen kaufen Autos, Computer, Küchengeräte und gehen auf Reisen. Vor dem Kauf werden oft zahlreiche Testberichte gelesen. Geht es allerdings um Versicherungen und die eigene Vorsorge, sieht dies anders aus. Dabei sind ausreichende Informationen wichtig, um teure Fehlabschlüsse zu vermeiden.

Quelle: Institut GenerationenBeratung IGB

Foto: Fotolia

Lückenhafte Vorsorge

Oft werden einzelne, wichtige Teile der Altersvorsorge vergessen. Dazu gehören:

1) individuelle Vorsorgevollmacht

2) Patientenverfügung

3) Klärung der Finanzen im Pflegefall

4) Testament

Foto: Fotolia

Die falschen Berater

„Freunde, Familie und Bekannte in alle Vorsorgefragen einzubeziehen, ist wichtig und stärkt die Bindung zueinander. Doch sich allein auf ihren Rat zu verlassen, wäre fatal“, sagt Margit Winkler vom Institut GenerationenBeratung. Denn nur ausgebildete Finanzberater könnten auch in Haftung genommen werden. Sie sind verpflichtet, alle besprochenen Versicherungen und Vorsorgeprodukte zu dokumentieren.

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Vorsorge ist nicht gleich Vorsorge

Jeder sollte seine Altersvorsorge an seine eigenen Bedürfnisse anpassen, pauschale Tipps von Beratern oder Freunden taugen in der Regel wenig. Je nach Familiensituation können andere Versicherung und Vorsorgeleistungen wichtig sein. „Vor allem in Patchwork-Situationen oder bei angeheirateten Ehepartnern gelten andere Spielregeln in der Vorsorge", sagt Winkler.

Foto: Fotolia

Schwarze Schafe

Deshalb ist bei der Auswahl des Beraters Vorsicht geboten, in der Branche sind schwarze Schafe unterwegs. Geht ein Berater nicht auf die persönliche Situation ein oder preist ein bestimmtes Produkt besonders an, sollten die Kunden hellhörig werden.

Foto: WirtschaftsWoche, Fotolia

Informiert ins Gespräch

Wer Fehlern im Zuge von Falschberatung entgehen will, der muss sich vorher selber informieren. Je besser der Kunde im Beratungsgespräch selber informiert ist, desto eher kann er schlechte Berater enttarnen.

Foto: Fotolia

Vorsorge-Flickenteppich

Beraterin Winkler warnt davor, zu viele Verträge bei vielen verschiedenen Beratern abzuschließen. Am Ende drohten Versicherte, den Überblick zu verlieren, besser sei eine ganzheitliche Lösung, die auf die individuelle Situation abgestimmt ist.

Foto: Fotolia

Sinnlose versus sinnvolle Versicherungen

Einige Versicherungen, wie die private Haftpflichtversicherung, sind essentiell. Auch die Berufsunfähigkeitsversicherung ist wichtig und sollte vorhanden sein. „Wer seinen Kindern später nicht auf der Tasche liegen möchte, sollte auch den Pflegefall unbedingt absichern“, rät Winkler. Gleichzeitig gibt es aber auch zahlreiche überflüssige Policen, die nicht für jeden und in jedem Alter notwendig sind.

Foto: Fotolia

Hochriskante Anlagen

Wer im Alter gut versorgt sein will, der sollte nicht auf hochriskante Anlagen setzen. Anteile an geschlossenen Fonds oder Genussscheine bringen nicht unbedingt eine sichere Rente.

Foto: Fotolia

Alles auf eine Karte setzen

Winkler warnt davor, nur auf eine Anlageart zu setzen. Neben der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge ist auch private Vorsorge wichtig, etwa durch ein gut gestreutes Portfolio, welches beispielsweise offene Fonds oder Immobilienwerte enthalten könne.

Foto: Fotolia

In der Debatte um das Renteneintrittsalter hat sich Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) für individuelle Lösungen ausgesprochen. „Jeder sollte selbst bestimmen können, wann er in Rente geht“, sagte Nahles der „Bild am Sonntag“. Notwendig seien individuelle Rentenlösungen mit entsprechenden Zu- oder Abschlägen. Einen Einstieg in das Modell der „Flexi-Rente“ wolle sie noch in diesem Jahr schaffen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte vor einigen Tagen eine Koppelung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung gefordert und damit eine neue Debatte über die Altersversorgung losgetreten. Der Vize-Faktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Michael Fuchs, unterstützt den Vorschlag. Schäuble habe zu Recht darauf hingewiesen, dass ein Anstieg der Lebenserwartung dazu führe, „dass die Lebensarbeitszeit irgendwann mal verlängert werden muss“, sagte der CDU-Politiker dem SWR.

Nahles nannte Schäubles Vorschlag dagegen „lebensfremd“. Solange sie Arbeits- und Sozialministerin sei, werde die Rente mit 70 nicht kommen. „Niemand wird daran gehindert, länger zu arbeiten. Im Gegenteil: Wer fit ist und bis 68 oder 70 weiter macht, bekommt dafür Rentenpunkte gut geschrieben. Das geht bereits jetzt“, sagte die Ministerin.

Altersvorsorge: So viel Rente darf der Standardrentner erwarten
Die Prognosen beziehen sich auf den sogenannten Standardrentner, der 45 Jahre Beiträge gezahlt und immer das Durchschnittseinkommen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verdient hat. Die angegebene Bruttostandardrente versteht sich vor Steuern. Das Sicherungsniveau vor Steuern gibt das Verhältnis der Renten im Vergleich zum Durchschnittseinkommen der beitragszahlenden Beschäftigten abzüglich der durchschnittlichen Sozialversicherungsbeiträge an. Quelle: Rentenversicherungsbericht 2015, Deutsche Rentenversicherung Bund, Stand: November 2015
Beitragssatz zur GRV: 19,9 %Bruttostandardrente: 1224 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 51,6 %
Beitragssatz zur GRV: 18,7 %Bruttostandardrente: 1372 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 47,7 %
Beitragssatz zur GRV: 18,7 %Bruttostandardrente: 1517 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 47,6 %
Beitragssatz zur GRV: 20,4 %Bruttostandardrente: 1680 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 46,0 %
Beitragssatz zur GRV: 21,5 %Bruttostandardrente: 1824 Euro monatlichSicherungsniveau vor Steuern: 44,6 %

Auch Verdi-Chef Frank Bsirske lehnte eine Erhöhung des Renteneintrittsalters ab. „Das ist der Lebenslage vieler Menschen, die nicht länger arbeiten können, völlig unangemessen“, sagte er dem „Mannheimer Morgen“ (Samstag). Mit dem Vorschlag wolle Schäuble die notwendige Debatte über eine Anhebung des Rentenniveaus verhindern. Dass bis zu zwölf Millionen Arbeitnehmern nach jahrzehntelanger Erwerbstätigkeit Altersarmut drohe, sei ein Skandal.

Rentenprognosen für 2040
Die vorliegenden Berechnungen stammen aus der Studie "Rentenperspektiven 2040" von Prognos. Die Prognosen beziehen sich jeweils auf zwei Kreise im Vergleich zum Bundesdurchschnitt. Berechnet wurden jeweils die durchschnittliche Bruttorente für sechs typisierte Erwerbsbiografien. Erwerbslücken aufgrund von Kindererziehungszeiten weisen in diesem Beispiel zwei Erwerbsbiografien auf. Gerechnet wurden die Prognosewerte ohne Inflationsanpassung, das heißt nach dem Preisniveau in Euro aus dem Jahr 2015 um die Zahlen mit heutigen Werten vergleichbar zu machen. Nominal dürften die zukünftigen Renten und Einkommenshöhen 2040 entsprechend höher liegen. Der Kaufkraftvergleich steht im Zentrum der Betrachtung. Stand: 12.11.2015
Bruttorente (€)Bruttorentenniveau167838,90 %
Kreise/BundBruttorente (€)Rentenkaufkraft (€)BruttorentenniveauHamburg2726238333,5 %Schwerin2291234333,6 %Bund259734,0 %
Kreise/BundBruttorente (€)Rentenkaufkraft (€)BruttorentenniveauHalle2045215835,8 %Saalekreis2191246334,4 %Bund232436,9 %
Kreise/BundBruttorente (€)Rentenkaufkraft (€)BruttorentenniveauBerlin1451136935,3 %München1452111334,4 %Bund145635,4 %
Kreise/BundBruttorente (€)Rentenkaufkraft (€)BruttorentenniveauHildesheim LK1083117452,0 %Konstanz LK1086102650,9 %Bund109550,8 %
Kreise/BundBruttorente (€)Rentenkaufkraft (€)BruttorentenniveauHohenlohekreis2579265834,1 %Merzig-Wadern2391243935,5 %Bund236633,6 %
Kreise/BundBruttorente (€)Rentenkaufkraft (€)BruttorentenniveauBonn1611150642,1 %Köln1620147341,8 %Bund161239,7 %

Ein Gehalt auf Mindestlohn-Niveau reicht nach Angaben der Bundesregierung auch nach 45 Beitragsjahren nicht für eine Rente oberhalb der Grundsicherung von 788 Euro monatlich. Vielmehr müsste der Stundenlohn dafür bei 11,68 Euro liegen, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorlag. Heute gilt ein Mindestlohn von 8,50 Euro.

Rente mit 70

Wolfgang Schäuble hat Recht - nur noch nicht jetzt

Kommentar von Max Haerder

Der Linken-Abgeordnete Klaus Ernst, der die Frage gestellt hatte, sagte: „Der Mindestlohn soll vor Armut schützen - gerade auch im Alter. Doch mit 8,50 Euro wird dieses Ziel nicht annähernd erreicht.“ Wer einen Mindestlohn erhalte und 45 Jahre einen vollen Job mache, habe im Rentenalter nur Anspruch auf Sozialhilfe. „Das ist eine Blamage für unseren Sozialstaat.“ Der Mindestlohn müsse deutlich steigen.

Die Koalition will Kleinrenten aufwerten und Betriebsrenten ausweiten. Darüber hinaus diskutiert sie Reformen zugunsten der Riester-Rente, eine Stabilisierung des Rentenniveaus und eine Kopplung des Rentenalters an die steigende Lebenserwartung. Der frühere Arbeits- und Sozialminister Walter Riester (SPD) warnte davor, die nach ihm benannte Riester-Rente für gescheitert zu erklären. „Mich ärgert, dass durch dieses Gerede Millionen Menschen verunsichert werden“, sagte er dem „Tagesspiegel am Sonntag“.

dpa
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