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Studie der Wirtschaftsvereinigung der GrünenDie Arbeitskräfte sind schon da

Überall mangelt es an Fachkräften und Arbeitswilligen, klagen Unternehmen. Wirklich? Eine neue Studie zeigt: Mit neuen Regeln könnten Rentner, Mütter und Väter und Zugewanderte Hunderttausende Lücken füllen.Cordula Tutt 15.06.2024 - 14:35 Uhr

Der Fachkräftemangel droht sich zu verschärfen – dabei gibt es Ideen, Menschen wieder stärker in die Jobs zu holen.

Foto: www.imago-images.de

Auch ohne Zuwanderung würden in Deutschland mehr Menschen Arbeit annehmen als bisher – wenn einzelne Regeln geändert werden. Eine neue Studie der Wirtschaftsvereinigung der Grünen, die der WirtschaftsWoche vorab vorlag, liefert Vorschläge, wie Hürden für Rentner, Eltern mit Kindern sowie bereits Eingewanderte fallen können und Unternehmen zusätzliche Arbeitskräfte finden. Auch die Digitalisierung und die Automatisierung müssen gezielt genutzt werden, um Menschen für anspruchsvollere Tätigkeiten zu entlasten, heißt es in der Studie der parteinahen Unternehmensvereinigung.

Wenn Ältere und Frauen mehr am Erwerbsleben teilhaben würden, sei bis 2035 möglich, 3,4 Millionen Arbeitskräfte zusätzlich zu aktivieren, heißt es darin. Das sei kein Ersatz, sondern Ergänzung für die Zuwanderung von Fachkräften. „Durch die Kombination der Maßnahmen kann die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gestärkt und der Arbeitskräftemangel nachhaltig gemildert werden.“ 2023 seien 1,7 Millionen Stellen im Land unbesetzt geblieben, die Lage werde sich mit der Alterung und absehbar geburtenschwachen jüngeren Jahrgängen verschärfen. Dem gegenüber stünden fast 3,2 Millionen Menschen zwischen 15 und 74 Jahren, die nach eigenen Angaben zumindest in Teilzeit arbeiten wollten, aber es aus unterschiedlichen Gründen nicht täten.  

Die Alten müssen ran!

Das größte Potenzial macht die Studie bei den Älteren aus. Danach könnten bis 2035, also in zehn Jahren, rund 2,4 Millionen Menschen zusätzlich arbeiten, beziehen sich die Autoren auf eine Untersuchung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Diese würden wahrscheinlich kürzer und flexibler arbeiten wollen als Jüngere, hätten aber in Unternehmen oft wichtige Aufgaben. Sinnvoll sei, solche Rentnerinnen und Rentner, die weiterarbeiteten, von den Beiträgen zur Sozialversicherung zu befreien. Den Sozialkassen entstehe kein Nachteil, das Nettoeinkommen erhöhe sich aber. Ein anderer Anreiz könne für Unternehmen geschaffen werden: Der Kündigungsschutz für diese Gruppe soll fallen, weil sie ja nicht mehr arbeitslos werden können.

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Die zweite größere Gruppe seien die Frauen, die oft mehr arbeiten wollten, so die Studie. Die Zahl unter ihnen, die nicht ausreichend Kinderbetreuung finden und deshalb in Teilzeit oder gar nicht arbeiten, wird auf etwa 800.000 geschätzt. Dringend müsse die Kinderbetreuung in Kitas ausgebaut werden. Dazu müssten zwar auch mehr Erzieherinnen und Erzieher eingestellt werden. Damit seien aber rund 23 Milliarden Euro im Jahr an zusätzlichem Einkommen und Wirtschaftskraft verbunden, die Männer und Frauen bisher durch den „Kita-Notstand“ verlören.

Steuern und Abgaben sind ein Problem

Vor allem aber müssten Fehlanreize bei Steuern und Abgaben beseitigt werden, führt die Grüne Wirtschaftsvereinigung auf. Dazu gehöre das Ehegattensplitting, das dem geringer verdienenden Partner signalisiere, dass sich Erwerbsarbeit nicht lohne. Das gelte auch für die kostenlose Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung, die bei einem Verdienst wegfalle. Auch die Verdienstgrenze bei Minijobs sei nicht hilfreich. Hier bedürfe es einer Modernisierung.

Schließlich könnten auch die Zuwanderer, die bereits im Land seien, wesentlich zahlreicher in Arbeit gebracht werden. Hier geht die Studie von 850.000 Menschen aus, davon 85 Prozent Frauen, die bis 2027 auf den Arbeitsmarkt gebracht werden könnten. Bei den 2015 und 2016 nach Deutschland gelangten männlichen Migranten seien 86 Prozent in irgendeiner Weise erwerbstätig, unter den Frauen der Gruppe seien es nur 33 Prozent. Dafür brauche es mehr Sprachkurse und Weiterbildung. Schließlich seien auch Ausnahmen vom Mindestlohn denkbar, wenn Arbeitgeber in die Weiterbildung ihrer Leute investierten.

Schließlich sollten Beschäftigte gezielt und in großem Stil durch Automatisierung, Digitalisierung und künstliche Intelligenz entlastet werden. Dann könnten sie ihre Arbeitszeit für wertschöpfende und spezialisierte Tätigkeiten nutzen. Das sei schnell nötig, da bis zum Jahr 2032 etwa 37 Prozent der heute Beschäftigten in den Ruhestand gingen, werden erneut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zitiert. Alle Maßnahmen und Lockerungen starrer Regeln seien notwendig, heißt es aus Sicht der den Grünen nahe stehenden Unternehmerinnen und Unternehmer. Die seien insgesamt hilfreicher als ein Zwang zur Mehrarbeit.

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