Tarifstreit: Flughafen-Streiks erneut ausgeweitet
Passagiere müssen sich in Frankfurt auf lange Wartezeiten gefasst machen.
Foto: dpaDer Arbeitskampf am Frankfurter Flughafen verschärft sich weiter: In der Nacht zum Dienstag verlängerte die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) ihren Streik erneut. Bis Freitagabend 23.00 Uhr soll der Ausstand der rund 200 Vorfeldmitarbeiter nun dauern. Ursprünglich sollte diese die Arbeit nur 24 Stunden ruhen lassen. Am Montag weitete die GdF die Streiks dann bis Dienstagmorgen aus. Trotz des Streiks können Reisende aber hoffen: Der Flughafen-Betreiber Fraport und der Hauptkunde Lufthansa gingen zunächst von weniger Ausfällen als in der vergangenen Woche aus. Um die Auswirkungen des Arbeitskampfes der Vorfeldlotsen, Einweiser und Disponenten abzufedern, hat Fraport Mitarbeiter geschult, die deren Aufgaben übernehmen. Der Tarifkonflikt ist festgefahren.
„Natürlich wollen wir den Druck erhöhen“, sagte GdF-Sprecher Matthias Maas der Nachrichtenagentur dpa am Dienstagmorgen. Der Flughafen-Betreiber Fraport solle an den Verhandlungstisch zurückkehren. Maas kritisierte zugleich, dass eigens geschulte Mitarbeiter die Aufgaben der Streikenden übernehmen. Eine zu kurze Einarbeitungszeit sei „fahrlässig und gefährlich“. Er habe Zweifel, dass die Mitarbeiter alle berechtigten Lizenzen hätten.
Am Montag waren während der 18 Stunden Betriebszeit am zentralen deutschen Drehkreuz 240 von 1271 geplanten Flügen aus, wie eine Fraport-Sprecherin am Montagabend sagte. Das waren rund 60 weniger als am Freitag vergangener Woche mit gut 300 Ausfällen in lediglich 14 Stunden Streik. Für den Dienstag plante die Lufthansa nur noch mit 160 gestrichenen Starts und Landungen. Der Interkontinentalverkehr werde weiterhin im vollen Umfang aufrechterhalten, der Flugplan innerhalb Deutschlands und Europas werde ausgedünnt. „Wir haben es immer besser im Griff, einen stabilen Flugverkehr abzuwickeln“, sagte Lufthansa-Sprecher Andreas Bartels.
Der Flugverkehr mit zahlreichen Umbuchungen auf andere Flüge und das Umsteigen auf die Bahn liefen „den Umständen entsprechend reibungslos“, ergänzte eine Sprecherin. Konkurrent Air Berlin berichtete ebenfalls von einigen Ausfällen nach Frankfurt.
Die Passagiere werden aber ebenfalls umgebucht. Viele Reisende steigen auf die Fernzüge der Deutschen Bahn um. Besonders auf den Nord-Süd-Strecken nach Stuttgart, München, Berlin und Hamburg seien mehr Fahrgäste unterwegs, sagte ein Bahnsprecher in Berlin.
10. Januar: Postler
Die Tarifrunde für die Postmitarbeiter beginnt. Am 10. Januar 2012 will Ver.di für die etwa 130.000 tariflich Beschäftigten der Deutschen Post eine Einmalzahlung von 400 Euro durchsetzen. Die rund 50.000 Beamten sollen ab Februar 2012 eine einmalige Zahlung von 230 Euro bekommen. Außerdem sollen die Postmitarbeiter sieben Prozent mehr Lohn bekommen. Für Studenten und Azubis fordert Ver.di monatlich 75 Euro mehr.
17. Januar: Banker
Ende des Jahres 2011 befragte die Gewerkschaft Ver.di Angestellte von öffentlichen und privaten Banken unter anderem zu ihren Forderungen bezüglich Gehalt, Gesundheitsschutz und Beraterhaftung. Die Ergebnisse der Befragung werden am 17. Januar vorgestellt und bilden so den Auftakt in die neue Banken-Tarifrunde. Die erste eigentliche Verhandlungsrunde beginnt am 1. März - nachdem der bislang gültige Tarifvertrag im Februar 2012 ausläuft.
26. Januar: Ärzte
Ab dem 26. Januar kann es an kommunalen Kliniken wieder zu Streiks kommen. Die Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund fordert sechs Prozent mehr Gehalt für die Ärzte an kommunalen Einrichtungen. Noch läuft eine Abstimmung, ob die Doktoren für mehr Geld die Arbeit niederlegen wollen.
31. Januar: T-Service-Mitarbeiter
Am 31. Januar enden die Tarifverträge der Angestellten von den T-Service Unternehmen. Am gleichen Tag startet Ver.di auch die neue Tarifrunde für die Mitarbeiter der Deutschen Telekom AG, der Telekom Deutschland GmbH, den T-Service- sowie den T-Systems-Gesellschaften. 6,5 Prozent mehr Lohn bei zwölf Monaten Laufzeit ist eine der Forderungen der Gewerkschaft. "Die Beschäftigten haben mit ihrer Arbeit maßgeblich den Erfolg der Telekom erwirtschaftet und haben einen Anspruch auf eine faire Erhöhung ihrer Entgelte", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder. Außerdem will sich die Gewerkschaft dafür einsetzen, dass Auszubildende pro Monat 70 Euro mehr bekommen und das Lohnniveau der schlechter bezahlten Berufe bei der Telekom solle angehoben werden.
8. Februar: Polizisten
Am 8. Februar setzt sich die Gewerkschaft der Polizei in Niedersachsen zusammen, um den Reigen für ihre Tarifrunden zu eröffnen. Auch bei den Polizisten geht es um Gehalt und Zusatzversorgung. "Gerade für die häufig in teueren Räumen Deutschlands arbeitenden Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei, des Zolls und der BAG ist eine spürbare Erhöhung ihrer verfügbaren Einkommen von größter Wichtigkeit", sagte Josef Scheuring, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, Bezirk Bundespolizei in Berlin.
9. Februar: Öffentlicher Dienst
Die Tarifrunde für den öffentlichen Dienst hat bereits im Oktober 2011 begonnen. In Kassel (Hessen) trafen sich Angestellte der Stadtreinigung, des Klinikums und der Verkehrsbetriebe. Die Forderungen der Beschäftigten und der Gewerkschaft Ver.di umfassen die Übernahme von Auszubildenden sowie der Umgang mit von Arbeitgebern geforderten Noten als Übernahmegarant. Außerdem soll die nach § 18 TV öD geregelte leistungs- beziehungsweise erfolgsorientierte Bezahlung abgeschafft werden. Ein Streitpunkt wird eine neue Entgeltordnung sein, gegen die sich die Kommunen laut Ver.di verweigern. Geplant sind Gehaltserhöhungen von bis zu einem Prozent, Geringverdiener im öffentlichen Dienst sollen bis zu 150 Euro mehr bekommen. Betroffen sind 1,9 Millionen Beschäftigte in den Kommunen sowie rund 150.000 Angestellte es Bundes. Am 9.Februar will dann die Bundestarifkommission die gesamten Forderungen vorstellen. Der alte Tarifvertrag der Beschäftigten im öffentlichen Dienst endet am 28. Februar.
März 2012: Erzieherinnen, Lehrer, Betreuer
Neben den großen Gewerkschaften beginnen auch die eher kleinen Arbeitnehmervertretungen wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW ihre Tarifrunden. Auch die GEW fordert zwischen sechs und sieben Prozent mehr Lohn für Erzieherinnen, Lehrer und Betreuer.
31. März: Metaller
Ende März startet die Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie - die Forderungen sind hoch: Sieben Prozent mehr will die IG Metall für die 3,4 Millionen Arbeitnehmer durchsetzen. Außerdem sollen sämtliche Azubis übernommen werden. Es überrascht kaum, dass Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt die Metaller vor allzu überzogenen Hoffnungen warnte. Die IG Metall sieht sich im Recht. Immerhin habe man im letzten Jahr wegen der Schuldenkrise zurückgesteckt. Im Februar 2011 hatten IG Metall und Arbeitgeber eine Nullrunde bei einer Einmalzahlung von 320 Euro sowie eine Entgeltsteigerung von 2,7 Prozent ausgehandelt.
31. Mai: Chemiker
Zwei Monate später folgen die Forderungen der Chemiebranche. Dabei legen sich die Gewerkschaften IG Bergbau, Chemie und Energie für ihre Mitglieder ins Zeug. Auch in der Chemie- und Energiebranche soll es eine Übernahmegarantie für Lehrlinge geben. Und auch beim Gehalt soll es nach oben gehen. Schließlich sei das vergangene Jahr für die Chemiebranche lohnend gewesen, davon wollen auch die 530.000 Beschäftigten profitieren. 2011 erreichte Michael Vassiliadis, Chef der Chemie-Gewerkschaft IG BCE, für die Chemiebranche eine Gehaltssteigerung von 4,1 Prozent.
Der Streit um die Gehälter der Vorfeldmonate tobt schon seit Monaten. Die bisherigen Forderungen der GdF hält Fraport für überzogen. Die GdF hatte bis zu 70 Prozent mehr Lohn gefordert. Die Arbeit der Vorfeld-Kontrolleure ist der GdF zufolge mit der Eröffnung der vierten Landebahn wesentlich anspruchsvoller geworden. Die Lohnentwicklung habe damit aber nicht Schritt gehalten, argumentieren die Arbeitnehmervertreter.
Die Vorfeldkontrolleure oder auch Vorfeldlotsen sitzen mit im Tower und übernehmen die Flieger von den Lotsen der Flugsicherung, sobald die gelandeten Jets den Bereich der Lande- und Startbahnen verlassen haben. Sie behalten die Kontrolle, solange die Flieger am Boden sind und geben sie erst wieder ab, wenn sie in den Bereich der Startbahn rollen. Die Kontrolleure sind keine vollausgebildeten Fluglotsen, haben aber eine interne Spezialausbildung durchlaufen und in der Folge auch eine sicherheitsrelevante Lizenz. Sie führen die Piloten zu den Vorfeld- oder Gate-Positionen.
Die Beschäftigten der Vorfeldaufsicht sitzen beispielsweise in den „Follow-Me-Wagen“, die die Jets durch das Flughafengewirr leiten. Sie steuern auch die „Pushbacks“ der Jets, also das Zurückschieben von den Terminalpositionen durch riesige Schlepper. Die Verkehrszentrale plant und koordiniert den komplexen Flugzeugverkehr am Boden. Eigene Vorfeldkontrollen gibt es an den Flughäfen in Dresden, Hamburg, München, Frankfurt und künftig auch in Berlin. An den übrigen Flughäfen wird die Aufgabe von den Lotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS) miterledigt.
„Die starre Haltung der Fraport AG lässt uns keine andere Wahl, als den Arbeitskampf mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln weiterzuführen“, teilte ein Sprecher der GdF am Wochenende mit. Der Betreiber hat auch einen Schlichterspruch von Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust abgelehnt, der ebenfalls deutliche Verbesserungen für die Beschäftigten vorgeschlagen hatte. Siebers betonte: „Sollte sich Fraport bewegen, sind wir gesprächsbereit. Solange sie hinter den Schlichterspruch zurückfallen, sehe ich keinen Anlass für Verhandlungen.“