Trumps Zölle: Die EU muss gegenüber Trump bereit sein zur Vergeltung

Nun hat die EU also auch ihren Brief aus Washington bekommen: Donald Trump will der europäischen Exportwirtschaft 30 Prozent Zölle aufbrummen.
Dass er diese weder sachlich begründete noch nachvollziehbare Entscheidung gleichzeitig auf seiner privaten Website veröffentlichte, zeigt nicht nur seine Ignoranz in Hinblick auf den Umgang zwischen zivilisierten, demokratischen Staaten. Es ist auch Ausdruck seiner Arroganz und Verachtung gegenüber anderen Ländern.
Inzwischen ist es nach dem unsäglichen Hin und Her im Handelsstreit auch fast schon wieder egal, was Trump den lieben langen Tag so vom Stapel lässt – denn nur wenige Stunden später kann es wieder ganz anders sein.
Es gibt Menschen in den USA, die dieses auffällige Verhalten mit Trumps Prägung als Immobilienhändler zu erklären versuchen. Dazu gehört es, den Kaufpreis so günstig und den Verkaufspreis so hoch wie möglich anzusetzen, inklusive diverser Drohungen, den Deal doch nicht zu machen, wenn sich das Gegenüber nicht in die gewünschte Richtung bewegt.
Nun ist eine Immobilie eine recht statische Sache. Der Welthandel hingegen stellt sich als vielschichtiges und von hunderten Faktoren bestimmtes Gebilde dar. Und dessen Wert kann im Gegensatz zu Gebäuden täglich, ja mitunter stündlich, steigen oder sinken.
Betrachtet man das Verhalten des amerikanischen Präsidenten, dann erscheint es wenig wahrscheinlich, dass er diesen Unterschied zwischen seinem alten Business und der modernen, globalen Politik begriffen hat. Welchen Schaden er damit nicht nur den betroffenen Ländern, sondern auch den USA und ihren Unternehmen und Bürgern antut, will er offenbar nicht wahrhaben.
Auge um Auge, Zoll um Zoll
Niemand ist wirtschaftlich so verflochten wie die Vereinigten Staaten und die Europäische Union. Es geht um ein Handelsvolumen von rund 1200 Milliarden Dollar im Jahr. Der Wohlstand beider Kontinente hängt von funktionierenden und möglichst offenen Wirtschaftsbeziehungen ab.
Die Europäer versuchen deshalb, ruhig zu bleiben. Die eigenen Vergeltungszölle bleiben jedenfalls bis zum 1. August ausgesetzt. Brüssel bleibt reaktiv und wird nicht aggressiv. Man deutet Trumps Zolldiktat als weiteren Schachzug in einem langen und ziemlich verworrenen Handlungsprozess.
Dennoch muss man spätestens jetzt in Brüssel – trotz des amerikanischen Colts auf der Brust – den Mut aufbringen, die eigene Waffe durchzuladen. Und sie im Fall der Fälle dann auch zu gebrauchen. Die Europäische Kommission hat einen mehrstufigen und gut durchdachten Katalog an Gegenmaßnahmen vorbereitet, der die US-Wirtschaft hart treffen würde.
Trump muss verstehen, dass Europa gar nicht anders kann, als sich zu wehren. Zölle von 30 Prozent würden unsere Wirtschaft in weiten Teilen ruinieren – das kann man nicht akzeptieren.
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