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WachstumsprognoseDeutschland wird 2024 zum Schlusslicht der EU

Im Gegensatz zu Deutschland erwartet die Euro-Zone keine Rezession. Obwohl die Zahlen am Mittwoch nochmal nach unten korrigiert wurden, wird ein Wachstum von 0,6 Prozent erwartet. Da kann Deutschland nicht mithalten. 15.11.2023 - 16:53 Uhr

Der europäische Kommissar für Wirtschaft Paolo Gentiloni (rechts) präsentiert die Herbstprognose für die Wirtschaft in der Eurozone.

Foto: AP

Die Brüsseler Behörde erwartet für die Staaten der Währungsunion 2023 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,6 Prozent, wie aus der am Mittwoch vorgelegten Herbstprognose hervorgeht, die etwas skeptischer ausfiel als die Vorhersage vom September. Damals wurde ein Plus von 0,8 Prozent angenommen. Für Deutschland wurde die Prognose nun leicht nach oben korrigiert, doch mit einem Minus von 0,3 Prozent wird die Bundesrepublik demnach dieses Jahr als einzige der großen Volkswirtschaften im Euroraum schrumpfen.

Nächstes Jahr gibt es aus Sicht von EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni „eine Chance auf moderates Wachstum“. Mit einem veranschlagten Plus beim BIP von 0,8 Prozent wird Deutschland 2024 jedoch in dieser Hinsicht gemeinsam mit Finnland das Schlusslicht der Euro-Zone bilden.

Mit Blick auf die größten Volkswirtschaften des gemeinsamen Währungsraumes werden Frankreich mit einem BIP-Wachstum von 1,2 Prozent und Spanien mit 1,7 Prozent gemäß der Prognose besser abschneiden. Auch das lange Zeit als chronisch wachstumsschwach geltende Italien dürfte mit einem BIP-Plus von 0,9 Prozent besser abschneiden als Deutschland. Die maue Weltwirtschaft und hohe Energiekosten setzen dem Industriestandort zu.

Schneller schlau: Rezession
Der Begriff Rezession bedeutet Rückgang und stammt aus dem Lateinischen. Es handelt sich um eine Rezession, wenn die Wirtschaft nicht wächst, sondern schrumpft – sich also in einem Abschwung beziehungsweise Rückgang befindet. Für die Bemessung der Konjunktur dient das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Offiziell tritt eine sogenannte technische Rezession ein, wenn das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den jeweiligen Vorjahresquartalen nicht wächst, sondern zurückgeht.Die Rezession ist eine der vier Phasen, die der Konjunkturzyklus einer Volkswirtschaft durchlaufen kann. Sie folgt auf die Phase der Hochkonjunktur und kann im schlimmsten Fall in eine Depression übergehen. Auf eine Depression folgt dann früher oder später ein Aufschwung.
Eine Rezession zeichnet sich durch unterschiedliche Merkmale aus. Dazu gehören unter anderem:Rückgang der Nachfrageüberfüllte LagerAbbau von Überstunden und beginnende KurzarbeitEntlassung von Arbeitskräftenausbleibende Investitionenteilweise Stilllegung von Produktionsanlagenstagnierende oder sinkende Preise, Löhne und Zinsenfallende Börsenkurse
Zu den Ursachen einer Rezession gehören unterschiedliche Punkte, die sich nur schwerlich verallgemeinern lassen. Aktuell wirkt sich etwa der Krieg in der Ukraine erheblich auf die Konjunktur in Europa und den USA aus.
In einer Rezession halten Unternehmen und private Haushalte ihr Geld in der Regel beisammen. Zu den Folgen einer Rezession zählen steigende Arbeitslosenzahlen, außerdem arbeiten mehr Menschen in Kurzarbeit. Beides führt zu geringerer Nachfrage. Denn wenn die Bürger weniger Geld verdienen, konsumieren sie auch weniger. Dies ist wiederum schlecht für Unternehmen, die dadurch weniger verkaufen und auf ihren Lagerbeständen sitzen bleiben. Die fehlenden Einnahmen können zu weiteren Entlassungen führen, sodass die Arbeitslosigkeit weiter steigt.Auch Menschen, die auf der Suche nach einem neuen Job sind, stehen in einer Rezession vor Problemen. Denn wer sich um eine neue Stelle bewirbt, dürfte während einer Rezession Schwierigkeiten haben eine entsprechende Stelle zu finden – denn geht es Unternehmen wirtschaftlich schlechter, stoppen sie Neueinstellungen.
Durch eine steigende Inflation sinkt die Kaufkraft der Menschen. Durch eine sinkende Kaufkraft sinkt wiederum die Konsumbereitschaft der Menschen, da sie ihr Geld beisammen halten, statt es für Waren und Güter auszugeben.

2025 werden sich Deutschland und Italien mit einer Wachstumsrate von jeweils nur 1,2 Prozent den letzten Platz in der Euro-Zone teilen, wenn die Auguren der EU-Kommission recht behalten. Gentiloni betonte, die Prognosen der EU-Kommission fußten auf der Annahme einer unveränderten Politik.

Die deutschen Wirtschaftsweisen hatten in ihrem Gutachten deutlich gemacht, dass sie Reformbedarf sehen, um das Wachstumspotenzial der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone zu heben. Dabei solle insbesondere bei den Investitionen der Hebel angesetzt werden. Die Regierungsberater um die Münchner Ökonomin Monika Schnitzer hatten eine Rezession im laufenden Jahr und für 2024 nur eine verhaltene Erholung prognostiziert.

Konjunktur

Rauf oder runter?

von Malte Fischer

„Wir nähern uns dem Ende eines herausfordernden Jahres“, betonte Gentiloni. Die EU-Kommission blickt zudem etwas skeptischer auf 2024 als noch im September. Das BIP dürfte 2024 im Euroraum nur um 1,2 Prozent zulegen und damit einen Tick weniger als bisher gedacht. Der starke Preisdruck, die gestiegenen Zinsen und die schwache globale Nachfrage belasteten Haushalte und Unternehmen, sagte Gentiloni. „Mit Blick auf 2024 erwarten wir einen leichten Anstieg beim Wachstum, da die Inflation weiter nachlässt und der Arbeitsmarkt robust bleibt.“

Die EU-Kommission veranschlagt in ihren Prognosen zugleich einen nachlassenden Preisdruck. Sie erwartet 2023 für Deutschland eine für den europäischen Vergleich berechnete Teuerungsrate (HVPI) von 6,2 Prozent, im September hatte sie noch 6,4 Prozent vorhergesagt. Für die Euro-Zone prognostiziert sie weiter eine Inflation von 5,6 Prozent.

Auch nächstes Jahr dürften die Teuerungsraten demnach in Deutschland mit 3,1 Prozent und in der Euro-Zone mit 3,2 Prozent trotz des erwarteten Rückgangs noch über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank von 2,0 Prozent liegen. Angesichts des Konjunkturabschwungs könne die „letzte Meile“ vor Erreichen des Inflationsziels durchaus die schwierigste für die EZB sein, warnte Bundesbankchef Joachim Nagel jüngst.

Lesen Sie auch: Standort Deutschland – fünf Ideen für den Aufschwung

dpa
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