1. Startseite
  2. Politik
  3. Konjunktur
  4. Freytags-Frage: Findet Davos Antworten auf die Krisen der Welt?

Freytags-FrageFindet Davos Antworten auf die Krisen der Welt?

Chaos in Nahost, Flüchtlingskrise und Renationalisierung: Die Mächtigen beim Weltwirtschaftsforum wissen, dass die Welt Antworten verlangt. Es gibt Hoffnung – wenn wir zu kluger Wirtschaftspolitik zurückfinden. Eine Kolumne.Andreas Freytag 22.01.2016 - 06:00 Uhr

Alexis Tsipras

Auf nach Davos: Dieses Mal steht er zwar nicht im Fokus, doch nehmen lassen will er sich den Besuch nicht: Der griechische Premier Tsipras hat sein Kommen zugesagt.

Foto: dpa

Joachim Gauck

Auch der Bundespräsident wird 2016 in Davos dabei sein. Dafür wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fern bleiben.

Foto: dpa

Manuel Valls

Premierminister Valls reist für Frankreich in den Luftkurort.

Foto: AFP

Joe Biden

Nicht US-Präsident Barack Obama, aber immerhin sein Stellvertreter: US-Vizepräsident Joe Biden reist zum Gipfeltreffen in die Alpen.

Foto: AP

David Cameron

Für Großbritannien reist der Regierungschef, Premier David Cameron, persönlich an.

Foto: REUTERS

Benjamin Netanjahu

Auch Israel mächtigster Mann, Premierminister Benjamin Netanjahu, zieht es nach Davos.

Foto: AP

Ahmet Davutoglu

Aus Ankara reist der türkische Premierminister an.

Foto: REUTERS

Mario Draghi

Zum Thema Wirtschaftswachstum und Ölpreise diskutiert EZB-Chef Mario Draghi unter anderem mit...

Foto: AFP

Christine Lagarde

... der Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde und...

Foto: AFP

Jim Yong Kim

... Weltbank-Chef Jim Yong Kim.

Foto: AP

Klaus Schwab

Wirtschaftsforums-Chef Klaus Schwab spricht zum Thema „Die Vierte Industrielle Revolution“.

Foto: AFP

Sheryl Sandberg

Schwabs Gesprächspartner sind die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg...

Foto: AFP

Jack Ma

..., dem CEO des chinesischen Amazon-Konkurrenten Alibaba, Jack Ma...

Foto: REUTERS

Meg Whitman

sowie der Hewlett Packard-Chefin Meg Whiteman.

Foto: AFP

Federica Mogherini

Globale Sicherheitspolitik ist ebenfalls ein Thema in Davos. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini (Italien) trifft unter anderem zusammen mit...

Foto: REUTERS

Ashraf Ghani

Afghanistans Präsident Ashraf Ghani oder...

Foto: REUTERS

Ibrahim Boubacar Keita

... dem Präsidenten Malis, Ibrahim Boubacar Keita.

Foto: AP

Leonardo DiCaprio

Nicht nur Wirtschaftsbosse und Staatenlenker, auch Stars aus Kunst und Kultur kommen nach Davos, darunter Hollywoodstar Leonardo DiCaprio....

Foto: dpa

Bono

... U2-Sänger und Wohltäter Bono oder auch...

Foto: AP

Yao Chen

...die chinesische Schauspielerin Yao Chen, die vom Magazin „Forbes“ zu den 100 mächtigsten Frauen gezählt wird.

Foto: REUTERS

Kevin Spacey

In der Serie House of Cards mimt Kevin Spacey einen skrupellosen US-Politiker – in Davos trifft Spacey auf echte Vertreter der Zunft.

Foto: REUTERS

Seit über 40 Jahren treffen sich Spitzenpolitiker, hochrangige Vertreter der Wirtschaft und Wissenschaftler in Davos, um nach Lösungen für die drängendsten Probleme der Weltwirtschaft zu suchen. Dieses Jahr werden 2500 Teilnehmer erwartet. Die Vorstellung, dass 2500 Personen, und seien sie noch so klug und hochrangig, in vier Tagen die Welt retten, ist natürlich abenteuerlich. In den vergangenen Jahren ist auch nicht viel bei den Foren herausgekommen. In erster Linie geht es den Teilnehmern wohl um die Pflege der eigenen Netzwerke. Insofern konnte man (zurecht) nur wenig Konstruktives vom Weltwirtschaftsforum erwarten.

Dennoch sieht es dieses Mal etwas anders aus. Vielleicht sollte das Forum einmal liefern. Denn wie aus einer gerade vom World Economic Forum (WEF) veröffentlichten Umfrage hervorgeht, werden die Risiken für die Welt und die Weltwirtschaft in diesem Jahr als besonders hoch eingeschätzt – Terror, das Flüchtlingsproblem, die Klimaveränderung und die Schwäche der Schwellenländer, namentlich der BRICS sind die wesentlichen Treiber dieser Risiken. Hinzu kommen bedenkliche Arbeitsmarktprognosen – besonders aus Sicht junger Menschen.

Diese 10 Länder werden die weltbesten Talente anwerben
FinnlandWenig überraschend ist es bei dem Pisa-Dauersieger aus dem hohen Norden das Bildungssystem, das das Land in den Augen der Studien-Autoren zur Weltspitze gehören lässt.
KanadaEin herausragendes Bildungssystem sorgt in dem Land dafür, dass sowohl für Einwanderer wie für ursprüngliche Kanadier die soziale Mobilität besonders hoch ist.
NorwegenWie bei allen Skandinaviern sorgen auch bei Norwegen vorbildliche soziale Durchlässigkeit und eine hervorragende Gleichstellung der Geschlechter für einen vorderen Platz.
GroßbritannienDas Königreich ist aus zwei Punkten interessant: Zum einen, weil es bei keinem der untersuchten Punkte außerordentlich gut ist, sondern eher durch konstante Unauffälligkeit auffällt. Zum anderen, weil es dem Land besser gelingt, junge Talente von außen anzulocken, als dem eigenen Nachwuchs besonders attraktive Entwicklungschancen zu bieten. Das Königreich ist gut im integrieren von ausländischen Talenten, aber schlecht bei der Durchlässigkeit des eigenen Bildungssystems.
SchwedenNahezu Gleichberechtigung, gute soziale Durchlässigkeit und hohe Aufgeschlossenheit und Fremdsprachenkompetenz der Bevölkerung, sind die Werte, die Schweden weit nach oben in dem Ranking spülen.
DänemarkObwohl derzeit eher durch rechtspopulistische Eigentümelei auffallend, bescheinigen die Studien-Autoren dem skandinavischen Land eine hohe Attraktivität für die großen Talente dieser Welt. Unangefochtener Spitzenreiter ist das Land beim Thema soziale Durchlässigkeit.
USADas erste Nicht-Zwergenland unter den Top 10. Den USA kommt bei der vorliegenden Studie vor allem ihre beispiellose Landschaft an Elite-Universitäten zu Gute.  Zudem hätten die USA es verstanden, vor allem jene Ausländer auf Dauer in den Arbeitsmarkt zu integrieren, von denen das Land profitiere.
LuxemburgWenn auch unter europäischen Politikern nicht mehr sonderlich beliebt, schneidet der Zwergenstaat gut ab. Begründung: Luxemburgs Arbeitsmarkt sei für Menschen aus aller Welt hervorragend geöffnet,  das Wirtschaftsmodell sei nachhaltig erfolgreich.
SingapurDer Stadtstaat überzeugt die Studien-Autoren vor allem durch die Möglichkeiten, die er Wachstumsbranchen bietet und seine Aufgeschlossenheit gegenüber Expats. Große Schwäche: Das mäßig demokratisch regierte Land schafft es nicht, die eigenen Einwohner hervorragend auszubilden. Was angesichts des Angebots an hochqualifizierten Expats womöglich ein Anreizproblem ist.
SchweizDas Ergebnis scheint angesichts des Werts der gesellschaftlichen „Offenheit“ zunächst paradox. Doch hier stellen die Studien-Autoren fest: Scheinbar negative Entwicklungen wie das Referendum zur Begrenzung der Einwanderung hätten bisher kaum praktische Folgen.  Stattdessen beeindrucke die Schweiz durch ein sehr gutes und durchlässiges Bildungssystem, seine gute Berufsausbildung  und die gute soziale Mobilität. Aufholbedarf hat das Land allein beim Thema Frauen in Führungspositionen – hier landet die Schweiz unter 109 Ländern auf Platz 76.

Und in der Tat bedrohen diese Probleme nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung in vielen Entwicklungsländern, die von Gewalt betroffen sind, sondern drohen auch die politische Ordnung in den reichen Zielländern zu destabilisieren. Die liberale Ordnung wird immer mehr von Nationalismen und dem Ruf nach Schutz vor ausländischer Konkurrenz (durch Handel oder durch Wanderung) bedroht. Die Diskussion in Deutschland kann als Zeugnis dafür genauso wie die jüngsten Regionalwahlen in Frankreich oder die Entwicklungen in Polen seit der dortigen Parlamentswahl dienen. Europa droht sogar eine Spaltung.

Vor diesem Hintergrund und in Kenntnis der Folgen ähnlicher Situationen in der Historie sollte man doch erwarten, dass die Menschheit heute klüger ist als im 20. Jahrhundert und die aufkommenden Xenophobien und Gewaltorgien im Keim erstickt – und zwar auf dem Verhandlungswege. Es zeigt sich zunehmend, dass sich niemand mehr erfolgreich von allen Problemen der Welt abschotten kann. Ob Crash in China, Flüchtlingsdrama oder Terrorismus – alle Welt ist betroffen. Simple Strategien wie die von Frau le Pen und der AfD vorgeschlagene (Grenzen zu, Ausländer raus) verfangen nicht, dennoch fallen viele darauf herein.

Weltwirtschaftsforum

5000 Soldaten bewachen Davos

Scharfschützen und Spürhunde: Wie das Weltwirtschaftsforum seine Teilnehmer vor Anschlägen schützt. Ein multimedialer Überblick.

Dies mag damit zu tun haben, dass auch die politischen Entscheidungsträger mit legitimierter Gestaltungsmacht vor allem simple Argumentationsmuster vortragen und einfache Lösungen verfolgen. Noch hat kein deutscher Regierungspolitiker von Rang eine Strategie vorgestellt, mit der der Flüchtlingsstrom gemeistert und die offenkundigen Defizite in der Integration von Migranten beseitigt werden können. Es ist nicht leicht, aber wer sich mit einfachen und wohlklingenden Aussagen („Wir schaffen das“, „Fällt der Euro, fällt Europa“) begnügt, muss damit rechnen, dass andere mit noch einfacheren Sprüchen (siehe oben) ebenfalls punkten.

Hier könnte, nein muss das Treffen in Davos Maßstäbe setzten. Dazu ist es nötig, dass die Teilnehmer erkennen, dass alle verlieren, wenn es keine Änderung des Verhaltens gibt.

Weltwirtschaft

Diese 10 Länder greifen die weltbesten Talente ab

Small is beautiful: Ein Trio an Zwergenstaaten macht das Rennen um die besten Talente der Welt. Warum es junge Menschen dorthin zieht – und wieso Deutschland im weltweiten Vergleich zurückfällt.

von Sven Prange

Schottet sich Europa weiter ab (d.h. die Grenzen werden für Menschen und bleiben für Güter aus Entwicklungsländern geschlossen), kann es scheinbar gewinnen; nämlich dadurch, dass die Flüchtlingsströme unterbrochen und kurzfristig unrentable Arbeitsplätze gesichert werden. Es verliert aber langfristig, weil sich die Ströme nicht aufhalten lassen, wenn die Ursachen fortbestehen, und durch eine Unterbrechung der Arbeitsteilung.

Die Menschen in den Entwicklungsländern verlieren ebenfalls, wenn Wanderungen nicht mehr möglich sind und Kommunikation gestört wird. Das spielt den Kriegstreibern in Nahost und anderswo in die Hände. Die Not wird immer größer und damit auch der Wanderungsdruck. Es ist allerdings hoch wahrscheinlich, dass die meisten Menschen lieber in ihrer Heimat bleiben und dort nach Wohlstand streben wollen. Zahlreiche Studien zeigen, dass Terror und Wohlstand negativ miteinander in Beziehung stehen. Andere Studien belegen, dass die Integration von Menschen und Unternehmen in die Weltwirtschaft beziehungsweise die Teilnahme an der Globalisierung Wohlstand bringt und eine breiter werdende Mittelschicht entstehen lässt. Diese ist die Grundlage einer bürgerlichen Ordnung. Die Erfolge des Islamischen Staats werden erst abflauen, wenn es den Menschen besser geht und eine Mittelschicht auch in den Operationsgebieten der Terroristen ihre Anziehungskraft verringert.

Diese ist die Grundlage einer bürgerlichen Ordnung. Die Erfolge des Islamischen Staats werden erst abflauen, wenn es den Menschen besser geht und eine Mittelschicht auch in den Operationsgebieten der Terroristen ihre Anziehungskraft verringert.

Das Signal muss deshalb ganz anders lauten. Es muss deutlich werden, dass die reichen Länder weder Terror akzeptieren noch die Freiheiten aufzugeben bereit sind, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa, den USA und anderen OECD-Ländern erstritten worden sind. Es muss auch deutlich werden, dass sie verstanden haben, dass der westliche Lebensstil und der Wohlstand nur aufrechterhalten werden können, wenn auch Menschen in anderen Ländern am Wohlstand partizipieren können.

In den vergangenen Jahren sind zudem multilaterale Initiativen, zum Beispiel im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) oder der Vereinten Nationen (UN) eher zurückgedrängt worden. Stattdessen gibt es bilaterale Integrationsbestrebungen im Bereich des Handels und zunehmend politische Alleingänge und Nationalismen. Für die Entwicklung der Weltwirtschaft und des Weltfriedens sind beide Tendenzen nicht von Vorteil (wobei vor allem Nationalismen negative zu Buche schlagen).

Deshalb ist ein Umdenken nötig, damit multilaterale Bemühungen wieder in den Vordergrund rücken. Wir brauchen einen Durchbruch in der Doha-Runde und einen weltweiten Flüchtlingsgipfel, der auch die finanzielle Hilfe für diejenigen Länder an den Grenzen der Krisengebiete in den Blick nimmt. Dieser könnte den interessanten Vorschlag des Bundesfinanzministers von gestern, einen Marshall-Plan für Nahost zu schaffen, diskutieren und umsetzen.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick