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Inflation steigtWas Verbraucher wissen müssen

Lange dümpelte die Inflation nahe der Nulllinie, Sprit und Heizöl wurden billiger. Doch inzwischen ziehen die Verbraucherpreise an - so auch im Januar. Was sind die Gründe, wie riskant ist die Entwicklung? 30.01.2017 - 16:15 Uhr

Turkmenistan, Januar 1992 - November 1993

Währung: Manat

Tägliche Inflationsrate: 5,71 Prozent

Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,7 Tage

Quelle: Institute for Applied Economics, John Hopkins University Baltimore

Foto: AP

Armenien, Oktober 1993 - Dezember 1994

Währung: Rubel

Tägliche Inflationsrate: 5,77 Prozent

Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,5 Tage

Foto: REUTERS

China, Oktober 1947 - Mitte Mai 1949

Währung: Yuan

Tägliche Inflationsrate: 14,1 Prozent

Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 5,34 Tage

Foto: WirtschaftsWoche

Griechenland, Mai 1941 - Dezember 1945

Währung: Drachme

Tägliche Inflationsrate: 17,9 Prozent

Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 4,27 Tage

Foto: WirtschaftsWoche

Deutschland, August 1922 - Dezember 1923

Währung: Papiermark

Tägliche Inflationsrate: 20,9 Prozent

Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 3,70 Tage

Foto: WirtschaftsWoche

Republika Srpska, April 1992 - Januar 1994

Währung: Dinar

Tägliche Inflationsrate: 64,3 Prozent

Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 1,41 Tage

Foto: WirtschaftsWoche

Jugoslawien, April 1992 - Januar 1994

Währung: Dinar

Tägliche Inflationsrate: 64,6 Prozent

Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 1,41 Tage

Foto: dpa

Simbabwe, März 2007 - Mitte November 2008

Währung: Dollar

Tägliche Inflationsrate: 98,0 Prozent

Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 24,7 Stunden

Foto: WirtschaftsWoche

Ungarn, August 1945 - Juli 1946

Währung: Peng!

Tägliche Inflationsrate: 207 Prozent

Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 15 Stunden

Foto: dpa

Nach einem überraschend kräftigen Sprung der Inflation im Dezember sind die Verbraucherpreise in Deutschland im Januar noch etwas kräftiger gestiegen. Ökonomen sehen dennoch keinen Grund zur Sorge.

Wie haben sich die Verbraucherpreise zuletzt entwickelt?

Die Zeiten extrem niedriger Teuerungsraten nahe der Nullmarke scheinen vorerst vorbei zu sein. Mit 1,9 Prozent gab es im Januar 2017 nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes den kräftigsten Sprung seit Juli 2013. Schon im Dezember hatte die Inflation mit 1,7 Prozent deutlich angezogen.

Warum zieht die Inflation wieder an?

Vor allem die Preisentwicklung bei Energie dämpfte lange Zeit den Anstieg der Teuerung. Seit Mitte 2014 wurde Rohöl vor allem infolge der weltweiten Überproduktion deutlich günstiger. Ende vergangenen Jahres drehte der Trend. Der Ölpreis, der im Dezember 2015 noch bei 38 Dollar je Barrel (159 Liter) lag, stieg kräftig auf mehr als 50 Dollar. Das Ölkartell Opec und andere Förderstaaten hatten sich geeinigt, die Produktion zu verringern, um den Preis für das „schwarze Gold“ nach oben zu treiben.

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Was bedeutet das für Verbraucher?

Im Dezember mussten Verbraucher in Deutschland erstmals seit Herbst 2013 für Tanken und Heizen wieder tiefer in die Tasche greifen als im Vorjahresmonat. Dieser Trend verschärfte sich im Januar noch: Energie war zu Jahresbeginn um 5,8 Prozent teurer als vor Jahresfrist. Die höheren Benzin- und Heizölpreise zehren an den Einkommen der Konsumenten und engen den Spielraum für andere Anschaffungen ein. Steigende Preise seien „Gift für das Konsumklima“, sagt GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl. Noch lassen sich die Verbraucher die Stimmung allerdings nicht verderben. Sie starteten mit großem Optimismus und ausgeprägter Kauflaune ins neue Jahr. Das liegt auch an der historisch guten Lage auf dem Arbeitsmarkt. Zudem haben die steigenden Energiepreise bisher noch nicht auf andere Bereiche durchgeschlagen. Die Kerninflation, aus der Nahrungsmittel und Energie herausgerechnet sind, lag zuletzt unter einem Prozent.

Welche Folgen hat die steigende Inflation für Sparer?

Sparbuch, Tagesgeld und Co. werfen wegen der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum noch etwas ab. Bisher glich die niedrige Inflation diesen Effekt unter dem Strich aus. Das könnte sich nun ändern. „Die Nullzinspolitik bei steigender Inflation ist verheerend für den deutschen Sparer“, sagte Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) Anfang Januar dem „Handelsblatt“.

Wird die Inflation weiter steigen?

Volkswirte trauen der Weltwirtschaft wieder etwas mehr Wachstum zu. Wenn die Konjunktur besser läuft, steigen tendenziell Löhne und Preise. Einen rasanten Anstieg der Verbraucherpreise erwarten Ökonomen indes nicht. Die Bundesbank rechnet in Deutschland für dieses Jahr mit einer moderaten Teuerungsrate von 1,4 Prozent, im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 0,5 Prozent. „Es wäre aktuell falsch von einer Inflationsgefahr in Deutschland zu sprechen“, mahnt Chefvolkswirt Otmar Lang von der Targobank zur Gelassenheit. Einen kräftigen Ölpreisanstieg in den nächsten Monaten halten Beobachter ohnehin für unwahrscheinlich. „Da die Ölpreise im Februar 2016 bereits ihren Tiefpunkt hinter sich ließen, läuft der preistreibende Effekt in den kommenden Monaten bereits wieder aus“, sagt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. GfK-Experte Bürkl argumentiert zudem, die Erdöl exportierenden Länder hätten sich selten an ihre verringerten Förderquoten gehalten. Zudem wollten die USA das Öl-Fracking wieder hochfahren. Ein größeres Öl-Angebot drückt in der Regel den Preis.

Aktien

Der Absturz der „Volksaktie“ Telekom und das Platzen der New-Economy-Blase am Neuen Markt um die Jahrtausendwende haben viele Kleinanleger nachhaltig verschreckt. Zwar erhöhte sich die Zahl der Besitzer von Aktien und/oder Aktienfondsanteilen in Deutschland im vergangenen Jahr um 560.000 auf gut neun Millionen. Das ist der höchste Stand seit 2012. Dennoch sind nur 14 Prozent der über 14-Jährigen am Aktienmarkt engagiert - und damit deutlich weniger als in anderen Ländern. Nach Bundesbank-Zahlen machten Aktien zum Ende des zweiten Quartals 2016 gerade einmal ein Zehntel (540,7 Milliarden Euro) der 5401 Milliarden Euro Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland aus.

Foto: Fotolia

Bargeld und Bankeinlagen

Bargeld und Einlagen bei Banken sind nach den Bundesbank-Zahlen mit gut 2128 Milliarden Euro nach wie vor der größte Posten des Geldvermögens der privaten Haushalte. Tagesgeldkonten als Parkplatz für Liquidität stehen nach wie vor hoch im Kurs, obwohl sie kaum noch Zinsen abwerfen.

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Bausparen

Die Deutschen sind eifrige Bausparer. Nach Zahlen des Verbands der Privaten Bausparkassen gab es 2015 knapp 30 Millionen Bausparverträge in Deutschland. Damit komme auf jeden zweiten Haushalt mindestens ein Vertrag. 2,7 Millionen Verträge wurden im vergangenen Jahr neu abgeschlossen. Allerdings versuchen etliche Bausparkassen Kunden loszuwerden, die noch besonders hochverzinste Altverträge haben.

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Gold

Privatleute in Deutschland besitzen mittlerweile die Rekordmenge von 8672 Tonnen des Edelmetalls - davon gut die Hälfte (4705 Tonnen) in Form von Barren und Münzen, knapp 4000 Tonnen sind Schmuck. Diese Zahlen haben Forscher der Steinbeis-Hochschule für die Reisebank zusammengetragen. Von 2014 bis 2016 wuchs der Goldschatz der Privathaushalte demnach um 477 Tonnen. Wert zum Zeitpunkt der Studie im August 2016: 375 Milliarden Euro. Drei Viertel (2014: 67 Prozent) der erwachsenen Bundesbürger besitzen der Studie zufolge Gold in Form von Schmuck, Barren, Münzen oder Wertpapieren.

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Immobilien

Die niedrigen Hypothekenzinsen heizen die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen an. In den ersten neun Monaten 2016 wurden so viele Wohnungen genehmigt wie seit 1999 nicht mehr. Auch viele Investoren spekulieren auf weitere Preissteigerungen und investieren in „Betongold“. Noch sieht die Bundesbank keine gefährlichen Übertreibungen am deutschen Immobilienmarkt. Allerdings verlocken die niedrigen Zinsen auch zum Schuldenmachen. Die Bundesbank warnt vor einem Schock bei steigenden Zinsen: „Finanzierungen, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen angemessen erscheinen, könnten sich dann als nicht nachhaltig herausstellen.“

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Lebensversicherungen

91 Millionen Lebensversicherungsverträge zählte der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Ende vergangenen Jahres bundesweit. Damit hat rein rechnerisch jeder Bundesbürger mindestens eine Lebensversicherung - ein Altersvorsorge-Klassiker. Doch neue Verträge sind schon lange nicht mehr so attraktiv verzinst wie noch um die Jahrtausendwende.

Foto: dpa

Sparbuch

Das gute alte Sparbuch hat seinen Reiz bei den sicherheitsorientierten Deutschen trotz aktuell mickriger Zinsen keineswegs verloren. 44 Millionen Sparkonten zählten allein die seinerzeit 413 Sparkassen bundesweit zum Jahresende 2015. Gut 603 Milliarden Euro hatten die privaten Haushalte im 2. Quartal 2016 nach jüngsten Bundesbank-Zahlen als Spareinlagen und Sparbriefe angelegt.

Foto: Fotolia

Wird die EZB die Zinsen nun bald anheben?

Eine Zinswende im Euroraum zeichnet sich zum Leidwesen der Sparer vorerst nicht ab. EZB-Präsident Mario Draghi betont immer wieder, dass die Zinsen noch lange niedrig bleiben werden. Es gebe keine überzeugenden Anzeichen für einen Anstieg der Kerninflation, argumentiert Draghi.

Warum halten die Währungshüter die Geldschleusen weiter geöffnet?

Wenn die Preise für viele Waren und Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum kaum noch oder gar nicht mehr steigen, kann das die Konjunktur abwürgen. Verbraucher und Unternehmer könnten Investitionen aufschieben, weil es bald noch billiger werden könnte. Mit Nullzinsen und viel billigem Geld versuchen die Währungshüter im Eurotower gegenzusteuern. Die Geldflut soll die Konjunktur ankurbeln und die Inflation anheizen. Mittelfristig strebt die EZB ein stabiles Preisniveau bei knapp unter 2,0 Prozent an. Aus Sicht der EZB zeigt die Geldschwemme zwar Wirkung. Deflationsrisiken seien weitgehend verschwunden, die Konjunktur sei auf dem Weg der Erholung. „Aber wir können uns nicht entspannen“, argumentiert Draghi - und bittet um Geduld.

Inflation und Niedrigzins

Liebe Notenbanker, bitte macht unser Geld wieder heile!

Kommentar von Mark Fehr

dpa
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