RedNote: Mögliches TikTok-Verbot treibt Nutzer in den USA zur Konkurrenz
Callie Goodwin aus Columbia, South Carolina, hält ein Schild zur Unterstützung von TikTok vor dem Obersten Gerichtshof in Washington.
Foto: Jacquelyn Martin/AP/dpaDie chinesische App TikTok hat die USA im Sturm erobert. Ein mögliches Verbot durch die US-Regierung wirft bereits seine Schatten voraus. Dabei könnte der Streit noch eine weitere Wendung nehmen.
Doch der Reihe nach: Was war passiert? Bereits während der ersten Trump-Präsidentschaft gab es Bestrebungen, die TikTok-Mutter ByteDance zum Verkauf des US-Geschäfts zu zwingen. Nachdem sich das Unternehmen juristisch dagegen gewehrt hatte, legte die Biden-Administration die Bestrebungen zunächst auf Eis. Der erneute Versuch kam aus dem Kongress, unterstützt von Demokraten und Republikanern. TikTok zog daraufhin bis vor den Obersten Gerichtshof – wird das Verfahren nicht gestoppt, tritt das Verbot am 19. Januar in Kraft. Einen Tag bevor Donald Trump erneut ins Weiße Haus einzieht.
Während sich der Streit über das Für und Wider hinzieht, schaffen die nach Unternehmensangaben rund 170 Millionen amerikanischen Nutzer bereits Fakten. Und zwar, indem sie nach Alternativen suchen.
Hoch im Kurs und derzeit auf Platz eins in Apples US-App-Store steht Xiaohongshu, auch bekannt als RedNote. Die App des in Shanghai ansässigen Unternehmens erinnert eher an Instagram als an TikTok. Seit ihrem Start 2013 hat sie sich vor allem auf die Modewelt spezialisiert. Im Gegensatz zu Instagram bietet RedNote auch einen Shop an, ist also direkt im Onlinehandel engagiert.
Mode und Style aus China
Der Fokus auf Mode und Frauen als Zielgruppe könnte ein Grund dafür sein, dass sich die App derzeit als Nachfolger von TikTok positioniert. Laut einer Studie des Pew Research Centers unterscheidet sich die Nutzerschaft von TikTok in den USA von anderen dort aktiven Social-Media-Plattformen. Die App hat besonders viele Fans unter Teenagern (63 Prozent) und jungen Erwachsenen (59 Prozent).
Unter den Teenagern zwischen 13 und 17 Jahren nutzen mit einem Anteil von 19 Prozent mehr Mädchen die App besonders stark, als das bei Jungen (13 Prozent) der Fall ist. Bei YouTube, dem Spitzenreiter in der Teenagernutzung, verhält es sich genau umgekehrt. Instagram und Snapchat hingegen weisen in dieser Altersgruppe keine geschlechtsspezifischen Schwerpunkte auf.
Eine naheliegende Theorie wäre daher, dass der Fokus von RedNote besser zu einem relevanten Teil der TikTok-Nutzer passt, genauer gesagt zu den Nutzerinnen. Man könnte einwenden, dass sich die App bisher vor allem auf Chinesinnen als Zielgruppe konzentriert hat. Aber nach Alibaba, TikTok, Temu und Shein wäre RedNote nur einer von vielen Online-Akteuren aus dem Reich der Mitte, die im Westen erfolgreich sind.
Ist der Niedergang von TikTok damit besiegelt? Wohl kaum. Medienberichten zufolge wird in China bereits darüber spekuliert, ob der Trump-Vertraute Elon Musk den US-Teil von TikTok kaufen könnte. Ein mögliches Faustpfand im Handelsstreit zwischen den USA und China. Sollte es dazu kommen, könnte der Höhenflug von RedNote bald ein jähes Ende finden.
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