Virtual Reality in Kino und Fitnessstudio: Diese sechs Pioniere entführen uns in Parallelwelten
Kino, Fitness und Shopping: Die Virtual-Reality-Brille erobert die Freizeit-Branchen.
Foto: Andreas Menn für WirtschaftsWoche, Icaros, Media-SaturnDurch eine Brille schauen und Dinge sehen, die aus dem Computer stammen - ein alter Traum von Technik-Visionären soll jetzt wahr werden. Denn Unternehmen wie Facebook und Samsung haben Datenbrillen auf den Markt gebracht, die ihre Nutzer in andere Welten versetzen. Auch Apple und die Google-Mutter Alphabet bauen angeblich eigene Modelle
Die Geräte erweitern die reale Welt mithilfe von Computergrafiken - Augmented Reality genannt - oder schaffen gleich eine virtuelle Realität, in der nichts mehr echt ist. Sie versetzen Menschen mitten hinein in Computerspiele - wer sich umdreht, sieht, was hinter ihm ist. Und bald beamen sie uns sogar in komplett virtuelle Städte, in denen Menschen sich treffen, wo sie lernen und konsumieren. Das Fernziel: die perfekte Illusion, in der wir digitale Dinge fühlen, riechen, schmecken.
Computerbrillen, glaubt Facebook-Chef Mark Zuckerberg, könnten "die nächste große Plattform" nach dem Smartphone werden. Das Internet hat die Welt vernetzt - die virtuelle Realität lässt ganz neue Welten entstehen. Die Technik, glaubt Zuckerberg, werde den Menschen "die Macht geben, alles zu erleben". Ein Internet nicht nur für den Kopf, sondern für alle Sinne.
Im Jahr 2015 steckten Investoren 700 Millionen Dollar in Start-ups, die Datenbrillen und Co. entwickeln; im Januar und Februar 2016 flossen gar 1,1 Milliarden Dollar Wagniskapital. Allen ist klar: Im Netz wird ein Paralleluniversum geschaffen. Die Entwicklung der neuen virtuellen Welten steht erst am Anfang, aber sie werden unser Leben tief greifend verändern.
Kinofilme zum Hineinsetzen, Flugsimulatoren, virtuelle Häuser: Wir stellen sechs Ideen vor aus Deutschland, den Niederlanden und Österreich - von Unternehmern, die ein neues virtuelles Universum erschaffen wollen.
Der Kinogründer
Die Kinopremiere hat gerade begonnen, da verliert Zühre Oraon den Boden unter ihren Füßen. Irritiert schaut die Studentin hinab, auf Hochhäuser, auf Straßenschluchten. “Ich fliege”, ruft sie, “mitten über Manhattan.” Blick nach rechts, da steht das One World Trade Center. Blick nach links, da fließt der Hudson River. Unten schieben sich Taxis über die Fifth Avenue.
In ihrer virtuellen Welt ist Zühre ein Vogel über New York, in Wirklichkeit sitzt sie auf einem Drehstuhl in einem brandneuen Filmtheater, dem Virtual Reality Cinema in Amsterdam. Der Vorführraum ist taghell, durch die bodentiefen Fenster spähen vom Bürgersteig aus Spaziergänger hinein, aber davon bekommen Zühre und die anderen Zuschauer nichts mit.
Die Studentin trägt einen Kopfhörer auf den Ohren und eine Videobrille im Gesicht, genau wie die anderen fünfzig Gäste. Sie recken die Hälse, schauen um sich, zucken zurück, als jage sie ein Phantom. Fünfzig Menschen wie auf einem Drogentrip: Der Körper noch auf Erden, der Geist längst in anderen Sphären.
Jip Samhoud, der Mann, der das neuartige Kino gegründet hat, steht zwischen seinen entrückten Gästen und lächelt zufrieden: Ein Magier, dem ein Zaubertrick gelungen ist. “In anderen Kinos schaust Du einen Film”, sagt er, “bei uns wirst Du Teil des Films.” Samhoud teleportiert sein Publikum mühelos in den Himmel über Afrika, dann auf einen Asteroiden, bald mitten auf eine Bühne, auf der Akrobaten ein Seil hinaufklettern.
Schon bald will der Niederländer weitere Kinos eröffnen, unter anderem in Berlin. Hollywoodstudios haben den Trend erkannt, angeblich plant etwa Starregisseur Steven Spielberg ein Virtual-Reality-Projekt. Wer mit Raumschiff Enterprise durchs All fliegen will, könnte per Datenbrille das Filmspektakel eines Tages viel noch viel intensiver erleben. Und wer Horrorfilme nicht mag, bekommt im Kino ganz sicher noch viel mehr Gänsehaut als bisher.
Der Spielehersteller
Noch verblüffendere Illusionen als bisher versprechen auch die Macher von Computerspielen. “Man lebt in der Welt, statt auf einen zweidimensionalen Bildschirm zu schauen”, schwärmt Avni Yerli, Mitgründer des Spielespezialisten Crytek. Die Frankfurter waren bislang schon für extrem realitätsnahe Grafiken in Spielen wie Crysis bekannt und wollen das Spielerlebnis mittels Virtual Reality noch steigern.
Was dabei alles möglich ist, zeigt eine Crytek-Demo: Auf dem futuristischen Planeten klettert der Spieler eine steile Felswand hinauf, orange leuchtende Schmetterlinge flattern umher, plötzlich stürzt von oben krachend ein Gesteinsbrocken herab und ein gigantischer Schatten erscheint: ein gigantischer Flugsaurier segelt ins Tal.
G5 von LG
Statt einer Kunststoff- oder Leder-Rückseite wie beim Vorgänger setzt LG beim G5 auf Metall. Das schmale Gehäuse ist vollständig aus Aluminium, der Bildschirm an den Seiten leicht gekrümmt. Wie das Modell V10 hat LG das 5,3 Zoll große G5 ebenfalls mit einer Always-On-Funktion ausgestattet. Dabei leuchtet das Display des Smartphones permanent, sodass der Nutzer jederzeit Uhrzeit und neue Nachrichten sehen kann. Die Hersteller versprechen, dass darunter die Akkuleistung nicht leidet. Mit dem Zusatz „LG 360 Cam“ wird es zu einer Kamera für Panorama-Ansichten. Für bessere klassische Fotos gibt es das einschiebbare Kamera-Modul „Cam Plus“. Und das mit Bang & Olufsen entwickelte „LG Hi-fi Plus“ soll das Smartphone zu einer Audio-Anlage machen. Die Batterie kann man austauschen. Mit einem zusätzlichen „Smart Controller“ können Nutzer Drohnenflüge steuern und dabei Bilder auf dem Display des eingesteckten Smartphones verfolgen.
Einzelpreise für die Zusatzelemente sind offiziell nicht bekannt. Der Preis für das Smartphone allein dürfte nach ersten Schätzungen mehr als 650 Euro betragen.
Foto: APSamsung Galaxy S7
Samsung will mit zwei aufpolierten Modellen seiner Flaggschiff-Reihe Galaxy S die Initiative im hart umkämpften Smartphone-Markt ergreifen. Das Samsung S7 Edge ist nun mit 5,5 Zoll etwas größer geworden. Die Diagonale des S7 misst 5,1 Zoll. Verbaut sind jeweils 4-Gigabyte-Arbeitsspeicher und Akkus mit 3000 beziehungsweise 3600 mAh (S7 Edge). Die verbauten Prozessoren sollen zu den schnellsten am Markt gehören. Samsung verspricht 30 Prozent mehr Leistung als beim Vorgänger. Beide Modelle verfügen über ein AMOLED-Display, das Inhalte in HD-Qualität darstellt. Die Geräte sind Wasserdicht und staubresistent. Im Sperrbildschirm werden nun Urzeit und Datum angezeigt. Laut Hersteller soll das die Batterieleistung nicht beeinträchtigen. Die Kamera fällt noch lichtempfindlicher als bei den Vorgängermodellen aus und soll auch bei Dunkelheit scharfe Bilder machen.
Am 11. März sollen die neuen Smartphone-Modelle auf den Markt kommen. Die 32-Gigabyte-Version den Samsung Galaxy S7 soll in Deutschland 699 Euro kosten, die Premium-Variante, das S7 Edge, 799 Euro.
Foto: APDial von will.i.am
Der Musiker Will.i.am hat in der Deutschen Telekom einen Mobilfunk-Partner für seine neue sprachgesteuerte Computer-Uhr "Dial" gefunden. Die Telekom werde das Gerät in ihren Märkten exklusiv vermarkten, hieß es auf dem Mobile World Congress. Will.i.am verspricht ein „Smartphone am Handgelenk“, das sich direkt ins Mobilfunk-Netz einwählt und deshalb im Gegensatz zu den meisten heutigen Computer-Uhren nicht auf die Verbindung zu einem Smartphone angewiesen ist. Die Uhr hat Bewegungssensoren, mit denen sie zum Beispiel laut Hersteller erkennen kann, ob man läuft oder Auto fährt und sich daran anpasst. Mit der 2-Megapixel-Kamera kann man auch Selfies aufnehmen. Es solle auch eine Art App-Plattform für zusätzliche Funktionen geben, die „Skills“ heißen.
Bei vielen weiteren Details wie dem Preis oder dem Starttermin blieben die Partner vage.
360 VR von LG
LG macht den VR-Trend mit und bringt passend zum MWC seine VR-Brille 360 VR auf den Markt, die als Zubehör für das neue Smartphone-Flaggschiff G5 gedacht ist. Die Brille ist ausgestattet mit zwei 13 Megapixel-Weitwinkellinsen und drei Surroundsound-Mikros. Mit einem Kabel wird sie an das Smartphone angeschlossen.
Der Preis ist noch nicht bekannt.
Foto: dpaBrille für Drohnenflüge von Epson
Die Augmented-Reality-Brille Moverio BT-300 soll sich vor allem für Drohnenflüge eignen. Laut Hersteller wird die Brille mit Drohnenfernsteuerungen gekoppelt, sodass der Träger auf den Gläsern das Kamerabild sehen kann. Wegen halbdurchlässiger Spiegel ist es möglich, das Bild für den Träger sichtbar zu machen. Als Projektor dienen erstmals OLED-Displays auf Siliziumbasis. Die Vorteile: höhere Helligkeit, Kontrast und mehr Farben. Ein klarer Nachteil: Wie das Vorgängermodell ist auch die Moverio BT-300 mit einem Kabel mit der Steuerbox verbunden, in der sich Hardware und ein Akku – der laut Hersteller sechs Stunden hält – befinden.
Im Oktober kommt die Brille in den Handel. Sie soll etwa 800 Euro kosten.
Foto: WirtschaftsWocheKabelloser Datenfluss bei Skoda
Den Informationsfluss vom Smartphone zum Entertainmentsystem im Auto gibt es schon seit Längerem – allerdings via Kabel. Skoda hat nun in Barcelona seine Technologie Wireless Mirror Link präsentiert, bei der Daten wie Musik und Wetterinfos per WLAN übertragen werden.
Foto: CLARK/obsUbuntu-Tablet
Das bq Aquaris M10 Ubuntu Edition ist das erste Tablet, das mit vorinstalliertem Ubuntu ausgeliefert wird. Auf dem 10-Zoll-Tablet läuft die Linux-Distribution – ein Komplettpaket von aufeinander abgestimmter Linux-Software. Das Besondere: Sobald der Nutzer Tastatur oder Maus anschließt, arbeitet das System wie das bekannte Desktop-System. Mit einem Micro-HDMI-Port ist es möglich, einen weiteren Bildschirm an das Gerät anzuschließen. Das Tablet ist mit einer 12-Megapixel-Kamera und einer Full-HD-Webcam ausgestattet. Der Arbeitsspeicher fällt mit zwei Gigabyte eher gering aus, der Massenspeicher fasst 16 Gigabyte.
Das Tablet soll im Frühling erscheinen. Der Preis steht noch nicht fest.
Foto: WirtschaftsWocheGear 360 von Samsung
Für private VR-Aufnahmen kündigte Samsung während des Mobile World Congress in Barcelona die Gear 360 an. Das kugelrunde Gerät in Form eines Golfballs soll speziell den Verbrauchermarkt adressieren. Die Kamera mit zwei Linsen filmt wahlweise ihre Umgebung im 360- oder 180-Grad-Winkel. Beim Speichern werden die Aufnahmen automatisch per Wifi auf das Smartphone übertragen, aber auch ein USB-Anschluss ist verfügbar. Ist die Kamera mit dem Smartphone verbunden, lässt sie sich auch über das Display des Telefons steuern. Die passende VR-Brille dazu hatte Samsung im vergangenen Jahr vorgestellt. Ein Preis für die Gear 360 ist bis jetzt noch nicht bekannt.
Foto: dpaHuawei präsentiert Matebook
Das erste Convertible von Huawei hat einen Doppelkern-Prozessor von Intel und soll laut Hersteller mit einer Ansteck-Tastatur ein Notebook ersetzen können. Das Matebook mit Windows 10 ist auf Unternehmenskunden ausgerichtet. So sind in dem dafür entwickelten Stift ein Laser-Pointer und Knöpfe zur Bedienung von Präsentations-Software integriert. Nach einer Stunde Ladezeit soll der Stift einen Monat einsetzbar sein. Als weitere Innovationen gibt es ein Zusatzmodul mit Anschlüssen, die PC-Nutzer bei einem Tablet vermissen könnten. In dem Rahmen hat Huawei einen Fingerabdruck-Scanner eingebaut, über den Nutzer das Convertible entsperren können.
Wann das Matebook auf den Markt kommt, ist noch unklar. Die günstigste Variante soll 799 Euro kosten.
Auf Xperia Z folgt Xperia X
Die neue Smartphone-Serie von Sony besteht aus drei Modellen: aus dem Xperia X, dem Xperia XA und dem Xperia X Performance. Alle Smartphones messen fünf Zoll, sie unterscheiden sich allerdings in ihrer Ausstattung. Das Xperia X (Foto) ähnelt stark dem Xperia Z, das erst vor einem halben Jahr auf dem Markt gekommen ist. Beide Geräte haben mit 1920 x 1080 Pixel die gleiche Auflösung, einen am Rand integrierten Fingerabdrucksensor und eine 23-Mega-Pixel-Kamera, wobei die Kamera des neuen Modells laut Hersteller deutlich besser sein soll. Der Prozessor Qualcomm Snapdragon 650 ist eher der Mittelklasse zuzuordnen. Das Xperia X soll Ende Mai für 600 Euro auf den deutschen Markt kommen und zwar in Schwarz, Weiß, Rosé-Gold und Lime Gold.
Auch das Xperia XA soll in den gleichen Farben wie das Xperia X in Deutschland erhältlich sein – allerdings für nur 299 Euro. Das Smartphone ist ausgestattet mit einer 13-Megapixel-Kamera auf der Rückseite und einer Weitwinkel-Kamera mit acht Megapixeln und einem 88-Grad-Weitwinkel. Im Gegensatz zum Xperia X fehlen unter anderem der Fingerabdruck-Sensor und der Vorhersage-Fokus. Das Modell mit der höchsten Ausstattung, das Xperia X Performance, kommt nicht auf den deutschen Markt.
Foto: WirtschaftsWocheTone Platinum Bluetooth-Kopfhörer von LG
Die Bluetooth-Kopfhörer sind mit einem Stimmen-Feature ausgestattet, sodass die Verbraucher per Sprachbefehl Anrufe entgegen nehmen können. Wenn der Nutzer ein Android-Smartphone besitzt, kann er mit Hilfe einer App über die Kopfhörer Sprachnotizen aufzeichnen und sich von Freunden und Bekannten orten lassen. Schallwandler – die es laut LG nur in kabelgebundenen Kopfhörern gibt – minimieren Verzerrungen bei der Wiedergabe von Liedern.
Im März kommt der Kopfhörer in den USA auf den Markt. Anschließend in Europa. Einen Preis hat das Unternehmen bisher noch nicht bekannt gegeben.
Foto: WirtschaftsWocheHTC Vive
Eine Vor-Version hatte HTC der Öffentlichkeit bereits 2015 präsentiert, in Barcelona stellte der Gerätehersteller nun das gesamte Set rund um die VR-Brille vor, das HTC gemeinsam mit dem Spiele-Hersteller Valve entwickelt hat. Neben der Headset-Brille gehören zwei Lasertracker, zwei Handcontroller und Ohrhörer zur Ausstattung sowie die Vollversionen der beiden VR-Spiele Job Simulator: The 2050 Archives und Fantastic Contraption. Im Gegensatz zum Konkurrenz-Gerät Oculus-Rift können die User mit dem Laser-Trackern einen bis zu 25 Quadratmeter großen Trackingbereich aufspannen, in dem sie sich bewegen können. Mit den Handschuhen können sie nach virtuellen Objekten greifen. Lästig ist allerdings, dass die VR-Brille nur mit einem USB-Kabel funktioniert – und den Nutzer so in seiner Bewegung einschränkt.
Vorbestellungen nimmt HTC ab dem 29. Februar entgegen. Für 799 Dollar soll die Anfang April auf den Markt kommen – der europäische Preis wurde noch nicht bekannt gegeben.
Foto: WirtschaftsWocheSmartes Armband Halo Bracelet
Schön und funktional zugleich: Das dänische Designstudio Jacob Jensen hat ein Armband entwickelt, über den Frauen mit drei schnellen Berührungen einen Notruf absetzen können. Der Schmuck nutzt dafür das Smartphone, mit dem er per Bluetooth verbunden ist. Mit anderen Gesten lassen sich Anrufe ablehnen.
Foto: Handelsblatt,
So beeindruckend die Demonstration ist, zeigt sie auch die Herausforderungen vor denen die Spieleentwickler stehen. Die Übertragung bisheriger Spiele in die neue Welt ist komplex. Zum Oculus-Start gibt es daher auch erst einmal nur 30 Spiele. Die Branche experimentiert noch, wie man in der virtuellen Realität Geschichten optimal erzählt und umsetzt.
So hat Crytek aus der Idee einer Saurierinsel kurzerhand zwei Spiele gemacht: Zunächst erscheint jetzt Ende des Monats das Kletterspiel “The Climb”. Die Spieler können dabei in den Alpen, der vietnamesischen Halongbucht und einem dritten Ort klettern, der noch nicht verraten wird. Die Reise auf die Saurierinsel soll dann im Herbst zum Start von Sonys Playstation VR erscheinen. Bis dahin will Crytek auch die nicht ganz leichte Frage gelöst haben, wie sich der Spieler durch die Kunstwelten bewegt. “In der Virtual Reality zu Laufen ist noch eine Herausforderung”, räumt Yerli ein.
Zudem können die üblichen Spielecontroller das Erlebnis der Immersion zu Nichte machen.
Denn die künstlichen Welten sind schon täuschend echt, doch die gelegentlich unperfekten Steuerungsmöglichkeiten des zweiten Ichs können einen schnell in die Realität zurückholen. Das Problem zeigt sich beispielsweise bei Kitchen, einer Horrorvision für Sonys Playstation VR: Die Spieler sitzen dabei gefesselt auf einem Stuhl und werden von einem Zombie mit einem Messer attackiert. Instinktiv tritt manch eine Testperson den Angreifer, doch das bringt nichts - die Spieleentwickler haben diese Reaktion nicht vorgesehen.
Trotzdem glaubt Yerli fest daran, dass sich Virtual Reality im Spielebereich durchsetzt: “Das wird schneller gehen, als man denkt.” Im Gegensatz zu 3D, dem letzten Brillenhype, mit dem es schnell wieder vorbei war, seien viel mehr Inhalte in der Entwicklung. Und auch das Erlebnis ist noch einmal anders: “Jeder der es testet ist begeistert”, sagt Yerli, “das ist mit Nichts zu vergleichen.”
Das Simulator-Start-up
Laufen, klettern oder gar fliegen - in der virtuellen Realität ist all das möglich. Oft bewegt sich der Spieler dabei bislang per Knopfdruck auf herkömmlichen Spielecontrollern. Doch es gibt verschiedene Ansätze, reale Bewegungen und virtuelle Erfahrungen in Einklang zu bringen. Einer der am weitesten reichenden Versuche stammt vom Unternehmen Icaros. Die Münchner haben eine Flugsimulation entwickelt, der Spieler fühlt sich, als ob er an einem Flugdrachen hängt und gleitet über schneebedeckte Berge. In einem anderen Modus kann er dabei auf Drohnen schießen oder einen Rennparcours durchfliegen.
Neben der Softwaresimulation per Cyberbrille nutzt Icaros dazu ein selbst entwickeltes Gerät, das aussieht wie ein Fitnesstrainer. Die Spieler legen sich auf das mit Bewegungssensoren verbundene, in alle Richtungen bewegliche Metallgestell und müssen mit dem ganzen Körper die Flugbewegungen ausbalancieren. Das fordert Gleichgewichtssinn und Muskelkraft gleichermaßen, der Icaros ist damit eine Mischung aus Spielecontroller und Fitnessgerät. “Die physische Komponente erzeugt aber auch besonders starke Eindrücke im Gehirn”, sagt Icaros-Geschäftsführer Michael Schmidt. “Das gesamte Erlebnis ist damit viel kompletter.” Und der Flug durch die künstliche Welt hinterlässt sogar einen realen Muskelkater.
Genau darum geht es den Machern auch. Wer nach einem Tag auf dem Bürostuhl zur Abwechslung in virtuelle Welten flüchte, solle das nicht auch wieder in ungesunder Sitzhaltung tun. Die Ursprungsidee war nicht, den perfekten Controller für virtuelle Welten, sondern ein neuartiges Fitnessgerät zu bauen. Zielgruppe des bis zu 10 000 Euro teuren Geräts sind daher auch Fitnessstudios. Das erste Exemplar wird am Dienstag in der Hamburger Kaifu Lodge eingeweiht, insgesamt hat das Start-up zehn Systeme ausgeliefert.
Die Filmemacher
Sie gelten als eine der steilsten und faszinierendsten Ski-Abfahrten in den Alpen: Die Schindler-Rinnen bei St. Anton am Arlberg. Dort traut sich besser nur hinein, wer seine Bretter wirklich im Griff hat. Die steile, enge Passage selbst zu erleben, dass blieb für Durchschnittsskiläufer bisher ein Traum.
Seit Mitte Februar ist das anders. Da hat Christoph Zarfl, mit seinem Unternehmen Motionmanager Filmproduzent und zugleich passionierter Freeride-Skifahrer, seine Tiefschee-Turns durch die Rinnen als Youtube-Video ins Netz gestellt. Und zwar als 360-Grad-Aufnahme.
Wer will, kann die Abfahrt nun mithilfe einer VR-Brille oder per Smartphone miterleben. Beide Geräte passen den Bildausschnitt in Echtzeit an die Bewegung des Betrachters an. Der Eindruck ist so verblüffend realitätsecht, dass man beim Ansehen fast glaubt, den aufstiebenden Schnees auf dem Gesicht zu spüren.
“Wir planen, in Zukunft sehr viel mehr mit Rundum-Aufnahmen zu arbeiten”, sagt der auf Sportfilme spezialisierte Video-Profi Zarfl. Allerdings erfordere die neue Technik eine ganz andere Kameraführung als klassische Filme mit vom Kameramann vorgewähltem Bildausschnitt.
Und auch die Zuschauer müssen sich die neue Freiheit der Blickrichtung erst einmal erschließen. Zarfl glaubt daher, dass die 360-Grad-Drehs künftig vorwiegend dann zum Einsatz kommen, wenn es darum geht, “den Zuschauer mitten ins Geschehen einzubinden - also etwa bei sehr action-lastigen Aktivitäten“.
In der kommenden Wintersaison will Zarfl auch Rundum-Filme aber auch für weniger ambitionierte Skifans produzieren. Denen will er 360-Grad-Kameras ausleihen, damit sie ihre Abfahrten selbst aufzeichnen können - und für das Nach-Erleben per VR-Brille.
Das Shopping-Start-up
Wer das Einkaufserlebnis der Zukunft erleben will, muss Dirk Christoph treffen. Er ist Geschäftsführer von Innoactive Digital Realities und hat die die ersten virtuellen Einkaufserlebnisse in Deutschland geschaffen. In den Saturn-Filialen am Berliner Alexanderplatz und in Ingolstadt können die Kunden damit ihre Küchen planen, weitere Filialen sollen bald hinzukommen.
“Doch das ist erst der Anfang”, sagt Christoph, “künftig werden wir ganz anders einkaufen.” Er zieht sich die Brille, eine HTC Vive, über den Kopf, auf dem Bildschirm hinter ihm sieht man, wie er auf einmal in Apartment steht. Die Fenster reichen bis zum Fußboden und ermöglichen so einen spektakulären Blick über die Straßenschluchten New Yorks.
Die Wohnung selbst ist beinahe leer, doch wie von Geisterhand materialisiert sich eine schwarze Couch in der Mitte des Zimmers. Darüber schweben einige andere kleine Möbelstück, Christoph drückt den Knopf des schwarzen Controllers in seiner Hand und aus der schwarzen Couch wird ein braunes Ledersofa. Schnell fügt er Tisch und Stühle hinzu und beamt sich dann ins Schlafzimmer, um ein Bett auszuwählen.
Darüber erscheint ein schwebendes Bildschirmfenster mit dem bekannten Warenkorbsymbol. Hinzufügen, Lieferaddresse und Zahlungsmethode auswählen und schon wäre die Wohnungseinrichtung unterwegs. Noch ist es eine Demonstration, doch die Deutsche Telekom und ein großes internationaler Zahlungsdienstleister werben damit bereits bei ihren Kunden.
Bislang lassen sich die Möbel freilich nur in vorprogrammierten Beispielwohnungen platzieren. Doch die Übertragung in reale, individuelle Räume ist nicht weit. “In einigen Jahren hat jeder einen 3D-Scanner in seinem Handy”, sagt Christoph. Damit lasse sich in wenigen Minuten eine VR-Version der eigenen Wohnung erstellen. Die immer weiter verbreiteten 360-Grad-Kameras reichen dafür noch nicht, da die Tiefeninformation fehlt, um sich tatsächlich in den Räumen zu bewegen. “Virtual Reality Shopping ist die Zukunft”, sagt Christoph.
Die Architekten
Wie die neue Technologie die Kommunikation auch im Arbeitsalltag verändern kann, zeigt das Start-up AllVR. Die Berliner haben eine Software entwickelt, die herkömmliche am Computer erstellte 3D-Modelle von Architekten begehbar macht. Kunden können durch die Gebäude laufen oder auch darüber hinwegfliegen, um ohne Dach den Grundriss zu sehen. Künftig sollen sie auch über die Cloud verfügbar sein.
Während jeder in seinem Büro sitzt, können sie die Gebäude gemeinsam im virtuellen Raum besichtigen. “Kunden und Architekten können sich dann gemeinsam in den Objekten treffen”, sagt AllVR-Chef Boris Goldshteyn. Telefonkonferenzen werden künftig durch Meetings im virtuellen Raum abgelöst.